Oscars 2017 // Die 10 politischsten Momente

27.02.2017 Gesellschaft, Events

Glanz, Glamour und goldene Statuen: Das sind die Oscars! Zum 89. Mal wurden die Auszeichnungen in Los Angeles verliehen – und boten neben schicken Outfits auch politische Augenblicke. Ach, die Oscars! Ein Event, bei dem es um Filme geht, um den Zauber des Kinos. Und auch wenn die Oscars so tun, als seien sie keine politische Veranstaltung, sind sie es natürlich doch. 2017 gilt das gefühlt noch mehr als sonst, schließlich sitzt im Weißen Haus Donald Trump – er selbst ein Produkt der Entertainment-Branche. So hochpolitisch wie erwartet waren die 89. Oscars zwar nicht, ein paar Highlights gab es aber doch:

Politisches Accessoire I

Viele der Gäste, u.a. die als beste Hauptdarstellerin nominierte Ruth Negga, trugen hellblaue Schleifchen an ihren teuren Roben: Das Zeichen der American Civil Liberties Union (ACLU), die sich in den USA seit 1920 für Menschen- und Bürger*innenrechte einsetzt (und nicht, wie man bei ProSieben behauptete, gerade neu gegründet wurde). Momentan kämpft ACLU, surprise, gegen Trumps Einwanderungspolitik.

Seitenhiebe auf Trump

Die Oscars zu moderieren ist ein undankbarer Job und ein Schleudersitz noch dazu – einzig und allein auf Mehrfach-Moderator Billy Crystal können alle sich einigen. Dieses Jahr durfte Jimmy Kimmel ran. Auf seine übliche trocken-respektlose Art bedankte der sich beim US-Präsidenten: „I want to thank Donald Trump. Remember last year, when they were saying the Oscars were racist?“ Weitere Seitenhiebe auf The Donald zogen sich durch die Veranstaltung (“Nice dress by the way, is it an Ivanka?“, “We’re so sorry what happened in Sweden last week!”). Irgendwann griff der gespielt besorgte Kimmel zum Handy, um Trump auf Twitter zu schreiben – schließlich hatte der während der ganzen Oscar-Verleihung nichts von sich hören lassen!

 

Die „überbewertete“ Meryl Streep

Eigentlich hat Meryl Streep (nominiert als beste Hauptdarstellerin für Florence Foster Jenkins) während der Verleihung nichts anderes getan, als Lachen, Klatschen und einen Oscar anmoderieren. Ihre Golden Globes-Rede, in der sie Trump und dessen Politik kritisierte, begeistert aber nachhaltig, ebenso wie Trumps unsouveräne Antwort darauf. Als Kimmel noch einmal darauf hinweist, Streep sei total „over-rated“, gibt es standing ovations vom Publikum.

Black Girl Gang

Das sind #squadgoals: Die Hidden Figures-Darstellerinnen Janelle Monáe, Taraji B. Henson und Octavia Spencer präsentierten den Oscar für die beste Dokumentation und brachten dafür Katherine Johnson mit auf die Bühne. Die afroamerikanische Mathematikerin und ehemalige NASA-Mitarbeiterin wird in Hidden Figures von Henson dargestellt: Mit ihren Berechnungen trug sie in den 1960er Jahren zum Erfolg der ersten Mondlandung bei, der Film bringt diese Geschichte erstmal an die große Öffentlichkeit. Eine Geschichte, die es wie so viele andere Geschichten von Minderheiten schwer hatte, die verdiente Aufmerksamkeit zu bekommen.

 

Iranischer Oscar-Boykott

Der iranische Regisseur Ashgar Farhadi gewann mit The Salesman den Oscar für den besten fremdsprachigen Film und blieb der Verleihung aus Protest fern: Das aktuelle Einreiseverbot gilt auch für ihn, eine mögliche Sondergenehmigung für seine Teilnahme bei den Oscars lehnte er ab. In einem Statement, das er von Anoush Ansari und Firouz Naderi verlesen ließ, hieß es: “My absence is out of respect for the people of my country and those of other six nations whom have been disrespected by the inhuman law that bans entry of immigrants to the US” und “Dividing the world in the us and enemies categories creates fear”. Schon vor der Verleihung hatten die für den Auslands-Oscar nominierten Regisseur*innen ein gemeinsames Statement veröffentlicht, in welchem sie politische Tendenzen, nicht nur in den USA, kritisieren: „We believe there is no best country, best gender, best religion or best color. We want this award to stand as a symbol of the unity between nations and the freedom of the arts.”

Endlich kein #OscarsSoWhite mehr

Nachdem 2016 alle Nominierten in den Schauspiel-Kategorien wie im Vorjahr weiß waren und der Hashtag #OscarsSoWhite trendete, wollte man es dieses Jahr besser machen. Ließ sich auch gar nicht vermeiden, denn Oscar-würdige Filme von afroamerikanischen Regisseur*innen und mit afroamerikanischen Schauspieler*innen – Moonlight, Hidden Figures und Fences – gab es genug. Mahershala Ali gewann für seine Rolle in Moonlight den Oscar als bester Nebendarsteller, Viola Davis für ihre Rolle in Fences den als beste Nebendarstellerin. Moonlight-Regisseur Barry Jenkins wurde für das beste adaptierte Drehbuch ausgezeichnet und gewann dann auch noch den Oscar für den besten Film – allerdings erst, nachdem La La Land fälschlicherweise als Sieger verkündet worden war. Nicht nur die Gewinner waren also endlich mal weniger weiß als in den Vorjahren, auch bei den Präsentator*innen (die die Oscars in den einzelnen Kategorien ankündigen und überreichen) wurde auf Vielfalt geachtet. So übergaben u.a. Salma Hayek und John Cho die goldenen Statuen. Anders als 2016 wirkte das dieses Jahr glücklicherweise nicht wie reiner tokenism, sondern natürlich und normal.

Ein Plädoyer für Sichtbarkeit

Moonlight-Regisseur Barry Jenkins erhielt den Oscar für das beste adaptierte Drehbuch und nutzte seine Dankesrede, um das Thema Sichtbarkeit anzusprechen: “I told my students that I teach sometimes be in love with the process, not the result but I really wanted this result because a bajillion people are watching. And all you people out there who feel like there’s no mirror for you, that your life is not reflected, the academy has your back, the ACLU has your back, we have your back and over the next four years we will not leave you alone. We will not forget you.“ Drehbuchautor Tarell Alvin McCraney ergänzte: “This goes out to all those black and brown boys and girls and non-gender conforming who don’t see themselves, we are trying to show you you and us.”

Politisches Accessoire II

Emma Stone gewann den Oscar als beste Hauptdarstellerin und nahm ihn mit einem angesteckten Planned Parenthood-Pin in Empfang. Trump setzt aktuell alles daran, der Organisation, die Gesundheitsleistungen für Frauen anbietet, ihre staatliche Finanzierung zu streichen – weil sie u.a. Abtreibungen durchführt.

Schlaglicht auf Syrien

Bei all dem Chaos, das Trump in den USA gerade anrichtet, geraten andere Krisenherde leicht aus dem Blick. Tatsächlich herrscht in Syrien immer noch Krieg und noch immer sterben dort täglich Menschen oder fliehen vor dem Assad-Regime. Völlig verdient geht deswegen der Oscar für die beste Kurzdokumentation an The White Helmets: Er begleitet die Helfer*innen der Syrian Civil Defense, die in umkämpften syrischen Gebieten versuchen, so viele Menschenleben wie möglich zu retten.

Love trumps hate

Laut Moderator Jimmy Kimmel lautete das Motto der 89. Oscar-Verleihung „Inspiration“ – das wahre Motto aber war „unity“: In zahlreichen Dankesreden und Moderationen wurde Einheit beschworen, gegen Ausgrenzung und Mauern gewettert. So sagte Gael García Bernal: “As a Mexican, as a Latin-American, as a migrant worker, as a human being, I’m against any form of wall that wants to separate us.” Und Academy-Präsidentin Cheryl Bone Isaacs erklärte “Art has no borders”. Das kann man so stehen lassen.

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