Schlagwort-Archiv: Paris Fashion Week S/S 2013

Interview mit Karl Lagerfeld – Chanel für den Sommer 2013

– 05.10.2012 um 13.58 – Allgemein Mode

chanel Interview mit Karl Lagerfeld   Chanel für den Sommer 2013 Fotos by Olivier Saillant via Chanel.

“Using nearly nothing what Chanel is known for and still make it look Chanel.” Dass Karl Lagerfeld bei seinen neuesten Genie-Streich für das Traditionshaus einiges anders gemacht hat und doch so Chanel bleibt, dürfte dem ein oder anderen bereits bei ersten Bildern der Kollektion aufgefallen sein. Typische Essentials der Couture-Schmiede wurden einfach missachtet und dennoch hat Monsieur Karl ihn wieder kreiert, diesen unnachahmlichen Mix aus Tradition, Moderne und Zeitlosigkeit. Entgegen der 90s Manier gibt’s auf seinen Stücken diesmal auch keine Logos – “It looks very Chanel without having all those very lovely common places.”

Und wenn der Catwalk aus Solarzellen besteht und gesäumt wird von riesigen Windrädern, dann geht’s ganz offensichtlich um einen neuen und frischen Wind, genauer gesagt: Um “New Energy” – Wind, Luft und Leichtigkeit und die drückt sich vor allem in ganz viel Baumwolle aus, in zarter Transparenz und schulterfreien Kleidern. Kleidung für den Tag, versteht sich, “easy, approachable and wearable”. Für die Nacht gibt’s ja schließlich auch die Couture.

Aber hört am besten selbst, was der Meister zu seiner kommenden Spring/Summer Kollektion zu sagen hat – im sehr sympathischen Interview: weiterlesen

Sinus Cuffs bei “Maison Martin Margiela” – Machen oder sein lassen?

sinus cuffs margiela Sinus Cuffs bei Maison Martin Margiela   Machen oder sein lassen?

Martin Margiela ist einer dieser Ausnahmetalente, die der Königlichen Akademie der Schönen Künste mit Sitz in Antwerpen entsprangen. Seine Mode gilt als wahr gewordener Traum für die intellektuelle Avantgarde, man nennt ihn Modernist, Dekonstruktivist, manchmal auch Radikalist – oder eher: nannte. Denn 2009 verließ Margiela sein Label. Um die Kreationen für “Maison Martin Margiela” kümmert sich inzwischen ein Design-Team. Wer dieser Martin überhaupt ist, das bleibt zumindest für die Öffentlichkeit ein kleines Rätsel. Er gab weder Interviews, noch ließ er sich fotografieren. Kein einziges Mal betrat er nach seinen Schauen selbst den Laufsteg.

Dass Margiela selbst nicht mehr mitmischt ist zwar ein mittelschweres Trauerspiel, bringt uns aber nicht davon ab, noch immer über diverse Geniestreiche das Brand zu staunen. Diesmal ist allerdings nicht die Mode selbst, sondern ein klitzekleines Accessoire ausschlaggebend für unsere Begeisterung: Da ist er also, der “Sinus Cuff“. Nachdem wir uns in den vergangenen Monaten immer wieder mir Ohr-Klemmen beschäftigt haben, frage ich mich langsam aber sicher, wieso ich nicht vorher selbst drauf gekommen bin, das Ganze einfach auf den Nasenflügel zu verlagern. Ich bin nämlich schwer begeistert. Aber wie sieht’s mit euch aus – machen oder sein lassen? weiterlesen

Warum Rei Kawakubo die Queen war, ist und bleibt. Und: “Comme des Garçons” S/S 13

– 01.10.2012 um 12.00 – Allgemein Mode Technik

comme des garçons comic trend 800x746 Warum Rei Kawakubo die Queen war, ist und bleibt. Und: Comme des Garçons S/S 13

Gearde eben wollte ich ein paar Worte über die kommende Frühjahrskollektion der mittlerweile über 70-jährigem Japanerin Rei Kawakubo verlieren, Gründerin des Wahnsinns-Brands “Comme des Garçons“, da schnüffelte ich noch kurz in unseren alten News über vergangene Kreationen. Und als hätte ich mir ob ihrer Genialität nicht schon längst den Mund fusselig geredet, komme ich auch diesmal nicht umher, mich imaginär vor ihr zu verbeugen. Denn mit Blick auf die aktuelle AW Kollektion, fiel mir erneut auf, dass sie allen anderen grundsätzlich mindestens einen Schritt voraus ist. Nehmen wir uns beispielsweise kurz dem Comic-Trend an, der derzeit mitunter dank Phillip Lim und Markus Lupfer die Streetstyle-Bilder dieser Erde erobert (diese KA-POW-Shirts, die derzeit jeder anständige Blogger bsitzen muss, wisst ihr…?) – Kawakubo war es, die sich nicht auf platte Prints beschränkte, sondern die ganze Geschichte noch ein bisschen weiter dachte. “The future is two-dimensions” kommentierte sie ihr modisches Treiben damals. Wir sehen ja nun, wie ihre Vision der Zukunft auf ein tragbares Level herunter gebrochen wurde. Und so war das schon immer, irgendwie.

Ihre Debüt-Schau im Jahr 1981 wurde als “Postatomarer Fetzenlook” bezeichnet, denn nach High Heels suchte man vergebens, stattdessen benutzte Kawakubo verkochte Wolle, unsaubere Nähte, Ausbeulungen und Löcher. Man schimpfte über sie und war sich keineswegs über ihren späteren Einfluss auf die gesamte Modewelt bewusst. Inzwischen wurden wir eines Besseren belehrt, denn wäre Kawakubo nicht gewesen, würde die Farbe Schwarz vielleicht noch immer  ein Tabu, Reißverschlüsse der Sportbekleidung vorbehalten und so weiter und so fort. Egal, ob Margiela oder Céline – Comme des Garçons ist die Muse von der sich Designer bis heute gerne küssen lassen.

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Paris FW: Kenzo, Kenzo, Kenzo! Auch im Sommer 2013?

– 01.10.2012 um 11.15 – Allgemein Mode

KENZO Paris FW: Kenzo, Kenzo, Kenzo! Auch im Sommer 2013?

Omnipräsent, gehyped und so unvergleichlich eindringlich: KENZO. Das Kreativ-Duo Humberto Leon und Carol Lim musste sich wahrlich nicht besonders anstrengen, um die KENZO-Erfolgsmaschine in Gang zu setzen. Die hippe Mitte leckt sich gierig die Finger nach ihren Kreationen und vor allem ein etwas erschwinglicheres Stück ziert dieser Tage jeden zweiten Oberkörper der Fashion Week: Der Löwenkopf-Sweater im satten Grün. Eigentlich müsste man ja bereits annehmen, dass das Ausführen dieses auffälligen Statement-Pullis bei der hippen Crowd mittlerweile fast peinlich sein dürfte – aber nichts da: Niemand kriegt genug vom Labeling des einst japanischen Brands und seinen unverkennbaren Mustern.

Das dürfte sich im Sommer 2013 keineswegs ändern, denn statt des Löwenkopfs dürfen die Modeverliebten und Kenzo-Anhänger nur noch Augen für die Katzenprints haben, die zugegeben wieder äußerst charmant daher kommen und durchaus dezenter über kurze Sweater und Oversized-Pullis huschen. Was die “Opening Ceremony“-Macher sonst noch aus ihrem Erfolgsärmelchen auf der Paris Fashion Week schüttelten, adressiert zwar in erster Linie das prall gefülltere Portemonnaie, einen Blick auf die gesamte Kollektion sollten wir uns dennoch nicht entgehen lassen: weiterlesen

Hermès S/S 13 – Girls who look like boys!

– 01.10.2012 um 4.16 – Allgemein Mode

hermes ss 13 800x620 Hermès S/S 13   Girls who look like boys!

Hermès könnte man glatt als mein Lieblings-Brand betiteln – wäre ich denn bloß steinreich oder hätte zumindest die Absicht später mal mit einem Spitzenverdiener liiert zu sein. Beides erscheint mir eher unwahrscheinlich. Vielleicht ist es also die Unerreichbarkeit der wahr gewordenen Stoffträume, die mich immer wieder sabbernd vor dem Bildschirm zurück lässt. Oder aber auch Christophe Lemaires unbeschreibliches Gespür für Form und Farbe.

Lemaire lässt in seinen Kollektionen gern Kulturen miteinander verschmelzen – die Perfektion dieser Praxis ließ sich recht gut an den vergangenen beiden Saisons ablesen: Da wurde Star Wars noch mit orientalischem Schick vermischt, Nomadenträume ins urbane Jetzt katapultiert und Gauchos eroberten die Großstadt. Das Frühjahr 2013 schlägt eine etwas andere Richtung ein, wenngleich die Stärke der zuletzt präsentierten Cowgirls keineswegs verloren geht. Diesmal verwischt Lemaire allerdings mehr als nur kulturelle Grenzen – modische Geschlechterrollen werden subtil durchbrochen, wenn nicht sogar aufgelöst. weiterlesen

Paris Fashion Week: Grunge, Kurt Cobain & florale Muster bei Dries van Noten

– 27.09.2012 um 13.20 – Allgemein Mode

dries 2 Paris Fashion Week: Grunge, Kurt Cobain & florale Muster bei Dries van Noten

Es ist doch so: Dries van Noten kreiert eine Kollektion und die gesamte Fashionmeute leckt sich die Fingerchen danach. Warum? Weil dieser Mann einfach gut ist, Kollektionen aus seinem Stift zaubert, die einen innovativen Charakter in sich birgen, Vergangenes aufleben lässt, indem Altes einen neuen Charakter bekommt und so zum Must-Have der kommenden Saison avanciert.

Wer sich die Grunge-Helden Kurt Cobain und Courtney Love als Inspirationsvorlage nimmt, der kann sich sicher sein, dass alle Welt feiert. Wer es noch dazu schafft, das Ganze mit viel Chiffon und Organza, einer Ode an karierte Muster in fast jedem Look, dunklen Farben, floralen Prints und weiblichen Schnitten bis körperfernen Silhouetten zu paaren und das Ergebnis nicht zu verhunzen, der verfolgt einfach über ein unglaublich geschicktes Händchen. Ums kurz zu machen: Wir lieben Dries. Und diese Saison speziell für Blumenprints, die er mit Miuccia Prada abgesprochen haben muss, für den tiefen Hosenbund, für selbstverständlich dunkle Töne und Lagenlooks im Sommer und für das wohl gelungenste und ästhetischste 90er Revival seit langem. Merci, Monsieur. weiterlesen