Schlagwort-Archiv: Off White

Paris Cool Kids //
Off-White, Wanda Nylon, Y/Project & Jacquemus

03.03.2017 um 12.04 – Mode

Gestern Abend, ich saß Wollpullover-tragend in einer kleinen Bar in Neukölln, während meine Kontaktlinsen vom Rauch kratzten und mein Pony sich dem großen Wirbel entlang wie die Blätter einer Bahamas-Palme auseinander spreizte, als wieder eines dieser Gespräche zustande kam, das mein Dasein als sagen wir mal ‚Teilzeit-Moderedakteurin‘ infrage stellte. Ich würde ja wohl mehr vom Leben erwarten müssen, es gäbe doch Wichtigeres, weshalb ich all diesen Oberflächlichkeiten nicht endlich den Rücken kehren würde. Nun, antwortete ich schließlich, mehr wortkarg als-gewandt, es sei wirklich ganz einfach: Weil ich eben nie etwas aufgeben würde, für das mein Herz schlägt. An dieser Stelle einigten mein Gegenüber und ich uns darauf, dass wir, sollten wir uns weiterhin in gemeinsamer Sympathie suhlen wollen, jetzt ganz dringend das Thema wechseln sollten. Was wir auch taten. Die übrig gebliebene Kritik schleppte ich trotzdem mitten in der Nacht mit nach Hause. Ich nahm sie sogar mit ins Bett. Auf meinen Knien wackelte schließlich mein Laptop, auf dem Bildschirm flogen Bilder aus Paris von links nach rechts, erst ein paar Minuten lang, irgendwann zählte ich eineinhalb Stunden und aberhunderte Runway-Looks. Ich war selig. Und erleichtert, denn es war, als hätte ich heimlich überprüfen müssen, ob an meinem selbstverständlichen Gerede von modischer Romantik überhaupt noch etwas Wahres dran ist. Vielleicht liebte ich die Mode ja längst nicht mehr, womöglich war sie mir sogar egal geworden, gar zu dumm. Das Gegenteil war der Fall. Hin und wieder jauchzte ich sogar vor Freude.  weiterlesen

The New Cool // Balenciaga by Demna Gvasalia vs. Off White

31.08.2016 um 14.50 – Mode

off white balenciaga new cool thisisjanewayneIch bin kein sonderlich großer Fan von Vetements als solches, dem Hype-Label der Stunde, obwohl, was rede ich da, vielleicht ist das ganz große Buhlen um das Kollektiv auch bald schon wieder vorbei. Mit meiner mittelgroßen Antipathie sitze ich zumindest Branchen-intern recht einsam auf der Zuschauerbank, ich bin sozusagen draußen, während die anderen sich drinnen vor Begeisterung überschlagen. Ich überschlage mich auch, aber einzig und allein ob der Genialität eines Demna Gvasalias, Head Designer bei Vetements, wegen seines Gespürs für das, wonach sich die Stil-Elite verzehrt, nämlich unter anderem Exklusion durch absurde Preise, für seine Gabe, aus uncool cool zu machen, für sein Pokerface – er weiß, genau, was er da tut und hält die Fäden in der Hand, es ist, als würde er mit uns spielen. Er versteht die Essenz der Mode und pfeift gleichzeitig auf sie, er propagiert Anti-Mode, nein, besser, Kleidung statt Mode, er feiert die Dreistigkeit, er bricht Regeln für die jungen Wilden, die sich seine Kleider in den wenigsten Fällen leisten können, er fängt den Zeitgeist ein, um ihn durch seinen Filter wieder raus in die Welt zu lassen, er kreiert ein einzigartiges mit Unantastbarkeit aufgeladenes Image, das dennoch auf den Straßen und beim Rave geboren wurde und sieht ganz ruhig dabei zu, wie seine Jünger ihm folgen. Das muss Ironie sein, alles. Genial eben. So etwas wie ein Kosumenten-Experiment: Wie weit kann man gehen? Vielleicht ist es auch ganz anders, vielleicht ist all das exakt so gemeint wie gesagt und gezeigt – Manch einer vermutet jedenfalls, der 35-Jährige Designer sei auf der tiefen Suche nach einer neuen Form vom Schönheit. Immer wenn ich diesen Satz von Alessandro Michele über seinen Kollegen lese, dämmert mir, dass ich noch immer vieles nicht verstanden habe. Was mir bleibt, ist aber immerhin die Gewissheit, dass Demna Gvasalia ein ganz Großer ist, so oder so. Jetzt auch noch drüben als Creative Director bei Balenciaga: weiterlesen