Schlagwort-Archiv: Simone de beauvoir

Buch-Tipp // „The Second Sex“ – Warum Simone de Beauvoirs Klassiker moderner und wichtiger ist, als viele denken.

03.05.2017 um 10.02 – Buch Feminismus Mode

Ein paar Wochen erst ist es her, dass das knallgelbe The Second Sex-Shirt aus der KDG x Jane Wayne-Kollektion in meinem Schrank gelandet ist und schon verbinde ich wunderbare Erlebnisse mit diesem Kleidungsstück. Zum Beispiel dieses: Beim Besuch in meiner geliebten Heimatstadt Herne stand ich mit meiner Mama im Buchladen unseres Vertrauens und suchte nach Geschenken für Freund*innen und Bekannte. Ich empfahl meiner Mama diverse Bücher, holte sie aus dem Regal und präsentierte sie. Als meine Mama ein paar Regale weiterging, sprach mich plötzlich eine Frau von der Seite an: „Bedienen Sie?“. Nach einem kurzen Moment der Verständnislosigkeit dämmerte es mir: Sie hielt mich für eine Mitarbeiterin! Das lag nicht nur an dem Dialog mit meiner Mama („Hier, das ist wirklich super!“), sondern auch an besagtem knallgelben T-Shirt, auf dem nun mal fett ein Buch prangt.

„Niemand ist den Frauen gegenüber arroganter, aggressiver oder verächtlicher als ein in seiner Männlichkeit verunsicherter Mann.“ (Das andere Geschlecht) weiterlesen

OUTFIT // „The Second Sex“

06.03.2017 um 11.22 – box1 Mode Outfit Wir

Die letzten Wochen waren trubelig, was nicht heißt, dass ich sie nicht genossen hätte, aber verflucht eben auch. Genau wie die Tatsache, dass ich kein vielarmiger Tintenfisch bin, obwohl mir ja selbst dann noch die schwer benötigten Zusatz-Finger zum Umsetzen neuer Ideen fehlen würden. Was ich eigentlich sagen will: Selten habe ich mich im Angesicht eines Ist-Zustands so überfordert und gleichzeitig saufroh gefühlt. Am 1. März hat unsere erste eigene Kollektion das Licht der Welt erblickt, bis dahin gab es kaum einen Tag Pause. Denn das hier musste ja trotzdem laufen, genau wie alles Administrative hinter den Kulissen und pipapo. Jetzt jammere ich natürlich auf hohem Niveau, aber keineswegs über das Pensum, das brauche ich ja irgendwie auch fürs Seelenheil, sondern über die vielen Neuerungen und Rubriken und Ansprüche an Jane Wayne, die da derzeit in meinem Hirn schlummern. Eigentlich ja prima, bloß: Wann sollen die denn endlich raus da? Irgendetwas ist ja immer. Und ich weigere mich, noch mehr aus der Hand zu geben, wir wollen schließlich keine gesichtslose Nachrichtenseite werden. Ich rege mich jetzt also mal ganz schnell ab uns versuche an meinem eigenen Zeitmanagement zu arbeiten, das lässt seit der unverhofften Schmetterlinge im Bauch und noch dazu dem Frühlingsbeginn nämlich wirklich auch zu wünschen übrig.

Zurück zum Montags-Outfit also: Wenig selbstlos trage ich mein Lieblingshirt aus der „Bonjour Simone“ Kollektion (ihr wisst, Simone De Beauvoirs Buch „Das andere Geschlecht“) und auch die dazugehörige Hose. Wer letztere mag: Seid gewarnt, sie fällt riesig aus, ich trage hier eine XS. Das ist Absicht, weil ich persönlich die Jeans zuweilen ganz oben in der Taille, aber dann auch wieder etwas lockerer, so wie hier, kurz über dem Bauchnabel tragen mag: weiterlesen

Feminismus //
Sechs Zitate, sechs Geschichten

22.08.2016 um 14.10 – Feminismus Gesellschaft

Feminismus in ZitatenEs gibt ein paar feministische Zitate, die in die Weltgeschichte eingegangen sind. Aber was steckt eigentlich dahinter? Sechs Zitate – sechs Geschichten.

„Ain’t I a woman?“ (Sojourner Truth, 1851)

„Bin ich etwa keine Frau?” fragte die US-amerikanische Abolitionistin (d.h. Sklaverei-Gegnerin) und Frauenrechtlerin Sojourner Truth in ihrer berühmten Rede von 1951. Aber: Fragte sie das wirklich? Von dieser Rede kursieren nämlich zwei Versionen. Die eine wurde im Juni 1851 im Anti-Slavery Bugle veröffentlicht. Der Satz „Ain’t I a woman?“ taucht darin nicht auf. In der Version von Frances Dana Barker Gage, die zwölf Jahre später veröffentlicht wurde, allerdings schon. Gage, selber in feministischer Mission unterwegs, ergänzte die Originalrede großzügig und verpasste ihr einen stereotypen Südstaatendialekt. Sojourner Truth stammte aber aus dem Staat New York und wuchs mit Holländisch als erster Sprache auf. In Gages Version benutzt Sojourner Truth die Formulierung „Ain’t I a woman?“, um Gleichberechtigung zu fordern: Frauen gälten als körperlich schwach. Sie, die Sklavin Truth (ihr Sklavenname war „Isabella“) sei durch die harte Arbeit auf der Farm aber stark wie ein Mann – und trotzdem eine Frau. Den genauen Wortlaut von Sojourner Truths Rede kennt heute niemand. Sie war damals aber trotzdem eine Sensation, weil Truth als eine der Ersten die Verbindung zwischen Sexismus und Rassismus herstellte. weiterlesen

Feminismus // 3 Bücher, die prägen – oder:
Die Macht der Buchstaben

01.06.2016 um 12.04 – box2 Buch Feminismus

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Es gibt sie: Bücher, die uns so beeindrucken, dass wir nach der Lektüre nicht mehr dieselben sind. Die Aha-Momente auslösen und unsere Hirne in einen wahren Gedanken-Tornado stürzen. Ohne die begeisternde, manchmal auch deprimierende Lektüre von Büchern wäre ich heute – vielleicht – keine Feministin.

Welche Bücher das genau sind? Ich könnte duzende aufzählen, habe mich aber schweren Herzens für drei entschieden, um sie euch an dieser Stelle ganz fest ans Herz zu legen: 1. The Handmaid’s Tale, 2. Ein eigenes Zimmer und 3. Memoiren einer Tochter aus gutem Hause. weiterlesen

Buch-Tipp: Ich befinde mich im Sartre-Rausch.

15.03.2011 um 14.58 – Allgemein Buch

„Und es stimmte, ich war mir dessen immer bewusst gewesen: Ich hatte kein Recht zu existieren. Ich war zufällig erschienen, ich existierte wie ein Stein, eine Pflanze, eine Mikrobe. Mein Leben wuchs auf Geratewohl und in alle Richtungen. Es gab mir manchmal unbestimmte Signale; dann wieder fühlte ich nichts als ein Summen ohne Bedeutung.“

Jean-Paul Sartre ist mein Lieblingsschriftsteller. Nicht, weil das, was er schreibt „ach so intellektuell ist“ und auch nicht weil ich dem Existentialismus sonderlich verfallen wäre. Ich mag diesen feschen, aber leider toten Franzosen so sehr, weil er mit Worten umgeht als seien sie Stecknadeln im Heu. Er sucht behutsam nach dem einen Ausdruck, der einen Umschreibung, die alles Gesagte bettet wie ein Federkern-Plümo den Arsch der Queen. Wörter legen sich um Gegebenheiten wie Latex um die Haut – alles passt perfekt.

Vor ein paar Jahren fing alles mit der „Geschlossenen Gesellschaft“ an. „Die Hölle, das sind die anderen“, yeah, Jean-Paul, du bist mein Mann. Dann „Das Spiel ist aus“, „Die Fliegen“, „Das Sein und das Nichts“. Später bekam ich „Die Wörter“ vorgelegt – ein Fehler, denn nach dieser Biografie wandte ich mich vom Liehaber der schrägen Simone de Beauvoir ab und widmete mich protestvoll ihren Werken. Vor ein paar Wochen trat sein Roman „Zeit der Reife“ in meinen Leben und mit ihm auch die neuentfachte Liebe zum hippsten französischen Intellektuellen des 20. Jahrhunderts. Ich versuche nun, Verpasstets aufzuholen, denn irgendwann will ich sagen können „Ich hatte sie alle“. „Der Ekel“ sollte es nun sein und wieder bin ich gefangen in Satres Wörter-speiendem Werk zwischen Existenz und Sein. weiterlesen