Schlagwort-Archiv: Vetements

The New Cool // Balenciaga by Demna Gvasalia vs. Off White

31.08.2016 um 14.50 – Mode

off white balenciaga new cool thisisjanewayneIch bin kein sonderlich großer Fan von Vetements als solches, dem Hype-Label der Stunde, obwohl, was rede ich da, vielleicht ist das ganz große Buhlen um das Kollektiv auch bald schon wieder vorbei. Mit meiner mittelgroßen Antipathie sitze ich zumindest Branchen-intern recht einsam auf der Zuschauerbank, ich bin sozusagen draußen, während die anderen sich drinnen vor Begeisterung überschlagen. Ich überschlage mich auch, aber einzig und allein ob der Genialität eines Demna Gvasalias, Head Designer bei Vetements, wegen seines Gespürs für das, wonach sich die Stil-Elite verzehrt, nämlich unter anderem Exklusion durch absurde Preise, für seine Gabe, aus uncool cool zu machen, für sein Pokerface – er weiß, genau, was er da tut und hält die Fäden in der Hand, es ist, als würde er mit uns spielen. Er versteht die Essenz der Mode und pfeift gleichzeitig auf sie, er propagiert Anti-Mode, nein, besser, Kleidung statt Mode, er feiert die Dreistigkeit, er bricht Regeln für die jungen Wilden, die sich seine Kleider in den wenigsten Fällen leisten können, er fängt den Zeitgeist ein, um ihn durch seinen Filter wieder raus in die Welt zu lassen, er kreiert ein einzigartiges mit Unantastbarkeit aufgeladenes Image, das dennoch auf den Straßen und beim Rave geboren wurde und sieht ganz ruhig dabei zu, wie seine Jünger ihm folgen. Das muss Ironie sein, alles. Genial eben. So etwas wie ein Kosumenten-Experiment: Wie weit kann man gehen? Vielleicht ist es auch ganz anders, vielleicht ist all das exakt so gemeint wie gesagt und gezeigt – Manch einer vermutet jedenfalls, der 35-Jährige Designer sei auf der tiefen Suche nach einer neuen Form vom Schönheit. Immer wenn ich diesen Satz von Alessandro Michele über seinen Kollegen lese, dämmert mir, dass ich noch immer vieles nicht verstanden habe. Was mir bleibt, ist aber immerhin die Gewissheit, dass Demna Gvasalia ein ganz Großer ist, so oder so. Jetzt auch noch drüben als Creative Director bei Balenciaga: weiterlesen

Outfit // Zurück in Berlin.

08.08.2016 um 14.17 – Outfit Wir

hm celine lookalike dress thisisjanewayneKitaferien sind was feines, dachte ich. Da wird man schließlich einfach so zum Urlaub gezwungen, zum Eisenbahnschienen verlegen, Sandburgen bauen und Hasengeschichten lesen. In der Sonne natürlich, irgendwo auf dem Land – so in etwa jedenfalls sah meine romantische Vorstellungen vom gemeinsamen Nichtstun zwischen Traktoren und Johannisbeerfeldern aus. Hätte ich nur nicht den Fehler gemacht, meine eigene Heimat als Kurstädte missbrauchen zu wollen. Mein Korschenbroich-Karma ist nämlich zweifelsohne schon mies seit ich Berlin „Zuhause“ nenne und fragt mich jetzt nicht, weshalb ich diesen Umstand immer wieder gedanklich beiseite schiebe. Setze ich auch nur einen Fuß in dieses Dorf am Niederrhein, fängt es für gewöhnlich an zu regnen. Es wird kalt. Und auch nicht wieder warm. Ich werde krank. Dann wird Lio krank. Und andersherum. Meine Familie hat außerdem meist zu tun, das ganz normale Leben geht nunmal weiter und bleibt nicht stehen, nur weil die Ausreißerin aus der Ferne sich nach langer Zeit mal wieder dazu bequemt, vorbei zu schauen. Logisch. Aber wie gesagt, die Verdrängung. Jedenfalls bin ich seit gestern zurück und ich fühle mich ein bisschen wie Janoschs Bär. „Oh wie schön ist Panama“, haben Lio und ich unter Gewitterwolken gelesen und dabei schnell gemerkt: Es mag ja wunderbar sein dort im Grünen, aber Zuhause ist nunmal wo die Freunde sind und das eigene Bett. Der Lieblingsbäcker. Der Spielplatz mit dem Piratenschiff. Und das Herz. Ich meckere zwar viel über Berlin, aber selten war ich so froh, wieder zurück sein, wirklich wahr.

Wären bloß die Omas und Opas und meine Schwestern nicht so furchtbar weit weg. Und da haben wir schon wieder den Salat, da fängt sie bereits an, besagte Verdrängung und ich weiß schon jetzt, dass ich bald wieder 600 Kilometer gen Südwesten fahre werde, fluchend und schimpfen und liebend, weil das Landei in mir ein Leben lang mit meinem inneren Stadtkind zanken wird. weiterlesen

Cool Kids from Paris //
LOEWE & VETEMENTS Fall 2016

04.03.2016 um 14.37 – Mode

vetements loewe aw 17Vielleicht kann man die Paris Fashion Week Besucher_innen in zwei Lager spalten, nämlich in jene, die sich nichts delikateres vorstellen können, als in den ersten Reihen bei Chanel oder Chloé zu verweilen und eben in jene, die cool genug sind, überhaupt erst an einer Show von Vetements oder Loewe teilnehmen zu dürfen, wobei mir an dieser Stelle die Verwendung des Begriffs „Cool“ verziehen sei, mir will nämlich noch immer kein adäquates Synonym einfallen, und gewiss ist das Drängeln und Bangen beim Hype-Brand mit dem spitzen V weitaus größer als jenes beim Traditionsaus Loewe. Dennoch, beide Labels haben es auf nach ganz oben auf der It-Girl-Skala geschafft – schon wieder so ein Wort zum Spucken. Jedenfalls traf sich auch heute wieder die Creme de la creme der Stil-Vorbilder zum Frontrow-Sitzen und das aus gutem Grund. Die Modewelt hat derzeit kaum spannenderes zu bieten.

Wie sich aus gerade einmal drei Kollektionen so etwas wie eine Handschrift heraus kristallisieren konnte, frage ich mich beim Betrachten der gerade gezeigten Kollektion von Vetements noch immer staunend. Das Kollektiv, das eigentlich keines sein will und gerade sämtliche Regeln der Branche auf den Kopf stellt, bohrt mit seinen talentierten Fingern jedenfalls tief in den Wunden und Zeichen der Zeit. Die Location zur Show, eine Kirche, wurde gewiss nicht gedankenlos gewählt, überhaupt ist die Stimmung düster, wenn auch hoffnungsvoll. Eine Anspielung auf den Terror-Anschlag im Pariser Konzerthaus Bataclan? weiterlesen

Katzen, Bären, Prinzen //
Spinnen die jetzt – oder wir?

29.02.2016 um 19.06 – box3 Mode Trend

dolce gabbana aw 17Wenn man beim Anblick der Milan Fashion Week das Gefühlt hat, man hätte gerade aus Versehen RTL II eingeschaltet, dann ist das entweder der Anfang vom Ende oder genial. Nach zwei Stunden der intensiven Studie sämtlicher gezeigter Schauen, bin ich mir noch immer nicht sicher, eher verunsichert. Egal ob nun Ports, mein geliebtes Marni oder auch die Ergüsse von Miuccia Prada – sie wollen sich mir nicht erschließen, kein einziger Funke springt über, höchstes kleine, wohlwollende Fünkchen der Hoffnung. Am härtesten traf es mich bei Dolce & Gabbana. Das Duo ersäuft konstant in Kitsch, das ist seit Jahren so. Bloß kitzelten die beiden Italiener mit ihren prachtvollen Entwürfen bisweilen stets die größten Mädchenträume in uns hervor, sie ermutigten uns auf eine märchenhafte Alessandro Michele-Art und Weise dazu, endlich etwas zu wagen, sie zeigten uns, dass Spaß und Mode zusammen gehören dürfen, ohne wenn und aber. Man könnte jetzt natürlich behaupten, das allein sei schon die Antwort auf die heutige Frage: Spinnen die jetzt – oder wir?

Aber ganz so einfach ist es nicht. Als ich plötzlich aufwändig platzierte Teddybären von einem sackförmigen Kleid herab blicken sah, ging ich kurz davon aus, ich hätte den Einzug Jeremy Scotts als dritter Mann im D&G-Haus verpasst. Dem ist selbstredend nicht so. Aber wie oder was ist es dann? Von den unschuldigen Katzen-Prints, wie sie unlängst durch Stella McCartney zu großem Ruhm kamen, ganz zu schweigen. Und „Dreaming of my prince“ – wirklich? weiterlesen

Insiderwissen // 4 Hype-Labels
der Branche Ports1961, Loewe, Vetements, Rosie Assoulin

23.06.2015 um 9.38 – box3 Mode Trend

4 brands it girls love„Gucci Gucci, Louis Louis, Fendi Fendi, Prada – them basic bitches wear that shit so I don’t even bother“ – Kreayshawn besingt schon längt, was immer wieder zu beobachten ist: Wer nicht nur das nötige Kleingeld, sondern auch Know-How besitzt, setzt kleidungstechnisch nicht unbedingt auf die üblichen Verdächtigen. Im Grunde war es schon immer so, dass die Avantgarde sich auf Understatement beruhte, bloß hat sich die modische Vorhut mittlerweile in verschiedene Lager aufgespalten, sie ist weitaus diverser geworden. Die Posse der Streetstyle-Starlets und Selfmade-It-Girls zum Beispiel, ist längst zu einer Trend-Instanz gewachsen, die in der Branche niemand mehr auf die leichte Schulter nehmen mag – sind sie es doch, die mitunter über den Auf- oder Abstieg eines Brands entscheiden. Untertreibung regiert hier aber nur selten, man möchte auffallen, fair enough.

Denn ohne ein bisschen Tamtam, wären die folgenden Brands vielleicht unbemerkt an uns vorbei gesickert: weiterlesen