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„Ich snappe, also bin ich.“
– Was Kim Kardashian & René Descartes gemeinsam haben

08.02.2017 um 10.29 – box2 Gesellschaft Leben

ich snape also bin ich snapchat work out kim kardashianEin Gastbeitrag von Anneli Botz.

„I never Snapchat my workouts, just because I don’t know why — I’m just not Kourtney and Khloe. But it’s like, if I don’t Snap it, then it’s as if it never happened. But I work out every single day for over an hour“, ließ Kim Kardashian neulich mit Hasenohren und Mäuschenstimme über ihren Snapchatkanal verlauten. Was im ersten Moment als gewohnt naives Blabla aus der sogenannten „Reality World“ erscheint, lässt bei näherer Betrachtung tiefer blicken.

Doch beginnen wir mit einer kurzen Bestandsaufnahme:

Reality Queen Kim Kardashian rackert sich nach eigenen Angaben tagtäglich im Fitnessstudio ab, steppt stundenlang auf dem Crossfittrainer, hört dazu möglicherweise Enrique Iglesias und trainiert so lange, bis sie im Anschluss jede einzelne Faser ihres Körpers spüren kann. Dabei begeht sie allerdings einen Kardinalfehler und versäumt, ihr Workout via Snapchat mit ihren Follower zu teilen, was im Umkehrschluss zu dem Dilemma führt, dass es sich für sie gar so anfühlt, als hätte die schweißtreibende Selbstkonditionierung nie stattgefunden. Ganz im Gegensatz zu „Kourtney und Khloe“, die es neben der Zurschaustellung aller Banalitäten ihres Alltags natürlich nicht versäumen, auch die gemeinsame Fitnessroutine ins Virtual Web zu senden. Ob die beiden aber tatsächlich trainierten, oder eigentlich frei nach dem Prinzip agierten, „Signature-Hintern in hautenge Leggings quetschen, ein paar Wasserspritzer ins Gesicht, das Bein hoch auf die Hantelbank, Kamera drauf, 20 Sekunden snappen, Workout over“, ist dabei völlig egal. weiterlesen

Brain Blah //
Was macht Snapchat mit unserer Psyche?

06.04.2016 um 7.02 – Gesellschaft

snapchatAls ich vor ein paar Jahren zum ersten Mal Wind von Snapchat bekam, war ich schnell Fan des unschuldigen App-Neulands. Man schickte sich lustige Clips quer durch den Freundeskreis, malte mit dem Finger Herzen über das Käsebrot, munterte Kommilitonen mit der eigenen Klausuren-Tragödie beim Büffeln auf oder schwur sich über eine Distanz von 500 Kilometern ewige Freundschaft. Das rohe Leben war das, ohne Filter und auch fast ohne den heute omnipräsenten und Salon-fähigen Social-Media-Narzissmus, über den wir an dieser Stelle gar nicht streiten wollen, anderes Thema. Was dann jedenfalls geschah, muss ich euch kaum erklären – Instagram überflutete alles und noch mehr und die einst ungeschönte Spontanästhetik wich binnen weniger Monate dem ganz großen Inszenierungswahn. Was ging also ein erleichtertes Seufzen durch die Reihen, als Snappy seinen zweiten Frühling einläutete, alle waren sie ja gierig auf das neue alte Tool, das endlich wieder mehr Realität versprach. Dass sich die Utopie einer beinahe nahbaren Internet-Welt voll Natürlichkeit vor allem in Bloggerkreisen zu einem wahr gewordenen Alptraum mit Reality Soap Referenzen mausern würde, ist eine Wendung, die viele sehr wohl kommen sahen, aber nur die Wenigsten begreifen können. Außer, man steckt selbst bis zum fünften Video der eigenen Schmolllippen infolge tief drin. weiterlesen

SNAPCHAT
– Kann mir das mal wer erklären, bitte?

07.04.2015 um 14.23 – box2 Gesellschaft

SnapshatSarah und ich, wir bezeichnen uns ja selbst ständig als Internetmenschen, Medien schreiben gern von sogenannten „Digital Natives“, andere von digitalen Prokrastinierern. Soll so viel bedeuten wie: Wir wissen normalerweise, wo der Social Media-Hammer hängt und zwar ganz einfach deshalb, weil wir zum rechten Zeitpunkt geboren wurden oder auch zum falschen, je nachdem ob man dem ganzen virtuellen Treiben nun wohlgesonnen ist oder grundsätzlich lieber Morsezeichen, statt Mails schicken würde. Ständig kommt was Neues vom App-Himmel geregnet; Freundin A heiratet bald Typ B, reinverguckt in den jeweils anderen hat man sich vor drei Wochen selbstverständlich bei Tinder, Troll-Kommentare über den tranfunzeligen Arbeitskollegen, der sowieso ständig nur Two Dots zockt, werden via Twitter solange in die Welt verschickt bis der Chef irgendwann zurück zwitschert, Imagepflege betreibt der gebildete Bürger von heute sowieso nicht nur bei Facebook und Linked In, sondern auch bei Google plus, das schöne Leben lebt man mehr auf Instagram als sonstwo und What’s App kann dank Aufnahmefunktion selbst Mutti bedienen. Unser Smartphone-Kosmos schien demnach nahezu perfekt – bis Snapchat kam und an unserem Weltbild rüttelte. 

Selbstredend ist es so, dass wir Snapchat schon lange vor diesem Beitrag nutzten, aber leider nur zwei Wochen lang, erstens der Nerven zuliebe und zweitens, weil all die kleinen Filmchen und Standbilder mit ihren lustigen Unterschriften schnell Überhand nahmen und darüber hinaus an Sinnlosigkeit nur noch von Chat Roulette zu übertreffen waren. Die Vergänglichkeit der gesendet Nachrichten schlug zwar geradezu in die Datensicherungs-Kerbe, auch die Userzahlen, die alle anderen Anwedungen lockerflockig überragen, spachen und sprechen weiterhin für sich, aber irgendwie nicht für uns. Wäre da nicht der Zugzwang. Plötzlich scheint nämlich Gott und deine Mutter ein Snapchat-Profil zu betreiben, allen voran Blog-Masterminds, Magazine und sämtliche „Opinion Leader“ der Medienwelt. Müssen wir jetzt etwa auch mitmachen? weiterlesen

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