
Von Jessica Oemisch.
Letzten Donnerstag, am Weltfrauentag, hatte ich eine wunderbare Begegnung. Auf der Zugfahrt von Berlin nach Hamburg, stieg in Berlin Spandau ein älteres Päärchen zu. Sie trug ihr schulterlanges, voll ergrautes Haar offen und wirkte mit ihren fragilen 1,60 m wie eine gealterte Elfe. Die alte Dame reichte ihm bis zur Brust. Er trug einen schwarzen Hut im Charly-Chaplin-Style und einen marinefarbenen Anzug.
Kaum hatten die beiden ihre Sitzplätze gefunden, half er ihr aus ihrem viel zu langen Wintermantel. Als der Zug langsam anrollte, zauberte er aus seiner Reisetasche zwei Piccolos und eine rote Rose. „Du bist doch verrückt!“, sagte sie mit flattriger Stimme zu ihm, während seine trüben Augen glänzten. „Zum Frauentag!“ Er öffnete die Fläschchen und beide genossen morgens, kurz nach neun, das leichtprozentige Prickeln.
Während der Zugfahrt fiel es mir richtig schwer meine Augen von dem alten Pärchen zu lassen. Wahnsinnig liebevoll gingen die Beiden miteinander um, ein Lächeln da, ein Tätscheln dort. Wie viele Jahre die Zwei wohl schon zusammen verbringen?
Als die Durchsage „In wenigen Minuten erreichen wir Hamburg Hauptbahnhof“ ertönt, hilft er ihr den Mantel und sie versucht nervös die Rose zu verstauen. „Das war eine dumme Idee. Ich weiß doch jetzt gar nicht wohin damit.“ „Nein“, sagt er und küsst sie auf die Stirn. Weiterlesen »
Tags: Balmain, Dolce & Gababba, Eco Fashion, Film, Grüne Mode, Isabel Marant, Jessica Oemisch, Kony, Kunst, Leben, Manhattan, Marni, Musik, Paperfangs, Peter Paul Rubens, Pullover, Schuhe, Shoescribe, Socken, Stella McCartney, Stepp, Trend, Woody Allen, Zara
Posted in Allgemein, Wochenrückblick | 1 Kommentar »

Im wahren Leben funktioniert die Liebe nur selten wie im Film. Du triffst den Einen und es macht „Peng“ und das für’s ganze Leben. Einer der Gründe, warum man Woody Allen lieben muss. In seinen Filmen, wie auch in „Manhattan“ geht es weniger um die Person, in die sich die Hauptprotagonisten verlieben, als um das anbetungswürdige Gefühl, die Liebe zu empfinden.
Isaac Davis, gespielt von Allen selbst, ist ein neurotischer Freigeist, der eine Affäre mit der 17-jährigen Tracy (Mariel Hemingway) hat. Aufgefressen von seinen Skrupeln, mit einer so jungen, naiven Schülerin zu verkehren, kann Isaac das „Techtel Mechtel“ kaum genießen. Dass Tracy einen Kopf größer als Isaac ist, visualisiert die Unterschiede der Beiden – eine Zuspitzung der Tatsache, dass er 25 Jahre älter als sie ist und dass die Zwei auf Dauer nicht zusammen gehören können.
Während seiner Beziehung zu Tracy, lernt er die Liaison seines besten Freundes Yale (Michael Murphy) kennen. Die super-intellektuelle Journalistin Mary (Diane Keaton) scheint auf den ersten Blick arrogant, ist aber am Ende bloß auf der Suche nach sich selbst. Genau das zieht Isaac an. Er verbringt viel Zeit mit ihr, nachdem Yale die Affäre mit Mary beendet hat und fühlt sich mehr und mehr zu ihr hingezogen. In ihr findet er das, was er in Tracy aktuell nicht hat: einen Gesprächspartner auf Augenhöhe. Die tiefgründigen, pseudointellektuellen Dialoge erotisieren ihn, ihr geht es ähnlich und die Zwei kommen zusammen.
Weiterlesen »
Tags: Diane Keaton, Jessica Oemisch, Manhattan, Mariel Hemingway, Michael Murphy, Woody Allen
Posted in Allgemein, Film | 2 Kommentare »