Schlagwort-Archiv: Konsum

Brain Blah //
Die Social Media Luxus Problematik

29.11.2016 um 14.55 – Gesellschaft Leben Mode

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Ein Instagram Post, den ich vergangene Nacht in einem Anflug von Schlaflosigkeit niedergetippt hatte, erschien mir noch beim Upload als überaus logisch, durchaus angebracht und dingend notwendig. Nur ist gut gemeint, längst nicht automatisch gut gemacht, was sich alsbald in den darauffolgenden Kommentaren zeigen sollte und mich für einen kurzen Augenblick zunächst ernsthaft an meiner geistigen Konstitution zweifeln ließ und dann an der Fähigkeit, mich für jedermann und -frau verständlich auszudrücken. Deshalb versuche ich es auf diesem Kanal ein zweites Mal, mit ein bisschen mehr Raum für die Erklärung meiner Beweggründe – Obwohl ich ehrlich gesagt vornehmlich eine ganz grundsätzliche Hasskappe auf Soziale Medien und deren Mutation zur Pest für Körper und Seele hegte (vermutlich auch, weil ich selbst Teil davon bin) und noch dazu zu viel Cola getrunken hatte.

Aber jedenfalls schrieb ich irgendetwas von wegen „Leute. Eine Designertasche macht euch nicht glücklicher als ein Spaziergang durch den Park. Vor allem, wenn ihr erst 20 seid. Und wenn ihr doch so ein teures Taschenscheißerchen kauft, dann achtet zumindest darauf, dass es euer Herz mit echter Freude erfüllt, etwa, weil es für einen bestimmten Abschnitt in eurem Leben steht, einen großen Schritt, weil es euch aus welchen Gründen auch immer so richtig etwas bedeutet und dadurch zu einem bescheuerten aber lieb gewonnenes Symbol heranwächst. Aber nicht nur wegen des Logos. Oder etlicher Influencer. Die meisten von ihnen müssen für diesen Luxus nämlich noch dazu einen (nicht in Geldscheinen abzählbaren) Preis bezahlen, den die allermeisten Menschen überhaupt nicht zahlen wollen würden.“ Ich beschloss ganz einfach, das müsse endlich mal gesagt werden und am besten auch immer wieder. weiterlesen

Feminismus und Konsum //
Kann Konsum feministisch sein?

31.10.2016 um 11.53 – Feminismus

feminismus und konsumKann Konsum feministisch sein? Marken wie H&M und Monki wollen uns das glauben machen.

Jahrzehntelang war Feminismus eine soziale Bewegung, ein Kampf für Gleichberechtigung. Feminist*innen galten wahlweise als behaarte Emanzen, lila Latzhosenträger*innen oder frustrierte Furien, die dringend mal flachgelegt werden müssen (weil, wie wir wissen, Sex für alles die Lösung ist). Doch jetzt ist alles anders: Die Zeiten, in denen Feminismus in etwa so attraktiv erschien wie neongrüne Crocks sind vorbei! Feminismus ist offiziell angesagt. Statt soziale Bewegung ist er nun zu einer irgendwie diffusen „Empowerment“-Haltung geworden – und die lässt sich wunderbar für Marketing-Zwecke nutzen. weiterlesen

Wir fragen, ihr antwortet //
Können wir auf eine gesunde Art
mit dem Konsum Freundschaft schließen?

04.10.2016 um 13.06 – Gesellschaft Leben Mode

IMG_1769Hi, ich bin Pia, Mediendesignerin und Markt- und Werbepsychologin. Zwei Seelen wohnen, ach!, in meiner Brust: Ich liebe Kleidung, Kunst und tolles Design, entwickele aber eine stetig zunehmende Antipathie gegen Kommerz, Fast Fashion und das Zelebrieren von Lifestyle-Konsum. Wie geht das zusammen, fragt Nike, können wir auf eine gesunde Art mit dem Konsum Freundschaft schließen? Ein Erklärungsversuch.

Irgendwo in der deutschen Blogosphäre, wo genau weiß ich leider nicht mehr, habe ich vor kurzem einen wundervollen Satz gelesen, der lautete in etwa so: „Ich liebe Mode für diese Momente, in denen man in den Spiegel schaut und durch die neuen Kleider auf einmal die Frau sieht, die man auch sein könnte“. Bäm! Treffer, versenkt. Dieser Satz bringt es auf den Punkt, finde ich. Mode ist so viel mehr als Ästhetik und Design: Es geht nicht nur darum, wie toll sich der Stoff anfühlt, wie meisterhaft er verarbeitet ist, was die rein physische, ästhetische Kombination aus Stoffen, Farben und Schnitten über alle Sinneswahrnehmungen in der Psyche auslöst. Vielmehr noch geht es um das Lebensgefühl, das man sich mit Mode anziehen kann. Mode kann in einen kunstgeschichtlichen Kontext eingeordnet werden. Sie ist mit kulturellen Codes aufgeladen, die es uns erlauben, durch sie in neue Rollen zu schlüpfen. Mit einem Hoodie sind wir homie, im Slipdress lover, in Boyfriend Jeans friend. Dank weit fallender Anzughose und umschmeichelnder Seidenbluse werden wir zur smarten, schicken Businesswoman, nach getaner Arbeit werfen wir uns dann luftig leicht ein geblümtes Sommerkleid über, um den Hippie im Herzen nicht zu verlieren. Wer Meister dieses Spiels ist und seine Regeln kennt, kann diese Codes brechen und sie sich kreativ zu Eigen machen. Die kulturell geteilten und medial vermittelten Codes, die in Kleidungsstücken und schönen Designobjekten für uns greifbar werden, helfen uns dabei, unser Selbst zu erweitern, unsere Identität zu konstruieren und damit zu spielen. Das ist eine tolle Sache, so kann Kleidung unser Leben bereichern und uns dabei helfen, uns selbst und der Welt zu signalisieren, wer wir sind. Und wer wir sein wollen. weiterlesen

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