Schlagwort-Archiv: Kolumne

Scalamaris Welt // Wie schaffe ich es, mit einem „Wir“ befreundet zu bleiben?

02.08.2017 um 21.04 – Kolumne Leben

Ein Team sein, das könnte mir so in den Kram passen. Ich kann mir nicht einmal etwas schöneres vorstellen, als ein bombenfestes Tag-Team gegen die Welt zu bilden. Und zwar als klassisches Duo, bitte. Die kleine Mini-Gang aus dem Bilderbuch, ein Chip & Chap 2.0, Susi & Strolch Reloaded, Bibi & Tina 2017 oder Pumba & Timon im Großstadtjungle. Jeder im Land wüsste bescheid, die gibt’s nur im Doppelpack: „Da kommen sie wieder, DIE BEIDEN“, eingeschworen bis zum Gehtnichtmehr, geheimnisgeschwängerte Zone, Insiderwitze, Insiderblicke, Insiderleben bis zum Tod. Verbündete bis aufs Blut – eine vieräugige Mauer, eine Gewaltenteilung mit zwanzig Fingern, Entindividualisierung und Uniformierung. Gesichtszüge, Mimik, Vorlieben, Abneigungen, Körperhaltung, Meinung, Frisur – alles, einfach alles wurde im Laufe der Zeit aneinander angeglichen und ist schleichend zu einem Klumpen WIR-Masse verschmolzen. Heilige Zweifaltigkeit bis zum Erbrechen. Die Außenwelt spielt da gar keine Rolle. Zwei Eier rödeln mit doppelter Wucht alles EINfache platt. „Aus dem Weg, wir sind Zwei“.

Die Außenwelt übt sich derweil in Effizienz: Statt zwei SMS-Nachrichten, reicht es an einen der Beiden zu tippen. Zwei Anreden werden zu einer. Schnell ist aus Brad und Angelina Brangelina und aus Klara und Uwe ein Kluwe geboren. „Die essen nicht gern Asiatisch, die lieben Griechenland, die kommen gerne mit“ – „aus 2 wird 1“ macht es also auch für die ringsum Beteiligten viel, viel einfacher. Weniger differenzieren, weniger merken, weniger wissen, weniger zuhören müssen. weiterlesen

Brain Blah // Keine Angst vor der Liebe!

27.07.2017 um 13.48 – Kolumne Leben

Liebe bedeutet Schmerz, sagt man. Jedenfalls oft und irgendwie ja auch mit großer Wahrscheinlichkeit. Deshalb trauen sich viele auch erst gar nicht, mit Haut und Haar zu lieben, so richtig doll, von irgendwo ganz tief innen drin. Anfangs vielleicht schon, na klar, auf ins Gefecht!, aber nach dem ersten richtigen Knall wird es schon komplizierter, man selbst vorsichtiger und ängstlicher und mitunter schwer zu knacken. Das Hirn vergisst ja noch schleppender als das Herz. Und schaltet dann gern mal in den Selbstschutz-Modus. Geholfen ist uns damit aber nicht wirklich. Ganz im Gegenteil, wir laufen sogar Gefahr, vor lauter Pessimismus das Beste vom Beziehungs-Fest zu verpassen. Das weiß ich allerdings erst, seit ich wieder Optimistin bin. weiterlesen

Brain Blah //
Weg mit den Waagen!

10.07.2017 um 15.22 – Kolumne Leben Wir

Meine gute Freundin A berichtete mir am Wochenende von einem Artikel, den sie neulich gelesen hätte. Das Thema: Die blöde Waage. Nicht das Sternzeichen war gemeint, nein, sondern dieser fiese Unruhestifter mit der digitalen Anzeige, der uns permanent vor Augen hält wieviel Knödel und Kuchen wir in letzter Zeit denn so vertilgt haben. Oder eben nicht. Beim längeren Sinnieren über die Sinnhaftigkeit dieser Marotten-Pflege legte ich irgendwann die Stirn in Runzeln. Und zwar nicht nur, weil Zahlen mir per se stets unsympathisch waren, sondern auch, weil ich feststellen musste, wie überflüssig das Betreten einer quadratischen Welt, in der das eigene Körpergefühl auf so etwas wie einen BMI reduziert wird, doch ist. Ich weiß ja nicht, wie es euch geht, aber in der Regel bringt uns diese Art der numerischen Gewissheit ja viel häufiger emotionalen Regen als Sonnenschein.

Wer gesund ist, sollte sich im Grunde viel eher auf das eigene Spiegelbild verlassen und selbigem vertrauen können, auf den Tastsinn (zwei Hände voll Po, juhu!) und die persönliche Empfindung. Ist das Gewicht nicht ohnehin Schall und Rauch, schon allein, weil Körper so verschieden sind, genau wie Proportionen? Ich habe zum Beispiel zwei Freundinnen, die ein und dieselbe Kleidergröße tragen. Bloß wiegt eine von ihnen laut eigener Aussage sechs Kilo mehr als die andere, weshalb schonmal Panik ausbricht. Ich war live und in Farbe dabei, als beide einst nebeneinander standen, mit identischer Figur, und die angeblich Schwerere plötzlich dem irrationalen Hirngespinst erlag, sie sähe im Vergleich zur „Bohnenstange“ ja superduper breit aus. Ich sah das nicht. Niemand sah das. Aber die Waage wusste es ja besser! weiterlesen

Kolumne //
„Fashion is a feminist issue.“

05.07.2017 um 15.13 – Feminismus Kolumne Mode

Ganz ehrlich: Lange Zeit habe ich mir überhaupt keine Gedanken über Mode gemacht. Klar, ich interessiere mich für Mode – mir ist nicht egal, was ich anziehe. Oder vielleicht doch? Anders ist es zumindest nicht zu erklären, dass ich jahrelang kaufte, was ich wollte, ohne auch nur mal kurz darüber nachzudenken, wo meine Klamotten eigentlich herkommen.

Selber Klamotten aussuchen und kaufen zu können, war für mich eine Befreiung. Nicht, weil meine bösen Eltern meiner Schwester und mir keine schönen Klamotten kaufen wollten. Sondern weil ich eben eine typische Teenagerin war, immer mit einem Auge darauf, was meine Freundinnen trugen und was auf dem Schulhof angesagt war – und meine Eltern sich erfrischenderweise weigerten, das Spiel „Aber alle tragen das doch jetzt!“ mitzuspielen. Sie warteten erstmal ab, ob ich die absolut lebensnotwendige Hose auch nach drei Wochen noch so unentbehrlich fand. Wenn ja, wurde das Ding auch mal gekauft. Wenn nicht, dann eben nicht. Eine an sich sehr gesunde elterliche Erziehungsmaßnahme, die ich als klamottengeile Teenagerin aber klarerweise nicht zu schätzen wusste. Als ich dann endlich (Taschen-) Geld sowie die elterliche Erlaubnis hatte, meine Klamotten künftig selber aussuchen und kaufen zu dürfen, kaufte ich – und habe damit gefühlt nie aufgehört. weiterlesen

Manspreader sitzen gern breitbeinig
– damit ist in Madrid jetzt Schluss

Madrid geht gegen das sogenannte ‚Manspreading‘ vor – und wie zu erwarten ist die Empörung groß.

Eine Nachricht, die um die Welt ging: In Madrid wurde zack, mal so eben, das sogenannte ‚Manspreading‘ in öffentlichen Verkehrsmitteln ‚verboten‘. So lautete zumindest die Schlagzeile. Richtig verboten hat Madrid nämlich nichts, sondern lediglich eine Aufforderung zur Verhaltensänderung installiert: In Bussen und Bahnen informiert nun ein Schild darüber, dass für jeden Fahrgast nur ein Sitz vorgesehen ist. Theoretisch könnte sich dieses Schild natürlich ebenso an Frauen richten – aber wer im öffentlichen Nahverkehr unterwegs ist, weiß: Manspreading ist, wie der Name sagt, tatsächlich ein männliches Problem. Beziehungsweise eher ein von Männern verursachtes Problem. weiterlesen

BLACK GIRL CONFESSIONS // VON DER KUNST, EIN WÜTENDES LEBEN ZU FÜHREN

27.06.2017 um 14.03 – Kolumne Leben Wir

Zurzeit versuche ich meine Emotionen besser in den Griff zu bekommen und rationaler zu werden. Erwachsener für mein Verständnis. Ich will nicht mehr so herausschreien, was in meinen Kopf schießt und vor allem vorher noch einmal kurz bedenken, was ich eigentlich sagen will. Ob das überhaupt ok ist, dieses und jenes so zu formulieren oder ob mich die Materie überhaupt etwas angeht. Auf meiner eigenen Baustelle bleiben. Selfreflection is key. Aber was ist mit den Momenten, in denen man sich so absolut nicht mehr zu beherrschen weiß und vor Empörung und Wut spuckt und sich die Wörter vor lauter Hektik überschlagen?

„Du bist aber aggro“. Wenn man etwas zu oft über sich hört, springt man selbst mit dem halben Bein auf den fahrenden Zug. Schon wieder so ein Balanceakt. Von der Kunst, ein wütendes Leben zuführen. weiterlesen

Können Männer und Frauen wirklich keine Freunde sein?

20.06.2017 um 14.32 – Gesellschaft Kolumne Leben Wir

Der effekthascherische Titel dieses Textes, nämlich „Können Männer und Frauen wirklich keine Freunde sein?“ kann an sich ja schon nicht ernst gemeint sein. Eine Quatschfrage ist das, und Heidenei, was soll überhaupt diese plötzliche Herumreiterei auf normierender Geschlechterordnung? Nicht sehr 2017, ganz genau. Und dennoch, so schwant mir, haben wir es bis heute nicht gänzlich geschafft, uns von zu großen Teilen relativ offensichtlich reinsozialisierten Befangenheiten zu emanzipieren. Mädchen gegen Jungs, Rosa gegen Blau, Hollywood, Pipapo. Das weiß ich allerspätestens seit ich mit dem besten Freund einer Freundin zum Tennisspielen verabredet bin.

Aber ich fange zunächst ganz vorn an: Grob geschätzt saßen in meiner Grundschulklasse etwa 15 Jungen und vier Mädchen. Nur Annemarie wurde meine Vertraute, mit der ich in den Pausen Zahnspangen aus Alufolie bastelte. Zu meinem Geburtstag lud ich demensprechend fast ausschließlich männliche Klassenkameraden ein. „Ach Gottchen“, kommentierte diesen Umstand damals die brüskierte Bekannte meiner Mutter, während sie ebenso mitleidig wie energisch ein paar Schlücke Mineralwasser hinterher kippte, um das Glas alsbald wie eine Kampfansage auf den Tisch zu knallen. Als müsse da dringend interveniert werden. Dabei macht man, wenn man klein ist und es nicht anders kennt, für Gewöhnlich gar keinen Unterschied zwischen Pipimann und Mumufrau. Nichtsdestotrotz gehörte ein homosoziales Umfeld bis zur Ehe und sogar darüber hinaus Jahrhunderte lang zum guten Ton. Erst mit Anfang des 20. Jahrhunderts verschwammen innerhalb von Freundschaften die Geschlechtergrenzen. Ist es also möglich, dass wir noch immer dabei sind herauszufinden, wie das überhaupt funktioniert? weiterlesen

Tiny Jane // Wird wirklich alles anders,
wenn man ein Kind hat?

13.06.2017 um 11.10 – Kolumne Leben Tiny Jane Wir

Gar nichts wird sich ändern, wenn ich groß bin, habe ich vor zweidreiviertel Jahren mit aller Kraft behauptet, nachdem mir kurz zuvor ein Minibaby auf die berggroße Milchbrust gelegt wurde, ganz so wie ein kleiner Fels der Weisheit, den man zwischen zwei weiche Kamelhöcker klemmt, um ihn in die Welt hinaus zu schicken. Auf dass er für mehr Gleichgewicht sorge. Mein eigener Sohn war das, bis dato sogar ein namenloser, denn die zuständige Ärztin attestierte mir noch am Morgen zuvor mindestens sieben weitere Wochen Vogelfreiheit, in der felsenfesten Annahme das Bauchweh käme vom Brechdruchfall. „Nunja junge Dame“, sagte sie damals, „das ist der Lauf der Dinge – wenn man Mutter wird, fühlt sich plötzlich alles ganz anders an.“ Blah, dachte ich noch bis ins Mark erbost, während mir auf dem Krankenhausflur ein bisschen Pipi vor Verzweiflung kam. Sie hatte sich vertan. Behielt am Ende aber doch ein bisschen Recht. Seit Lio, der außerdem Jonathan heißt (wie die Möwe, die alles erreichen kann, was sie wirklich will) ein Teil von mir ist, fühlt sich überhaupt gar nichts mehr wie vorher an. Es ist sogar alles anders. Aber nicht etwa, weil ich jetzt Mama bin. Sondern weil ich es so will und noch dazu weiß, was ich überhaupt nicht mehr will. Genau das ist dann wohl der Unterschied zwischen Vorurteil und Wirklichkeit. Nicht die Dinge ändern sich, sondern wir verändern uns. Aber keine Panik. Nichts ist vorüber, alles ist bloß echter. weiterlesen

BLACK GIRL CONFESSIONS //
„WOW, HAST DU FARBE BEKOMMEN“

05.06.2017 um 19.23 – Kolumne Leben Wir

Alle Jahre wieder bricht sie pünktlich zum Frühling über uns herein, diese Zeit, in der schon im Kopf die imaginären Liegen durchgegangen werden, um sie mit einem Handtuch zu besetzen und bloß nicht zu kurz zu kommen beim kollektiven Sonnenbad, beim Wettlauf um den eindeutigsten Bikiniabdruck und den dunkelsten Sommersonnen-Ton auf einer Skala von Kreide bis Kokosnuss. Wir wollen braune Haut und das am besten potzblitzschnell. Lange halten soll der Anstrich auch. Koste es, was es wolle. Die Mehrheit der westlichen Welt verlangt nach einem dunkelgoldenen Antlitz, dafür ist kein Tan Maximizer, kein Öl, kein Selbstbräuner und auch kein Solariumbesuch zu schade – aber warum? Welcher mitunter sogar unvernünftige und ungesunde Teufel reitet uns denn da? Wieso ist uns allen einmal im Jahr schlagartig nach einem knusprigen Sommerteint zumute? Und warum spiele ich da eigentlich mit?

Ich fange einfach mal bei mir selbst an. Ich selbst betrachte mich nämlich als Afrodeutsche. Also als schwarze Frau. Weil das für mich weniger mit meiner tatsächlichen Hautfarbe (die farblich gar nicht schwarz ist), sondern mit einer Zugehörigkeit, mit einem sich mit einer Gruppe identifizieren zu tun hat. Ich bin, wenn man so will, quasi eine weiße Schwarze. Und jeden Sommer plagt es auch mich aufs Neue: Och nö, ich bin ja so blass, du bist ja schon so braun, oh – in der Drogerie gibt es ein neues Sonnenöl mit LSF 15, nehm ich mal mit. Ab Anfang April haue ich mich ernsthaft bei jeder noch so kleinen Gelegenheit in die pralle Sonne und hoffe mit jedem Tag auf eine noch intensivere Bräune. Was ist da los? weiterlesen

Ein paar Gedanken
zum Thema „Emanzipation“

24.05.2017 um 11.45 – Feminismus Leben

Vor einiger Zeit wurde ich von einem Frauenmagazin interviewt. Es ging darum, was Frausein im Jahr 2017 bedeutet, um Gleichberechtigung. Und natürlich ging es auch um Feminismus, um meinen Weg dahin.

Ich berichtete, dass meine Eltern im heimischen Herne schon das traditionelle Ernährer-Modell gelebt hätten: Mein Papa war Ingenieur und verdiente das Haupteinkommen. Meine Mama setzte nach der Geburt meiner Schwester und mir beruflich erstmal ein paar Jahre aus, nur ihre Wirbelsäulengymnastik-Kurse leitete sie weiter. Später stieg sie dann wieder in ihren Job in der Verwaltung eines großen Revierparks (so heißt das im Ruhrgebiet) ein, arbeitet seitdem Teilzeit. „Aha“, sagte sie Journalistin am anderen Ende der Leitung, „Sie sind also deshalb Feministin geworden! Weil sie sich von dem traditionellen Beziehungsmodell, das ihre Eltern repräsentieren, emanzipieren wollten.“  weiterlesen

Brain Blah // Ich habe meinem Freund (k)einen Heiratsantrag gemacht.

23.05.2017 um 8.30 – Kolumne Leben Wir

Als ich ungefähr acht Jahre alt war, machte mir ein Junge aus der Parallelklasse einen Heiratsantrag. Das war ganz leicht. Wir hatten uns in einem Heuhaufen auf der Wiese vor dem Haus versteckt, weil er, nennen wir ihn doch einfach Hansjürgen, bald von seinen Eltern abgeholt werden sollte. Die Ehe schien da nur der nächste logische Schritt zu sein, denn wenn man verheiratet ist, so dachten wir, würde man uns endlich als Erwachsene anerkennen und bis in alle Ewigkeit Gameboy spielen und Cola trinken lassen. Ich kramte also ein Haargummi aus der Hosentasche, das Hansjürgen alsbald um meinen Finger wickelte, der schnell rotblau anlief, aber das machte nichts, schließlich duftete die Ackerluft mit einem Mal verlockend frisch nach Freiheit. Händchenhaltend richteten wir uns auf, um der Mutter von Hansjürgen und meiner eigenen die frohe Botschaft zu überbringen. Am Ende half alles nichts. Eine halbe Stunde später marschiere ich noch immer ledig gen Zähneputzen.

Die Jahre vergingen und mit ihnen mindestens drei missglücke Versuche meinerseits, um jemands Hand zu bitten. Weder Otto, noch Erik oder Rasputin wollten mich zur Frau nehmen. Nur einer begründete seine Entscheidung mit meiner einnehmenden Zahnspange, die anderen beiden fühlten sich laut eigener Aussage in ihrer durch Disneyfilme geprägten Ehre gekränkt. weiterlesen

Fair Friday Kolumne //
Was mir „Verzicht“ beigebracht hat

12.05.2017 um 10.37 – Fair Fashion Nachhaltigkeit

This is Jane Wayne - Fair Friday - Verzichten und Freiheit

In der Regel meide ich es ja, die Worte „Verzicht“ und „Nachhaltigkeit“ in einem Satz zu nennen, weil ich verhindern möchte, dass eventuell Interessierte auf dem Absatz kehrt machen. Aber natürlich ist es so, dass man als Veganerin und als Vertreterin von nachhaltigem Konsum nicht mehr alles machen möchte (und kann) wie vorher. Objektiv gesehen gibt es deshalb natürlich auch Dinge, auf die ich verzichte – nur, und da beginnt das Missverständnis, macht mir das meistens nichts aus.

Deshalb finde ich das oft negativ besetzte Wort „Verzicht“ nicht stimmig. Fakt ist, dass ich sehr viel weniger konsumiere, kaufe und vor allem: Inzwischen überhaupt gar nicht mehr haben will. Es ist, als wäre mir eine Last von den Schultern genommen, eine künstlich erzeugte Abhängigkeit von Produkten und Werbeversprechen. Über dieses Gefühl bin ich so dankbar, weil es sich viel leichter lebt, wenn man einmal eine klare Entscheidung getroffen hat und sich konsequent daran hält. So viele Menschen verfallen in schiere Panik, wenn sie dies oder jenes auf einmal nicht mehr machen können, dürfen oder sollen. Sei es nun das Rauchverbot, Verzicht auf Autofahren in der Stadt, ein Veggie-Day in der Kantine, Lebensmittelunverträglichkeiten oder eben eine völlig tierfreie Ernährung. Ich kenne diese Panik überhaupt nicht mehr, ich bin extrem gelassen geworden und weiß genau: Am Ende funktioniert das schon, wenn man sich nur darauf einlässt. weiterlesen

Bedroom Stories //
Zusammen Pornos gucken – mit Erika Lust

04.04.2017 um 11.18 – box1 Kolumne Leben Sex

Ein Gastbeitrag von Ann, protokolliert von Nike Jane. Teil 1 inklusive wiesoweshalbwarum lest ihr hier.

Ich glaube, ich bin ein bisschen schief gewickelt, wenn es um die Wahrnehmung meiner eigenen Offenheit geht. Denn obwohl ich ohne zu zögern meine Hand dafür ins Feuer gelegt hätte, schon mit meiner (zugegeben sehr späten) Entjungferung eine gewaltig große Portion sexuelle Gelassenheit mit Löffeln gefressen zu haben, wird mir im Angesicht rotweingetränkter Gespräche mit meinen Freundinnen immer wieder das genaue Gegenteil unter die Nase gerieben. Zuletzt am vergangenen Wochenende. Gerade waren wir noch dabei, über das Für und Wider von Cycles, dieser neuen gehypten Verhütungs-App, zu fachsimpeln, da platze es plötzlich aus der wahrscheinlich Runden-Blauesten heraus: Schluss jetzt damit, ihr sei nämlich echt scheißlangwellig im Bett und wirklich wichtiger als das Kalibrieren von Thermometern und Temperaturen seien jetzt verdammt nochmal mal ein paar hilfreiche Tipps und Tricks zum Aufmöbeln der in Daunendecken gebetteten 5-Jahres-Monotonie, sonst würden die Wanzen bald mehr rammeln als sie und ihr Freund, deren gemeinsame Libido derzeit vermutlich irgendwo auf Lanzarote Krabbenfischen würde, und falls sie jemand zufällig treffen würde: Schöne Grüße!

Betretenes Schweigen. Aber nur etwa zwei Sekunden lang. Mir selbst flog gerade etwas Limo aus dem linken Nasenloch, weil Contenance, als irgendwer am Tisch die Initiative ergriff und schnell danach fragte, ob denn noch nicht einmal Pornos helfen würden. Pornos, ja klar, dachte ich. Und oh Gott, Pornos. Hihi. Beinahe hätte ich aus Reflex das Gesicht zu einem Kotze-Smiley verzogen, schließlich schaue ich sowas nur allein und ratzfatz und vor allem heimlich, genau wie mein Freund vermutlich auch. Bis zu diesem Abend kannte ich nämlich nur Youporn. Und da vergeht einem die Lust mitunter schon auf der Startseite, soviel Sperma fliegt da rum. Als gäbe es für eine Frau nichts geileres, als sich in Befruchtungsflüssigkeit zu suhlen. weiterlesen

#IMFREEDOM //
Freisein – was bedeutet das überhaupt?

03.04.2017 um 10.30 – Kolumne Leben Mode Wir

Ihr erinnert euch vielleicht noch an die #ImPERFECT Kampagne von Esprit, die wir im vergangenen Jahr unterstützt haben. Damals wurde vor allem ein kultureller Dialog innerhalb der Modewelt angestoßen, der sich für das Abrücken von Stereotypen aussprach und stattdessen mehr Persönlichkeit und Diversität forderte. Aber auch mehr Selbstliebe, mehr Akzeptanz und Dankbarkeit für kleine Makel, die uns von Abziehbildern unterscheiden. 2017 geht Esprit mit #ImESPRIT noch einen Schritt weiter. Diesmal stehen Vielfalt, Individualität und Selbstbestimmung im Fokus. Wir werden in der aktuellen Kampagne also nicht nur dazu aufgefordert, für uns selbst einzustehen, sondern auch für das, was uns am Herzen liegt. Am besten durch ein starkes Statement, das auch ihr teilen könnt und zwar hier. So haben wir etwa die Wahl zwischen #ImLOVE, #ImCHANGE oder #ImCOURAGE. Ich habe mich für #ImFREEDOM entschieden. Und warum?, hat Esprit mich daraufhin gefragt. Die Antwort fiel mir viel schwerer als erwartet. Also fing ich ganz vorn an.

„Ich verachte Ihre Meinung, aber ich gäbe mein Leben dafür, dass Sie sie sagen dürfen,“ schrieb Evelyn Beatrice Hall in ihrem Buch „The Friends of Voltaire“ und trifft damit noch heute, mehr als hundert Jahre später, punktgenau in die Wunde der kränkelnden Demokratie, die derzeit gemeinsam mit der Pressefreiheit um ihr Bestehen bangt. Auf politischer und gesellschaftlicher Ebene stehen wir ohnehin gesammelt vor zum Teil noch schmerzlich weit entfernten Lösungsansätzen und hoffen dabei inständig auf eine Welt, in der jeder Mensch sich frei entfalten darf, unabhängig von sexueller Orientierung, Herkunft, Geschlecht und Religion. Und manchmal, wenn die Nachrichten wieder besonders weh tun, vergessen wir ein weiteres Mal, bei uns selbst anzufangen. Im Kleinen. Immer dann, wenn es um unsere eigene Entfaltung geht. Ich habe mir für mein Leben nicht viel mehr vorgenommen, als es jeden Tag geschehen zu lassen. Und mir den Anspruch auf persönliche Freiheit niemals austreiben zu lassen, nicht von der Vernunft, nicht von dem in den meisten von uns manifestierten Drang nach Sicherheit, nicht von der Erwartungshaltung anderer. #ImFREEDOM, weil ich fortwährend selbst entscheide, hinter welchem Bestrebens-Törchen ich es mir bequem mache und dabei stets den passenden Schlüssel zum Schloss im Kopf behalte. Nennen wir diesen Schlüssel doch einfach Mut. Den Mut zu besitzen, Dinge, die einem nicht mehr gut tun, trotz der natürlichen Furcht vor dem Ungewissen, ziehen zu lassen, halbherzige Umstände ändern statt hinnehmen zu wollen, auch das bedeutet für mich Freiheit. weiterlesen

Vorurteile // Das gesegnete Leben der Sari C. #feelingblessed

10.03.2017 um 11.49 – box2 Kolumne Leben Wir

Für all diejenigen, die endlich mal die Wahrheit über mich, und damit in einem Abwasch auch gleich das Berlin-Blogger-Mädchen per se wissen wollten, gibt es gute Nachrichten: Der Tag ist gekommen. Tabula Rasa, was soll der Geiz. Alles muss raus. Bereit für das beinharte Feuerwerk?

Es folgt die Realitsvorführung des gesegneten Lebens der Sari C. Konsequent und beißend in den Augen. Schert euch hinfort, ihr diabolischen Vorurteile! weiterlesen