Schlagwort-Archiv: Zweifel

Die Sache mit den Zweiflern, die niemals richtig glücklich sind.

17.10.2011 um 17.22 – Allgemein Leben

Es gibt Menschen, die sind niemals richtig glücklich. Weil sie nach dem Haar in der Suppe suchen, weil sie nicht loslassen können und Angst haben vor dem Fall. Wenn es gut läuft, kann es nur schlechter werden. Wenn es schlecht ist, wird es nie mehr besser sein.
Meine Freundin A. ist so jemand. A ist vielleicht nicht bloß diese eine Person, A sind wir alle. Oder zumindest viele von uns. Wer B ist, hat Glück.

Mein Name ist A., mein Alter ist egal. Ich lebe, weil ich muss. Ich bin gern hier, aber es könnte schöner sein. Dass alles gut wird, daran glaube ich nicht. Früher oder später wird alles zusammenbrechen und dann bin ich die, die Recht behalten hat.

Euch allen geht es schlecht, aber mir geht es immer ein bisschen schlechter. Ich muss mich selbst ertragen, meine Gedanken, das Chaos in Herz und Hirn. Ich bin das Mädchen mit dem grauen Schatten. Wenn ich nicht aufpasse, erschlägt er mich. Es ist egal, wohin ich gehe, egal, wer bei mir ist und wie lange. Ich bin ich. Bis zu diesem einen Moment, in dem sich alles dreht und wendet, in dem plötzlich alles dunkel wird. Die Welt, die ich erlebe, formt sich zu einem schwarzen Loch im Bauch, einem Krater, der all mein Gefühl verschluckt und es verdaut, bis es als Gedankenscheiße aus meinen Ohren quillt. Ich mache mir Sorgen. Immer. weiterlesen

Die Sache mit den verlorenen Prinzipien.

30.09.2011 um 17.27 – Allgemein Leben


Zweifel schmerzen in deinen angespannten Schultern, zerknautschen deine Stirn und zerfetzen das Hirn. Immer dann, wenn dein Leben nach Sicherheit riecht, nach Ankommen und süßem Selbstbewusstsein. Wenn die Straße dir zulächelt, statt dir ins Gesicht zu schlagen. Sorgen aus, Kopf an. Und dann kommt alles anders. Statt wie üblich zu verdrängen, suchst du nach dem Riss in der Fassade, nach dem Haken, weil du Zeit hast. Du atmest ein und atmest aus, alles ist gut, solange du du bist. Aber was bist du? Bist du gut oder böse?

Als du klein warst, hast du sie verabscheut. Die großen Leuten mit ihren noch größeren Köpfen, mit den bösen Worten und überflüssigen Floskeln. Heute bist du einer von ihnen, redest mehr als gesund ist und weniger als du solltest, zu viel Unwichtiges, zu wenig Wichtiges. Deine Stimme quietscht, wenn du mit Kindern redest, so als stünde ein Hundewelpen vor dir. Als seien sie dumm, diese kleinen Geschöpfe. Dabei verstehen sie oft viel mehr vom Leben als du.
Früher, da hattest du noch Prinzipien, heute tust du bloß noch so. Weil Existieren anstrengend ist, weil Zeit Geld und Bequemlichkeit so verlockend ist.

Als du sechs warst hast du mal ein Nummernschild aufgeschrieben von dem alten Mann, der im Auto vor euch fuhr. Er hatte Müll aus dem Fenster geworfen und eine Zigarette. Du hattest Angst, dass der Wald anfängt zu brennen. Heute kaufst du Dosenbier und Knicklichter um im Park zu tanzen, du rauchst Kette, wirfst die Glut auf die Blätter und Papier auf den Boden. Es ist dir egal, denn irgendwer räumt morgen schon auf. weiterlesen

Der Massenmord an Entscheidungen – Was wäre, wenn?

02.09.2011 um 13.57 – Allgemein Leben
Foto: Nike van Dinther

Das Leben könnte so bequem und einfach sein. Wenn man sieben Arme zum Aufräumen messi-mäßiger Schlafzimmer hätte und zwei Gehirne, die sich gegenseitig an Geburtstage, Namen, Nummern und schlaue Floskeln erinnern würden. Wenn man einen Bauch hätte, der aus süßer Zuckerwatte wohl verträglichen Möhrensalat macht und eine Blase, die nie voll wird. Wenn man immer das sagen würde, was meint meint, statt zu reden, bevor man denkt. Wenn man überhaupt viel geordneter und entschlossener wäre und sich nicht ständig fragen müsste: Was zum Teufel wäre, wenn.

Hätte, hätte Fahrradkette und wenn das Wörtchen wenn nicht wäre. Es gibt Phasen in jedem jungen Leben, in dem das marode Phrasenschwein überdurchschnittlich häufig gefüttert wird – morgensmittagsabends wird gejammert, manchmal geweint und immer verzweifelt. Unsere sonst so vitale Generation scheint vor der totalen Überforderung zu kapitulieren. Wir sind quieschfidel und munter, trainieren unsere Körper und verballern sinnlos Gedanken wie Rotgeld. Erst zermürbt die Frage nach dem passenden Brotaufstricht unsere Schädel, später wissen wir nicht, was wir anziehen sollen und schließlich bezweifeln wir, dass es überhaupt eine gute Idee war, aufzustehen. Denn wir begehen tageintagaus Morde. An Möglichkeiten, Chancen und Ideen. Der Zeiger der Uhr dreht sich immer schneller, das Ticken wird lauter und schreit nach Entscheidungen. In jeder Sekunde. Gehe ich rechts lang oder links, bin ich gut oder böse, lasse ich das Duschen heute ausfallen, weil ich gelähmt bin vor lauter Wahnsinn und Zukunftsillusionen. Probleme, nennt man das. Alltagsprobleme, Luxusprobleme und jeder nimmt sich vom großen Haufen seinen ganz persönlichen Anteil. Und das hat einen Grund. Wenn nämlich die wichtigste aller Fragen ganz unten in Hirn und Herz brodelt, eine Frage, die über alles entscheidet, aber nicht beantwortet werden kann, dann steckt der Kopf sich selbst in den Sand und verstrickt Gedankengänge zu gewaltigen Knoten, die immer knuddeliger und dicker werden, bis sie uns schließlich erschlagen. Damit das da unten nicht zum Vorschein kommt, damit der allergrößte Zweifel verteckt bleibt zwischen all der geistigen Scheiße: Will ich das, was ich mache, wirklich? weiterlesen

Warum dürfen Männer hässlich sein?

18.04.2011 um 17.12 – Allgemein Wir

„Ist der Typ da drüben heiß?“ -„Whää, nee. Viel zu glatt.“

Ein typisches Szenario im Leben einer jungen Frau, die ab und an mal um sich schaut. Beim Bäcker: Männer. In der Stadt: Männer. Auf dem Konzert: Männer so weit das Auge reicht. Schöne Männer, aalglatt und perfekt, an den Füßen schneeweiße Sneaker. Interesse? Nein. Denn Männer dürfen nicht schön sein, jedenfalls nicht Abziehbild-schön. Eher unterschwellig schön und irgendwie sexy – die Babypo-Fraktion mit ihren perfekten Gesichtern und den kleinen Näschen fristet ein relativ sexappealloses Leben, zieht an uns vorbei wie eine ultraviolette Ameisenkaravane – gänzlich unbemerkt. Ein richtiger Mann, der muss im Wald überleben können, in der Natur zu Hause sein. Zumindest wollen wir uns diese Traumsvorstellung in Anbetracht seines Aussehens herbeispinnen können. Ein Dreibeiner, der nach Stadtluft duftet und entsprechende Attitüden an den Tag legt, ist in etwa so attraktiv wie König Triton. weiterlesen