Nein zur Mutterschaft? Warum nicht alle Frauen Kinder haben wollen

Können Sie sich vorstellen, Mutter zu sein? Ginia hat jahrelang darauf gewartet, dass sie Mutterinstinkte bekommt und sie in ihrer Mutterschaft vollkommen aufgeht. Irgendwann kommt das sicher, dachte sie. Aber obwohl die in San Francisco geborene Frau Kinder gern mochte, verspürte sie doch nie den Drang, eigene zu haben – auch nicht, als sie den Mann traf, den sie schließlich heiratete; nicht einmal, als ihre Freundinnen Babys bekamen. Jetzt, mit 42, liegen ihre letzten fruchtbaren Jahre vor ihr, und auch wenn sie an manchen Tagen Sorge hat, dass sie ihre Entscheidung in der Zukunft vielleicht bereuen könnte, ist sie doch ziemlich zufrieden damit, die biologische Uhr zu Ende ticken zu lassen.

„Wenn ich so ein Mensch gewesen wäre, der ein Baby sieht und es gleich ‚aufessen‘ möchte – Sie wissen schon, wie manche Frauen reden, als wäre ein Baby ein Muffin –, dann hätte ich es vielleicht gemacht und gar nicht erst drüber nachgedacht“, sagt Ginia, die darum gebeten hat, zum Schutz der Privatsphäre ihren Namen zu ändern. „Aber bis zu einem bestimmten Punkt, und eben auch mangels dieser Reaktion, war ich mir einfach nicht sicher, ob ich das Leben, das die Kinderlosigkeit mir ermöglicht hat, einfach so aufgeben wollte: häufige Reisen, schöne Kleider, Ausschlafen am Sonntag.“ Ihre Freundinnen erzählten von Ehemännern, die sich nicht genug beteiligten, mit eindeutig wachsendem Unmut; ihre eigene Ehe war ziemlich stabil, und so wollte sie sie auch behalten. „Ich mag Kinder“, sagt sie. „Aber sie sind eine Riesen-Aufgabe – und man hat sie für immer.“

 
 
 
Sieh dir diesen Beitrag auf Instagram an

Ein Beitrag geteilt von VOGUE Germany (@voguegermany) am

Ginia mag unter ihren Freundinnen die Einzige ohne Kinder sein, aber sie ist bestimmt nicht allein damit. Die Geburtenraten sinken weltweit, so, wie die mütterliche Unentschlossenheit steigt. Die „Global Burden of Disease“-Studie von 2017 berichtet, dass sich die weltweite Geburtenrate seit 1950 halbiert hat, während eine Analyse von 33 Studien zu Familienplanungs-Absichten (wörtl.: „Fruchtbarkeits-“ oder „Vermehrungs-Absichten“) in Industrieländern festgestellt hat, dass ca. ein Fünftel bis ein Drittel der Frauen, die schwanger werden, nicht sicher sind, ob sie tatsächlich ein Kind wollen. Die US-amerikanische Geburtenrate ist so niedrig wie noch nie. Ebenso die Südkoreas, wo sie letztes Jahr zum ersten Mal überhaupt unter die Grenze von einem Kind pro Frau fiel. Anfang dieses Monats berichtete die „Financial Times“, dass die Geburtenzahl in China das zweite Jahr in Folge nach der Rücknahme der Ein-Kind-Regelung gesunken ist.

Kinder sind teuer

Die Gründe, die Frauen dafür angeben, sind unterschiedlich. Zum einen sind Kinder teuer: Ein USDA-Report von 2017 errechnete, dass amerikanische Eltern im Durchschnitt mehr als 230 000 Dollar (ca. 205 000 Euro) pro Kind ausgeben, vom Zeitpunkt der Geburt bis zum Alter von 17 Jahren, also noch ohne Ausbildungs-Kosten. Die Wissenschaft hat schon vor einiger Zeit festgestellt, dass ein Kind zu haben so ziemlich das Übelste ist, was man der Umwelt antun kann; eine schwedische Studie fand heraus, dass ein Kind weniger zu haben, nahezu einer Einsparung von 60 Tonnen Kohlendioxid entspricht. Der Zuwachs an arbeitenden Frauen – und solchen mit Haupt-Familieneinkommen – weltweit sorgte ebenfalls dafür, dass viele zögern, einen Job aufzugeben, von dem sie nicht sicher sind, ob er nach der Elternzeit noch da ist.

Aber es gibt auch viele Frauen, die aus anderen Gründen, die manche vielleicht weniger nachvollziehen können, keine Kinder wollen. „Meine Freunde würden mich als die perfekte Mutter bezeichnen“, sagt die 29-jährige Londoner Künstlerin Lotte Andersen. „Ich finde nicht alles gleich eklig und bin gut im Übernehmen von Verantwortung. Meine Mutter ist gestorben, als ich noch sehr jung war, und ich habe mich um meine Geschwister gekümmert, und ich bemuttere andauernd meine Freundinnen. Aber ich mache genau das, was ich will. Ich habe Sex mit Männern und Frauen. Ich bin in so vielfältiger Weise frei, was mir sehr wichtig ist und grundlegend für meine Persönlichkeit. Das klingt vielleicht egoistisch, ich hasse es, das zu sagen, aber ich habe das Gefühl, jetzt effizient sein zu müssen“, sagt sie. „Schon seit ich klein war, hat mir der Gedanke, dass man für ein Kind acht bis zehn Jahre opfern muss, Angst gemacht. Meine Arbeit ist mein Kind.“ Aber auch wenn ihr diese Entscheidung und ihr Leben, so wie sie es führt, Kraft gibt, fühlt sie sich doch verurteilt.

 

 
 
 
Sieh dir diesen Beitrag auf Instagram an
 
 
 

 

Ein von @eckhaus_latta geteilter Beitrag am

Frauen ohne Kinder werden oft verurteilt

Und wahrscheinlich wird sie das wirklich. Selbst wenn mehr und mehr Frauen sich gegen Kinder entscheiden – und die Vorstellung, dass es viele verschiedene Möglichkeiten gibt, eine „Familie“ zu gründen, deutlich normaler geworden ist – werden Frauen, die sich diesen Ansprüchen nicht beugen oder noch nicht einmal mütterliche Gefühle spüren, noch immer stigmatisiert. Frauen, die sich dem entziehen, werden als irgendwie „bedrohlich“ angesehen, meint Anderson. Sie stellen unsere Erwartungen, was Frauen tun oder „sollten“, auf den Prüfstand.

„Viele glauben, dass Frauen, die keine Kinder wollen, keine Kinder mögen, was so gut wie nie der Fall ist“, sagt die Psychologin Dr. Sarah Gundle, klinische Leiterin am Behavioural Health Studio Octave in Manhattan. „Ob man Kinder mag oder nicht, ist nur selten der Grund, aus dem Patienten entscheiden, kinderlos zu bleiben. Frauen haben heute mehr Möglichkeiten, und für viele ist das nur eine Option wie jede andere. Aber die Vorstellung von Frauen [als Müttern] ist so tief in unserem kollektiven Bewusstsein verankert, dass Frauen, die sich dagegen entscheiden, häufig als ein wenig verdächtig gelten.“

Oder sogar mehr als nur ein wenig. Eine 2017 in der Zeitschrift „Sex Roles“ veröffentlichte Studie fand heraus, dass viele Leute die Entscheidung, auf Elternschaft zu verzichten, nicht nur als unnormal, sondern auch als moralisch falsch betrachten. „Freiwillig kinderlose Menschen sorgten für moralische Entrüstung – Wut, Abscheu, Enttäuschung – im Vergleich zu Menschen mit Kindern“, sagt die Autorin der Studie, Dr. Leslie Ashburn-Nardo. „Man sah sie außerdem als psychisch weniger erfüllte Personen.“ Anders ausgedrückt, sagt sie, gehen die meisten von uns davon aus, dass freiwillig kinderlose Menschen ein „unvollständiges“ und „unglückliches“ Leben führen. Im chinesischen Online-Magazin „Sixth Tone“ schreibt Fan Yiying über die offene Ablehnung in China gegenüber Paaren, die sich entscheiden, keine Kinder zu haben; sogar die im Text zitierte Eheberaterin „rät ihren Kunden, Kinder zu haben, nennt Elternschaft ‚eine unverzichtbare Lebenserfahrung‘ und argumentiert, dass Kinder Arbeit und andere Lebensziele nicht ausschließen müssen.“

Es ist fast ironisch, wie Dr. Gundle bemerkt, dass Kinder zu haben, Menschen nicht wirklich glücklicher macht. Eine Studie, die 2016 im „American Journal of Sociology“ veröffentlicht wurde, untersuchte Familien in 22 Ländern und stellte fest, dass Kinder zu haben, Menschen erheblich weniger glücklich werden ließ, als keine zu haben – ein Phänomen, das Forscher die „Parenting Happiness Gap“ nennen (ungefähr zu übersetzen mit „durch Elternschaft bedingte Glücks-Differenz“. Das gilt vor allem für die USA, in Ländern mit besseren Sozialsystemen wie Frankreich, Schweden, Norwegen oder Finnland soll es andersherum sein.

Dennoch, meint Dr. Ashburn-Nardo, „neigen wir als Gesellschaft dazu, anzunehmen, dass [Kinder zu haben] mehr als das ist, was die meisten Menschen machen, es ist das, was sie auch machen sollten. Es kann hilfreich sein, Voreingenommenheit abzuwenden, wenn eine kinderlose Frau einen Grund nennt, warum sie keine Kinder will“, fährt sie fort. „Aber das ist nicht sonderlich fair – wir fragen ja auch keine Eltern, warum sie sich für Kinder entschieden haben, warum sollten wir also nach den Motiven Kinderloser fragen?“

 
 
 
Sieh dir diesen Beitrag auf Instagram an

Ein von @eckhaus_latta geteilter Beitrag am

Es könnte vielleicht auch daran liegen, dass Eltern ihre eigenen Motive infrage stellen. Dr. Gundle sagt, dass sie viele Patienten trifft, die gemischte Gefühle zum Thema Kinder haben, nachdem sie bereits eigene Kinder bekamen, oft als Reaktion auf den Druck gegenüber Frauen, besonders Müttern, perfekt zu sein, sich zu viel aufzubürden und die Kinder immer zu ihrer Priorität zu machen. „Ambivalenz unter Müttern ist sehr verbreitet, wird aber nur selten angesprochen, weil sie so häufig mit Scham verbunden ist“, sagt Dr. Gundle. „Aber der Wunsch, Kinder ‚richtig‘ zu erziehen, belastet Eltern letztlich in alarmierender Weise.“

Andersen meint, für sich sei ihre Entscheidung gegen Kinder eine der verantwortungsvollsten und am wenigsten egoistischen gewesen, die sie bisher getroffen habe. „Es gibt viele Dinge, die ich mehr liebe als mich selbst“, sagt sie. „Ich denke nur einfach, ich bin oben angekommen, bin absolut ausgebildet, privilegiert, warum in Gottes Namen sollte ich dieses Privileg nicht ernst nehmen? Wenn ich nach Peru reise und die Kunst machen kann, die ich möchte, ist das eine bessere Nutzung meiner Zeit, als ein Kind zu stillen. Ich wünschte nur, dass mehr Mädchen wüssten, dass das eine Option ist. Ich glaube, sie müssen Frauen zu Gesicht bekommen, die sich für andere Dinge entscheiden – eines Tages wird es heißen, Tante Lotte hatte ein tolles Leben.“

Dieser Text von Dr. Peggy Drexler stammt aus unserer VOGUE COMMUNITY.

Dr. Peggy Drexler ist eine in New York lebende Psychologin und Filmemacherin. Sie ist die Autorin von zwei Büchern über Gender und Familie. In ihrem nächsten Buch wird es um die Kultur des weiblichen Wettbewerbs gehen; Peggydrexler.com

17 Kommentare

  1. elsa

    Nun, ich gebe zu, ich bin etwas gespalten was diesen Text angeht. Immer wieder dieses Für und Wieder. Studie hier und Studien da. Als ob es nur Schwarz und Weiß geben würde.
    Auch mein Mann und ich sind 40, Entscheidung: kinderlos.
    Ich habe meinen Mann mit 25 kennengelernt und wir möchten keine eigenen Kinder. Dabei ging es nie um CO2-Abdrücke, Geld oder Karriere, es ging nie um Mutter-/Vaterinstinkte oder Für/Wider-Argumente. Sondern schlicht und einfach um zutiefst innere Emotionen, unsere Persönlichkeiten und unsere Liebe zueinander. Das ist sehr privat und sobald die Frage nach dem „Warum habt ihr keine Kinder.“ kommt, kann ich diese sehr intimen Gefühle nicht in eine schnelle, einfache Antwort wiedergeben. Es ist nicht dieses eine Ding, was zu dieser Entscheidung führt. Es ist ein sehr komplexer Entscheidungsvorgang, der sich über Jahre entwickelt hat. Genauso wie die Entscheidung für ein Kind komplex ist. Es hat vielleicht den Anschein, es ist EIN Wunsch, EINE Entscheidung. Aber es gibt soviele Kausalitäten, die dazu führen. Ich mochte nie den Ausdruck sich GEGEN ein Kind zu entscheiden. Es klingt so wahnsinnig negativ gegen etwas zu sein. Wenn dann sollte es immer korrekt GEGEN EIGENE Kinder heißen.Wir lieben Kinder und sind von Nichten, Neffen und Patenkindern umgeben, zu denen wir ein inniges Verhältnis haben. Wir lieben Kinder, möchten sie aber nicht erziehen.
    Wir sind beide sehr eng miteinander verbunden und hatten einfach nie das Gefühl ein Kind würde uns komplettieren. Im Gegenteil. Es würde unsere Beziehung völlig verändern und das waren wir nie bereit aufzugeben. Wäre ich doch ungewollt schwanger geworden, hätten wir uns der Aufgabe gestellt. So einfach ist das. Aber dadurch, dass wir uns heute (glücklicherweise) entscheiden dürfen, wie wir unser Leben gestalten möchten, haben wir uns für die Zweisamkeit entschieden.

    Es gibt im obigen Text eine Stelle, die bei mir Kopfschütteln verursacht:
    „…Wenn ich nach Peru reise und die Kunst machen kann, die ich möchte, ist das eine bessere Nutzung meiner Zeit, als ein Kind zu stillen.“
    Nun, nicht gerade förderlich, wenn es um die Akzeptanz von „Nicht-Elternsein“ geht. Denn es gibt kein „besser oder schlechter“. Solche Sätze sind fragwürdig. Was man nicht kennt, kann man nicht beurteilen. Die Dame weiß einfach nicht, ob es eine bessere Zeit für sie ist. Punkt. Es ist eine gute Zeit für sie Kunst in Peru zu machen. Aber sie kann doch keinen Vergleich zu etwas anderem anstellen, was sie nicht kennt. Man sollte sich der Wirkung von Sprache bewusst sein. Oder sehe ich das zu streng?

    Ich versuche immer offen mit dem Thema umzugehen. Bei unserer Generation gelingt es mir, da meine Gesprächspartner zumeist auch offen sind. Aber es bedarf stets ein längeres Gespräch. Ein schlichtes „Wir möchten nicht.“ ruft immer wieder ein erstaunliches „Oh“ hervor und ein abwartendes Gesicht, was signalisiert, dass man jetzt eine längere Erklärung dazu erwartet. Von niemanden böse gemeint, aber dennoch eine Übergriffigkeit in ein sehr privates Thema.

    Der beste Freund von meinem Opa war mit seiner Frau auch kinderlos. Ich weiß gar nicht, warum das so war. Damals schwieg man diskret bei diesen Thema, da man davon ausging, dass sie biologisch keine Kinder bekommen können. Eine eigene Entscheidung ist damals undenkbar gewesen. Vielleicht war das damalige Schweigen gegenüber Paare einfacher. Heute muss man seine Entscheidung erklären, weil man weiß, dass es nicht nur biologische Gründe gibt. (Wenn man darüber nachdenkt, ist die Frage nach Kindern eigentlich sehr sadistisch. Eigentlich weiß doch jeder, dass eine Frau, die keine Kinder bekommen kann, schmerzhafte Qualen durchlebt. Auf der anderen Seite zeigt es vielleicht auch Neugier und das man von anderen Lebensmodellen hören möchte…)

    Ich jedenfalls bewunderte als Kind den Freund meines Opas und deren Frau, da sie bis zu ihrem Tod unglaublich liebevoll und innig miteinander waren. Es war das erste Mal, dass ich eine Beziehung kennenlernte, die nur aus einer Frau und einem Mann bestand. Nicht aus Mutter und Vater. Und vielleicht hat mir diese Erinnerung auch das Selbstbewusstein gegeben, dass man nicht zwingend Kinder braucht, um eine lange, glückliche Beziehung zu führen. Das man auch ohne Kind eine Familie sein kann.

    Meine Oma sagte mir, dass sie und mein Opa froh gewesen wären, eine Entscheidung gehabt zu haben. Wie sie sich entschieden hätten, kann man meine Oma nicht beantworten. Dabei geht es auch gar nicht darum, was nun glücklicher gemacht hätte. Es geht schlicht und einfach um die Wahl.

    Antworten
    1. Sarah Jane

      Liebe Elsa, ich danke dir für diesen reflektierten Kommentar und diese Ergänzung. Ich sehe das ähnlich, wenn es um diese Schwarz/Weiß-Malerei geht und hoffe, wir kriegen es irgendwann hin, einen völlig vergleichfreien, selbstbewussten und verständnisvollen Diskurs herzustellen.

      Antworten
      1. elsa

        Liebe Sarah, hahaha, das nenne ich Spätzünder. Gerade mitbekommen, dass du ein zweites Baby erwartest: Liebe Glückwünsche!
        Ich denke, der allgemeine Diskurs hat längst begonnen – zumindest im privaten Bereich. Ich persönlich wurde noch nie wegen dieser Entscheidung angegriffen. Verwunderung ja. Verurteilung eigentlich keine. In unseren Freundeskreis gibt es sämtliche Variationen von Lebens- und Familienmodelle. Daher ist die Akzeptanz im Freundeskreis ganz selbstverständlich. Selbst in unseren Familien wurde unsere Entscheidung nie in Frage gestellt – vielleicht auch weil unsere Geschwister bereits Kinder haben 🙂
        Im öffentlichen Diskurs wird das Thema noch mit Samthandschuhen angefasst oder populistisch dramatisiert. Ich denke, dass es sehr schwer ist, so etwas öffentlich zu diskutieren, eben weil es verdammt privat ist. Deswegen hat mir oben im Text vor allem die Stelle gefallen: „…wir fragen ja auch keine Eltern, warum sie sich für Kinder entschieden haben, warum sollten wir also nach den Motiven Kinderloser fragen?“
        Am Ende muss sich EIN Text, um EINE Frau handeln. Denn ist gibt soviele Gründe wie Frauen…
        Also, danke für das Aufnehmen des Themas! Es wird.

        Antworten
    2. Conny

      Über den Satz, den Elsa zitiert, bin ich auch gestolpert. Vielleicht nicht die beste Formulierung in einem ansonsten schönen Text.

      Viele meinen ja, es bräuchte keine Artikel wie diese, ich freue mich aber doch immer wieder über interessante Meinungen zum Thema Kinderwunsch.

      Mit Ende 20 muss man sich ständig anhören: „Ach, das kommt bei dir noch, du hast ja noch Zeit, du willst sicher auch irgendwann Kinder“ – damit ist für mein Gegenüber das Thema oft abgehakt.

      Für mich stand schon als kleines Kind fest, dass ich keine Kinder bekommen möchte. Das mag ungewöhnlich klingen, aber seitdem ich herausgefunden habe dass ich meine chronische Erkrankung von gleich zwei Seiten der Familie vererbt bekommen habe, dachte ich mir: „Also ich möchte diese Gene nicht weitergeben.“ Es würde mir vermutlich das Herz brechen und mich schuldig fühlen lassen, wenn meine Kinder oder Enkel auch erkranken würden.

      Manche Menschen zeigen sich auch einfach wenig sensibel, wenn sie über das Thema sprechen und haben nur ihr eigenes Familienmodell im Kopf. Ich erinnere mich an eine Arbeitskollegin, die 20 Jahr älter ist und drei Kinder hat. Sie lässt oft und gern Kommentare in der Art los: „Und, wer ist bei uns in der Abteilung wohl der/die nächste der/die heiratet oder Mama/Papa wird? Wann ist es denn bei dir so weit?“
      Dazu fällt mir wirklich nichts mehr ein.

      Antworten
  2. Franziska

    Ich bin jetzt 31 und ich habe noch nie Kinder gewollt. Das ist für mich persönlich völlig natürlich und selbstverständlich einfach keinen Kinderwunsch zu haben und daher bin ich damit schon immer offen umgegangen, weil ich noch nie verstanden habe was daran so merkwürdig sein soll. Allerdings ließen mich die Reaktionen von Anderen darauf oft ein wenig verwirrt zurück. Sei es mein ehemaliger Hausarzt, der mir eine lange Rede gehalten hat, dass es doch meine gesellschaftliche Pflicht als Frau wäre ein Kind zu bekommen oder die vielen Personen, die mir versprochen haben, dass der Kinderwunsch definitiv noch kommt, weil das wäre ja für eine Frau sonst unnormal.
    Zugegeben, mit 31 ist noch alles drin und die biologische Uhr tickt auch noch nicht bedrohlich. Aber ich sehe da keinen Wandel in meiner Einstellung kommen. Ich mache meinen nicht vorhandenen Kinderwunsch auch nicht an DEM einen Grund fest. Das gehört einfach irgendwie zu mir – sicherlich auch motiviert durch viele kleine Gründe. Und ich denke, dass man keine Kinder braucht um ein erfülltes Leben zu führen.

    Was ich jedenfalls damit sagen will: es wäre wirklich schön wenn die Frauen, die keinen Kinderwunsch haben, nicht immer wie Aliens behandelt werden.
    Also danke für diesen Artikel. 🙂

    Antworten
  3. Eva

    Als du, Sarah, diese Woche von deiner Schwangerschaft berichtet und am Ende des Artikels gefragt hast, ob denn Artikel zur Schwangerschaft gewünscht sind, hatte ich genau den Wunsch nach einem Artikel über Nicht-Schwangerschaft bzw. Nicht-Mutterschaft. Aus irgendeinem Grund wollte ich diesen Wunsch aber nicht in einem Kommentar äußern. Vielleicht weil ich nicht als Spielverderberin dastehen wollte und mich – ähnlich wie bei meinen Freundinnen – auch bei Sarah über die Schwangerschaft freue. Jedenfalls hab ich mich heute gefreut, als ich die Überschrift des obigen Artikels gelesen habe.

    Julia Korbik hat hier ja einmal geschrieben, dass sie ungern über ihre eigene Kinderlosigkeit spricht, weil es ihr einfach zu privat ist und weil sie ja nicht wissen, ob der Kinderwunsch nicht doch noch kommen würde. Ich kann das absolut nachvollziehen. Und dennoch ist es schade, dass in meiner Wahrnehmung noch relativ wenig über Kinderlosigkeit – und sei sie nur vorläufig – gesprochen und geschrieben wird. Prätentiöse Berichte wie „Kinderfrei statt kinderlos“ von Verena Brunschweiger finde ich wenig hilfreich und auch die Zitate im oben genannten Artikel („häufige Reisen, schöne Kleider, Ausschlafen am Sonntag…“) stoßen bei mir – ähnlich wie bei Elsa – auf Unmut. Sie vermitteln das klischeehafte Bild einer durchweg egoistischen Frau, die im krassen Gegensatz zu einer fürsorglichen und liebenden Mutter steht. Und zementiert dadurch den postulierten Gegensatz Mutter – Nicht-Mutter. Genau aufgrund des Klischees der egoistischen, kinderlosen Frau ist es meiner Meinung nach so wichtig, mehr und differenzierter über das Thema Kinderlosigkeit zu schreiben; ich wünsche mir u.a. mehr reflektierte Stellungnahmen zur Kinderlosigkeit wie die von Elsa.
    Man könnte zum Beispiel auch einmal beleuchten, dass egoistische und wenig rationale Motive sowohl bei der Entscheidung für als auch bei der Entscheidung gegen Kinder eine große Rolle spielen und somit dieses Egoismus-Gespenst greifbarer machen. Ziel sollte tatsächlich ein vergleichsfreier, offener, verständnisvoller und nicht-wertender Diskurs sein, da gebe ich dir völlig recht, Sarah.

    Antworten
    1. Sarah Jane

      Liebe Eva,
      es war mir wahnsinnig wichtig, dass heute ein solcher Artikel kommt, der meiner persönlichen Entscheidung für ein Kind ganz natürlich gegenübersteht. Ich habe selbst Freundinnen, die keine Kinder wollen, keine Kinder kriegen können oder es schlicht und ergreifend noch nicht wissen, was die Zukunft bringt. Und ich wollte manchen von euch unter keinen Umständen mit meiner persönlichen Geschichte das Gefühl geben, dass es hier fortan nur noch um BabyStuff und Mutterglück geht. Denn ich will, dass JW ein Ort ist, an dem sich aufgeschlossene Menschen aufgehoben und verstanden fühlen, wieder einmal laut kritisieren dürfen und ein achtungsvoller Umgang herrscht. Ein Ort, der viele unterschiedliche Meinungen und Erfahrungen unter einen Hut bringt und die Vielfalt damit unterstreicht. Nur, weil ich mich für Kinder entscheide, bedeutet das keineswegs, dass ich das von anderen (Frauen) erwarte oder es jeder Frau empfehlen will, ihr die Zurechtnungsfähigkeit abspreche oder ihr vollkommenes Glück entsage. Ganz im Gegenteil: Ich kann es absolut nachvollziehen, warum Menschen KEINE Kinder kriegen, warum sie das Kinder kriegen vielleicht sogar bereuen oder schlicht und ergreifend nicht wissen, was in 10 Jahren ist. Und mir ist es wichtig, dass ihr das alle wisst, dass hier niemand für seine Meinung zu diesem Thema bzw. für seine Entscheidung verurteilt, noch über den Bildschirm schief angeschaut wird <3

      Antworten
  4. Katja

    Oberflächlich vs. tiefgründig, egoistisch vs. selbstlos, kalt vs. liebend, hart vs. fürsorglich,. unnatürlich vs. natürlich, sinnlos vs. erfüllt, abnormal vs. normal, heilige Madonna vs. eiskaltes Miststück – das sind so die Kategorien, mit denen man zwischen Müttern und Frauen unterscheidet, die keine Kinder woll(t)en. Fassungslos ist man, und auch empört, und geradezu moralisch entrüstet, wenn eine Frau sagt: Nein, will ich nicht und wollte ich nie. «Wut, Abscheu, Enttäuschung» werden die Reaktionen im Artikel schön zusammengefasst.

    Wenn man dann aber fragt: Wieso willst/wolltest du Kinder, dann hört man: Ich will im Alter nicht alleine sein. Ich will, dass sich jemand um mich kümmert. Ich möchte, dass etwas bleibt von mir. Ich kann doch nicht einfach spurlos verschwinden. Ich möchte eine Familie, damit ich nicht einsam bin.
    Das ist selbstlos?

    Auf Instagram sind immer alle die glücklichsten Familien der Welt, cuddles in between meetings and fashion shows! So much love! Ich kenne wirklich viele Mütter, und alle lieben ihre Kinder über alles und würden sie für nichts auf der Welt wieder hergeben – das muss mir keine extra versichern, wenn sie mir anvertrauen: Ganz ehrlich, also so ganz unter uns: ich hab ja gewusst, dass es hart wird. Aber wenn ich gewusst hätte, WIE hart, dann hätte ich es, glaube ich, nicht gemacht. Das hat bisher ungelogen jede einzelne Mutter irgendwann zu mir gesagt.
    Jede einzelne.

    Dafür hat keine einzige hat jemals, auch nur ein einziges Mal, zu mir gesagt: Hey, es ist auch hart. Klar. Aber dennoch ist es das BESTE, was es gibt, glaube mir, das solltest du nicht verpassen, auch wenn der Preis hart ist. Mutterschaft ist so etwas grossartiges, das MUSST du erleben.
    Keine einzige.

    Antworten
    1. Sarah Jane

      Liebe Katja,

      es tut mir total leid, aber dein Kommentar lässt mich komplett verwundert zurück. Zum einen, weil ich tatsächlich keine Mutter kenne, die den Kinderwunsch wie oben beschrieben begründet (Stichwort „Einsamkeit“). Zum anderen, weil ich ebenfalls und sogar sehr oft höre, dass es das Beste ist. Auch ich sage das, zu mir und zu anderen Frauen, die Kinder haben: Dass es für MICH das Beste ist, auch weil es eine Challenge ist. Allerdings sage ich das nicht zu Frauen, die ganz bestimmt keine Kinder haben wollen. Warum auch? Um ihnen ihre Entscheidung abzusprechen? Um sie umzustimmen? Um ihnen zu sagen, dass ihr Weg nicht der Richtige und Beste sein kann?

      Vielleicht habe ich aber auch die Essenz deines Kommentars nicht verstanden und verstehe einfach nicht ganz, worauf du hinauswillst :/

      Antworten
      1. Katja

        Sarah, ich bin richtig froh, dass du das sagst – dass du so viele kennst, die sagen, dass es das Beste ist. Mir sind diese Frauen einfach nicht begegnet.

        Ich habe selbst ganz lange Zeit gar nicht sicher gewusst, ob ich Kinder möchte oder nicht. Genau in der Phase – und dass ich so unsicher war, wussten meine engen Freundinnen natürlich – hätte mir vielleicht „geholfen“, wenn eine gesagt hätte: Hey, es lohnt sich. Wirklich. Das darfst du nicht verpassen. Hat aber wirklich keine von ihnen. Das hat mich schon sehr nachdenklich gemacht. Bzw. bestärkt in dem Gefühl: man muss es vielleicht nicht unbedingt.

        Ich glaub, was ich (auch) sagen wollte, ist: Frauen wird leider immernoch hart eingetrichtert, dass es das Grösste und Wichtigste ist und SEIN MUSS. Und ich den Eindruck habe: Für viele, die Mutter geworden sind, ist es das eben nicht. Das flüstert man aber nur vertraut hinter vorgehaltener Hand, weil das irgendwie nicht sein darf.

        Antworten
        1. Katja

          Und wenn ich dann grad noch was fragen darf: Womit begründen denn die Frauen, mit denen du sprichst, den Kinderwunsch, wenn es alle von mir aufgezählten Gründe nicht sind?

          Antworten
          1. Sarah Jane

            Aber natürlich! Ich kann einzelne Stimmen nicht wiedergeben, aber ich kann meine natürlich in die Runde werfen:
            Ganz ehrlich, ich bin froh, dass ich mich getraut habe, Mutter zu werden, weil ich so ein unfassbar bereicherndes Kind an meiner Seite habe. Weil Wilma mich fordert und vielleicht auch zu einem besseren Menschen gemacht hat. Weil sie mich so vieles gelernt hat, zum Beispiel zu entschleunigen und mit wachen Augen zu leben. Weil sie mich Dinge fragt, die ich lange nicht mehr erfragt habe. Weil sie mich mit ihrem Humor und ihrer Kreativität zum Staunen bringt.
            Ich will sie nie wieder hergeben, weil ich ihr, so lange ich darf, alles von dieser Welt zeigen will. Ich will ihr dabei helfen, ein schlauer, versierter, mutiger und toleranter Mensch zu werden. Ich will an ihrer Seite sein, wann immer sie mich braucht. Will mit ihr kuscheln und streiten, schweigen und Quatsch machen.

            Woher man das alles weiß, wenn man noch keine Kinder hat? Ich hatte auf genau das richtig Lust – und das habe ich auch ein zweites Mal. Ich weiß, dass es wahnsinnig anstrengend wird. Dass ich heulend auf dem Schoß von Nike liegen werde und mein Freund und ich uns wegen Lapalien streiten könnten. Ich weiß, wie viel fomo kommen könnte und dass ich manchmal bereue. Aber ich weiß auch, dass ich es liebe, im Chaos zu leben, in der ganzen Unperfektheit. Ich liebe Veränderungen, ich liebe Lebendigkeit und ich hab so große Lust auf noch mehr von alledem. Aber hey, natürlich: Auch ich brauche bei meinen Freund*innen und bei meinem Partner den Raum, auch mal zu meckern, zu heulen und nicht weiterzuwissen.

            Ich fürchte, viele Menschen stellen sich die Sache mit den Kindern entweder viel zu einfach vor und wünschen sich sehr, damit eine Lücke schließen zu können. Viele wollen zwei Kinder, weil sie denken, das macht man so, wegen der Geschwister und der Liebe und so und vergessen dabei aber, dass es dafür eh keine Garantie gibt. Vielen wird ein völlig falsches Bild von „du kannst alles schaffen“ suggeriert und viele Männer ziehen leider noch immer nicht mit an einem Strang. Weißt du, wenn mein Partner damals nicht selbstverständlich gesagt hätte, dass er alles 50 Prozent mitträgt, mitliebt und miterzieht, dann hätte ich heute mit ihm keine Kinder. Das klingt auch irgendwie traurig, aber das ist so. Ich bin nicht nur Mama. Ich bin auch immer noch Sarah, die von früher und die von heute. Ich bin Freundin, Partnerin, Geschäftsfrau, Schwester, Tochter – und ich bin Mutter. Aber ich sah und sehe es nach wie vor nicht ein, auch nur eine Seite von mir aufzugeben.

            Himmel, ich habe heute einen Redeschwall. Das Büro leidert schon unter mir. Ein Punkt ist mir wichtig: Ich habe mir in diesem Punkt nie Vorbilder gesucht oder habe mich nach ihnen gesehnt. Ich wollte immer ganz bei mir sein – und das hat bisher auch immer gut funktioniert. Ich will mein eigenes Vorbild sein und bisher habe ich das für mich ganz gut hingekriegt <3

            Und ja: Frauen leiden immer noch darunter, dass es das Beste und einzig Wahre ist. Und das ist einfach nicht richtig: Nicht für jede und jedermann! Das ist absoluter Bullshit und wer keine Kinder möchte, der muss irgendwie versuchen, sich davon zu befreien. Ich habe diese Gespräche gerade so oft in meinem Freundeskreis und gefühlt geht es derzeit um kein anderes Thema. Das Ding ist nur, liebe Katja, ich kann dir nicht sagen: Mach' es, es ist das Allerbeste. Weil es für dich vielleicht nicht das Allerbeste ist. Ich kann es nicht zu meiner Freundin sagen, nicht zu meiner Schwester oder sonst wem. Das muss leider jede*r für sich selbst entscheiden. Bloß kann ich sehr gut verstehen, dass diese Entscheidung verdammt schwer ist. Vor allem, weil immerzu betont wird, dass uns Frauen diese Entscheidung ab einem gewissen Alter sowieso abgenommen wird.

      2. Suzie

        Oh doch – „Einsamkeit“ kenne ich bei mir & meinen Freundinnen schon als Begründung. Nicht allein, aber doch als ein Teilaspekt.
        Auch wenn jedem natürlich klar ist, dass die Kinder nicht zwangsläufig im Alter wirklich für einen da sein werden.

        Antworten
  5. Ena

    Ich kann allen, die sich mit dem Thema Mutterschaft bzw. Nicht-Mutterschaft beschäftigen, nur das Buch „Motherhood“ von Sheila Heti absolut ans Herz legen. In ganz tollen Worten reflektiert eine Erzählerin Mitte Dreißig, ob sie sich dazu entschließen sollte, ein Kind zu bekommen oder eben nicht, und welche emotionalen, sozialen und psychologischen Motive dabei eine Rolle spielen.

    Antworten
  6. Sara

    Ach Sarah, genau so ist es ! Du sprichst mir so aus der Seele, ich sitze hier und kämpfe mit den Tränen. Mir geht’s als Mama genauso und ich bin froh die Herausforderung angenommen zu haben. Aber ich bin ebenfalls der Meinung, dass man natürlich auch ohne Kinder ein absolut erfülltes Leben führen kann. Warum auch nicht, man hat vor dem Kind ja auch ein tolles Leben geführt… Es gibt bei beiden Lebensmodellen Vor- & Nachteile. Nur nützt es einem nicht viel diese vorher aufzulisten und abzuwägen. Es ist meiner Meinung nach einfach eine absolute Gefühlssache ob man Kinder bekommen möchte oder nicht.

    Antworten
  7. Pingback: Girlpower News | KW 30 | Femtastics

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Mehr von

Related