Schlagwort-Archiv: Fashion Tales

Fashion Tales // I go Bananas, oder:
In Freude investieren

15.07.2016 um 9.51 – Mode Outfit Wir

bags taschen farfetch this is jane wayne bananen tasche bananaEs war ein Morgen zum in der Pfeife rauchen, ein Montagmorgen, ihr kennt das. Einer, an dem man sich den dicken Zeh schon an der Badezimmertür staucht, kurz bevor man schmerzverzehrten Gesichtes nah dran ist, den Toilettendeckel nicht rechtzeitig hochzuklappen. Die Mundwinkel hängen dann, genau wie die Winkeärmchen, die einem doppelt aufs Gemüt schlagen, obwohl Haut am Arm ja nunmal sein muss. Ich stehe also irgendwann da, vor meinem Taschenregal, und habe die Qual der Wahl: Trauerschwarz, dem Anlass entsprechend oder eben das genaue Gegenteil, eine Banane, von deren lustigen Biegung sich meine Unterlippe gleich was abschauen könnte. Selbstverständlich greife ich am Bananentag zu ebendieser, der formvollendeten neuen Wildleder-Königin meiner bunten Sammlung. Danke, Farfetch, du Fundgrube der gehobenen Andersartigkeit. Eine weise Entscheidung jedenfalls, wie sich später heraus stellen wird. Dabei fängt es eher affig an.

Vor dem Späti meines Vetrauens hat sich bereits die coolste Gang der Mittelstufe versammelt, um sich ein gediegenes YumYum-Nudel-Frühstück einzufahren, was normalerweise Konfrontation bedeutet. Statt MILF zu rufen, fängt eine Herde wildgewordener Hormonschleudern plötzlich an, den Urwald zu mimen. Uh-uh-ah-ah-ah-ah, einer kratzt sich dabei unter beiden Achselhöhlen. Obwohl ich fest vorhabe, meinem persönlichen Bildungsauftrag gerecht zu werden, möchte ich mit den Augen rollen, was ich am Ende aber nicht tue. „Guten Morgen, ihr süßen Äffchen“ flöte ich, während ich zum ersten Mal seit ich mir das Gesicht vorhin mit Mandarinencreme einschmierte, lächeln muss. weiterlesen

Fashion Tales //
Zeig mir deine Schuhe und ich sag dir, wer du bist.

25.02.2016 um 13.38 – Leben Mode

lieblingsschuhe

Ich habe mir stets große Mühe gegeben, nicht wie ein komplettes Modeopfer zu wirken. Oder wie eine Tussi. Oder wie jemand, dessen Gehirn ausschaut, als hätte man es mit einem Vakuumierer auf Rosinengröße zusammen geschrumpft. Ich ging außerdem jahrelang davon aus, die oben genannten Attribute seien untrennbar mit dem Geschmack einer Frau verknüpft, getreu dem Motto „Zeig mir deine Schuhe und ich sag‘ dir, wer du bist.“ Pinke Pumps – ciao, weiße Stiefel – klarer Fall, Blingbling – Prost, Mahlzeit. Ihr könnt euch sicher vorstellen, was passierte, als ich beim Aufräumen und Aussortieren meines modischen Hab und Guts jüngst einen Strauß aus Lieblingsschuhen auf dem Boden platzierte. Die totale Identitätskrise. Ich fragte mich, ob das da unten tatsächlich mein voller Ernst sein könne und ob ich sie überhaupt noch alle beisammen hätte. Wer würde beim Anblick dieses Fußschmuck-Potpourris schon vermuten, dass deren Besitzerin sich bei einem Konzert von Rage against the machine einst die Nase brach und trotz Blutspur bis zum Bauchnabel noch weitere zwei Stunden auf den Beinen stand. Heute stehe ich in Ballerinas, die Ohren haben. Goldene Ohren. Und eine Stupsnase.

Vielleicht ist es ganz einfach: Ein Schuh dient nicht als Spiegel unseres Charakters, sondern als Seismograph unserer Träume. Er zeigt, wie wir gern wären. Oder besser: Welcher verborgene Teil unserer ohnehin gespaltenen Persönlichkeit nach ein bisschen mehr Aufmerksam verlangt. Es folgt also: Eine kleine Analyse der Sehnsüchte in vier Schritten. weiterlesen

Fashion Tales //
#breastpeace vs. #breastinpeace

28.01.2016 um 11.52 – Mode Wir

breast peaceIch war gerade in Begriff, genüsslich eine 20% Extra-Packung Pomm Bären zu verschlingen und nicht zu duschen, als mein Telefon unerwartet und vibrierend von jenem Sofatisch hopste, auf dem nicht nur meine Füße, sondern auch Josef Kirschners Lebensratgeber „Die Kunst ein Egoist zu sein“ herum lagen. Es geht darin unter anderem um das Erlernen und praktische Anwenden des Wortes „Nein“; das beigefügte Lesezeichen klebt seit Wochen auf Seite sieben fest. Jedenfalls hatten meine Freunde in einem Anfall von gut gemeinter Eskapaden-Gier offensichtlich längst andere Pläne für mich geschmiedet, daran wurde ich jetzt per SMS mit einem aussagekräftigen Zwei-Wort-Satz erinnert: HEUTE STEIL. Ich antwortete „JA“ und konnte Kirschner weinen hören.

Dabei blieb mir gar nichts anderes übrig. An Abenden wie diesen verschenkt man entweder kostbare Lebenszeit an Netflix, fordert das langsam ansetzende Fett auf der Kopfhaut mit einer weiteren Ladung Trocken-Shampoo heraus und erstickt an Erinnerungen daran, wie man einst tänzelnden Schrittes den Lebensdurst jagte – oder aber man holt tief Luft und schlägt der von Faulheit umgarnten Wehmut ein Schnäppchen, indem man sich selbst in einen heißen Fummel und sämtliche Hemmungen in irgendeine Fuck-Off-Ecke schmeißt. In jener eiskalten Nacht entschied ich mich für letzteres. Und für ein Outfit, das unbeabsichtigter Weise einer Art natürlichem Verhütungsmittel glich. weiterlesen

Fashion Tales // Das Fashion Week Debakel

18.01.2016 um 12.54 – Allgemein

fashion week outfit dilemma

Die Fashion Week löst in partizipierenden Frauen irrationale Ängste und Hoffnungen aus. Einerseits ist da die Furcht davor, in der mondänen bis Techno-Party-tauglich gekleideten Masse unterzugehen wie altes Stück Brot im Supermarktregal, auf der anderen Seite winkt die Hoffnung auf Beachtung. Das Dilemma, was sich daraus ergibt, also aus der übertriebenen Auseinandersetzung mit potenziellen Outfits, kann durchaus zur geistigen Umnachtung führen, ich nenne es die „Papageien-Krankheit“, die sich per Whats App Chat mit der besten Freundin relativ präzise mit der Aneinanderreihung von Scheißhaufen ausdrücken lässt. weiterlesen

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Fashion Tales // Stay Chicken

14.01.2016 um 23.02 – Mode

asos fake fur coatIch war fast ein bisschen stolz auf mich, als ich im vergangenen Jahr im Asos Showroom stehend von meinen Gefühlen übermannt wurde und Hühneraugen-große Tränen der Freude vergoss. Das Modemädchen in mir war selten zuvor so präsent gewesen, aber jetzt, im Angesicht der zotteligen Kreuzung aus Vogelstrauß, Königspudel und Chewbacca, jauchzte es vor Vergnügen und streckte seine Finger paralysiert wie E.T. gen Patchwork-Puschel aus und hätte dieser Moment der Innigkeit noch etwas angedauert, meine innere Juke Box hätte ein lautes  „Halleluja“ für uns gespielt. Ich muss dich mitnehmen, dachte ich noch kurz bevor mir eine Blondine mit zwei Meter fünfunddreißig hohen Hacken ihren Absatz durch den Zeh bohrte.

Von Primitivität durchtrieben, grabschte sie erst nach meinem Traum, blieb dann mit ihren in Dip Dye-Lack getauchten Fingernägeln am schwarzen Kunstpelzfleck hängen, rollte mit den Augen und ignorierte mich und meinen Schmerz, um dann wie behämmert und mit den Armen schlackernd zu ihrer noch blonderen Kollegin rüber zu rennen. Ich sah das rosa Maunzi nie wieder – bis der DHL-Mann schließlich drei Mal bei mir klingelte. Seither fühle ich mich wie ein Sozialexperiment auf zwei Beinen.  weiterlesen