Kolumne: Kriegt keine Kinder!

15.02.2021 Leben, Feminismus, Tiny Jane

Ich sitze am Küchentisch, drei Kerzen brennen. Eine ist rot, eine orange, eine grün. Das war alles, was ich noch im Schrank finden konnte. Schön sieht das nicht aus, aber gemütlich. Dazwischen Brote mit Frischkäse und Trauben. Auf jeden Fall getoastet. Auf keinen Fall mit Kernen. Ich schreibe, während das Kind neben mir eine heiße Mich mit Honig trinkt und nicht versteht, weshalb Mama so spät noch arbeiten muss. Ich sage nicht „deinetwegen“, sondern verspreche, dass die Gutenachtgeschichte nachher doppelt spannend wird. Dem Kind reicht das. Es blättert gedankenversunken im Stickeralbum. Mit seiner rechten Hand streichelt es meine linke, ganz automatisch. „Mein kleiner Klebreis“, sage ich oft.

Ich platze vor Liebe, immer wieder. Aber ich will auch oft rufen: Kriegt keine Kinder! Lasst es einfach! Noch könnte euer Leben auf Ewig euch gehören!

Dieses Bedürfnis habe ich nicht, weil ich gemein sein oder irgendwem die Freude verderben möchte. Ich habe es, weil ich meine, dass Leute, die Nachwuchs planen ebenso wie jene, die längst Eltern sind, so etwas wie Realitätsnähe verdient haben. Damit sich am Ende keiner mehr wundern und so schrecklich allein fühlen muss. Es passiert ja immer wieder. Vielleicht nicht in meinem FreundInnenkreis, vielleicht auch nicht in deinem. Aber in vielen. Dort, wo es dieses Dauernicken gibt und alle bloß sagen: „Stressig aber naja, sonst alles prima“. Alles prima. Das gehört natürlich auch zur Realität. Nur eben in einer viel geringeren Dosis als man uns weismachen will und mit „man“ meine ich entfernte Bekannte, Filme, Blogs, die Gesellschaft eben. In Wahrheit ist es nämlich gar nicht so selten das Gegenteil von prima, ein Elternteil oder gemeinsam Eltern zu sein. Mal nur fünf müde Minuten am Tag, oder auch drei Stunden lang, fünf Wochen am Stück oder gar Jahre. Dann ist der große Mensch hinter dem kleinen Wunder einfach nur ein Matschhirn mit Breisoße oben drauf, dem ständig wichtige Sachen aus dem Kopf fallen. Was eine sehr nette, ehrlich gesagt sogar kleinredende Umschreibung eines mitunter sehr ernsthaften Problems ist. 

 
 
 
 
 
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Ein Beitrag geteilt von Mareice Kaiser (she/her) (@mareicares)

Vor ein paar Wochen durfte ich das im April erscheinende neue Buch von Mareice Kaiser schonmal durchlesen, um meinen Senf dazu abgeben zu können. Es heißt „Das Unwohlsein der modernen Mutter“ und natürlich bin ich begeistert. Weil es genau dieses Werk dringend braucht. Es hat gefehlt und ich kann mir kein Vorher mehr vorstellen. Ohne Mütter, die furchtlos darüber reden, dass Kinderhaben auch richtig kacke sein kann, obwohl man diese Kinder ganz freiwillig bekommen hat und auch haben möchte, ändert sich nämlich gar nichts. Ich selbst verstehe das noch gar nicht so lange. Vielleicht auch, weil ich regelmäßig Pausen zum Durchatmen habe, dem 50/50 Modell sei Dank. Trotzdem will ich noch aufrichtiger sein, zu mir und zu anderen. Ohne Ehrlichkeit geht es nicht. Unsere Geschichten sind wichtig, so verschieden sie auch sein mögen.

Andernfalls wird auch in Zukunft kein Hahn und auch kein Huhn danach krähen, dass an der kollektiven Angeschlagenheit von Müttern sehr häufig weder die Kinder noch die Frauen selbst Schuld tragen. Sondern ein verschissenes System, das oft nichts anderes als Erschöpfung zulässt. Außer, man hat großes Glück und verfügt über ein ausgeklügeltes Netz aus Großeltern, Babysittern und Freund*innen, wobei letztere ja selbst oft auf dem Zahnfleisch gehen. Ach und selbst dann. Alle Mütter sind dauernd müde. Ja, alle.

Eine Stelle in Mareices Buch, die sich auch in ihrem gleichnamigen Essay finden lässt, ist mir besonders im Gedächtnis geblieben. Sie setzt sich mit einer Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung auseinander, die zeigte:

„In den sieben Jahren nach der Geburt eines Kindes verschlechtert sich das mentale Wohlbefinden von einem Drittel aller Mütter deutlich. Es handelt sich um eine  sogenannte substanzielle Verschlechterung, so heißt es in der Studie. Das Unwohlsein der befragten Mütter äußert sich in drei Dimensionen: mentaler Stress, stressbedingter und sozialer Rückzug, depressive Verstimmungen und Angstgefühle.“

Es überrascht mich nicht. Mich wundert nur, dass wir diesen Fakt immerzu erfolgreich verdrängen. Dass wir nicht genug über dessen Bedeutung sprechen. Nicht wie selbstverständlich zusammenhalten und nach Lösungen suchen. Lösungen einfordern, von der der Politik. Dass wir noch immer so gern bewerten. Uns gegenseitig, meine ich. Und dass wir, auch deshalb, so oft stumm bleiben. Den Ist-Zustand einfach aushalten, weil wir uns fragen: Mache ich irgendwas falsch? Oder denken: Das gehört bestimmt so.

Dabei fielen mir durchaus ein paar externe Auslöser ein, an denen sich drehen ließe: eine hinterher hinkende Gesellschaft, toxische Narrative, der Muttermythos, der uns erklärt, wie die ideale Mama zu sein hat, sämtliche Rollenzuweisungen, Ungleichbehandlung, das gesamte Thema Care Arbeit, all die Erwartungshaltungen, die Dauerbelastung und die süße Lüge: You can have it all. Nein, kannste nicht. Irgendwas bleibt immer auf der Strecke. 

 
 
 
 
 
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Ein Beitrag geteilt von Anne Dittmann (@anne_dittmann)

Deshalb nochmal: Kriegt keine Kinder – wenn ihr die Kontrolle und euer Leben ganz allein für euch behalten wollt. Wenn alles ganz genau so bleiben soll, wie es ist. Denn das wird es nicht. Schon gar nicht für jene – um an dieser Stelle endlich auch Anne Dittmann zu zitieren – „die nicht cis, weiß, maximal in Teilzeit arbeitend, wohlhabend, gebildet und gesund sind.“ Die keine gesunden Kinder haben. Die durchs Raster fallen und (noch) viel kritischer von ihrer Umgebung bewertet werden als jede Mutter ohnehin schon. Wer soll das aushalten. 

Kriegt keine Kinder, will ich deshalb manchmal rufen.

Und ich weiß jedes Mal genau, was dann passiert. Ist ja immer das Gleiche: „Wie kann sie das nur sagen?“, sagen dann diejenigen, die sonst nur Gutes sagen über das Kinderkriegen, vielleicht, weil sie wirklich nichts anderes zu sagen und beklagen haben. Das ist selten, aber wundervoll. Genießt es, das habe ich auch, aber verzeiht mir die folgende Anmerkung: Dieser Text ist nicht für euch bestimmt. Für euch gibt es sie nämlich schon zu genüge, die Bücher, die Filme, die Bilder von der absoluten Erfüllung.

Wie auch Mütter, die es einfach nicht wagen, etwas anderes zu behaupten. Und jene, die noch gar nicht auf die Idee gekommen sind, überhaupt zu hinterfragen, wonach sowieso keiner fragt. Nun: Wie geht es euch? Was vermisst ihr? Was braucht ihr? Was würdest du jetzt tun, hättest du kein Kind? Ginge es dir besser?

 

Oft würde die Antwort wahrscheinlich lauten: „Jetzt gerade in diesem Augenblick ja. Aber grundsätzlich nein. Ich liebe das Leben mit Kind.“ Und vermutlich wäre das wahr. Es ist wirklich unbeschreiblich. Im Sinne von: Das glaubt echt keiner, der es nicht selbst erlebt hat. Und das kannste auch keinem erklären. 

Ich versuche es trotzdem: Ein Kind haben ist das krasseste Abenteuer aller Zeiten. Du weiß nie, was passiert oder wie es laufen wird. Im Grunde hoffst du nur. Nichts ist planbar, jeder Tag ist neu. Es gibt so viele Regeln. Routinen. Rätsel. Und leider keinen Beipackzettel. Mutter sein ist sehr, sehr wunderbar. Und sehr, sehr anstrengend. Wirklich sehr, beides. Quasi das Schönste, Beste, Größte, Irrsinnigste, Unbeschreiblichste der Welt. Aber auch das Allerschlimmste. Würde ich es trotzdem wieder tun? Klar.

 
 
 
 
 
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Ein Beitrag geteilt von Madeline Donahue (@madelinedonahue)

Es ist ja nicht so, als würden Mütter es durch die Bank weg bereuen, Kinder bekommen zu haben. Also ich meine, die ganze Zeit über. Obwohl, Moment: Einige hadern sehr und konnten vielleicht ein Zuhause in der Bewegung „Regretting Motherhood“ finden, weil andere Mütter mutig genug waren, sie zu starten. Es ist wichtig, das zu erwähnen. Auch die Geschichten von bereuenden Müttern müssen sichtbar(er) werden. Ich gehöre aber nicht dazu.

Ich will sehr wohl Mama sein, ich bin es sogar leidenschaftlich gern. Aber genau so leidenschaftlich angepisst bin ich zuweilen darüber. Eigentlich schon seit mein Klebreis geboren wurde. Ich wollte nämlich noch ein bisschen was erledigen in den letzten zwei Monaten der Schwangerschaft, aber schwupps, war er da. Was war ich irritiert. Sogar gelangweilt. Ich dachte kurz, irgendwas würde mit mir nicht stimmen, weil ich beim Hineinstarren ins Babybettchen keine Schmetterlinge, sondern nur Hunger im Bauch hatte. Da hatte mir die Welt da draußen aber was ganz anderes verklickert. Nämlich, dass es sofort Zoom machen würde. Ich sah mich also beschwippst von Hormonen durch das Wochenbett flattern wie ein liebestoller Kakadu. Aber nein. Ich war zwar gut drauf, aber doch unbeeindruckt. Es konnte ja auch noch nichts, das liebe Kind.

Hätte ich keine Freundinnen gehabt, die mir von ähnlichen Gefühlen erzählten, wäre ich wahrscheinlich ernsthaft ins Zweifeln geraten. Ihre Offenheit hat mich resistent gemacht gegen Verurteilungen. Ich wusste: Alles ist okay, wie es ist. Wir sind wir.

In den kommenden Monaten hatte ich es im Vergleich sehr leicht. Das Kind schlief schnell durch und weinte kaum. Und trotzdem gab es damals und auch in den folgenden Jahren immer wieder Momente, in denen ich sauer wurde oder richtig, richtig fertig war. Mal nur für ein paar Sekunden, mal für ein paar Wochen. Bei anderen dauert es Monate. Oder Jahre. Das ist, wie ich mittlerweile lernen durfte, ja leider Tradition.

Habe ich erwähnt, dass Mareice Kaisers Buch eines der besten Bücher des Jahres sein wird? Merkt es euch: April. Es hat mich zu diesen Worten inspiriert. Und hierzu:

Obwohl ich stets behaupte, vom Glück geküsst worden zu sein, gebe ich zu:

Ich habe mich schon mehr als ein Mal gefragt, ob ich eigentlich noch alle Tassen im Schrank hatte, als ich dachte, ein Baby zu kriegen sei die reinste Freude. Ist es! Aber auch voll die Hölle. Selbstverständlich habe ich schonmal geheult, als alle sich auf diesem einen Geburtstag betrunken und rumgeknutscht haben, während ich als Single Mom alleine auf meiner Bettkante saß, um Socken zusammen zu legen. Ich habe in einem schwachen Moment sogar schonmal darüber nachgedacht, ob ich mich verpieseln kann, so wie Männer das oft tun. Um nur noch an jedem zweiten Wochenende erreichbar zu sein. Ich war, vor allem in Zeiten von Corona, auch mal neidisch auf kinderlose Kolleginnen und habe mich gefragt, weshalb sie diese gottverdammte Masse an Zeit, die sie für sich selbst haben, nicht zu schätzen wissen. Wieso sie nicht kapieren, wie viel Zeit sie haben. Für Dinge, von denen mir damals nicht mal klar war, dass das Dinge sind. Ja, ich war gemein. Und neulich habe ich gedacht, ich kann nicht mehr. In dieser Pandemie. Ohne Kinderbetreuung. Ich habe geflucht, geweint und bin verzweifelt. Ach, erst vorgestern noch. Weil Kinder meistens dann nicht einschlafen können, wenn man am meisten um die Ohren hat.

 
 
 
 
 
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Ein Beitrag geteilt von Snezhana von Büdingen (@snezhana_von_buedingen)

Deshalb würde ich wohl auch niemals behaupten, dass gewollt Kinderlose den Sinn des Lebens verpassen. Ja, sie verpassen was. Etwas, das überwältigend ist. Aber ich verpasse etwas, weil ich ein Kind habe. Zwar gewinne ich mindestens so viel und ich lerne dazu, jeden Tag. Aber ich bringe, um ehrlich zu sein, auch ganz schön viele Opfer, das weiß ich jetzt. An jedem einzelnen Tag. In meinem Leben, meiner Partnerschaft, in zwischenmenschlichen Beziehungen und bezüglich meiner Arbeit, die mir wichtig ist. Weil Prioritäten sich verschieben. Und immer jemand da ist, der mich braucht. Für den ich da sein möchte. Ich habe durch das Mutterwerden mehr verloren, als ich je für möglich gehalten hätte. Freundschaften, Aufträge, Geld, Freiheit, Zeit, Ruhe und bestimmt auch ein Stückchen mentale Gesundheit. Ich würde sogar so weit gehen, zu sagen: Ein Leben, das hätte sein können.

Ja, ich glaube, ich möchte das genau so radikal formulieren, wie es klingt. Weil es für Leute, die viele eigene Bedürfnisse haben, nunmal so ist. Ich möchte sowas sagen können, ohne der hoffenden Frage ausgesetzt zu werden: „Aber findest du dein Leben, so wie es jetzt ist, nicht am allerschönsten?“ Ist doch irrelevant. Weil ich das natürlich denken, aber niemals eindeutig wissen kann, ganz gleich ob ich gerade vor Liebe oder vor Wut platze. Weil das nichts damit zu tun hat, ob ich gerade glücklich bin. Und weil das schon wieder impliziert: Wer motzt, der liebt nicht (genug). Dabei ist diese These bei genauerem Betrachten wirklich eine große Dummheit.

Würden Mütter nicht lieben wie verrückt, bis über die eigene Schmerzgrenze hinaus, gäbe es solche Worte nicht. Dann müssten wir uns nicht so verbiegen. Uns zwei- oder gar vierteilen. Dann wäre es uns egal. 

Ich sage euch jetzt mal was und ich hoffe, meine Freundinnen verzeihen es mir. Aber die allermeisten von ihnen saßen schon nach wenigen Monaten ganz aufgescheucht auf meinem Sofa. Nicht, weil alles so schrecklich war. Sondern weil es so normal ist, dass vieles schrecklich ist, wenn man Mutter wird und ist. Es ist ein Gefühl, das kommt und geht. „Weil man sich dauernd sorgt und alles richtig machen will, aber oft nicht weiß, wie“, erklärte mir einst jemand vom Sofa aus.

 
 
 
 
 
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Ein Beitrag geteilt von Mareice Kaiser (she/her) (@mareicares)

Andere saßen da und waren sich dreizehn Treffen hintereinander sicher, das Baby habe die Beziehung gefressen und die Elterngehirne gleich mit, eine Trennung, genau, die stünde unweigerlich bevor. „Nein halt, das denken alle und zwar mehrmals, es geht vorüber“, beruhigte ich die Tränensäcketragenen, weil Durchschlafen zu Beginn und manchmal auch länger in den meisten Fällen ja auch so ein lustiger Elternscherz ist, genau wie der Quatsch mit dem Vorschlafen. Meistens behielt ich jedenfalls recht und alles wurde gut. Einmal nicht:

Der Papa meines Kindes und ich, wir haben nur ein Jahr gleichzeitig als Paar und Eltern geschafft. Heute sind wir Eltern und dicke Freunde.

Wenn ihr eure Beziehung also unter keinen Umständen gefährden wollt, kriegt keine Kinder. Die Krise kriegen nämlich fast alle, mehr oder weniger, früher oder später.

Wie kann sie es nur schon wieder wagen.
Und wo bleibt denn da die Dankbarkeit?

Die Dankbarkeit ist immer da. Wie ein wohliger Nebel, durch den ich manchmal aus Versehen hindurch blicke wie durch einen Geist. Bis ich ihn schließlich wider ganz deutlich sehe und mit jeder Pore spüre, weil er in manchen Momenten so dicht wird, dass kein Vorbeikommen ist. Wenn der Klebreis meine Hand hält, zum Beispiel. Wenn er froh ist. Wenn ich weiß, dass es ihm gut geht. Dass er sicher ist. Dass er weiß, wie unbeschreiblich ich ihn liebe. Und wie gut es ist, dass wir uns haben.

Kriegt keine Kinder, wenn ihr euch nicht für den Rest eures Lebens Sorgen machen wollt. 

Jetzt tut sie es schon wieder.

Ich sage und wage das, weil ich selbst ein Kind ein habe. Weil ich weiß, was es bedeutet. Diese allumfassende Liebe, die einen manchmal nicht einschlafen lässt.

Und weil ich glaube, dass wir zu selten darüber sprechen, was wir verlieren, wenn wir Eltern werden. Was wir bekommen, das sehen wir, überall. Lächelnde Süßfratze auf Plakaten. Was dann alles nicht mehr uns gehört, mitsamt der Trauer über den Verlust dessen, wird verschwiegen und verdrängt. Weggeschoben wie eine verbotene Frucht. Ich hab das auch eine Weile gemacht. Jetzt denke ich: Wir müssen diesen Schmerz zulassen, uns gelegentlich in ihn hineinlegen wie in eine heiße Kuchenform. Zerfließen in Erinnerungen und Tränen, wenn er in Wellen kommt. Uns verabschieden, Stück für Stück. Wie bei einer Trennung. Weil es eine ist.

Nur so können wir heilen und ankommen in diesem anderen, neuen Leben mit Kind. 

Das jede Sekunde der Erschöpfung wert ist.

Ob ich lieber keine Mama geworden wäre? Oh doch. Ich bin ganz hier.

Aber die Entscheidung, ob ich ein zweites möchte, dauert nun schon mehr als fünf Jahre an. 

72 Kommentare

  1. Jasmine

    Niemals, wirklich niemals, kommentiere ich hier oder sonstwo. Aber hierzu! Weil es so ziemlich genau das ist, was mich am meisten beschäftigt, seit ich vor drei Jahren Mutter wurde. Die Gesellschaftskritik sprudelte seither nur so aus mir (und dem Vater) raus. Einige offene und ehrliche Ohren dafür fand und findet man (und wenn man Glück hat sogar Unterstützung). Aber leider noch mehr, die vor der realen Anstrengung die Augen verschließen und am liebsten täglich ein Heile-Welt-Babyupdate geschickt bekommen möchten.
    Ich danke dir sehr für diese Veröffentlichung!!!

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  2. Nina

    Danke. Ich weine, es fließt einfach so aus mir heraus. Erleichterung, Schmerz, Wut und ein nicht definierbares Gefühl des „I’m not alone“ 🙂 – vielleicht sind es auch die vielen Parallelen. I dunno.
    Diesen Text sollten alle Menschen 1 mal gelesen haben. Vor allem alle Frauen aber eigentlich einfach alle.
    Danke!

    Antworten
  3. Kati

    Vielen Dank für deinen Text, für das Teilen und den Versuch die Ambivalenz zu fassen. Ich finde ihn voll anregend. Ich werde bald Mutter sein. Ich frage mich, ob ich mein Leben dann mit dem vergleichen werde, welches ich hätte haben können ohne Kind. Ob ich die Glorifizierung, von der du schreibst und die auch ich als allgegenwärtig empfinde, inhaliert habe oder ob ich möglichst unbeeindruckt davon meinen eigenen Weg gehen kann. Free the nipples and then free the mind. Ich brauch weder Puderzuckerbilder noch Schwarzmalerei – meiner Meinung nach dieselbe Medaille. Weg mit den Kackerwartungen und Bewertungen. Lieber laut und präzise sein, wenn es um konkrete Forderungen für unterstützendere Strukturen geht (politisch, wirtschaftlich und im sozialen Miteinander) und mit gutem Beispiel vorangehen. Jeder einzelnen Mutter und jedem Vater und jedem Kinder einfach nur zuhören, füreinander da sein. Kein Gefühl ist falsch. Danke, dass du deine teilst. Ich werde bald besser wissen und halt dann wahrscheinlich meine Schnauze.. Another thought: Ich muss immer an Israel denken, vielleicht liege ich falsch, aber mein Eindruck ist, dass die da nicht so hohe Erwartungen an Mütter haben (außer der Erwartung, dass alle Mütter werden sollten, ha, schluck), Kinder da aber auch nicht so sehr „Privateigentum“ sind, sondern mehr Teil der Gemeinschaft. Lose Gedanken, sorry. Kann jemand was damit anfangen?

    Antworten
  4. Laura

    Liebe Nike, wie so oft ein mutiger und wortgewaltiger Text!

    Ich schreibe dir nun aus einer Perspektive, die du hier nicht mitgedacht zu haben scheinst: die (nichtgewollt) kinderlose Singlefrau (ja, uns gibt es, und das gar nicht so selten!), die ebenso mit den Jahren erschöpfter geworden ist. Die, vermutlich auf andere Weise, aber nicht zwangsläufig weniger, in die Verantwortung genommen wird, eben weil sie sich an alle Umstände und Lebenslagen anzupassen hat, (geht ja so leicht – ohne Kind): ob dies Notsituationen am Arbeitsplatz oder im Privatleben von Freund*innen mit Kindern, ohne Kinder, von Verwandten oder wem auch immer sein mögen.
    Auch mein Leben war vor zehn Jahren leichter, als ich noch studierte und vieles von dem, was ich wünschte, tun konnte, wann immer es mir in den Kopf schoss (ja, wie du bin ich ein privilegiertes Wesen).
    Ich weiß nicht, wie es sich anfühlt ein Kind zu haben. Aber als Mutter weißt du doch umgekehrt nicht besser, wie es sich ohne Kinder in einer Gesellschaft voller Eltern (er)lebt. Dein Lebensgefühl vor Lio ist nicht, was du heute hättest, hättest du ihn nicht bekommen.

    Ich vermute, es war nicht deine Absicht einen kompetitiven Vergleich zu ziehen, aber du siehst, als solcher kann dein Text verstanden werden. Und das ist es doch, was wir aus feministischer Perspektive abschaffen wollen, nicht?!
    Ob die Begrenzungen, die du beschreibst, eine Frage des Kinderkriegens sind – ich weiß es nicht…

    Alles Liebe!

    Antworten
    1. Nike Jane Artikelautor

      Liebe Laura, nein, das war natürlich nicht meine Absicht. Diesen Text hier habe ich aus meiner eigenen Perspektive geschrieben, deshalb steht auch „Kolumne“ darüber. Ich kann nicht wissen, wie es sich für dich anfühlt, auch das stimmt. Deshalb versuchen wir auf dieser Plattform unterschiedliche Stimmen einzufangen und auch immer wieder aus verschiedenen Perspektiven auf das Thema Mutterschaft zu blicken. Es ist so komplex. Und so wichtig, es als genau das zu begreifen.

      Antworten
      1. Talulah

        Letzte Woche gab es einen Artikel von einer ungewollt kinderlosen Gastautorin. Diese Woche gibt es den hier. Danke.

        Antworten
      2. Laura

        Liebe Nike, so gerne höre ich von anderen, insbesondere auch deiner Perspektive, die ich schon oft als unglaublich hilfreich erlebt habe. Wirklich danke für das Offenlegen deiner Wahrnehmungen, das sicher überaus vulnerabel macht!
        In deinen Beschreibungen hier jedoch lese ich eine implizite Beurteilung einer anderen, dir eben fremden, Sichtweise i.S.v. „ohne Kinder kannst du dich weiter selbst verwirklichen und weniger Verantwortung übernehmen.“ Lediglich das möchte ich infrage stellen.

        Antworten
    2. Carla

      Bester Kommentar!! Ich habe mir beim Lesen des Artikels exakt das Gleiche gedacht.

      Klar, der Artikel wirbt für die Perspektive der Eltern – ist aber auch rein aus einer solchen geschrieben worden, die andere Perspektiven komplett außer Acht lässt.

      Antworten
      1. Nike Jane Artikelautor

        Liebe Carla, liebe Laura. Das, was ihr aus meinem Text an Bewertung heraus lest, war überhaupt nicht meine Absicht. Aber das hier ist ein Text über Mutterschaft. Das sollte er sein. Weil ich noch mehr Themen und Komplexität einfach nicht auf die Kette bekommen hätte. Es gibt ja unendlich viele Perspektiven. Und diese ist hier meine. <3

        Antworten
        1. Laura

          Liebe Nike,

          Dinge müssen nicht immer absichtsvoll geschehen, um jemand anderen zu verletzen…

          Dass es nicht möglich ist, sämtliche Sichtweisen inhaltlich in einen Text zu integrieren, ist völlig klar und nicht mein Anliegen. Sie sollten jedoch auch nicht invalidiert werden.
          In der Passage z.B., in der du den temporären Neid auf deine Kolleginnen thematisierst, fühle ich mich als „Kinderlose“ jedoch be-, wenn nicht entwertet. Ich glaube schlichtweg nicht, dass dieser Ton nötig ist, um deinem Anliegen, das ich im Übrigen sehr nachvollziehbar finde, Nachdruck zu verleihen.

          Antworten
          1. Nike Jane Artikelautor

            Liebe Laura, es tut mir leid, dass ich dich verletzt habe. Ich hätte diese Passage weglassen können, aber sie ist mir wichtig, deshalb habe ich sie nun immerhin minimal gekürzt. Denn ja: Mit Kind hat Zeit tatsächlich eine andere Dimension, ganz grundsätzlich. Denkst du nicht? Ich möchte damit nicht sagen, dass kinderlose Menschen es einfach(er) haben. Überhaupt nicht. Schon gar nicht grundsätzlich. Aber sie haben vielleicht einfach eine „andere“ (Art von) Zeit zur Verfügung. Wie wertvoll sie ist, weiß ich erst, seit ich Mutter bin. Und: Gerade dast Thema #Coronaeltern ist seit einem Jahr ein so wichtiges. Aber auch ein wahnsinniges, ein strukturelles, politisches Problem. Familien und besonders Alleinerziehende (!!!) erhalten in der Pandemie so gut wie keine Unterstützung. Das ist kein Klacks, sondern eine Katastrophe. Für Frauen, für den Feminismus (dazu gibt es eine gute Sendung namens „Corona und der Backflash für Frauen“ auf Youtube von der Volksbühne). Und es ist nicht vergleichbar. Ja, das meine ich so. Das heißt aber keineswegs, dass kinderlose Menschen nicht ebenso in der Misere sitzen. Dass ich nicht anerkenne, dass es meinen kinderlosen Freundinnen auch richtig, richtig scheiße gehen kann. Das tut es ebenso! Nur eben aus anderen Gründen. Vielleicht wegen der Einsamkeit oder aus tausend anderen Gründen, die Menschen mit Kindern gerade nicht kennen (Alleinerziehende aber schon). Darüber sollte es natürlich auch hundert Texte geben. Weil es nicht minder wichtig ist. Nur ist das hier an dieser speziellen Stelle nicht Thema. Versteht man mich jetzt besser?

          2. Laura

            Liebe Nike,

            erst einmal danke für deine ausführliche Auseinandersetzung!
            Ich denke, ich verstehe dich, ja. Und in allen hier genannten Themen bin ich völlig bei dir. Ich habe genügend Eltern-Freund*innen und arbeite selbst in der Kinder- und Jugendpsychiatrie, um diese Misere ausreichend bedrückend zu spüren. Dass die Politik hier aktuell maßlos versagt, keine Frage!

            Mir geht es vielmehr um den respektvollen Umgang zwischen Menschen in unterschiedlichen Rollen. Wie oben schon gesagt, bin ich überzeugt, dass du deine Bewertungen nicht intendiert hast. In unserer (wie in vermutlich jeder) Gesellschaft gibt es jedoch eine Diskriminierung von Menschen ohne Kinder. Natürlich bin ich als Betroffene diesbezüglich schneller getriggert als du (Wofür zum Beispiel ist „massenhafte Zeit für sich selbst“ ein Kriterium? Und wieso wird diese Kinderlosen übergeneralisierend zugeschrieben?). Mir ist es wichtig, dafür eine Sensibilität zu schaffen – wie auch für jede andere Form von Diskriminierung.
            Es scheint allgemein anerkannt, dass Eltern die Perspektive von Kinderlosen beurteilen können, weil sie dies selbst einmal waren, während umgekehrt ein unsichtbarer Maulkorb verhängt wird, weil so oft angenommen wird, man müsse die Dinge erst selbst erfahren haben, um mitreden zu können (diese Ansicht liegt mir als Therapeutin natürlich fern).

            Damit möchte ich in keiner Weise deinen gesamten Text kritisieren. Im Gegenteil, ich bin beeindruckt von deiner Offenheit!

  5. Juliane

    Ich bin keine Mutter, finde deinen Text aber auch großartig, weil er sehr ehrlich ist und ich mich bei FreundInnen, die Eltern sind, oft frage, warum sie so selten mal das negative oder anstrengende erwähnen und immer denken, heile Welt spielen zu müssen. Besonders vor kinderlosen Paaren, als dürfe man das nicht zugeben oder wäre dann ein abschreckendes Beispiel.

    Was ich aber nicht gut finde, ist folgender Satz:
    „Wenn ihr euch lieber vor dieser größten Verantwortung drücken wollt.“

    Korrigiere mich, falls ich irgendwas falsch verstehe, aber das impliziert für mich ein „du müsstest eigentlich“, und genau das möchtest du doch gerade nicht sagen, oder?
    Denn das fällt für mich wieder in das ganz andere leidige Thema, dass auch einfach jede Frau ohne Kinderwunsch schräg angeguckt wird.

    Antworten
    1. Nike Jane Artikelautor

      Lieber Juliane. Stimmt, blöder Satz. Habe ich ihn gestrichen, also danke für deinen Hinweis. Das passiert, wenn man im Nachhinein noch einen Aspekt reinbringen will – mir war wichtig zu sagen, dass die Verantwortung natürlich auch crazy und erwähnenswert ist. Und dass man sie natürlich auf sich nehmen wollen muss. Nichts anderes <3

      Antworten
  6. Jula

    1000 Dank, jedes Wort trifft in mein sehr liebendes Mutterherz. So oft sage ich zu guten Freundinnen, Freunden, leider auch dem Partner und mir: „Ich habe mich selbst verloren.“ und versuche, mich irgendwie wiederzufinden.

    Antworten
  7. Julia

    Ich überlege seit mittlerweile 4 Jahren ob ich ein Kind möchte oder nicht. Die Vorstellung diese Erfahrung zu verpassen, mein eigenes Kind aufwachsen zu sehen und eine enge Beziehung zu ihm/ihr aufzubauen, macht mich traurig. Aber ich habe auch unfassbare Angst vor der Verantwortung und den Veränderungen. Vor allem der Kontrollverlust und die Tatsache es nicht rückgängig machen zu können, versetzt mich in Panik. Dein Text ist unfassbar ehrlich und ich danke dir für deine Perspektive.

    Antworten
  8. Lia

    Ich würde dich sehr gerne an deinen Text aus der Anfangszeit deines Mutter-werdens erinnern, in dem du laut posauntest wie leicht und toll es ist und wie wenig sich dein Leben mit Kind verändert hat… Da hast du selbst das Bild einer alles schaffenden Mutter gezeichnet – unfassbar unrealistisch. Es muss einem doch schon etwas klar sein, dass man mit einem Kind die Verantwortung für einen anderen Menschen übernimmt ?!? Keine Ahnung. Der Text holt mich null ab, und ich könnte hunderte Stunden mit Sprachnachrichten füllen in denen ich es unfassbar anstrengend und scheisse finde Mama zu sein – war mir aber irgendwie bewusst. Merkwürdige Abwälzung.

    Antworten
    1. Nike Jane Artikelautor

      Liebe Lia.
      ich schreibe ja auch in diesem Text, dass mein Kind durchgeschlafen und wenig geweint hat. Ich hatte es wirklich gut, darüber bin ich mir im Klaren. Und bei mir hat sich bestimmt bis heute nicht so viel verändert, wie bei anderen Müttern. Weil ich mit dem Papa des Kindes das 50/50 Modell lebe. Ich habe also immer Zeit zum Durchatmen, die andere Mütter nicht haben. Trotzdem weiß ich, wie es ist, wenn man in einigen Momenten verzweifelt. Aber das weiß ich jetzt, nach sechseinhalb Jahren. Vielleicht habe ich also etwas länger gebraucht. Wir fühlen doch alle sehr verschieden. Und ja, ich bin noch immer gerne Mama. Und ich schaffe meistens auch noch viel. Manchmal aber auch gar nichts. Ich glaube, ich kann deinem Kommentar also nicht wirklich folgen. Ich lese da vor allem Wut raus. Aber auf wen eigentlich? Auf was?

      Antworten
      1. Lia

        Liebe Nike, ich bin auf diesen Artikel wütend und Wut ist ein valides Gefühl. Nachdem ich jahrelang lese, wie gut du als Mama klar kommst, und wie toll dein 50/50 Modell funktioniert und wieviel Zeit du für dich noch hast, bin ich einfach hart verwundert dass gerade Du alle Menschen warnen möchtest. Aber was mich wirklich nervt, ist die Formulierung „kriegt keine Kinder – alles geht dann kaputt!“ Kinder sind nicht schuld. Kinder sind nie an irgendwas schuld. Umstände ändern sich und soviel Mündigkeit sollte man schon haben. Und ich vergleiche nicht, denn in der Tat ist jedes Erlebnis, jeder Mensch eigen und anders, Vergleich bringt nix. Aber wie man startet, mit welchen Privilegien, Partnern, Umfeld – dass macht extrem viel aus. Ich finde den Diskurs extrem wichtig! Ich bin dafür dass man offen sagen können muss, dass man genervt ist, sein altes Leben vermisst, sich gar nicht findet, Phasen extrem nerven – alles. Aber irgendwie gehört auch dazu zu checken wie das eigene Privileg so aussieht, aus welcher Position man da so predigt.

        Antworten
        1. Kathi

          Liebe Lia, mein Mitgefühl gilt heute dir. Du bist ja richtig zerfressen. Who are you to judge? Nike kommt offensichtlich klar aber Nike thematisiert immer wieder die andere Seite. Um sie mal zu zitieren: Hast du noch alle Tassen im Schrank? Sie ist previligiert wie viele von uns. Aber sie hat trotzdem ein Recht auf Gefühle und Scheiße hinter sich wie Trennungen hinter sich. Sie ist selbstständig und Teilzeit single Mom. Sei erstmal sie und dann urteile. was machst du für andere Mütter? Sie zum Beispiel den Text. Das hat Bewunderung bedient. Sie hat es. Wie du wahrscheinlich auch. Dein Kommentar schockiert mich aber und genau wegen sowas ist Mutterschaft oft so scheiße. Deine scheiß Situation kannst du nicht auf andere übertragen. Es würde dir nicht besser gehen, wenn es uns oder Nike auch schlechter geht. Jetzt bin ich auch wütend.

          Antworten
          1. Rike

            Piano piano, die Kolumne ist ne krass persönliche Sicht auf ein krass persönliches Thema. Und das überschrieben mit ner ganz schön provokanten Botschaft. Das soll doch Gefühle hervorrufen. Sonst müsste man Meinungen nicht veröffentlichen. Man kann sich halt nicht nur die rosaroten davon rauspicken und Reaktionen aushalten und annehmen.
            Den einen holt es ab, den anderen nicht.
            Mich in der Tat auch null. Ich kann da auch nix unterschreiben. Muss ich aber niemand anderes für gewesen sein oder mich hier durch meine eigene Biografie „qualifizieren“, um das zu sagen. Kann man entweder weiter drüber reden und versuchen Aussagen zu analysieren und Meinungen zu differenzieren, oder es eben lassen..

            So oder so geht’s aber doch nicht darum jemanden zu „bewundern“ oder nicht!? Und auch nicht darum erstmal wie irgendwer sein zu müssen.. Das ist mir zu viel Personenkult und am Thema vorbei.

        2. Valle

          Hallo Lia, ich glaube, du hast den Artikel gar nicht gelesen, höchstens überflogen. Es ist echt Quatsch, was du schreibst. Ich will dich garnicht angreifen, aber im Sinne der Anklage macht das echt keinen Sinn. Nike behauptet im Artikel nicht, dass alles scheiße ist und sie schreibt, dass es ihr immer gut ging. Ich freue mich für sie. Alles, was sie sagt ist dass das nicht heißt, dass man nie am Arsch ist + dass sie anderen zuhört. Glaube du musst Wut kurz abschalten und es nochmal versuchen. Mir tut es auch leid, wie es dir geht und ich wünsche dir gute Besserung.

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        3. Nike Jane Artikelautor

          Liebe Lia,
          du schreibst: „Nachdem ich jahrelang lese, wie gut du als Mama klar kommst, und wie toll dein 50/50 Modell funktioniert und wieviel Zeit du für dich noch hast, bin ich einfach hart verwundert dass gerade Du alle Menschen warnen möchtest.“ Ich komme sehr gut als Mama klar, ich liebe unsere Patchworkfamilie und das 50/50 Modell, durch das ich natürlich viel Zeit für mich habe. Nämlich immer sechs Tage am Stück. Etwas anderes würde ich nie behaupten. Und ich sage: Es ist nunmal nicht immer nur prima, sondern auch ganz schön hart.

          Ich spreche außerdem keine Warnung aus, wenngleich „Kriegt keine Kinder“ eine bewusst polarisierende Headline ist. Sie erklärt sich allerdings im Laufe des Textes.

          „Kinder sind nicht schuld. Kinder sind nie an irgendwas schuld“, schreibst du. Weißt du, auch hier habe nichts Gegenteiliges behauptet. Deshalb kommen wir hier glaube ich auch nicht zusammen. Ich bin nicht sicher, wo du die Informationen über mich, auf die du dich beziehst, aus den vergangenen sechs Jahren her hast. Von welchen Situationen du weißt. Von welchen nicht. Ich nehme nämlich an, wir kennen uns nicht persönlich. Und zudem, dass du jede meiner Zeilen liest.

          Deshalb: Schwierig, diese Diskussion hier. Ich glaube, ich kann dir also weder helfen noch folgen. Weil ich nämlich überhaupt nicht zuständig bin. Ich muss nichts tun oder teilen, damit es dir besser geht. Kann ich offenbar auch gar nicht. Aber ich federe deine Wut gern ab, woher auch immer sie kommen mag – falls dir das gut tut.

          Antworten
    2. Kathi

      Hallo Lia, ich erinnere mich auch an diese Texte. Im Gegensatz zu dir, habe ich sie sehr mutmachend gelesen. Ich verstehe aber, was du gerade fühlst. Ich hatte auch eine Zeit lang Wut auf Mütter, die irgendwie alles schaffen. Ich glaube aber, das ist nicht deren Fehler… Mein Kind ist jetzt 4 und richtig fertig bin ich erst seit einem Jahr. Vorher hätte ich immer gesagt „easy“. Andere Mamas, die ich kenne fanden erst die Pubertät schlimm für andere war das Babyalter fast unerträglich. Keine wie die andere <3

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  9. Rike

    Danke für den tollen Text. Spricht mir an vielen Stellen sehr aus der Seele. Und ganz ganz viel Liebe für Mareice an dieser Stelle. Zähle die Tage bis das Buch endlich da ist. ❤️❤️❤️❤️ V

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  10. Sofie

    Danke für den Artikel und das Thema, für das Du ein so ein tolles Ende gefunden hast. „Zerfließen in Erinnerung und Tränen. Und verabschieden, wie bei einer Trennung. Weil es eine ist.“ Der Abschied, das Loslassen des eigenen Ich, ist letztlich eine Lebensaufgabe, die mit dem Tod endet. Sie vollzieht sich mit Kindern, oder ohne. Kinder machen sie höchstens greifbarer, haptischer. Es kommt eine Entwicklungsphase im späteren Erwachsenenleben auf uns zu, in der es wichtiger wird, die Liebe in die Welt und das Umfeld zu tragen (ob in Kinder oder etwas Anderes, das über uns hinausgeht), statt sie in sich selbst zu investieren, da es sonst zur Stagnation in der persönlichen Weiterentwicklung kommt. Es stirbt also vielleicht noch viel mehr in uns, wenn wir etwas festzuhalten versuchen.

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  11. Jules

    Ganz genau so ist es! „Ein Leben, das hätte sein können.“ Nicht, dass da jetzt nicht gut ist. Es ist so wie es ist. Für mich schön. Anstrengend. Ein Leben wie es eben mit Kindern ist.

    Antworten
  12. Louisa

    Toller Text, Nike! Ich selbst habe keine Kinder aber mich beschäftigt das Thema auch schon lange, gerade im Bezug auf Feminismus und Selbstbestimmheit.

    Ich schreibe gerade meine Masterarbeit über die Fotografin Carrie Mae Weems und in einer ihrer Arbeiten (The Kitchen Table Series, 1989-90) behandelt sie unter anderem das Thema motherhood. Musste gerade beim Lesen deines Textes an sie denken:

    „He wanted children. She didn’t. At the height of their love a child was born. Her sisters thought the world of their children. Noting their little feats as they stumbled, teetered and stood. When her kid finally stood and walked, she watched her with a distant eye, thinking, ‘Thank God! I won’t have to carry her much longer!” Oh yeah she loved the kid, she was responsible, but took no deep pleasure in motherhood, it caused deflection from her own immediate desires, which pissed her off. Ha. A woman’s duty! H! A punishment for Eve’s sin was more like it. Ha.“

    Es braucht einfach viel mehr Texte, die diese Komplexität aufzeigen. Gerade was es für den Feminismus bedeutet, in dem ja motherhood nicht so thematisiert wurde/wird sondern eine Ablehnung gegenüber dem traditionellen Bild der Mutter vorherrscht. Weil es ja auch einfach nicht so viele alternative role models gibt. Dazu fällt mir jetzt noch ein Zitat ein, das war’s aber dann wirklich, haha – es ist von der südafrikanischen Künstlerin Tracy Rose (aus dem Text Black to the Future, 1994):

    „We need radical feminist models of pregnancy and motherhood. I think feminist mothers are the most dangerous muthafuckahs out there; if I were to be really hardcore, I could say that feminists who refuse to have children ain’t threatenin’ shit after a certain point!“

    Anyways, keep up the good work! 🙂

    Antworten
  13. Grit

    Danke für diesen großartigen Text zu diesem leider sehr unterbeleuchteten, sehr wichtigen Thema! Ich finde mich sehr darin wieder. ❤️

    Antworten
  14. Corinne

    ❤️ Danke, du sprichst mir aus der Seele! Es tut gut zu wissen, mit diesem Gedanken nicht allein zu sein.

    Antworten
  15. Franziska

    Großartig, vielen Dank!
    Wenn mich in Zukunft mal wieder jemand schockiert und ungläubig anschaut wenn ich sage, dass ich keine Kinder möchte und die Person das nicht richtig glauben und verstehen kann, dann werde ich einfach auf diesen Artikel verweisen. Weil genau wegen der genannten Punkte will ich keine Kinder. Mich nervt es unglaublich, dass das Muttersein immer so glorifiziert wird und einen Vorträge gehalten werden, wenn man sich gegen Kinder entschieden hat.

    Antworten
  16. Anija

    Vielen Dank für Diese wichtige, so ehrlichen Worte! Wir sind auch gewollt kinderlos und froh darum, so viele ehrliche, nicht-glorifizierende Eltern in unserem Umfeld zu haben.

    Antworten
  17. Sandra

    Hi liebe Nike, danke für diesen wichtigen Artikel! Falls du mal die Sicht des Kindes einer Mutter, die es bereut, es bekommen zu haben, hören magst, meld dich gerne. Oder falls es lesenswerte Artikel aus dieser Perspektive schon gibt, vielleicht mag sie jemand teilen?

    Antworten
  18. Renate

    Und wer sagt/weiß ob man ohne Kind im Laufe des Älter werdens glücklicher und zufriedener ist ? Keine Frage, jede Frau muss das für sich entscheiden und ich verurteile nie eine Frau die keine Kinder möchte. Aber, ich denke man braucht ein paar Jahre mehr um eine gewisse Gelassenheit zu bekommen und nicht alles bis ins kleinste Detail zu erklären, begründen usw. Es ist doch klar, dass Kinder stressig sind, das man oft als Mutter am Limit ist usw. Aber ich finde es erstaunlich, dass man das schon im jungen Kindesalter sagt lasst doch erstmal die Pubertät kommen. Und vergesst bei allem nicht, dass man natürlich Frau extrem viel leistet, aber bei allem Wünschen nach mehr Unterstützung zb in der Betreuung usw ist es nunmal die Frau die Kinder bekommt. Ein Naturgesetz das leider auch viel fordert. Aber wie gesagt, die Entscheidung muss jede selbst treffen

    Antworten
    1. Ruth

      Ein guter Text! Ohne selbst Kinder zu haben und es daher vollkommen einschätzen zu können, wird mir dennoch die Ambivalenz der Eltern- und insbesondere Mutterschaft bewusst.

      Bezüglich der (rhetorischen?) Frage, die von Renate gestellt wurde, ob man im Alter ohne Kinder wirklich glücklicher sei, möchte ich nur sagen: Es gibt mittlerweile wissenschaftliche Langzeitstudien, die zeigen, dass Eltern (auch im Alter) durchschnittlich nicht glücklicher sind als Kinderlose. Darin zeigt sich für mich die Individualität dieser Lebensentscheidungen. Das Glück von Eltern sieht einfach anders aus als das Glück von Menschen, die keine Kinder haben. Zumindest die, die keinen unerfüllten Kinderwunsch mit sich herumtragen. Und kein Leben ist „besser“ als das andere.

      Antworten
  19. Anna

    Danke Nike für diesen Text.
    Ich bin seit 6 Jahren Mutter von 2 Kindern und empfinde es weiterhin als unglaublich kräftezehrend diesen inneren Drang nach Ausbruch, die Traurigkeit darüber, dass es viele Dinge einfach nicht mehr geben wird in meinem Leben, auszuhalten. (Neben der Liebe und dem schönen Wurzeln-haben-Gefühl, obviously) Ich fühle mich oft wie ein Alien auf den Spielplätzen dieser Stadt und neide den anderen Eltern ihre von außen betrachtete innere Ruhe und helle Freude an der Elternschaft (wahrscheinlich auch nicht immer real). Auch wenn meine Beziehung noch lebt, wünsche ich mir sogar manchmal eine Trennung, einfach nur damit ich klare Zeiten zum durchatmen hätte. Absurd! Es ist echt eine Mammutaufgabe.
    Ich finde daher deine Zeilen wirklich unglaublich wichtig: genau diese klare Vorbereitung auf auch negative Gefühle, die ihren Raum erobern werden, hat mir im Vorfeld im Kontakt zu anderen Eltern und Familie total gefehlt.
    Ich war auch selber oft unsicher, wie straight ich meine persönliche, manchmal ambivalente Wahrnehmung mit schwangeren Freundinnen teilen soll, wenn diese mich nach meinen Erfahrungen fragen. Es bleibt etwas Individuelles und höchst Persönliches wie man diese Riesen-Transition erlebt und verarbeitet. Aber es tut trotzdem gut zu lesen, dass es anderen ähnlich geht. Danke!

    Antworten
  20. Anne

    Nie, wirklich nie schreibe ich Reviews oder gebe Kommentare aber hierzu muss ich einfach mal ein dickes DANKE loswerden. Danke für diesen Artikel, der genau in mein liebendes müdes Herz trifft. Seit vier Jahren nicht durschlafend, ein zweites Kind erwartend, die Partnerschaft anzweifelnd, wenn die zu kleine Wohnung mir über den Kopf wächst. Und trotzdem sind alle Gefühle da: Ja und Nein. Danke Nike!

    Antworten
  21. Kristin

    Ich kommentiere eigentlich wirklich nie unter einem Artikel, aber hier kann ich nicht anders.
    Es ist wichtig, ehrlich zu sein, und mitzuteilen, dass eben nicht alles super, süß und Instagram-tauglich ist — ist es aber auch nicht mit Kind. Manche Menschen sind kinderlos und leiden unglaublich darunter, manche stecken in einer unglücklichen Beziehung fest und können sich nicht lösen. Leid und das Gefühl der Einsamkeit taucht in so vielen Bereichen des Lebens auf (und wann redet schon mal wirklich jemand offen darüber?). Ich bin nicht sicher, ob da ein „Kriegt keine Kinder“ die einfache Lösung ist, um Alleinsein, Erschöpfung etc. zu verhindern.
    Und mein erster Gedanke zum Thema „Kontrolle über das eigene Leben“ war: Niemals, niemals hat man die volle Kontrolle über irgendetwas. Ich halte dieses Gefühl der Kontrolle für überschätzt und trügerisch, denn absolute Kontrolle gibt es nicht (nicht mal über den eigenen Körper wie beim Altern) — bestes Beispiel auch ohne Kinder wäre hier eine Pandemie …

    Antworten
    1. Nike Jane Artikelautor

      Liebe Kristin, ich bin ganz bei dir und ich höre dich.
      Das hier ist ein Artikel aus Mama-Sicht. Über das Thema Kinderkriegen.
      Und was es bedeutet.
      Das macht Perspektiven wie deine in keinster Weise weniger relevant und was du sagst, ist unendlich wichtig.
      Nur findet es vielleicht in einem anderen Artikel statt. Wenn man alles unter einen Hut bringen will, wird man keiner Seite mehr gerecht.
      Vielleicht ist das auch bei texten so <3

      Antworten
  22. Mia

    vielen dank, dass du deine so persönlichen, eben manchmal ambivalenten gefühle teilst.. ich finde das sehr mutig und wichtig

    Antworten
  23. Maxin

    Liebe Nike. Da sprichts du auf jeden Fall ein wichtiges Thema an. Mir ging es sehr sehr ähnlich wie dir, nur dass ich sogar schon das Kinderkriegen hinausgezögert habe, weil mir bereits davor bewusst war, dass ich dadurch ein großes Stück Freiheit und Selbstbestimmung verlieren würde. Ich ahnte nicht, wie anstrengend es dann tatsächlich sein würde. Gefühle von großem Glück, großer Langeweile und Überforderung. Oft auch alles gleichzeitig irgendwie. Trotzdem nie nie niemals das Kind bereut. Ich habe glücklicher Weise zu keinem Zeitpunkt das Gefühl gehabt, damit alleine zu sein oder dass über diese Themen unter Müttern nicht gesprochen wird (meine Freundinnen und ich haben uns quasi ständig unser Leid geklagt und uns gegenseitig unterstützt), nur dass es öffentlich in der Vergangenheit wenig thematisiert wurde. Das ändert sich ja gerade sehr, weil immer mehr Leute wie du sich trauen, darüber zu schreiben. Und das ist super.
    Seitdem wir vor 2 Jahren von der Großstadt aufs Land gezogen sind, frage ich mich aber auch, ob das „Problem“ insbesondere in der Großstadt auftritt und nur eine bestimmte Gruppe von Müttern betrifft? Mir kommen die Mütter (ja, einige davon werden natürlich auch durch die Großeltern mehr unterstützt!) in unserem Dorf hier fernab der Instabubble, die sich weniger Gedanken um ihre Outfits (und die ihrer Kinder), den perfekten Job, ihr Interior Design, das nächste Reiseziel -also kurz gesagt ihr Image- machen, auch wesentlich weniger überfordert vor.
    In deiner Welt scheint selbst das Unperfekte immernoch so überdurchschnittlich perfekt. Trägt nicht gerade auch das dazu bei, dass andere glauben, als Frau und Mutter nicht gut genug zu sein? Das ist keine Kritik an dir, nur eine Frage, die ich mir stelle. Würde mich interessieren, ob andere das ähnlich empfinden.

    Antworten
  24. Julie

    Ich kommentiere eigentlich auch nie, aber jetzt muss ich sagen: on point. Danke Nike für deine ehrlichen Worte.
    Genauso paradox ist es nämlich manchmal und ich habe mich in deinem Text sehr wieder gefunden.
    DANKE!

    Antworten
  25. Lulu

    Hallo liebe Nike, ich lese deine Texte gerne, manchmal zustimmend, manchmal eher nicht so. Den hier verstehe ich schlichtweg nicht so richtig. Also zumindest nicht genau, wen oder was er anprangert. Was ich verstehe, dass Mamasein anstrengend sein kann, aus verschiedenen Gründen. Und dass man ab und zu die eine oder andere melancholische Träne verdrückt in Erinnerung an verrückte durchtanzte Nächte und das, was sonst vor dem Kind war. Und dass du eben diesen Punkt auch einfach mal klarstellen wolltest. Soweit so gut. Dann appellierst du aber an die „Gesellschaft“, die einem irgendwas weismache, Muttermythos, Erwartungshaltungen, die süße Lüge vom „you can have it all“. Und da frage ich mich, wer deiner Meinung nach solche Erwartungshaltungen schürt? Aus meiner Erfahrung heraus nämlich niemand. Jedenfalls niemand ernst zu nehmendes. Bei mir war es tatsächlich anders herum. Ich hab mich, bevor ich Mutter wurde, gedanklich erstmal verabschiedet von Zeit für mich bzw. meinem Partner und von der Idee der Selbstbestimmung, einer erfüllenden Arbeit. Warum? Na ja, zum einen, weil ja schon der Verstand sagt: „Logisch, wenn da jetzt jemand ist, für dessen Wohlergehen du 24/7 verantwortlich bist, dann wird die Zeit, die du bisher ausschließlich für dich hattest, nicht mehr da sein.“ Dann der öffentliche Diskurs und die praktischen Probleme um unzureichende Kitabetreuung, nicht mögliche Karriere mit Kind, Defizite im Bildungssystem… und schließlich natürlich die Freunde, Mamas und Großmütter, von denen man gehört bzw. bei denen man gesehen hat, dass es natürlich neben schön auch anstrengend wird. Klar gibt es süße Frätze auf Plakatwänden, aber die wollen halt auch Windeln oder weiß ich nicht was verkaufen. Und Bücher, Filme, Blogs… Na ja, da gibt es solche und solche. Davon abgesehen erheben die ja aber auch nicht bzw. oft nicht den Anspruch, Realitäten abzubilden sondern zu unterhalten. Ich jedenfalls hab meine Erwartungshaltungen an die Elternschaft bzw. das, was auf einen zukommt, nicht aus Filmen und Blogs abgleitet. Aber vielleicht verbringe ich auch einfach zu wenig Zeit mit Instagram und Co. und betrachte diese und Bücher, Filme zu sehr als Unterhaltung denn als tatsächliche „Erkenntnisquelle“ und kann deine Empörung deswegen so schlecht nachvollziehen. Ich hab jedenfalls ganz ehrlich und aufrichtig nicht das Gefühl, irgendwelchen Erwartungen oder einem „Muttermythos“ entsprechen zu müssen.

    Antworten
    1. Vivien

      Hallo Lulu, ich sollte gerade etwas anderes zu dem Artikel schreiben, aber jetzt bin ich sprachlos. Wie kannst du so etwas schreiben? Ich glaube, du verbringst nicht zu wenig Zeit auf Blogs oder Instagram, sondern in den NACHRICHTEN. Hast du dir mal was zum Muttermythos durchgelesen? Da ist doch sogar was von Anne Dittman. Und Studien (die hier sogar genannt werden)? Um Gottes Willen. Es geht auch nicht nur um Nikes Gefühle oder deine und meine, sondern um die Gesellschaft und um tausende Mütter, die unter dem Muttermythos leiden. Den hat hier keiner erfunden. Wow. Ich bin sprachlos. Und weiß jetzt, warum Mütter sich oft alleine fühlen…

      Antworten
      1. milo

        Kein Kommentar zum Inhalt, denn egal, ob man richtig oder falsch liegt: Der Ton macht die Musik. Speziell als Antwort auf einen sachlich und freundlich formulierten Kommentar.

        Antworten
  26. Silke

    Warum nervt euch plötzlich das zuckerwattrige Leben mancher Instagram Mums? Wenn man sich davon angegriffen fühlt liegt ein ganz anderes Problem vor. Nämlich dass mal wieder eine Frau gegen eine andere schießt. Und das ist es was uns das Leben schwer macht. Das macht Texte wie diese zu etwas ‚Besonderem‘ anstatt es als völlig normal anzusehen, dass nicht alles rund läuft im Leben. Und hier schreiben die meisten Frauen von kleinen Kids, maximal 8 Jahre alt. Girls, die wachsen noch. Da kommen noch ganz andere Dinge auf euch zu. Ihr seit genervt, dass ihr keine Ruhe mehr habt? Ha, dann freue ich mich auf die Kolumnen und Antworten dazu, wenn eure Kids euch plötzlich gar nicht mehr antworten oder euch nur ansatzweise am Leben teilhaben lassen.
    .
    Lasst euch nicht unterkriegen, vor allem nicht vom eigenen Erwartungsdruck. Kinder haben nicht die Pflicht uns glücklich zu machen. Es ist eine krasse Zeit gerade, klopft euch mal auf die Schulter dafür das ihr noch nicht völlig durch gedreht seit.

    Antworten
  27. K

    Liebe Nike,

    normalerweise kommentiere ich auch eigentlich nichts. Auch wenn das nichts zur Sache tut.
    Ich danke dir sehr herzlich für den Text und deine Offenheit!

    Es macht etwas mit uns als Gesellschaft. Der Neid von anderen. Er blockiert nicht nur die Mütter, er blockiert auch diejenigen, die keine Kinder haben. Ich z.B. habe lange nicht gewusst, warum ich mich manchmal so wahnsinnig unwohl fühle nach Treffen mit eigentlich guten Freundinnen mit Kindern. Erst als ich in Therapie war (ursprünglich wegen Burnout) habe ich herausgefunden, dass da ein Neid herrscht, der mich irritiert hat. Ich bin dir sehr dankbar dafür, dass du offen damit umgehst. Ich möchte aber auch sagen, dass der Neid und die Erwartungen anderer, dass ich ja als Kinderlose Karriere machen muss, dass ich ja so viel Zeit haben muss, dass ich mich ja am Besten auch um die Kinder meiner Freundinnen kümmern soll, mich komplett überfordert. Bitte akzeptiert, dass wir das auch einfach manchmal einfach nicht können.

    Danke und liebe Grüße

    Antworten
  28. Kat

    Danke!
    Seit zwei Jahren plage ich mich: Will ich Kinder oder will ich keine. Der Mann dazu ist da, aber ich weiß nicht ob ich bereit bin meine Freiheit und die Kontrolle über mein Leben und auch meinen Job zeitweise aufzugeben. Mein Umfeld hält mich für bescheuert und egoistisch, weil „man das doch so macht in deinem Alter.“ Alle meine Befürchtungen hast du in deinem Text beschrieben und ich fühle mich seit langem mal nicht wie eine Verrückte. Danke dafür.
    Mir bleibt eben die Frage, ob ich was verpasse wenn ich keine Kinder bekomme…. Ich fürchte ja. Aber ich würde eben auch was verpassen, wenn ich welche bekomme. Der Text hilft mir jetzt nicht bei meiner Entscheidung, aber endlich fühle ich mich auch mal verstanden. Danke!

    Antworten
    1. Julia

      Liebe Kat, es ist „schön“ zu lesen, dass es auch andere Frauen gibt die dieses ständige Grübeln plagt. Ich habe das Gefühl umgeben zu sein von Frauen mit einem klaren „na sicher will ich Kinder, schon immer.“ oder „nein, das war noch nie etwas für mich.“. Weißt du was ich meine? Das lässt mich immer alleine zurück, weil keine von beiden Seiten meine Ambivalenz versteht.

      Antworten
  29. Josephine

    Vielen, vielen Dank für diesen wunderbaren Text, der mir tief aus dem Herzen spricht.
    Es ist in meinen Augen genau das richtige, das auszusprechen. Man darf um seine verlorene Zeit trauern, man muss sich nicht rechtfertigen müssen, dass man neben dem Muttersein auch noch eigene Bedürfnisse hat (die ja sowieso zu kurz kommen). Das heißt ja nicht, dass man deshalb nicht trotzdem liebt. Der Mensch ist ja nicht so schwarz weiß. Es geht so viel ineinander über und läuft nebeneinander. Ich habe auch ein Kind, dass ich sehr liebe. Aber eben nicht zu jeder Sekunde, ständig….

    Danke dir nochmal!

    Antworten
  30. Marie

    Ich bin auch unendlich müde und ausgepowert. Daran ist aber nicht das System schuld, denn ich habe einen (vom Staat zu 2/3 bezahlten Betreuungsplatz (wie alle meine Bekannten und Freunde, die das wollen (leben mitten in der Großstadt).
    Daran sind – Achtung Schocker- auch nicht die Männer Schuld, im Gegenteil der Papa reißt sich neben seinem 60h in fast jeder freien Minute die er hat den Allerwertesten für die Kinder auf.
    Daran sind natürlich auch nicht die Kinder schuld, denn es sind Kinder (noch nicht mal antiautoritär erzogen).
    Der Grund liegt , in meinem Fall aber ich darf mich zumindest was mein Umfeld betrifft wohl so weit aus dem Fenster lehnen, dass das kein krasser Einzelfall ist , darin , dass ich 2 Kinder unter 2 habe und irrationale 2jährige und Monde so Bedürftige Säuglinge so durchs Leben zu bringen nun ein Kraftakt ist. Punkt. Daran gibt es nichts zu rütteln und kein System und kein Vater kann das ändern. Sorry , dass ihr da aus einer Blase erwachen musstet .
    Den Titel finde ich nebenbei sehr reißerisch und er hat sein kalkuliertes Ziel ja auch nicht verfehlt: Glückwunsch zum 62. Kommentar unter diesem Text.

    Antworten
    1. Caro

      Wenn der Vater 60h arbeitet und die Mutter in besagten 60h ausschließlich für die Kinder zuständig ist, hat das nichts mit dem System zu tun?

      Antworten
  31. Sandra Valeska

    Liebe Nike,
    einfach Danke! Für deine Worte und die Diskussion, die beim Titel und Thema des Textes unausweichlich aber eben auch sehr wichtig sind! Für mich ist die Message: „Jede* so, wie sie* möchte! Aber denkt nochmal kurz drüber nach.“- wie ich finde, kann man da nichts schlechtes dran finden. So kann man Mutter werden oder eben nicht. Freiwillig oder ( mehr oder weniger) unfreiwillig, weil das Leben kommt wie es kommt und auch viel Glück/ Privileg dazu gehört, ist klar! Aber was du anstößt, ist, dass man reflektieren soll, ständig. Nicht nur vor dem Mutterwerden, sondern auch während der Mutterschaft. Und das ist doch ein sehr heilsamer, wenn auch manchmal schmerzhafter Prozess: Wie geht es mir gerade (als Mutter) wirklich? Was brauche ich, damit es mir besser geht? Damit ganz viel (Selbst-)Liebe an alle Mütter und Nicht-Mütter, an die, die es werden wollen und die, die aus (guten) Gründen entschieden haben, dass ein anderes Leben auf sie wartet.

    Antworten
  32. R.

    Und auch wenn das begleitende System stimmt, das Paar sich zu gleichen Teilen einbringt und auch wenn die Kinder geplant und gewünscht sind, kann man das Ganze doch trotzdem auch zwischenzeitlich scheiße finden, oder nicht? Gehen nicht die meisten Entscheidungen – egal wie bewußt sie auch getroffen wurden – immer mit einem mal mehr oder weniger präsenten Gefühl der Ambivalenz einher, welches erst einmal ausgehalten werden muss?

    Antworten
  33. Anni

    Wenn ich Deinen Text lese, kommt mir folgendes in den Sinn: Was ist denn mit der alleinerziehenden Mutter, von 3 Kindern, mit einem Vollzeitjob und dennoch finanziellen Sorgen, blödem Chef,  verständnislosen Kollegen und einem Exmann, der sich natürlich nicht kümmert, vom Staat und der Gesellschaft vernachlässigt. – davon gibt es eine ganze Menge. Nur sind die damit beschäftigt, ihre Existenz zu sichern, was in diesem Land leider eher erschwert wird.
    Du kommst mir so unfassbar privilegiert vor. Das genaue Gegenteil von der oben beschriebenen Person. Das heißt ja nicht, dass man nicht auch aus einer priviligierteren Situation, das Recht haben darf, sein Muttersein zu bereuen, die Erziehung eines Kindes anstrengend oder langweilig finden. Ich möchte das keiner Mutter absprechen.
    Aber ich frage mich dennoch wieso.
    Ist es, weil die Privilegierten und das liegt in der Natur der Sache, freier sind (sei es finanziell, intellektuell, was auch immer…) und somit auch freier in ihren tatsächlichen Möglichkeiten und dementsprechend aUch schmerzhafter fühlen, welche dieser Möglichkeiten verpasst werden? Eine Person, die, sagen wir, existenzielle Sorgen hat, wie sehr kann die über sowas nachdenken.  Wenn überhaupt wohl eher auf einer anderen Ebene.

    Antworten
  34. Sara

    Wunderschöner Text, du bist toll, danke das du das veröffentlicht hast! Endlich, ich danke dir so sehr dafür! <3

    Antworten
  35. Nadine

    Danke! Meine 4-jährige Tochter ist die größte Liebe meines Lebens. Sie so viele Jahre eng auf ihrem Lebensweg zu begleiten ist gleichzeitig Privileg und Bürde. Die Entscheidung, dass sie Einzelkind bleibt, haben mein Mann und ich schon kurz nach der Geburt getroffen, er hat sich sterilisieren lassen. Ich bereue das nicht und selbst in einer neuen Partnerschaft würde ich die Frage nach einem Baby immer mit Nein beantworten. Obwohl auch Geschwisterkinder Teil der gesellschaftliche Erwartungshaltung an Mütter sind. Dein Beitrag ist mutig, ich fühle genau wie du und ich gehe noch einen Schritt weiter, der häufig Irritation auslöst: Ich habe mich bewußt und ganz klar gegen ein zweites Kind entschieden. Weil ich das meinem Körper, meinen Nerven, meiner emotionalen Gesundheit (das große Thema Sorgen), meinen eigenen Bedürfnissen (dazu gehört Berufstätigkeit, die mir Rente und Unabhängigkeit sichert) und letztlich auch meiner Partnerschaft nicht nochmal zumuten möchte.

    Antworten
  36. ina

    liebe nike,
    danke für diese kolumne. ich bin (sehr bewusst) kinderlos und damit in meinem umfeld zunehmend eine exotin. und habe mich – vor allem im letzten jahr – gefragt, warum eigentlich meine freundinnen über ihre situation jammern. für mich war völlig klar, dass ihres ein selbst gewähltes schicksal ist: sie sind alle gebildet, stehen wirtschaftlich gut da und haben ihre kinder in einer ehe/festen partnerschaft bekommen.
    und ich hatte trotzdem auch oft das gefühl, dass sie mich insgeheim zeitweise beneiden, sie meinen dass ich ja nicht in der lage sei, zu verstehen, wie beschissen es ihnen ginge. was für mich eher unverständlich war, weil ich viel beobachtet und mir dann viele gedanken darüber gemacht habe, ob ich in der lage wäre, mein leben komplett umzukrempeln für eine mutterschaft. für mich war diese konsequenz völlig klar.
    ich kann ihre lage durch deinen text und die vielen kommentare jetzt viel besser nachvollziehen – es ist toll, dass du das in worte fassen kannst!
    ich glaube, es muss mehr darüber gesprochen werden und die geltenden normen infrage gestellt werden. die sind derart implizit, dass sich viele (frauen) scheinbar nicht so detaillierte gedanken machen, was es für sie als individuen bedeutet, kinder zu haben (das (frauen), weil ich wirklich den eindruck habe, dass männer in weiten teilen weder den druck noch die wirkliche last tragen – so aufgeklärt sie auch sind. das wird im kleinen und im großen leider wenig infrage gestellt und weiterhin gefördert ☹️).
    immer noch wird man latent als egoistisch dargestellt, wenn man keine kinder hat. und häufig dann auch mit mehrarbeit/geringerem verdienst konfrontiert, „weil man ja keine kinder hat“. umgekehrt werden müttern angestrebte beförderungen verweigert, weil sie zweimal in elternzeit waren – und als konsequenz kinderlose (und männer) bevorzugt.
    ich finde, da ist der staat gefragt, eltern besser zu fördern und sie zu entlasten. oder am besten direkt die kinder, so dass es klar ist, dass das geld ihnen zugute kommt. dafür sollten sich mehr menschen (mit & ohne kindern) interessieren und sich politisch dafür einsetzen – und sei es nur durch eine wahlentscheidung. sonst ändert sich daran nämlich nichts. die diskussion ist also ein wichtiger anstoß dazu! also nochmal danke, ihr alle

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