Kolumne // Du kommst doch bald durcheinander mit deinen Männern, nicht?

13.09.2018 Leben, Feminismus, Kolumne

„Du kommst doch bald durcheinander mit deinen Männern, nicht?“ – eine Frage, mit der ich mich tatsächlich schon häufiger als nur ein Mal konfrontiert sah, ja wirklich. Ist ja auch ein berechtigter Gedankengang bei diesem enormen Verschleiß. Drei Männer in sechs Jahren, heidenei, da wird natürlich der Hund in der Pfanne verrückt. Selbstverständlich würden meine Freundinnen mich so etwas trotzdem nie fragen, die wissen ja, dass ich manchmal unleugbar durcheinander komme. Mit den Namen zum Beispiel. Wie meine Oma, die mich meistens Maxi-Nike-Marie-Ellen-Ma-ehm-Nike nennt. Das ist also gar nicht das Spannende an dieser Erkundigung. Viel interessanter scheint mir die versteckte Anklage, die da im Subtext mitschwingt. Und die möglicherweise gar nicht existent wäre, hätte ich in den vergangenen Jahren nur gedated und zwischendurch nicht noch ein Kind zur Welt gebracht.

Dieses Kind jedenfalls ist der beste Mensch in meinem Leben. Und ganz eindeutig der mit den wenigsten Vorurteilen. Das heißt nicht, dass er, der Sohn seines Papas, nicht hin und wieder nachhorcht, weshalb ebenjener denn eigentlich eine eigene coole Wohnung hat, gleich um die Ecke. Man könnte sich ja auch eine teilen, oder? Ich lüge dann nicht, sondern erkläre, dass auch Erwachsene manchmal Banane sind, aber auf jeden Fall ebenso Träume haben und dass sie wegen dieser Träume manchmal eben auseinander ziehen müssen – etwa weil beide gern noch ganz andere Abenteuer erleben möchten und dass genau das gelegentlich wirklich nicht gemeinsam funktioniere. Nach weiteren möglichst liebevollen und stets optimistischen Erläuterungen, folgen natürlich auch Umarmungen und die wichtige Nachfrage, wie es dem Kind denn selbst damit gehe. Das ist, glaube ich ganz wichtig, immer wieder. So kann der, der ja überhaupt nichts für seinen Elternsalat kann, immer mitbestimmen. Und sich eventuelle Sorgen nehmen lassen. So wie neulich, als Lio nach einer Dokumentation über den Mars kurz in Sorge war, Papa könne demnächst ein Weltraum-Abenteuer erleben wollen. Nein, habe ich dann gesagt, der Papa macht Kunst, keine Astrophysik. Und: Ich schwöre zehn Ziegen darauf, dass wir, bis du groß bist und eigene Abenteuer erleben willst, immer in deiner Nähe bleiben werden.

Nun habe ich natürlich auch das Schweineglück mit einem schweineherzensguten Mann ein Kind gemacht zu haben. Das ist krasser als ein Ehering, finde ich. Den ich zum Glück auch nicht mit dem darauffolgenden Mann ausgetauscht habe, der nun wieder nur ein Kumpel ist. Verstehen auch viele nicht. Wie man mit einem Biere trinken kann, der so ein Schurke war. Indem man lernt, zu verzeihen, sage ich dann. Und dass Freundschaft oft wichtiger ist als das Ego. Und auch, weil es eben das Kind gibt, das findet, dieser Kumpel seiner Mama sei nunmal auch sein eigener allerbester Kumpel, weil er zweifelsohne die höchsten Hochseilbahnen von allen bauen kann. Aber was, wenn da jetzt noch ein richtiger Dritter hinzu kommt? Dann ist das so. Und im besten Fall sogar eine superwunderschöne Bereicherung. Weil jeder neue Mensch neue Impulse mitbringt. Talente und herrliche Eigenarten, an denen es mir selbst möglicherweise mangelt. 

Ich weiß schon, dass viele Leute dennoch munter meinen, das Ausleben des eigenen romantischen Daseins sei unverantwortlich und egoistisch. Man könnte ja auch warten, bis das Kind zum Studieren ans andere Ende der Welt gezogen ist. Viel habe ich dem nicht entgegenzusetzen, außer: Warum denn? Es gibt ja so viel zu verpassen. Und: Hallo, ich bin auch nur ein Mensch. Ein eigenständiger wohlgemerkt, und einer, der noch an sowas wie Liebe glaubt, obwohl genau die schon ein paar Mal in die Hose gegangen ist. Allen, denen es da draußen ähnlich geht, kann ich deshalb nur raten, die Ohren zuzuklappen, wenn es wieder jemand besser wissen will. Es gibt nämlich keine Bedienungsanleitung für eine glückliche Familie. Trotzdem weiß ich: Wir sind so eine. Der Papa, das Kind und ich als großer Baum mit tiefen Wurzeln in der Mitte und vielen bunten Blumen drum herum, die zwar kommen und manchmal wieder gehen, aber immer etwas Schönes hinterlassen. Wenn man es nur richtig und respektvoll und vor allen Dingen kindgerecht-ehrlich anstellt. Kleine Menschen haben nämlich große Hirne. Die kapieren viel mehr, als wir zuweilen für möglich halten. Und merken, wenn man flunkert. Aber auch, wenn man glücklich ist. Weshalb man sich glaube ich stets viel Mühe geben sollte, genau das zu sein oder werden. Wie auch immer. Zwar, das ist ja klar, mit Rücksicht auf die Gefühle aller Beteiligten, aber bitte endlich ohne Angst vor dem Gerede anderer – das bezüglich solcher Liebesangelegenheiten wohl noch immer am häufigsten Frauen und Mütter trifft. Vielleicht, weil das weibliche Beziehungsleben ohnehin in etwa so gern problematisiert wird wie die weibliche Sexualität. Ich mache da jetzt einfach nicht mehr. Dann komme ich eben hin und wieder durcheinander mit meinen gesammelten Männern, sei’s drum. Aber nicht, weil es zu viele sind – sondern weil das Leben, das da noch mit dran hängt, so echt und erstaunlich und gut ist, dass ich davon manchmal ganz müde werde.

18 Kommentare

  1. Jael

    Wow Nike, dein Text ist so schlicht, so ehrlich und in alldem so klug auf den Punkt gebracht!
    Großartig <3

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  2. Ana

    Ich musste fast weinen. Und ich will auch verzeihen können lernen, denn nichts tut mehr weh, als mit dem Partner auch gleichzeitig einen Freund zu verlieren. Vielleicht ist das ja ein Thema für einen nächsten deiner Texte. Deine Gedanken dazu würden mich interessieren. Alles Liebe, ana

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  3. Antje

    <3. Ja Liebe wird nicht weniger. Sondern mehr. Alles andere ist (heteronormativ-)romantisches Brainwashing, und Konstrukte, wie eine Familie auszusehen hat. Danke für diesen schönen Text.

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  4. Diane

    Ich lese deine Kolumnen super gerne und mag deine unkonventionelle Einstellung zu vielen Dingen. Es tut gut, das zu lesen. Mir ist eine Sache aufgefallen, die sich sehr stark durch deine Texte zieht und das ist das Thema „was andere über mich sagen und was ich (rotzfrech) dagegenhalte“. Ich vermute mal, dass sich das auch durch dein Leben zieht und dass du öfter mal aneckst und dich für deine Lebensentwürfe und Entscheidungen rechtfertigen musst. Auch vor dir selber, weil Verantwortung und so. Aber ich glaube, du könntest als Autorin noch über dich selbst hinauswachsen, wenn du das mal lässt mit dem Rechtfertigen und ein bisschen weniger deine eigene freche Attitüde immer wieder reproduzierst. Und dafür mehr versuchst, das in dir drin Liegende, Unbequeme und Schmerzhafte oder irgendwie Überraschende rauszuholen und dafür Worte zu finden. Damit würdest du dich verletzlicher machen und vielleicht willst du das nicht, dann ignoriere mich. Außerdem, haha, ist das leichter gesagt als getan.
    Ich bringe das jetzt nur an, weil du es vermutlich mit dem Schreiben ernst meinst. Und ich anscheinend eine anspruchsvolle Leserin bin, die dich als Autorin auch ernst nimmt und glaubt, dass da noch mehr geht.

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  5. Milla

    Ist vielleicht auch immer eine Frage des eigenen Referenzrahmens: eine Freundin von mir ist alleinerziehende Mama, eine tolle Mutter und arbeitet nebenbei als Escort 🙂

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  6. Hirndiva

    Als mein damals noch Ehemann mir mit dem Satz : “ wenn Du gehst, werde ich dafür sorgen, daß unsere Söhne die Achtung vor Dir verlieren…“ den Boden unter den Füßen und das Herz aus dem Leib gerissen hat…
    habe ich lange nachdenken müssen.
    Ich bin trotzdem gegangen…die liebe Stiefmutter, nach 17 gemeinsamen Jahren.
    Es ist immer noch schwer…, meine Achtung vor mir Selbst habe ich behalten und kann so trotzdem mit erhobenem Kopf den Menschen ,die in meinem Leben sind und waren,
    in die Augen sehen.

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  7. Ann

    Nike, du schaffst es einfach immer wieder, mir ein tränchen zu entlocken. Und das, obwohl ich in einer so ganz anderen Lebenssituation bin und generell so ganz anders bin als du. Aber deine schreibe ist einfach nur so gut. Das sage von Journalistin zu Journalistin. Ohne Neid und Missgunst, dafür mit ganz viel Respekt und Dankbarkeit.

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  8. Sara

    ich stehe grad an einem Wendepunkt meines Lebens. Der Mann, für den ich vor ein paar Jahren so viel aufgegeben und gleichzeitig auch gewagt habe, entpuppt sich immer mehr ein Mensch zu sein, den nicht (mehr) lieben kann. Ich sehne mich nach dem was uns einst verbunden hat.. immernoch verbindet? Ich schaffe den Absprung nicht, meine, dass ich es doch irgendwie gerade biegen kann.. diese Beziehung, für die wir so gekämpft haben. Ich frage mich wieviel Kompromisse eingehen noch gesund ist und wann der Punkt gekommen ist zu sagen „GENUG“. Ich weiß es nicht. Deine Texte, Nike, bringen mich immer wieder ins grübeln. Das empfinde ich als positiv denn so kann ich hinterfragen was ich vielleicht ansonsten einfach hinnehmen würde.

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    1. Jen

      Denke das nicht nur, sage es mal laut. Zu ihm. Das einzige Gut, dass du hast, ist Ehrlichkeit. Zu dir, zu ihm, zu euch. Ohne Anklage, mehr als Bestandsaufnahme und mit der Aussage: Ich bin so nicht mehr glücklich. Das kann viel bewirken. Vor allem aber reinigt es dein Herz! Alles Gute.

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      1. Sara

        Danke für deine Worte. Danke für deinen Ratschlag – das werde ich mir vornehmen. Du hast recht, so etwas kann /sollte man auch ohne Vorwüfe ansprechen (Bestandsaufnahme trifft es gut). Manchmal habe ich das Gefühl, eine Situation, ein Zustand ist von grundauf so vergiftet (vllt zwei völlig verschiedene Kommunikationsebenen, falsche Erwartungen vom Anderen..?) , dass man eigentlich das alles komplett löschen müsste um nochmal von vorne anzufangen. Denn oftmals denke ich mir: wir wollen eigentlich das Gleiche! Wir schauen in die gleiche Richtung! Und doch sind unsere Standpunkte so verschieden.
        Danke, Jen!

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  9. Schlaflos in der Nacht

    Meine Mama hat mich ganz allein großgezogen und hatte auch zu mehreren Männern Beziehungen. Also nicht gleichzeitig, aber halt ab und zu und manche länger manche nicht so lang. Alle Männer waren immer nett zu mir & wie du richtig sagst, Kinder haben da ne ganz eigene Wahrnehmung & merken genau was Sache ist. Und wenn die Sache gut ist & die Eltern glücklich, dann ist das das Kind meistens auch 🙂
    Zum Teufel mit den eventuell eifersüchtigen Spießen die dich um deine Abenteuer & deine Lebensweise beneiden. Hoffentlich lernen sie ihr eigenes Glück zu sehen & sich für das Glück anderer zu freuen.
    <3

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  10. Cathrin

    „Und merken, wenn man flunkert. Aber auch, wenn man glücklich ist.“ Genau so! Und deshalb liebt, springt ins Ungewisse. Mittlerweile denke ich, dass es mehrere große Lieben im Leben gibt – die glücklich machen – uns selbst und unsere Kids! Danke für den tollen Text!

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  11. marina

    ahhh nike du bist der wahnsinn. wie du sachen in worte fassen kannst, ich liebs! danke du knaller!

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