Warum mich das Buch „Kinderfrei statt kinderlos“ richtig wütend macht.

Die Einschläge kommen näher. Ich bin 31, viele meiner Freundinnen sind in den letzten Jahren Mütter geworden, viele wollen es in den nächsten Jahren werden. Und ich? Bin mir immer noch nicht sicher, ob ich überhaupt Kinder will. Wenn ich an die Zukunft denke, sehe ich mich ohne Kinder – und das ist eigentlich schon immer so gewesen. Ganz festlegen kann und möchte ich mich aber (noch) nicht, weil, kann ja noch einiges passieren. Eine ältere Feministin sagte mir mal, ich solle in der Öffentlichkeit viel mehr über meine selbstbestimmte Kinderlosigkeit sprechen. Denn das sei wichtig, um Kinderlosigkeit zu normalisieren, um anderen zu zeigen, dass es neben Mutterschaft auch andere Lebensentwürfe gibt. Das sehe ich eigentlich genauso – und vermeide das Thema doch. Weil es schwierig und emotional ist und man eben doch oft auf Unverständnis (und manchmal sogar Aggressivität) trifft.

Meckern statt struktureller Kritik

Frauen, die sich bewusst gegen Kinder entscheiden, werden auch 2019 immer noch misstrauisch beäugt. Sie gelten als unnormal, seltsam, gestört. Was stimmt mit ihnen nicht? Wie egoistisch kann man sein? Und: Die werden das später garantiert noch bereuen! Meine Bewunderung gilt deswegen Frauen, die sich furchtlos mit dem Thema in die Öffentlichkeit wagen. Die Lehrerin und Autorin Verena Brunschweiger ist so eine. Soeben hat sie ihr Manifest Kinderfrei statt kinderlos (Büchner-Verlag) veröffentlicht, über das schon kontrovers diskutiert wird. Ich habe bereits einige wunderbare, kluge Bücher zum Thema Kinderkriegen (oder eher: Nichtkriegen) gelesen, darunter Sarah Diehls Die Uhr, die nicht tickt. Auf Brunschweigs Buch hatte ich mich deshalb gefreut – und war nach der Lektüre nicht nur enttäuscht, sondern wütend.

Dabei fängt das Buch mit kämpferischen Sätzen wie diesem eigentlich gut an: „Kinderfrei leben heißt, gegen soziale Erwartungen zu rebellieren und die Normen der Gemeinschaft herauszufordern“. Oder, ganz à la Simone de Beauvoir: „Die kinderfreie Frau ist das ‚Andere‘, die ‚Mutter‘ die Norm – und beides muss sich ändern.“ Doch schnell stellt sich heraus, dass Brunschweigers Ansatz wenig reflektiert, dafür pöblerisch, populistisch und einseitig ist. So schreibt Brunschweiger zwar, es ginge nicht darum, sich gegen einzelne Kinder und Eltern auszusprechen oder diese zu kritisieren. Vielmehr richte sich ihre Kritik strukturell gegen Fortpflanzung. Das zu glauben fällt allerdings schwer, wenn die Autorin sich alle paar Seiten über laute Kinder in Flugzeugen, Bussen und Cafés beschwert, über Supermütter und -väter sowie darüber, dass Eltern von ihren kinderlosen Freund*innen grundsätzlich erwarten, dass diese sich nach ihnen richten. Das hat wenig von struktureller Kritik und viel von schlichtem (subjektiven) Meckern. Und wirft zudem alle Eltern und ihre Kinder in einen Topf. Dass Kinder einen nerven und man deswegen keine bekommen möchte: Völlig okay! Aber es ist nicht okay, wenn eigentlich eine Grundsatzkritik an dem gesellschaftlichen Imperativ zur Fortpflanzung angekündigt war.

Alles für die Umwelt

Auch Brunschweigers Hauptargument, keine Kinder zu bekommen, finde ich problematisch: Umweltschutz. Es stimmt, unsere Erde ist überbevölkert und das ist ein Problem. Es ist auch nicht so, dass ich Brunschweigers Umwelt-Argument nicht grundsätzlich nachvollziehen kann – eine meiner Freundinnen hat genau deshalb beschlossen, keine Kinder zu bekommen. Ich bin Vegetarierin, ich habe kein Auto, fliege wenig, Umweltschutz ist mir wichtig. Was mich an Brunschweigers Argumentation aber stört, ist der unterstellte Altruismus Kinderloser: Sie tun etwas für unseren Planeten. Anders als Eltern, die ihn mit ihrer „Fortpflanzungswut“ zerstören und „einfach blind ihrem Reproduktionstrieb folgen“, ohne an die Folgen für die Umwelt und den Planeten zu denken. Kinderlose hingegen leben „bewusst“ und müssten „ausbaden“, dass „andere sich für einen nicht gerade umweltfreundlichen Lebensstil entschieden haben“. Nicht nur wenn es um Umwelt geht, sind Eltern in Brunschweigers Augen per se egoistisch: „Man bedenke, dass es den Eltern selten wirklich um die Kinder geht, sondern schlicht und ergreifend um mehr Geld.“ Ach ja?

Brunschweiger betont immer und immer wieder, sie sei Feministin und kritisiert – zu Recht – den Umgang mit kinderlosen Frauen in der Gesellschaft. Mich Mit-Feministin ärgert es daher umso mehr, wie die Autorin Frauen mit und ohne Kinder gegeneinander ausspielt. Mütter sind geldgeil, asozial und reaktionär, stellen ihren Nachwuchs auf ein Podest, haben kein Verständnis für kinderlose Freundinnen und zerstören mit ihrer Gebärmutter dann auch noch die Umwelt. Kinderlose Frauen hingegen sind Heldinnen, kämpfen für die Umwelt und gegen tradierte Geschlechterrollen. Platz für Nuancen bleibt da eigentlich nicht (auch wenn Brunschweiger an einer Stelle plötzlich wie einen Nachgedanken erwähnt, es gäbe „fantastische“ Mütter).

Nuancen? Nicht in Sicht

Verena Brunschweiger / Facebook

Nicht besser wird Kinderfrei statt kinderlos dadurch, dass seine Struktur oft willkürlich wirkt und die Autorin an diversen Stellen mit fragwürdigen Aussagen um sich wirft. So seien sogenannte Mombies, die anderen mit ihren Kindern auf den Keks gehen und bei denen sich alles ums Kind dreht, oft homophob. Warum das so sein soll oder woher sie dieses Wissen hat, dazu macht Brunschweiger keine Angaben. An anderer Stelle lobt sie, im Iran würden Kinder noch erzogen. Dass der Iran außerdem eine Theokratie ist, in der Frauen- und Minderheitenrechte oftmals mit Füßen getreten werden, scheint der Feministin Brunschweiger hingegen egal zu sein. Hauptsache, die Kinder wissen sich zu benehmen.

Mich ärgert Verena Brunschweigers Buch, weil es gewollt kinderlosen Frauen einen Bärendienst erweist: Es ist polemisch, einseitig und voller kruder Thesen – und wird so garantiert nicht dafür sorgen, dass Kinderlosen für ihre Entscheidung mehr Respekt und Verständnis entgegengebracht wird. Mich hätte Brunschweigers persönliche Situation interessiert: Wann hat sie sich gegen Kinder entschieden? Warum (ich rate mal: Umweltschutz)? Wie geht sie, gerade auch als Lehrerin, mit diesem Thema um? Doch darüber erfährt man: nichts. Was vor allem deshalb schade ist, weil es dem Buch einige – dringend notwendige – Nuancen hätte hinzufügen können. So bleibt ein Buch übrig, das mit jeder Menge Beschwerden und gefühlten Wahrheiten aufwartet und dabei meistens über simples Meckern nicht hinauskommt. Grundlegende Gesellschaftskritik blitzt nur an einigen wenigen Stellen auf. Vor allem vertieft Brunschweiger die Gräben zwischen Frauen, zwischen Müttern und Nicht-Müttern. Das ist mehr als schade – es ist schädlich. Weil Kinderlose gesellschaftlich so abgewertet werden, weil ihre Entscheidung so wenig respektiert wird, weil sie als unnormal und unvollständig gelten. Brunschweigers Buch tut nichts dafür, dass sich das ändert.

Verena Brunschweiger: Kinderfrei statt kinderlos. Ein Manifest. Erschienen im Büchner-Verlag, 16 Euro.

Collage: Zerrissenes Bild via Eckhaus Latta

24 Kommentare

  1. Nellah

    Vielen Dank! Ich hab es (selber Mama) gelesen und musste stellenweise wirklich weinen bei der Vorstellung, dass meine kinderlosen Freundinnen mich so sehen.

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  2. Sophie

    Ausgezeichnete Buchkritik! Spricht aus, was ich denke, aber nicht so toll artikulieren kann. Danke!

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  3. frieda

    Danke für den besonnen Artikel zu einem wichtigen Thema!
    Ich würde dem Punkt ‚Kinderlosigkeit zwecks Umweltschutzes‘ gerne noch hinzufügen, dass man sich sehr schnell in dunklen Gewässern befindet, wenn man unsere Umweltprobleme mit Überbevölkerung anstelle mit Ressourcenverschwendung erklärt. Sowas wie, es liegt nicht daran, dass der über-reiche Teil der Bevölkerung unvorstellbar viel mehr verbraucht als ihm zu steht, sondern die Schuld liegt bei Frauen – vorzugsweise vor allem armen, ungebildeten Frauen aus dem globalen Süden – die einfach zu viele Babys bekommen etc.
    Wir haben viel weniger ein Überbevölkerungsproblem als ein Verteilungsproblem und dieses Argument lenkt davon schnell ab und taugt wunderbar, um mit dem Finger auf andere zu zeigen.

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  4. LAX

    Da ich auch so einer (ja, ein Mann – deshalb wäre das einzige wo diese Dame und ich nicht zusammen kommen würden wohl ihr radikaler Feminismus – den ich nicht unterstützen kann, da der Feminismus der dritten Welle alles andere möchte als Gleichberechtigung (bzw. Chancengleichheit, was heißt das jeder alle Chancen hat aber niemand einen Anspruch auf ein bestimmtes Ergebnis hat, egal ob er/sie dies über das Geschlecht, die Religion, den Status als Minderheit etc. begründet! Um genau zu sein bin ich solange es um echte Chancengleichheit geht ein Absolutist und gegen jegliche Doppelstandards oder Dinge wie „Gleichstellungsbeauftragte dürfen nur Frauen sein, weil nur Frauen benachteiligt werden“ – was natürlich Unsinn ist! Inzwischen machen z.B. deutlich mehr Frauen als Männer Abitur, noch mehr schließen ein Studium ab – aber weiterhin gibt es nur Frauenförderprogramme, aber keine für Männer!)) bin, finde ich das Buch gut!

    Ich darf mir (eventuell weniger oft) auch von der Verwandtschaft anhören das ich einen Defekt hätte, weil ich keine Kinder möchte und jemanden wie Nikola Tesla mehr bewundere als die Helikopter-Mutter von neben an, die nur Hausfrau ist und keinerlei Ambitionen jeglicher Art hat und am besten noch ihr Kind per GPS überwacht und sofort losfährt um das Kind zu strafen wenn es auf dem Schulweg bzw. Nachhauseweg länger stehen bleibt als sie für gut hält (bzw. Panik kriegt wenn Sohn oder Tochter vom normalen Weg abweichen!)

    Deshalb, ja: Ich mag solche Bücher und finde es ok (und rege mich echt auf – ich fange dann auch mal gerne an zu streiten, da ich gerne diskutiere und es mir nicht gefallen lasse wenn jemand meint mein Leben kritisieren zu können weil es nicht seinen Vorstellungen entspricht!) wenn jemand keine Kinder möchte und gute Gründe (ich meine ein „Ich mag nicht“ reicht mir schon, aber natürlich ist es interessanter wenn jemand noch mehr Gründe hat und diese auch ausführen kann!) dafür hat (egal ob Umwelt, Überbevölkerung, Geldsorgen (Kinder sollte man nur haben wenn man sie sich – ohne große Abstriche – auch leisten könnte, wenn einem der Staat keine Zuwendungen zahlt, finde ich!), Angst vor dem Verlust von Freiheit etc.)

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  5. Gesine

    Danke für den Artikel, ich habe das Buch nicht gelesen, aber die mediale Debatte mitbekommen.
    Was ich mich bei dem Thema frage, ist, ob das nicht eine recht eindimensionale Auseinandersetzung mit Fortpflanzung ist. Denn was ist mit dem oft bemängelten Fachkräftemangel – sollen die Nichtmütter dann einfach länger arbeiten, um den Beitrag ihrer nicht-Kinder zum – vereinfacht formuliert – BIP zu erwirtschaften? Dass die Welt ohne Menschen eine umweltfreundlichere wäre, wird niemand bestreiten, aber das muss ja nicht ernsthaft diskutiert werden, oder?

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  6. Ana

    Liebe Julia,
    ich habe ja schon öfter tolles von Dir gelesen, aber dieser Text löst absolute Euphorie aus. So schön differenziert, so ordentlich erklärt, alles logisch und eben fantastisch argumentiert. Das vermisse ich in einer von Polemik und fetten Slogans strotzenden Welt. Also: Schreibstil toll. Das Buch habe ich selber nicht gelesen und mich mit meinen 20 Jahren auch noch nicht so intensiv mit dem Thema auseinandergesetzt. Zum Argument der „Überbevölkerung“, um die Entscheidung des Nicht-Kinderkriegens als besonders selbstlos zu kennzeichnen, fällt mir nur ein, dass nicht die Anzahl der Menschen, sondern der übermäßige Konsum einiger Bevölkerungsgruppen das Problem ist. Und das sind meistens nicht die, die viele Kinder bekommen. Daher ist dieses Argument hier leider fehlgeleitet und lenkt meiner Ansicht nach den Fokus auf eine falsche Fährte.

    Freu mich, mehr von Dir zu lesen. Ana xx http://www.disasterdiary.de

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  7. Jani

    Danke für deinen tollen Artikel.
    Ich bin Mami und wollte es auch schon immer sein, kann aber auch dir Entscheidung gegen Kinder verstehen (dafür muss man auch keine Kinder hassen ;)). Ich habe auch Freundinnen, die keine Kinder wollen und das ist ok! Jeder kann doch entscheiden, wie er will.
    Und nervende Kinder in der Öffentlichkeit.. so what.. wir waren alle mal so.. und Erwachsene können auch nerven 😉 wenn man sich beschweren möchte, findet man immer etwas 😉
    Alles liebe
    Jani

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  8. Ulrike

    Das Ziel muss doch sein, das wir selbstbestimmt Entscheidungen treffen und diese gegenseitig respektiren. Mütter oder nicht Mütter in ein schlechtes Licht zu setzen ist dabei unglaublich dumm und kontraproduktiv.
    Dieses Buch richtet m.E. Nur noch mehr Schaden und gegenseitiges Unverständnis an.

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  9. Julie

    Mit Anfang 20 habe ich noch keine konkreten Vorstellungen zur Kinderplanung, aber ich wünsche mir Kinder (als Feministin und Umweltschützerin). Damit stehe ich in meinem Freundeskreis ziemlich alleine dar. Die meisten meiner Freundinnen wollen keine Kinder oder zweifeln zumindest noch. Ich ziehe sehr viel aus den Unterhaltungen mit ihnen über dieses Thema. Wir reden über unsere individuellen Lebensvorstellungen und Pläne, tauschen unsere Erfahrungen und Erwartungen aus und inspirieren uns gegenseitig. Sollte es nicht auch im öffentlichen Diskurs genau darum gehen, dass wir miteinander sprechen statt übereinander?! – Mütter und Nicht-Mütter.

    Vielen Dank für den tollen Beitrag, Julia. Ein sehr wichtiges Thema in der Debatte zu mehr Selbstbestimmung.

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  10. hirndiva

    Wenn ihre Argumentation nur dann funktioniert, in dem Frau Brunschweiger nicht Argumente für “ Kinderfreiheit “ sammelt und in Beziehung setzt, sondern vorhandene und zukünftige Eltern und Kinder diffamiert, gibt sie ein schwaches Bild ab.
    Der Vergleich mit dem Iran ist unsäglich und verbietet sich.Danke Julia für Deinen professionellen Artikel….die Wut schwingt mit und hat auch bei mir was angestoßen. Schade für die Frauen und Paare (!) , die sich ernsthaft und emotional mit ihrem möglichen Eltersein auseinandersetzen. Dieses Buch schadet mehr, als das es nützt.

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  11. hirndiva

    P.S. : ach…..ein Kind zu bekommen, es zu erziehen und zu begleiten und einen Menschen heranwachsen zu sehen, der verantwortungs- und liebevoll mit seinen Mitmenschen und der Umwelt umgeht, damit kann man die Welt zu einem besseren Ort machen.

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  12. Ju

    Weil hier viele schreiben, dass die Autorin das Argument der „Überbevölkerung“ undurchdacht anbringen würde: Das zumindest stimmt nicht. Sie sagt sehr klar, dass es ihr NICHT um die Müttern in z.B. afrikanischen Ländern geht, sondern um diejenigen, die in wohlhabenden Ländern leben, Zugang zu Verhütungsmitteln hätten und sich trotzdem für Kinder entscheiden, da Kinder in Industriestaaten laut Autorin (glaube ich zu erinnern?) etwa 30 x mehr an Ressourcen verbrauchen.

    Ich finde aber auch, dass das Buch sich oft einseitig abwertend Müttern gegenüber liest, da mag die Autorin noch so viel beteuern, dass es ihr darum nicht ginge. Den grundsätzlichen Standpunkt (nicht undurchdacht gesellschaftlichen Erwartungen folgen, nicht unhinterfragt Kinder in die Welt setzen, sich klar machen, dass wir in einer pronatalistischen Welt leben und eine Haltung dazu finden) finde ich richtig. Gerade deshalb ist es schade, dass trotzdem Vieles in dem Buch wirkt wie eine persönliche Abrechnung, auch wenn ich die Wut der Autorin gut nachvollziehen kann.

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  13. Christina W

    Hab die Analyse gerade mit meinem großen Sohn diskutiert, sehr gut geschrieben, finde ich. Hatte eigentlich Interesse das Buch zu kaufen, aber denke nach dieser Kritik, dass es sich nicht lohnt.

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  14. Sonnenkatze

    Ich kann Frau Brunschweiger in allen Punkten nur Recht geben! Meine Meinung: Wir sind ca. 8 Milliarden Menschen auf der Welt. Wie viel wollen wir noch werden? Zu viele Menschen auf der Welt bedeutet Zerstörung der Natur, raubt den Tieren den Lebensraum, schaffen Armut, Krieg und Elend. Die Überbevölkerung muss dringend reduziert werden. Wenn dies ohne Krieg geschehen soll, dann sollte man weltweit es zum Gesetz machen, dass jede Frau nur 2 Kinder bekommen darf. Danach Verpflichtung zur Verhütung. Letzteres gilt auch für Männer. Frauen, die freiwillig kinderlos bleiben wollen, gehören steuerlich begünstigt, und das Kindergeld gehört abgeschafft.

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  15. Fritzi

    Liebe Julia, danke für diesen wertvollen Artikel. Bei dem auf dem Buchtitel prangendem „Ein Mainfest“ musste ich schon schmunzeln. Ihre Argumentation: Lachhaft. Mich würde interessieren was Gisela Erler von dem Buch hält. Das Müttermanifest von 1987 ist eindeutig zukunftsgewandter (auch wenn es einen anderen Ansatz hat). Frau Brunschweiger baut Barrieren wieder auf und damit eine neue Form des „Ghetto der Nichtmütter“. Stigmatisierung par ex­cel­lence.

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  16. Mila

    Interessant in diesem Zusammenhang ist auch, dass es derzeit vor allem Schülerinnen und Schüler sind, also KINDER, die sich weltweit organisiert als Aktivistinnen und Aktivisten um eine bessere Klimapolitik bemühen. Hier zeigt sich sehr plakativ, dass Kinder eben unsere Zukunft sind. Und ihr Vorwurf, dass wir satt und phlegmatisch vom Sessel aus zusehen, wie dieser Planet zugrunde geht, ist absolut berechtigt. Also, danke für die Kinder!
    Und noch etwas, was sich allein auf meine persönliche Beobachtung stützt und zugegebenermaßen etwas polemisch rüberkommt: Ich habe einige Kinderlose in meinem Freundeskreis – und jede und jeder soll sein Leben bitte genauso leben, wie er möchte. ABER kein Einziger von ihnen würde behaupten, dass der Gedanke des Umweltschutzes ausschlaggebend war für die bewusst gewählte Kinderlosigkeit. Oftmals steckt (zumindest bei meinen Freunden) vielmehr ein großes Bedürfnis nach Unabhängigkeit und selbstbestimmter Freiheit dahinter, was sich oft in Form von ausgedehnten Reisen an die entlegensten Orte der Welt äußert. Ist ja nicht schlimm. Nur umweltbewusst ist es eben nicht 😉

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  17. ana

    Warum fällt in solchen Diskussionen eigentlich nie das Wort Adoption? Brunschweigers Argument „keine Kinder für den Umweltschutz“ wäre damit ausgehebelt… und auch ein Stück weit die Betrachtung von Elternschaft als bloßen egoistischen Fortpflanzungstrieb?

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  18. Katja

    wenn wiederum niemand mehr kinder bekommen würde, wäre dann nicht auch der wunsch nach gleichberechtigung in überflüssig? das klingt so, als ob hier eins der nervigsten klischees über frauen aufgefrischt wird. irgendwas mit stuten.

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  19. Wolf-Rüdiger Weiß

    Kinder zu haben steht für den Fortbestand der Menschheit, Kinder abzulehnen für deren Negierung. Dass aus den „niedlichen Geschöpfen“ gefühlte Monster werden, ist oft dem Versagen der pädagisch Verantwortlichen geschuldet.
    Keine Kinder haben zu wollen müsste konsequenterweise zur Umsiedlung auf eine Insel führen, von wo aus dann der/die Kinderlose bei den ersten Gebrechen bei zunehmendem Alter nach der Hilfe derer jammert, die als Kinder zur Welt kamen.
    Eine egomanischere und arrogantere, selbstverliebtere Argumentation als die der selbsternannten Feministin Brunschweiger ist kaum denkbar.
    Folgt sie nicht evtl. der Versuchung jeder unbeachteten ‚grauen Maus‘ getreu dem Degenhardt-Lied: „Irgendwas mach ich mal irgendwann – und dann, dann komm ich gaaanz groß, gaaanz groß raus“ – das Grundanliegen vieler Unzufriedener in unserer verflachten Gesellschaft.

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    1. Andreas

      Sehr geehrter Herr Weiss,

      Laut Schätzungen der Vereinten Nationen werden bereits im Jahr 2050 circa 10 Milliarden Menschen auf der Erde leben. Die Bevölkerungszahl Afrikas wird sich bis dahin auf mehr als 2 Milliarden fast verdoppeln. Ihr Argument, Kinder zu haben sichere den Fortbestand der Menschheit geht insofern fehl, als dass es für unsere moderne Zeit nicht mehr gilt, im Gegensatz zu den Jahrhunderten und Jahr(hundert)tausenden davor.

      Die erwähnten 10 Milliarden Menschen werden sich Mitte dieses Jahrhunderts in einem beispiellosen, mit allen Mitteln geführten Konkurrenzkampf um lebenswichtige Ressourcen wie fruchtbares Acker- und Weideland sowie sauberes Trinkwasser befinden, da die Klimakatastrophe dann auch dem letzten Leugner ihr volles Ausmaß vor Augen führt. Die Weltwirtschaft, Gesellschaften, Staaten oder vielleicht auch unsere ganze Zivilisation werden an den Rand des Zusammenbruchs gebracht, vielleicht auch darüber hinaus.

      Es ist unter anderem die Aussicht auf diese Zukunft, die mich, männlich, 40, dazu bewogen hat, das Thema Kinder ad acta zu legen. Wer seine Kinder wirklich liebt, zeugt sie gar nicht erst. Dennoch mache ich den Eltern in meinem Freundeskreis ihre Entscheidung für Kinder nicht madig. Leben und Leben lassen.

      Der andere Grund war, dass ich mich nicht als für die Vaterrolle geeignet halte. Würde ich dennoch Kinder zeugen, hätten weder die Kinder noch ich sehr viel davon. Ich vermag in beiden Gründen weder Egomanie noch Arroganz zu erkennen.

      Ich stimme dennoch Ihnen und den anderen Kommentatoren zu, dass das besprochene Buch Elternschaft zu Unrecht schlecht macht, die „Lager“ gegeneinander ausspielt und den bewusst Kinderlosen – Frauen wie Männern – einen Bärendienst erweist.

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  20. Larissa

    Vielen Dank für die fundierte Kritik – hätte ich ehrlich gesagt auf diesem Blog gar nicht erwartet. Mach bitte weiter so!

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  21. Kamul Abala

    Ich habe einfach kein Verlangen, Kinder zu zeugen. Meine Lebensgefährtin ebenfals.
    Motorrad fahren mag doch auch nicht jeder.

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