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Die Sache mit der verlorenen Freiheit.

03.08.2011 um 14.44 – Allgemein Leben


Ich bin frei. Weil meine Finger nicht wundgescheuert sind von kalt-gerosteten Stahlgittern, die mich gefangen halten wie ein Tier. Ich bin frei, weil meine Gedanken niemand hören kann, weil ich jeden Morgen aufstehe, um in jeder folgenden Sekunde eine neue Entscheidung zu treffen. Der Mensch ist zu Freiheit verdammt. Dazu, sich für jeden Schritt rechtfertigen zu müssen, wenn auch nur vor sich selbst. Dazu, immer etwas tun zu müssen, egal was; wer nichts tut ist nichts wert. Sind wir frei? Und wollen wir überhaupt frei sein? Wir sind gefangen. Alle. Irgendwie und irgendwo.

Freiheit bedeutet, dass du nichts mehr zu verlieren hast. Wenn du frei bist, ist alles andere verpufft. In tausend unsichtbaren Fetzen fliegen kleine Teile all dessen durch die Luft, was du gestern noch Leben nanntest. Sie setzen sich auf deine Nasenspitze, kitzeln dich noch einmal ganz sanft, um dann für immer zu verschwinden. Wenn du frei bist, hast du nichts mehr. Wenn du frei bist, bist du so gut wie tot. Wie also kann ein Begriff wie dieser so vollgestopft mit Utopie-Gedanken sein? Schon Lincoln wusste, dass „die Welt noch nie eine gute Definition des Wortes Freiheit gefunden hat„. Ganz offensichtlich liegt das daran, dass es gar kein gutes Wort ist. Denn wie immer im Leben kommt keine Seite ohne Kehrseite aus. Nicht alles ist schwarz oder weiß, meistens liegt uns vielmehr eine grau-matschige Masse zu Füßen. Eine Masse, in der Gut und Böse verschwimmen, eine Masse, die alle Regeln verschluckt und zu Ratlosigkeit verdaut. Freiheit, was ist das? weiterlesen