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Offener Brief von @seebrueckeoffiziell & 19 weiteren NGOs: Nachdem unzählige Warnungen über Jahre hinweg nicht gehört werden wollten, ist heute Nacht das Horrorszenario eingetreten: Das völlig überfüllte Lager Moria ist zu großen Teilen abgebrannt. 13.000 Menschen haben alles verloren, was kein Zuhause, aber ihre einzige Unterkunft war. Das Feuer ist die Konsequenz einer europäischen Flüchtlingspolitik, die auf Abschottung und Abschreckung setzt. Einer Flüchtlingspolitik, die tötet und die Schutzsuchende in den Lagern über Jahre alleine ließ. Die Katastrophe war vorhersehbar und wurde wissentlich in Kauf genommen. Die Bundesregierung hätte die Möglichkeit gehabt, die Situation in Moria zu entschärfen.  Für die Menschen, von denen die meisten bereits traumatisiert von ihrer Flucht und den Gefahren in ihren Heimatländern sind, die sich zudem bereits seit Monaten und Jahren in Moria befanden, wurde in den vergangenen Tagen mit dem Ausbruch von Covid-19 die Lage noch einmal dramatisch verschärft: Lager wurde unter eine vierzehntägige Massenquarantäne gestellt. Nach wie vor hatten die Menschen keine Möglichkeit, sich vor einer Infektion zu schützen.  In Deutschland haben über 170 Kommunen, Städte und Länder ihre Aufnahmebereitschaft seit geraumer Zeit unzählige Male bekundet. Thüringen und Berlin haben Landesaufnahmeanordnungen beschlossen. Bundesinnenminister Seehofer hat diese Solidarität und Bereitschaft jedoch blockiert. Er spricht von einer “europäischen Lösung”, die nichts anderes bedeutet, als ein Festhalten an der unmenschlichen Lagerpolitik, bei der Menschenleben riskiert werden.  Wenn Europa und Deutschland seine Werte nicht endgültig verraten wollen, muss die Zeit des Nichthandelns mit dem heutigen Tag vorbei sein. 13.000 Menschen in Moria hätten längst evakuiert werden müssen, doch die Bundesregierung hat bislang versagt. Tausende Menschen sind seit dem Brand obdachlos. Wir fordern von der Bundesregierung, ihre Blockadehaltung umgehend aufzuheben und die sofortige Aufnahme der Menschen nach Deutschland zu organisieren, denn: #WirhabenPlatz! Bitte bleibt laut, spendet und geht (mit Masken und ausreichend Abstand) auf die Straße. #leavenoonebehind

09.09.2020

Nach so einem Wochenende frage ich mich immer, ob das alles denn überhaupt sein muss. Das Nachjagen und Hinterherkommen, das Gefallen, Gerechtwerden und Genugseinwollen, das Überanstrengen und Zerdenken und das immer etwas drüber sein. Ich weiß gar nicht, wie lange ich es jetzt schon so halte. Meinem Umfeld erkläre, dass „es gerade etwas chaotisch sei“, das Leben. Als wäre das gar nicht immer so, sondern bloß eine Art lästige Ausnahme, ein Zustand, der sich irgendwann einfach in Luft auflösen würde. Dabei ist das in Wahrheit doch Käse. Oder eher: wie es schon sehr, sehr lange ist und wie es höchstwahrscheinlich bleiben wird. Im Grunde muss ich nur noch lernen, aufzugeben. Mich endlich nicht mehr wehren, meine ich. „Drunter und drüber“ ist nämlich keine Anomalie, sondern die Regel. Mein Alltag eben. Und eigentlich mag ich ihn. Ich würde! Ihn richtig feiern sogar. Für so viel Wahnsinn und Wildsein und Glück, trotz irrsinniger Erschöpfung. Nur das ewige Erklären und Entschuldigen, das geht mir langsam auf die Nerven. „Wenn es dir wichtig ist, findest du Zeit dafür“ – genau. Sowas Beknacktes habe ich selten gehört. Ok, gut. Geht schon. Mit noch mehr Privilegien oder weniger Verpflichtungen. Aber: Wer verschiebt denn meine Deadline, wenn ich lieber mit Freunden saufen will? Wer bringt das Kind ins Bett, wenn mein Hintern nach Yoga schreit? Wer schläft für mich, wenn ich schon wieder saumüde bin? Vieles ist wichtig und dann ist der Tag auch schon wieder rum. Nee, wirklich. Lasst uns doch einfach mal sein. Und durchatmen und heilen und damit aufhören, uns auch noch den allerletzten Funken Energie aus aus den Knochen nuckeln zu lassen, von unserem Kopf, aber auch von all jenen, die wirklich dringend verstehen müssen, dass ihr Leben halt verdammt nochmal nicht unseres ist.

06.09.2020