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Streitfrage: Ist Love Exposure ein guter Film?

16.03.2011 um 14.43 – Film

Gestern war ich im Kino. Es sollte ein 240-Minuten-Marathon werden. Gegangen bin ich nach 180.

Der japanische Film und ich, wir sind an sich keine Freunde. Keine guten jedenfalls. Es ist wie es ist, alles und jeder hat eine zweite Chance verdient. Also begab ich mich im Schweiße meines Angesichts und wohlwissend, dass die kommenden vier Stunden eventuell zur Qual werden würden, in einen großen Saal mit noch größerer Leinwand, um mir die geballte Ladung „Love Exposure“ aus dem Jahr 2008 zu geben. Einer der Freunde, die mich begleiteten, freute sich schon seit geschätzten zwei Wochen auf diesen Film vom Regie-Rebellen Sion Sono: Sex und Gewalt in Dauerschleife, hieß es. Ein Trugschluss. Was wir sahen war die Eisbergspitze des Teenie-Burlesque.

Natürlich, Love Exposure überschreitet Grenzen, Genres und Stile werden miteinander vermischt wie Müsli. Drama, Romanze, Splatterfilm, Revenge-Movie, Satire… alles ist dabei. Die Liebe erscheint uns als höchstes Gut, es gibt dutzende kulturhistorische Bezüge, Beethoven gesellt sich zu J-Pop, religiöses Sektierertum trifft auf libertäre Gesinnung. Es geht um Freigeister in einer pervertiven Gesellschaft und die mythologische Frauengestalt aus den Samurai-Filmen der 70er-Jahre. Wir sehen Tarantino-Attitüde und Ambivalenzen, eine Art LSD Trip auf Leinwand. Klingt eigentlich ganz gut. Nur, dass dieser Streifen einen totalen Overdose an Kontrasten liefert. Man sucht panisch nach dem Sinn der Plattitüden. Gefunden habe ich ihn nicht. Vielleicht fehlt mir aber auch einfach der Mut zur Peinlichkeit. weiterlesen

Angehört: Elvis Perkins – WHILE YOU WERE SLEEPING

02.03.2011 um 12.48 – Allgemein Musik


#66.1 – Elvis Perkins – While you were sleeping
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Dass Trauer Menschen nicht immer zerbrechen muss, sondern sie gleichermaßen zu Künstlern formen kann, zeigt das Beispiel Elvis Perkins. Sein Vater, der den Mörder Norman Bates in Alfred Hitchcocks „Psycho“ spielte, befand sich jahrelang in psychiatrische Behandlung, war bisexuell und erlag schließlich dem HI-Virus. Seine Mutter, die Fotografin war, saß in einem der Flugzeuge, die am 11. September 2001 ins World Trade Center krachten.

Jedes Reden über Musik wird überflüssig, wenn man im Moment des Hörens mehr fühlt, als Worte ausdrücken könnnen. Pathetik scheint mir heute aus den Fingerspitzen zu rieseln, aber… was stimmt, darf man sagen. While you were sleeping ist der erste und vielleicht auch monotonste Song von Elvis Perkins Debut-Album „Ash Wednesday“, das bereits 2007 erschien. Immer und immer wieder singt der vom Schicksal gebeutelte Künstler die gleichen Liedzeilen, immer und immer wieder verfalle ich seinem tragisch-schönen Singsang, der nach Verliebtsein, Verlust, Mut und Melancholie klingt. Kontraste, die fesseln,Widersprüche, die lösen und Texte, die so eingängig ehrlich sind, machen Perkins Musik zu einer Reise durch die Welt der schlummernden Emotionen. „Denk dir was und du fühlst es“ könnte sein Credo während der Aufnahme gewesen sein. Denn egal ob die Sonne scheint und Rückenwind uns voran treibt oder der Magen droht zu zerreißen – Elvis Perkins liefert den Soundtrack dazu.