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Der Massenmord an Entscheidungen – Was wäre, wenn?

02.09.2011 um 13.57 – Allgemein Leben
Foto: Nike van Dinther

Das Leben könnte so bequem und einfach sein. Wenn man sieben Arme zum Aufräumen messi-mäßiger Schlafzimmer hätte und zwei Gehirne, die sich gegenseitig an Geburtstage, Namen, Nummern und schlaue Floskeln erinnern würden. Wenn man einen Bauch hätte, der aus süßer Zuckerwatte wohl verträglichen Möhrensalat macht und eine Blase, die nie voll wird. Wenn man immer das sagen würde, was meint meint, statt zu reden, bevor man denkt. Wenn man überhaupt viel geordneter und entschlossener wäre und sich nicht ständig fragen müsste: Was zum Teufel wäre, wenn.

Hätte, hätte Fahrradkette und wenn das Wörtchen wenn nicht wäre. Es gibt Phasen in jedem jungen Leben, in dem das marode Phrasenschwein überdurchschnittlich häufig gefüttert wird – morgensmittagsabends wird gejammert, manchmal geweint und immer verzweifelt. Unsere sonst so vitale Generation scheint vor der totalen Überforderung zu kapitulieren. Wir sind quieschfidel und munter, trainieren unsere Körper und verballern sinnlos Gedanken wie Rotgeld. Erst zermürbt die Frage nach dem passenden Brotaufstricht unsere Schädel, später wissen wir nicht, was wir anziehen sollen und schließlich bezweifeln wir, dass es überhaupt eine gute Idee war, aufzustehen. Denn wir begehen tageintagaus Morde. An Möglichkeiten, Chancen und Ideen. Der Zeiger der Uhr dreht sich immer schneller, das Ticken wird lauter und schreit nach Entscheidungen. In jeder Sekunde. Gehe ich rechts lang oder links, bin ich gut oder böse, lasse ich das Duschen heute ausfallen, weil ich gelähmt bin vor lauter Wahnsinn und Zukunftsillusionen. Probleme, nennt man das. Alltagsprobleme, Luxusprobleme und jeder nimmt sich vom großen Haufen seinen ganz persönlichen Anteil. Und das hat einen Grund. Wenn nämlich die wichtigste aller Fragen ganz unten in Hirn und Herz brodelt, eine Frage, die über alles entscheidet, aber nicht beantwortet werden kann, dann steckt der Kopf sich selbst in den Sand und verstrickt Gedankengänge zu gewaltigen Knoten, die immer knuddeliger und dicker werden, bis sie uns schließlich erschlagen. Damit das da unten nicht zum Vorschein kommt, damit der allergrößte Zweifel verteckt bleibt zwischen all der geistigen Scheiße: Will ich das, was ich mache, wirklich? weiterlesen