Schlagwort-Archiv: Simone de beauvoir

Feminismus //
Sechs Zitate, sechs Geschichten

22.08.2016 um 14.10 – Feminismus Gesellschaft

Feminismus in ZitatenEs gibt ein paar feministische Zitate, die in die Weltgeschichte eingegangen sind. Aber was steckt eigentlich dahinter? Sechs Zitate – sechs Geschichten.

„Ain’t I a woman?“ (Sojourner Truth, 1851)

„Bin ich etwa keine Frau?” fragte die US-amerikanische Abolitionistin (d.h. Sklaverei-Gegnerin) und Frauenrechtlerin Sojourner Truth in ihrer berühmten Rede von 1951. Aber: Fragte sie das wirklich? Von dieser Rede kursieren nämlich zwei Versionen. Die eine wurde im Juni 1851 im Anti-Slavery Bugle veröffentlicht. Der Satz „Ain’t I a woman?“ taucht darin nicht auf. In der Version von Frances Dana Barker Gage, die zwölf Jahre später veröffentlicht wurde, allerdings schon. Gage, selber in feministischer Mission unterwegs, ergänzte die Originalrede großzügig und verpasste ihr einen stereotypen Südstaatendialekt. Sojourner Truth stammte aber aus dem Staat New York und wuchs mit Holländisch als erster Sprache auf. In Gages Version benutzt Sojourner Truth die Formulierung „Ain’t I a woman?“, um Gleichberechtigung zu fordern: Frauen gälten als körperlich schwach. Sie, die Sklavin Truth (ihr Sklavenname war „Isabella“) sei durch die harte Arbeit auf der Farm aber stark wie ein Mann – und trotzdem eine Frau. Den genauen Wortlaut von Sojourner Truths Rede kennt heute niemand. Sie war damals aber trotzdem eine Sensation, weil Truth als eine der Ersten die Verbindung zwischen Sexismus und Rassismus herstellte. weiterlesen

Feminismus // 3 Bücher, die prägen – oder:
Die Macht der Buchstaben

01.06.2016 um 12.04 – box2 Buch Feminismus

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Es gibt sie: Bücher, die uns so beeindrucken, dass wir nach der Lektüre nicht mehr dieselben sind. Die Aha-Momente auslösen und unsere Hirne in einen wahren Gedanken-Tornado stürzen. Ohne die begeisternde, manchmal auch deprimierende Lektüre von Büchern wäre ich heute – vielleicht – keine Feministin.

Welche Bücher das genau sind? Ich könnte duzende aufzählen, habe mich aber schweren Herzens für drei entschieden, um sie euch an dieser Stelle ganz fest ans Herz zu legen: 1. The Handmaid’s Tale, 2. Ein eigenes Zimmer und 3. Memoiren einer Tochter aus gutem Hause. weiterlesen

Buch-Tipp: Ich befinde mich im Sartre-Rausch.

15.03.2011 um 14.58 – Allgemein Buch

„Und es stimmte, ich war mir dessen immer bewusst gewesen: Ich hatte kein Recht zu existieren. Ich war zufällig erschienen, ich existierte wie ein Stein, eine Pflanze, eine Mikrobe. Mein Leben wuchs auf Geratewohl und in alle Richtungen. Es gab mir manchmal unbestimmte Signale; dann wieder fühlte ich nichts als ein Summen ohne Bedeutung.“

Jean-Paul Sartre ist mein Lieblingsschriftsteller. Nicht, weil das, was er schreibt „ach so intellektuell ist“ und auch nicht weil ich dem Existentialismus sonderlich verfallen wäre. Ich mag diesen feschen, aber leider toten Franzosen so sehr, weil er mit Worten umgeht als seien sie Stecknadeln im Heu. Er sucht behutsam nach dem einen Ausdruck, der einen Umschreibung, die alles Gesagte bettet wie ein Federkern-Plümo den Arsch der Queen. Wörter legen sich um Gegebenheiten wie Latex um die Haut – alles passt perfekt.

Vor ein paar Jahren fing alles mit der „Geschlossenen Gesellschaft“ an. „Die Hölle, das sind die anderen“, yeah, Jean-Paul, du bist mein Mann. Dann „Das Spiel ist aus“, „Die Fliegen“, „Das Sein und das Nichts“. Später bekam ich „Die Wörter“ vorgelegt – ein Fehler, denn nach dieser Biografie wandte ich mich vom Liehaber der schrägen Simone de Beauvoir ab und widmete mich protestvoll ihren Werken. Vor ein paar Wochen trat sein Roman „Zeit der Reife“ in meinen Leben und mit ihm auch die neuentfachte Liebe zum hippsten französischen Intellektuellen des 20. Jahrhunderts. Ich versuche nun, Verpasstets aufzuholen, denn irgendwann will ich sagen können „Ich hatte sie alle“. „Der Ekel“ sollte es nun sein und wieder bin ich gefangen in Satres Wörter-speiendem Werk zwischen Existenz und Sein. weiterlesen