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Filmkritik: Lars von Triers “Melancholia” – Das Chaos in uns. Oder: Apocalypse, please!

06.10.2011 um 13.12 – Allgemein Film

Meine liebe Freundin, Jane Wayne-Bloggerin und Abspann-Autorin „Accy“, die ihreszeichens Modejournalismus studiert hat und sich nun den Kulturwissenschaften mit Schwerpunkt Film zugewandt hat, durfte schon gestern einen Blick auf Lars van Triers sehnsüchtig erwartetes Werk „Melancholia“ werfen. Was uns ab heute also höchst offiziell in den Kinos erwartet, hat la Mademoiselle Ann-Christin Eikenbusch nun während einer schreibwütigen Nacht- und Nebelaktion zu einem brillianten Wortkunststück zusammengefasst. Wir sagen Danke und empfehlen euch wärmstens die folgenden Sätze, Zeilen und Gedanken:

„Es regnet tote Vögel vom Himmel. Dann öffnet sie die Augen und ihr Blick ist irgendwie leer, irgendwie zornig und auch irgendwie müde. Müde vom Leben. Das blonde Haar, strähnig und nass, umrahmt die blassblaue Haut. Alles bewegt sich in Zeitlupe, so, als wollte man es noch ein bisschen hinauszögern. Da rast ein leuchtender Planet auf die Erde zu und niemand schiebt sie zur Seite. Wagners Ouvertüre aus Tristan und Isolde ist jetzt auf dem Höhepunkt. Und dann ist alles strahlend hell, dann tief düster und ganz still. Hier geht gerade die Welt unter. Und wir sind mittendrin.

Es braucht nur ein Bisschen, eine Kleinigkeit, um die Ordnung in ein Chaos zu stürzen. Die überlange Limousine auf dem kurvenreichen Feldweg, die das Brautpaar nicht rechtzeitig zur Feier bringt. Die überforderte Braut, die während des Tortenanschnitts gerade ein Bad nimmt oder die hochzeitsfeindliche Mutter, die jeden Toast mit sarkastischen Kommentaren untermalt. Schon die Hochzeit ist dem Untergang geweiht. Claire (Charlotte Gainsbourg) ärgert das. Zusammen mit ihrem reichen Ehemann hat sie diese Hochzeit organisiert. Sie und Justine (Kirsten Dunst), die Braut, sind Schwestern. Sie verbindet zwei Elternteile, einige Gene und derselbe Stammbaum. Und so sind wir bereits am Ende der Liste mit den Gemeinsamkeiten angekommen. „Wie ich dich manchmal hasse, Justine.“ WEITERLESEN.

Angehört: Elvis Perkins – WHILE YOU WERE SLEEPING

02.03.2011 um 12.48 – Allgemein Musik


#66.1 – Elvis Perkins – While you were sleeping
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Dass Trauer Menschen nicht immer zerbrechen muss, sondern sie gleichermaßen zu Künstlern formen kann, zeigt das Beispiel Elvis Perkins. Sein Vater, der den Mörder Norman Bates in Alfred Hitchcocks „Psycho“ spielte, befand sich jahrelang in psychiatrische Behandlung, war bisexuell und erlag schließlich dem HI-Virus. Seine Mutter, die Fotografin war, saß in einem der Flugzeuge, die am 11. September 2001 ins World Trade Center krachten.

Jedes Reden über Musik wird überflüssig, wenn man im Moment des Hörens mehr fühlt, als Worte ausdrücken könnnen. Pathetik scheint mir heute aus den Fingerspitzen zu rieseln, aber… was stimmt, darf man sagen. While you were sleeping ist der erste und vielleicht auch monotonste Song von Elvis Perkins Debut-Album „Ash Wednesday“, das bereits 2007 erschien. Immer und immer wieder singt der vom Schicksal gebeutelte Künstler die gleichen Liedzeilen, immer und immer wieder verfalle ich seinem tragisch-schönen Singsang, der nach Verliebtsein, Verlust, Mut und Melancholie klingt. Kontraste, die fesseln,Widersprüche, die lösen und Texte, die so eingängig ehrlich sind, machen Perkins Musik zu einer Reise durch die Welt der schlummernden Emotionen. „Denk dir was und du fühlst es“ könnte sein Credo während der Aufnahme gewesen sein. Denn egal ob die Sonne scheint und Rückenwind uns voran treibt oder der Magen droht zu zerreißen – Elvis Perkins liefert den Soundtrack dazu.