Ausprobiert // Sind Mini Bags die reinste Befreiung vom Ballast oder einfach nur Banane?

23.09.2019 Mode, Trend, box3

Im Frühjahr 2018 beschrieb Emilia Petrarca Mini Bags als kleine Kunstobjekte, die besonders schön an den Handgelenken baumeln, und verfiel im Anblick der klitzekleinen Chiquito Tasche von Jacquemus ins Schwärmen. Seither sehe ich diese winzigen Täschchen überall – auf sämtlichen Laufstegen, auf Streetstyle-Fotos, selbst Carrie Bradshaw trug ein Exemplar mit sich spazieren, als sie sich in der zweiten Staffel endlich traute, einen Teil ihres Hab und Guts in Mr. Bigs Badezimmerschrank zu verstauen. Irgendwie schienen sich alle darüber einig zu sein, dass so eine Tasche jetzt eben nur noch so groß sein muss, um ein paar wenige Karten, einen Schlüssel und ganz vielleicht eine kleine Packung Kaugummis darin verstauen zu können – für jemanden wie mich, die gut und gerne ein bisschen mehr Krimskrams mit sich herumschleppt, unvorstellbar. Wohl deshalb wollte ich ganz genau wissen, wie das eigentlich ist, mit so einer Minitasche, wenn man sich limitieren muss und ganz plötzlich keine Riesentasche hat, an der man sich festhalten kann. Ist es belastend oder schön? Ist es vielleicht sogar die absolute Befreiung?

 

 
 
 
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In den nächsten Tagen durchforste ich das Internet nach möglichen Modellen, die sich für mein Experiment eignen und bin ein wenig über die riesige Auswahl überrascht. Neben den Vorreitern von Jacquemus tummeln sich mittlerweile sämtliche Zwergentaschen, in die nicht einmal die neuesten Handys passen würden. Meine Wahl fällt auf ein braunes Modell des Labels by far, das mir freundlicherweise von Luisaviaroma zur Verfügung gestellt wird, weil sie felsenfest davon überzeugt sind, dass ich mich schon auch noch in eines dieser Täschchen verlieben werde. Die Wartezeit überbrücke ich mit der Suche nachen all den Leuten, die den Trend anpreisen, um mich vielleicht doch noch ein kleines bisschen mehr zu überzeugen.

Als der Karton mit der Tasche eintrudelt, bin ich verdammt neugierig und hebe den Deckel blitzschnell nach oben – Mensch, das kleine Ding ist wirklich mickriger, als ich es mir vorgestellt hatte. Ginge es nach einer dieser Apps, die schwangere Frauen benutzen, um abzugleichen, ob ihr Baby denn nun so groß wie eine Erbse oder doch wie eine Avocado ist, würde mir jetzt wohl eine Paprika angezeigt werden. Ich hole einmal tief Luft und stürze mich in meinen allerersten Tag mit Mini Bag.

Weil ich an Wochentagen meist meinen Laptop mit mir herumtrage, habe ich mich dazu entschieden, mein kleines Experiment auf das Wochenende zu verschieben.

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Tag 1 / Aller Anfang ist gar nicht mal so schwer

Kurz bevor ich die Haustür verlasse, fällt mir ein, dass ich meine riesige Tasche, die normalerweise über meiner Schulter hängt, heute durch meinen kleinen Neuzugang austauschen wollte – und da beginnen auch schon die Probleme, denn mein Portemonnaie ist zweifelsohne viel zu groß und lässt sich nicht einmal mit ausgeklügelter Tetris-Taktik unterbringen. Weil ich keinen Kartenhalter besitze, überlege ich kurz, ob ich das Innere meiner Geldbörse einfach in einer Plastiktüte ausleeren soll, komme im nächsten Moment aber auch schon wieder zur Vernunft und stecke meine wichtigsten Karten in die Tasche. Glücklicherweise zähle ich zu den wenigen Menschen, die ein relativ kleines Handy besitzen, weshalb es dieses Mal kein Problem ist, genügend Platz zu finden. Zusätzlich packe ich auch noch meinen Lippenpflegestift, Taschentücher und meine Schlüssel ein – und habe damit tatsächlich alles untergebracht, das ich auch wirklich brauche. Ob ich mich limitiert fühle? Kein bisschen.

Was heute nicht reinpasst: Mein Portemonnaie
Was ich noch reinquetsche: –

Tag 2 / Ich glaube, ich habe mein Leben im Griff

So eine winzige Tasche ist schön, wenn man nichts braucht, das auch nur ein klitzekleines bisschen größer ist – meinen Regenschirm zum Beispiel. Den muss ich heute zusätzlich in die Hand nehmen und schwanke zwischen Ärger, weil es mich nervt, ihn tragen zu müssen und der ständigen Angst, ihn irgendwo abzulegen und dann für immer zu vergessen. Und trotzdem fühle ich mich irgendwie gut, mächtig schick, weil so ein Täschchen natürlich doch furchtbar filigran aussieht, wenn es an den Fingern baumelt, und plötzlich verstehe ich, was Emilia Petrarca in ihrem Artikel meinte. Nach außen versprühe ich das Gefühl, mein Leben im Griff zu haben und mich auf das Wesentliche beschränken zu können, zumindest bilde ich mir das ein. Vielleicht, ja ganz vielleicht, sind sie ja doch gar nicht so verkehrt, wie ich dachte.

Was heute nicht reinpasst: Mein Regenschirm.
Was ich noch reinquetsche: ein kleines Päckchen Kaugummis

Tag 3 / You can sit with us

Gestern Abend habe ich mich stundenlang auf Instagram herumgetrieben, um mich an den Mini Bags anderer zu ergötzen. Ich habe das Gefühl, zu einer Clique dazuzugehören, fast so, als hätte ich einen geheimen Code geknackt, dabei gibt es kaum noch etwas Mysteriöses, das uns umgibt, weil wir in diesen mickrigen Dingern nun wirklich keine Geheimnisse unterbringen können. Schade eigentlich, denn früher fand ich die Tascheninhalte anderer wahnsinnig spannend. Stundenlang habe ich mir sogenannte „What’s in my Bag“ Videos auf Youtube angeschaut, in denen Menschen den Inhalt ihrer Taschen in die Kamera gehalten haben, bis ich glaubte, sie tatsächlich ein Stückchen kennengelernt zu haben. Wenn ich an meine große Tasche denke, hätte ich neben ein paar gebrauchten Taschentüchern wohl viel Unsinn zeigen müssen, den ich täglich mit mir rumschleppte. Dafür hätte dort auch meine Kamera reingepasst, die ich mir heute ein bisschen motzig um den Hals hänge, bevor ich die Wohnung verlasse. Innerlich triumphiere ich aber doch noch: Meinen Lippenstift habe ich nämlich noch fix zwischen Schlüssel und Fahrkarte gequetscht.

Was heute nicht reinpasst: Meine Kamera
Was ich noch reinquetsche: Pillow Talk von Charlotte Tilbury

Tag 4 / Der Cheat Day

Nur allzu gerne würde ich das Buch einpacken, das ich gerade angefangen habe, zu lesen, aber natürlich passt es vorne und hinten nicht hinein und ich frage mich, ob ich künftig wohl auf Reclamhefte umsteigen muss. Ich entscheide mich – rebellisch wie ich bin – dafür, einen Cheat Day einzulegen. Nur, dass meine Version nichts mit Lebensmitteln, sondern mit einem Stoffbeutel zu tun hat. Dort packe ich jetzt nach Belieben alles rein, auf das ich in an den letzten Wochenenden verzichten musste: Nach und nach wandern ein Buch, meine Wasserflasche, meine Kamera und eine Handcreme in das Innere. Nachdem ich einige Minuten unterwegs bin, lasse ich schließlich auch das Täschchen im Stoffbeutel verschwinden, weil ich mich mit zwei Taschen doch ein klein wenig dämlich fühle.

Was heute nicht reinpasst: Mein Buch
Was ich noch reinquetsche: –

Tag 5 / Endspurt

Normalerweise versuche ich, meine Wasserflasche immer mitzunehmen, wenn ich länger unterwegs bin. Weil ich mir heute aber keinen weiteren Cheat Day erlauben möchte, benutze ich die Trinkflasche meines Freundes mit, was ehrlicherweise ja auch ein bisschen geschummelt ist, aber man muss ja auch mal fünf gerade sein lassen. Dass ich auch meine Sonnenbrille den gesamten Tag über entweder auf der Nase oder auf dem Kopf unterbringen muss, stelle ich erst fest, als wir schon unterwegs sind und beschließe, mir vielleicht doch noch eine dieser Brillenketten zu basteln. Weil ich meiner Tasche aber nicht das Gefühl geben möchte, unbrauchbar zu sein, lasse ich noch zwei Perlenspangen in ihr verschwinden und bin ein bisschen zufriedener.

Was heute nicht reinpasst: Meine Wasserflasche, meine Sonnenbrille
Was ich noch reinquetsche: Zwei Haarspangen aus Perlen

Vielleicht ist es ja doch die ganz große Liebe?

Manchmal, da braucht es ein wenig, bis man etwas so richtig gern hat. Mir zum Beispiel ging es mit meiner kleinen Tasche so: War ich anfangs noch schrecklich skeptisch, ist sie mir mit jedem Tag ein wenig mehr ans Herz gewachsen. Vielleicht liegt es daran, dass sie wirklich so schön wie ein kleines Kunstwerk am Handgelenk baumelt, wie es Emilia Petrarca vor 1,5 Jahren auf The Cut beschrieben hat, denn merkwürdigerweise liegt der Fokus hier ja viel stärker auf der Tasche, als es bei einem großen Modell der Fall ist – ich glaube ja, dass es am ungewohnteren Anblick liegt. Der Umstieg auf ein winziges Täschchen mag in meinem Fall aber nicht unbedingt ein Akt der Befreiung sein, dafür habe ich dann doch ein wenig zu oft sehnsüchtig auf meinen XXL-Shopper geschielt. In den richtigen Momenten aber, fühlte ich mich schick und stark, ja irgendwie sophisticated, weil ich nichts als diesen wenigen Kram, der in meiner Tasche lag, brauchte. Noch dazu hält man so eine kleine Tasche natürlich ganz anders, statt sie fest zu umfassen, reicht ein lockerer Griff, was natürlich eine ganz andere Wirkung hat, als der Shopper, dessen Riemen ich oft mit einer Hand umklammere, damit er mir nicht von der Schulter rutscht.

Ja, ich glaube, dass das mit meiner Mini Bag und mir tatsächlich klappen könnte, wenn ich sie denn nicht ausgerechnet an Tagen hervorhole, an denen ich meinen halben Hausrat einpacken möchte. Einzig und allein einen Kartenhalter brauche ich noch, damit meine Karten inklusive Bargeld künftig nicht mehr lose in der Tasche herumfliegen. Und dann, ja dann, bin ich mir sicher, dass wir nach der Testphase endlich eine Langzeitbeziehung eingehen können.

Mini Bags für alle, die sich ab sofort auch an kleinen Täschchen versuchen wollen:

– Dieser Beitrag entstand durch die freundliche Produktbereitstellung von LuisaViaRoma –

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