Schlagwort-Archiv: Schönheitsideal

Brain Blah // Jeder soll schön sein, aber niemand darf es.

15.11.2016 um 17.40 – Allgemein Gesellschaft Leben

body positiveIch habe eine Freundin, die nicht nur blitzgescheit ist, sondern zweifelsohne auch bildschön. Die Diamantin meines Bekanntenkreises sozusagen, vor Selbstbewusstsein strotzend und sogar objektiv betrachtet makellos, von innen und außen. Bloß strahlt sie genau das auch aus, seit der Grundschule schon, weshalb sie wahre Frauenfreundschaften laut eigener Aussage bis heute an etwa einer Hand abzählen kann. Das ist keine Ausrede, jedenfalls musste ich meine eigene Vermutung, nämlich jene eines möglichen Lecks in Sachen Sozialkompetenz ihrerseits, schnell über Bord werfen; schon mehrere Male konnte ich nämlich live dabei zusehen, wie männliche Mitmenschen sich den Hals nach ihr verdrehten, während die anwesenden Damen nichts als abwertende, von Angst geplagte Blicke für die sauschlaue Schönheitskönigin übrig hatten. Das klingt jetzt hoch gestochen, aber ich meine das so, denn wer ausschließlich hübsch daher kommt, wird nur selten als Bedrohung wahrgenommen, stimmt aber das Gesamtpaket: Panik, big time.

Das lassen wir jetzt einfach mal so im Raum stehen, weitere Beobachtung führen uns nämlich geradewegs in eine viel interessantere Einbahnstraße. Wer das mediale Zeitgeschehen derzeit aufmerksam verfolgt, wird wohl kaum an all den lauten Parolen für mehr Selbstbestimmung, Selbstliebe und Selbstsein vorbei gekommen sein, der weiß um den aktuellen, mitunter bis über die Grenzen hinaus vermarkteten Body-Positive-Chor, in den sämtliche Meinungsmacher gerade eifrig einstimmen. Wir begrüßen diese Entwicklung, sehr sogar, bloß frage ich mich zunehmend, ob besagter Appell überhaupt verstanden wurde. Alle sollen schön sein, aber (so gut wie niemand) darf es? weiterlesen

Der Schönheitswahn auf Instagram
& die etwas kranke Perfect 365 App

perfect-365Gestern Morgen schlawänzelte ich nichtsahnend und ein bisschen müde ins MTV Büro, wie jeden Montag eben, bloß hatte ich diesmal schon wenige Sekunden nach meiner Ankunft Pipi in den Augen stehen und kugelte mich vor Lachen, ein Kollege hatte nämlich die App „Perfect 365“ entdeckt und sich mithilfe diverser Bearbeitungs-Tools ein Elfen-Gesicht samt Wallemähne gezaubert. Zum Schießen, wirklich. Leicht zu beeindrucken wie ich manchmal bin, dauerte es demnach also keine weiteren zwei Minuten bis auch ich in Besitz der vermeintliche Quatsch-App war, mich munter frisierte und tropische Make Ups passend zur Copacabana bestaunte. So weit, so witzig. Dann entdeckte ich allerdings eine ganze Palette erschreckend natürlich wirkenden Filter, die sich wie Feenstaub auf mein Gesicht legten: Jeder Makel wird mit einem einzigen Klick determiniert, auch Tränensäcke, dafür gibt’s Gratis-Blush in Sekundenschnelle, Endlos-Wimpern und eine dezente, aber wirksame Gesichts-Form-Korrektur. 

Irgendwo zwischen „Hammer, jetzt muss ich mich nie mehr für ein Foto schminken“ und „Oh Gott, die Welt ist ein einziger Fake“, dämmerte mir, dass diese App wirklich und wahrhaftig ernst gemeint ist. Ich überlegte sogar eine Sekunde lang, diese sagenhafte Entdeckung für mich zu behalten, erschrak glücklicherweise aber sehr schnell vor meinem eigenen Nagel im Kopf und fragte mich gleichzeitig, wer in meinem Umfeld wohl schon längst mit „Perfect 365“ fudelt. weiterlesen

Beyoncé startet „What Is Pretty“ Kampagne
& „Pretty Hurts“ Video

25.04.2014 um 9.21 – Allgemein Gesellschaft Musik

what-is-pretty-beonce

Beyoncé ist meine persönliche Queen, mal abgesehen von Mutti natürlich, und das schon seit Destiny’s Child, aber wen wundert´s. Diese Frau hat vermutlich alles, wovon ein Mensch nur träumen kann und trotzdem tippe ich darauf, dass selbst eine wahrhaft wunderschöne Miss Carter höchst persönlich nicht ohne minikurze Anfälle sinnloser Komplexe durch’s Leben tänzelt. Ich tippe auf „Problemzone Po“, wegen all der weißen Flacharsch-Models, oder bescheuerte Brust-Verkleinerungs-Gedanken aus selbigen Gründen. Ergo: Pillepalle-Obermist, Wehwehchen, die ohne die Beihilfe der Medien wahrscheinlich nur halb so sehr schmerzen würden, wenn überhaupt.

Denn dass wir wirklich „schön“ sind, selbst wenn da denn Makel wären oder gerade weil da eben welche sind, das glauben wir nicht einmal unseren Feinden, den Freunden erst recht nicht und schon gar nicht dem Kerl, der da morgens neben uns aufwacht. weiterlesen

Paris FW: Rick Owens S/S 14 – Fuck your racist beauty standards.

27.09.2013 um 10.54 – Allgemein box2 Mode

rick-owens

Endlich passiert während der Fashion Week im Glitzer-Land mal wieder etwas spannendes, etwas non-konformes, etwas, das sich nicht jeder trauen würde oder wollte: Rick Owens pfiff auf die gängigen und oft semi-gesunden Schönheitsstandards seiner Branche und schickte statt filigraner Models ganze 40 Tänzerinnen über den Laufsteg. Ein bisschen Rebell war der amerikanische Designer schon immer: Seine Mode changiert stets zwischen Eleganz und Schlampigkeit, Gothic-Assoziationen sind gar nicht mal so weit gefehlt und auch religiöse Elemente kommen schonmal vor – obwohl er selbst überhaupt nicht gläubig ist. Aber zurück zum Thema: Diesmal hat er’s auf die Spitze getrieben, diesmal hätte niemand ahnen können, was dort auf dem Runway passieren würde: Stepptanz-Elemente, heftige Bewegungen, kämpferische Schnuten statt Schmollmünder – was will uns der liebe Rick damit wohl sagen? weiterlesen