Schlagwort-Archiv: Editor’s Letter

Editor’s Letter // Wir sind zurück
aus dem Urlaub!

09.08.2017 um 16.50 – Editor's Letter Leben Wir

Ihr Lieben,

seit heute sind wir zurück aus dem Urlaub. Aber glaubt nicht, dass unsere Hirne sich deshalb vor lauter Entspannung überschlagen, oder gar die Produktivität! Beim Anblick des nach einer Woche Abstinenz zu durchkämmenden Mail-Haufens blieb uns gar die Spucke weg. Zum allerersten Mal in unserer persönlichen Geschichte des Kita-Ferien bedingten Müßiggangs floskelten wir soeben sogar um die Wette: Und jetzt Urlaub vom Urlaub, bitte! Denn, wer hätte das gedacht, eine Auszeit mit zwei Kleinkindern erweicht das Herz zwar doppelt, ist dafür aber auch nur halb so erholsam, so viel Ehrlichkeit muss sein. Und trotzdem: Wir würden es immer wieder tun, vor allem auf Sardinien, diesem Goldstück von italienischer Insel. Santa Lucia! Amore, amore. Ich hätte mir beinahe vorstellen können, nie wieder heimzukehren. Es gab bloß ein Problem; Zuhause ist und bleibt es (vorerst) am schönsten. Und das liegt (auch) an euch. Internet-Detox ist dennoch wichtig. Genau wie das Überbordwerfen ambitionierter Work-Vacation-Balance-Pläne. weiterlesen

Editor’s Letter im Juli //
Du kannst nur sein, wer du bist.

17.07.2017 um 18.42 – Wir

Liebe Leser*innen,

diesmal will ich unseren Brief an euch mit einer iranischen Geschichte beginnen, die mir ein alter Freund erzählte, während wir im Regen in seinem Garten saßen und darüber philosophierten, wer wir überhaupt sein, welchen Ansprüchen wir genügen und wie wir leben wollen. Sie handelt von einem Bauern, der jeden Abend nach getaner Arbeit einen weiten Weg vor sich hat, und mit ihm auch der Sohn und ein Esel. Und so liefen die Drei eines Tages müde nebeneinander her, bis sie auf einen Passanten trafen, der da sagte: „Was seid ihr für Deppen, ihr habt doch einen Esel, wieso setzt sich nicht einer von euch auf das Tier?“ Der Vater bekam ein schlechtes Gewissen. Wieso hatte er nicht viel früher daran gedacht, seinen erschöpften Sohn tragen zu lassen? Am folgenden Tag ritt also der Sohn auf dem Esel, der Bauer ging nebenher und war müde, aber zufrieden. Bis sie erneut einen Passanten trafen, der da sagte: So eine Unverschämtheit, da muss der Alte laufen, während sich der Junge auf einem Esel ausruht! Jetzt bekam der Sohn ein schlechtes Gewissen. Und so überließ er seinem Vater am nächsten Tag den Platz auf dem Esel. Bis ein weiterer Passant vorbei kam und sagte: „Was kann das für ein Vater sein, der seinen Sohn durch diese Hitze laufen lässt!“ Am letzten Tag der Woche beschlossen Vater und Sohn gemeinsam auf dem Esel nach Hause zu reiten. Bis ein Passant kam und sagte: „Der arme Esel! Wie könnt ihr nur?!“ Vater und Sohn hatten nun die Nase voll von all den anderen, die nur einen Teil der Geschichte kannten und dennoch nicht müde wurden, zu urteilen. Sie hörten zum ersten Mal seit Langem auf sich selbst und beschlossen, jeden Abend aufs Neue zu entscheiden, wer vom Esel nach Hause getragen werden durfte. Und hatte der Esel den schwersten Tag von allen hinter sich gehabt, liefen sie alle beide auf eigenen Beinen nebenher. So war es richtig. Aber das Wichtigste war, dass ihnen fortan ganz egal wurde, was die anderen sagten. Aber warum erzähle ich euch das überhaupt? Weil ich glaube, dass es Sarah und mir manchmal sehr ähnlich ergeht. Und euch vielleicht auch.  weiterlesen

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Editor’s Letter aus der Sonne //
Warum Kommentare mein Kryptonit sind.

08.06.2017 um 14.31 – Editor's Letter Kolumne Wir

Liebe Leser*innen,

manchmal fragen wir uns, wie viel Nähe zu euch gesund ist, welche Gedanken geteilt gehören und wo Privatsphäre unbedingt vonnöten ist. Seit sieben Jahren schon lassen wir euch an Vielem teilhaben, das zu unserem Leben gehört, in Worten und Bildern und nicht immer ist der Drahtseilakt zwischen Nahbarkeit und Seelenstriptease ein leichtes Spiel, es wird sogar stetig komplizierter. Anders würden wir es vermutlich gar nicht wollen, denn wo Herz drin steckt, übermannen Gefühle mitunter jede Professionalität. Man müsste nämlich eigentlich meinen, uns seit mittlerweile eine mächtige Elefantenhaut gewachsen. Weil wir aber ganz normale Menschen sind, funktioniert das Aneignen von Mutanten-Kräften nur sehr bedingt und wenn man so will, sind einige Kommentare für uns sowas wie grünes Kryptonit für Superman, mit dem einzigen Unterschied, dass wir keine Heldinnen sind und damit so gut wie ausgeliefert. Dieser Tage bleiben uns also nur ein paar wenige Möglichkeiten: Wir könnten zum Beispiel auf Durchzug schalten, oder Jane Wayne abschalten oder einfach sämtliche Gedankengänge freischalten. Zunächst war ersteres geplant, aber dann kam die Sonne. Und ein guter Freund, der schon zu Schulzeiten mein persönlicher Wolverine war. Er besitzt offenbar die Kraft, mich zu regenerieren und braucht dafür für gewöhnlich nicht mehr als strenge Worte. weiterlesen

Editor’s Letter // Hello, march.

03.03.2016 um 14.30 – box2 Wir

Die vergangenen acht Wochen fühlten sich an wie ein wackeliger Kamelritt durch unwegsames Gelände. Zwar wussten wir, dass wir irgendwann am Ziel ankommen würden, bloß nicht wie. Und wo genau wollten wir überhaupt hin? Es ist nicht immer ein Ort, nach dem man sucht, sondern vielmehr ein geistiger Zustand, so etwas wie innerer Frieden vielleicht. Das Finden desgleichen kann zuweilen mühsam sein, denn es gibt ja noch dieses Außen, das stets mit will. Der eigene Körper, die Welt. Wenn alles Kopf steht, macht manch einer Meditation und anderen einfach weiter. Während Sarah nach einem schmerzhaften Verlust also langsam wieder laufen lernt, übe ich mich im Liegen bleiben. Veränderungen bedeuten Arbeit und erfordern Mut, sie sind aber vor allem eins: Eine riesengroße Chance.

2016 hat uns bisher schon mehr gelehrt als all die 365 Tage zuvor. Loslassen zum Beispiel, ab und zu sogar den Schreibtisch, und Vertrauen haben. In andere, in sich selbst und das Leben. Dazu gehört auch, genau das zu tun, was man selbst für goldrichtig hält. In der Freizeit, am Wochenende, im Alltag. weiterlesen

Editor’s Letter //
Über Bananenzeiten.

16.09.2015 um 12.23 – box1 Wir

editors letterAm vergangenen Mittwoch durfte ich während der VOGUE Fashion’s Night Out ganz unverhofft ein paar unserer Leserinnen persönlich treffen, ohne Bildschirm dazwischen, das war pures Glück. Allesamt schlau und schön und wahnsinnig herzensgut, ich konnte kaum reden und wenn, dann viel zu viel, es ist nämlich ein bisschen verrückt, wenn aus virtuellen Klicks plötzlich echte Menschen werden. Eine von ihnen, Julia (hallohallo!), klopfte mir kurz auf die Schulter und gab mir ein ernst gemeintes verbales High Five für das, was wir hier seit fünf Jahren nieder tippen. Das war lieb, aber komisch, denn: Vor ein paar Tagen, da warf man uns hier vor, diese Seite würde, wie so viele andere, allmählich zur unreflektierten Konsumhölle verkommen. Was soll ich sagen – wenn man nicht ganz genau hinschaut, dann ist an dieser Kritik sogar was Wahres dran. Komplimente anzunehmen fällt da schwer, denn es gibt nur eine Instanz, dessen Schlagkraft noch etwas heftiger wirkt, als fremde Meinungen: der eigene Anspruch.

Ab und zu bleibt einem dennoch nichts anderes übrig, als Dinge, die sich nicht ändern lassen, zu akzeptieren – vor allem, wenn es das Leben ist, was dazwischen funkt. Und wenn Durststrecken der Neusortierung dienen. weiterlesen