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Film-Tipp: „I’m Still Here“ mit Joaquin Phoenix

13.01.2011 um 13.32 – Allgemein Film Kunst

Ich sitze auf einem alten Kinostuhl, den Kopf fest an die Lehne gedrückt. Kein Wort, kein Räuspern. Die Musik des Abspanns bespielt meine Gedanken. I’M STILL HERE steht in großen Buchstaben auf der Leinwand geschrieben. Gänsehaut. Ist das, was ich da gerade gesehen habe eine rein fiktive Tragödie, eine erdachte Geschichte von der Suche nach sich selbst, vom Scheitern? Spielt Joaquin Pheonix eine perfekte Rolle oder ist das, was wir in den letzten Minuten mit ihm erlebt haben eine wahre Geschichte, seine Geschichte, eine Dokumentation seines Zerfalls?

Rückblick. Joaquin Phoenix trägt kurzes dunkles Haar, seine Augen durchdringen den Betrachter. Der Schauspieler hat sich als Johnny Cash in meinem Kopf gebrannt, die Rolle in Walk the Line war einer seiner größten Erfolge. Joaquin ist ein schöner Mann, der geborene Hollywood Star. Plötzlich überschlagen sich die Nachrichten, die Klatschpresse gibt bekannt, Joaquin wolle nicht mehr schauspielern. Rapper wolle er jetzt werden, heißt es. Einer wie P. Diddy.

Mit den Monaten, die verstreichen, entfernt sich Joaquin nicht nur optisch immer mehr von seinem alten Ich. Sein Haar ist jetzt lang, ungebürstet, man meint es durch die Glasscheibe des Fernsehers riechen zu können. Die feinen Züge seines Mundes liegen versteckt unter dem starren Bart, er hat stark zugenommen. Ein Auftritt in der David Letterman Show folgt. Der ehemalige Schauspieler, der sich jetzt JP nennt, wirkt apathisch, verstört, desinteressiert. Letterman verabschiedet ihn mit den Worten „Joaquin, I’m sorry you couldn’t be here tonight.“ Die Presse bleibt teils fassungslos, teils amüsiert zurück. weiterlesen