Schlagwort-Archiv: Magerwahn

Aufgefallen // Diäten statt Mode
– alles für die Klickzahlen

04.02.2016 um 11.50 – box1 Gesellschaft Leben

Diaet wahn magerwahn
Ich lebe selbstverständlich nicht im Wolkenkuckucksheim, mir ist also durchaus bewusst, dass die Welt der Brigitte-Diäten eine überaus erfolgreiche ist, der Modebranche, die noch immer nicht viel von physischer Diversität versteht, sei Dank. Bloß schwieg selbige besagtes Thema der Körperoptimierung durch Abnehm-Tricks bisweilen eher tot, als das gefährliche Feuer der Esskrankheiten im Deckmantel gut gemeinter Ernährungs-Ratschläge noch selbst zum lodern zu bringen. Ausnahmen gab es schon immer, vornehmlich im Lifestyle-Bereich, der eigentlich sehr geschätzten Grazia zum Beispiel trampelte ich erst im vergangenen Jahr schweren Herzen auf die Füße, weil deren Leserinnen sich plötzlich an fast schon geistesgestört absurden Geißelungen des eigenen Magens orientieren sollten, getreu dem Motto was für Promis gut ist, kann für uns Normalsterbliche nicht verkehrt sein.

 Seit einer Weile stößt mir aber vor allem das Online-Treiben hoch geschätzter, alt eingesessener Modemagazine übel auf. weiterlesen

BRAIN-BLAH // „Belly Button Challenge“
– ein gefährlicher Hype aus China

18.06.2015 um 10.24 – box1 Gesellschaft

belly button challengeIch bin zu dick. Das behauptet jedenfalls ein Internet-Trend, der aus China zu uns rüber geschwappt ist. „Belly Button Challenge“ nennt sich der gefährliche Contest, der als neuester Traumkörper-Test gehandelt wird. Wer es schafft, seine Hand hinter dem eigenen Rücken vorbei bis zum Bauchnabel zu schlängeln, hat gewonnen. Für alle anderen gilt: Schade. Ich jedenfalls scheitere kläglich an dieser degradierenden Mission; die Hälfte meines Körpers müsste mir amputiert werden, um nur ansatzweise in Nabel-Nähe zu gelangen. Womöglich sind meine Arme auch einfach zu kurz geraten. So oder so, ich bin ein Verlierer, jedenfalls in der pervertierten Welt der Hashtags.

Grundlage für diesen bodenlosen Schwachsinn soll eine unauffindbare US-Studie zu sein, die laut Stern besagt, “ dass Frauen, die die Aufgabe lösen können, einen tollen Körper haben.“ Wieder stellt sich mir die Frage, was zuerst kam, das Huhn oder das Ei – ist Social Media zum Nährboden überkranker Wettbewerbe um das makelloseste Antlitz avanciert? Ja. Über 6000 #Bellybuttonchallege Beiträge finden sich derzeit allein auf Instagram, ganz zu schweigen vom asiatischen Twitter-Pendant Weibo, das mit 260.000 Treffern auftrumpft. Männer machen inzwischen übrigens auch mit. Und trotzdem schwarnt mir, dass wir es hier erneut mit einem Körper-Konkurrenz-Problem zu tun haben, das vermehrt bei Frauen auftritt. Als arbeiteten die Medien nicht schon hart genug daran, unser Selbstbewusstsein auf die Größe zerknüddelte Papierstücke zu minimieren. weiterlesen

Film-Tipp // „Seht mich verschwinden“
– Die berührende Geschichte der Isabelle Caro

16.06.2015 um 13.46 – box2 Feminismus Film

seht mich verschwinden

„Wir leben in einer anorektischen Gesellschaft“, behauptet der italienische Fotograf Oliviereo Toscini. Vor allem die Modewelt habe mit Magersucht und Bulimie zu kämpfen, sie sei krank, sehr krank. Wie recht er hat, beweist nicht nur eine vor Kurzem öffentlich gewordene Studie, in der 70 von 241 essgestörten Patientinnen angaben, Heidi Klums Germany’s Next Topmodel habe „einen sehr starken Einfluss auf ihre Erkrankung gehabt“. Das jüngste Beispiel einer Saint Laurent Kampagne, die aufgrund der zu dünnen 18-Jährigen Kiki Willems schon kurz nach Veröffentlichung von der Advertising Standards Authority verboten und verbannt wurde, lässt tiefe Einblicke in das zunehmend unverantwortliche Treiben der Global Player der Branche zu. Wie aber macht man am besten auf eine Krankheit aufmerksam, die nur haarscharf am geltenden Schönheitsideal vorbei schrammt? Für die einen ist Anorexie zu abstrakt, zu weit weg, zu unwirklich. Andere stecken selbst schon viel zu tief drin.

Magersucht als omnipräsentes Thema kommt trotz der beiwohnenden Tragik häufig ohne anteilnehmende Emotionen aus. Statt Empathie erzeugen Bilder wie jene von Isabelle Caro, die 2007 gerade einmal 32 Kilo wog und vor Toscinis Linse nackt für eine No-Anorexia-Kampagne posierte, tendenziell eher Ekel und Entrüstung. Manchmal werden sie aber auch übersehen. Vielleicht weil wir abgestumpft sind, womöglich wegen der Gewöhnung. Der jüngst in den Kinos angelaufene Dokumentarfilm „SEHT MICH VERSCHWINDEN“ fordert seine Zuschauer auf, unsere mediatisierte Welt durch die Augen von Isabelle Caro und Kiki Allgeiger zu betrachten. Er macht uns bewusst, dass man gegen Essstörungen, gegen den Magerwahn in der Modeindustrie und der damit verbundenen schweren Erkrankung Magersucht, kämpfen muss, immer wieder. weiterlesen

Mager-Irrsinn //
Entweder dir passt „Brandy Melville“
oder du bist zu dick.

16.10.2014 um 11.09 – Gesellschaft Mode

branddy melville usaAls das Unternehmen Piper Jaffray jüngst eine Liste der aktuellen „Up-Trending Brands for Teen Girls“ veröffentlichte, da tauchte noch vor H&M, Urban Outfitters und Free People der ursprünglich italienische Retailer „Brandy Melville“ auf, nämlich auf Platz 1. Man könnte sich jetzt natürlich für die Inhaber dieser textilen Goldgrube freuen oder selbst zum hippen Jünger werden – wäre da nicht ein überaus perfides Marketingkonzept, das zwar Produktionskosten drückt, dafür aber Komplexe fördert.

Wer Brandy Melville tragen und Teil vom Hype sein will, muss schlank sein, basta. Für die Exklusion sämtlicher Mädchen, die Kurvigeres als eine 60cm-Hüfte zu bieten haben, sorgt die Zwei-Größen-Regel: Das gesamte Sortiment der rapide wachsenden Ausgeburt der Mager-Hölle ist ausschließlich in Small und One Size shopbar. „Body-Blaming“ nennt manch einer dieses Vorgehen. Oder eben „freie Marktwirtschaft.“ weiterlesen

Der veränderte Blick auf dünne Körper.

22.08.2011 um 15.08 – Leben

Meine Mutter fragt oft, was alle Mütter fragen: „Kind, isst du denn auch genug?“ Klaro. In letzter Zeit waren es deshalb viel eher Bekannte und Freunde, die dem wahrhaftigen Problem auf den Zahn fühlten. Nämlich: „Sag mal, wird man nicht ein bisschen Plemplem, wenn man tagtäglich nur so dünne ModeModelMädchenBilder sieht?“ Ja, das wird man. Allerdings brauchte ich ein wenig Zeit, um mir selbst eingestehen zu können, dass was dran ist am Klischee. Ein kurzer Gedankengang.

Ich meckere ja furchtbar gern. So war ich auch immer an vorderster Front mit dabei, wenn es galt, den Magerwahn rot anzukreiden. Gechimpft habe ich über sie, die allzu dürren Models, über Freundinnen, die frei raus gestanden, auf herausstehende Hüft- oder Schlüsselbeinknochen zu stehen. „Das darf ja wohl nicht wahr sein“ und „verdammt, was für eine kranke Gesellschaft“ zählten wohl zu meinen Lieblingssätzen. Und dann, in diesem Jahr, folgte ein Schlüsselmoment, wegen welchem ich noch heute die Hände über dem Kopf zusammen schlage – und zwar ob meiner selbst. Da saß ich also tatsächlich dort auf meinem Stühlchen, während der diesjährigen Fashion Show von unserer üppigen 50er-Jahre-verliebten Lena Hoschek und dachte ganz still und heimlich: Irgendwie sieht das an den etwas zu runden Models billiger aus als an den ganz, ganz schlanken. Poom. Ich dachte plötzlich, ich hätte nicht mehr alle Tassen im Schrank und erschrak vor mir selbst. Die paar Models auf dem Laufsteg, die ausnahmsweise mal keine Striche in der Landschaft waren, brachten bei einer Körpergröße von 1,75m doch trotzdem nicht mehr als 58 Kilogramm auf die Wage – mir war also offensichtlich schon ein ganz normales Frauen-Becken zu üppig? Jap, Tatsache. weiterlesen

Magermädchen gewinnt America’s next Topmodel

02.12.2010 um 17.50 – Allgemein Menschen

Puh. Das ewig leidige Thema: Wie dünn ist zu dünn?

Eigentlich mache ich mir nichts aus Casting-Shows. Beim Runterscrollen der Stern.de – Startseite sprang ich aber natürlich auf den Header „Magermädchen gewinnt America’s next Topmodel“ an und las, was man immer liest, wenn es um besagtes Thema geht. Die Öffentlichkeit ist entsetzt. Amanda Ward ist die Gewinnerin des künftigen Modeldaseins, und das obwohl sie dürr ist. 1,88 groß, 45 Kilogramm. Ja, das ist mager. Aber ist das auch automatisch krank? weiterlesen