Die Qual der Kragen: Bist du böse oder brav?

04.10.2011 Allgemein, Mode, Technik
Fotos: 1. Framboise Fashion, 2. Asos.

Alle Welt redet von den glorreichen 60ern, von A-Linien und Kleidchen, aber vor allem von Kragen. Kragen regieren die Modewelt, Kragen überfluten den Laufsteg.

Nunnist es aber so: Bei diesem Trend gibt es kein Schwarz und Weiß, kein klares Ja und auch kein Nein. Denn Kragen ist nicht gleich Kragen. Wer sogleich an den quietschigen Schuluniformenlook denkt oder gar an Großmutters Liebling, dem bleibt immer noch der Jungs-Look, die Ode an die Garçonnes der 20er jahre, der kann immer noch ein Tomboy sein. Spitzkrägen, oder bl0ß leicht angerundete Modelle, vielleicht auch die skandinavische, sehr schmale Variante? Wem auch das noch zu niedlich ist, der greift eben ganz nonchalant zu Nieten. Dder doch lieber das piekfeine Spitzen-Kontrastprogramm zum Binden und Schleifchen wickeln? Ich mag mich gar nicht recht entscheiden, leide ich doch so oder so schon an chronischer Unentschlossenheit.

Deshalb geht die Frage an euch: Lieber böse Nieten oder brave Spitze? Oder sind vielleicht sogar beide Extreme „too much“?

7 Kommentare

  1. mari

    gerne beide varianten.
    hier macht es allerdings die kombination:
    leder & nieten zu weichen, fließenden, gestrickten textilien.
    bubi-kragen & weiße spitze zu groben, derben, dunklen outfits.
    dezenter stilbruch ist hier das kredo.

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  2. Matthias

    Ich finde beides entsetzlich. Da wird doch ein bloßes Detail eines Kleidungsstücks oder – wie gesehen – des ganzen Outfits soweit aufgeplustert, daß es zum einzigen Bedeutungsträger wird, alles andere dahinter in langweiliger Nichtigkeit zurücksteht und der ganze Witz doch nur ist: „Schau her, ich habe einen Kragen.“ Das ist doch Koketterie, geschmacklose und fade. Ein Kalauer, im besten Falle. Es sollte doch heißen: „Schau her, ich trage Mode, die Persönlichkeit beweist, weil sie geschmackvoll ist.“

    Kurzum: Ich würde mich nicht nach einer Frau umdrehen, die so etwas trägt.

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  3. Ines

    also ich halte kragen immernoch für accessoires und kann matthias deshalb nicht ganz zustimmen. und accessoires sollen ein outfit aufwerten und spannender machen und das schaffen sie meiner meinung nach ganz hervorragend. 🙂
    und selbst wenn man einen so auffälligen kragen tragen sollte, dass dieser zum mittelpunkt des outfits wird: wieso nicht? mode soll spaß machen und solange sie das tut, ist alles erlaubt.
    ich jedenfalls halte es bei den kragen so wie mari und kombiniere gern hart mit zart. egal, in welcher zusammensetzung.

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  4. Matthias

    Kragen sind keine Accessoires, so viel muss ich kleinkariert anmerken. Insbesondere in den heutigen Zeiten, wo sie nicht wie einst lose vorkommen. Kragen sind in aller Regel fest mit dem Kleidungsstück verbunden und erfüllen dort eine Funktion, nämlich den Schutz des Halses vor Kälte und der Reibung des aufliegenden Mantels oder der Krawatte. Daß der Kragen über die Jahrhunderte hinweg kokette Formen angenommen hat, steht dieser Funktion freilich entgegen, denn da übernahm er zumeist repräsentative Funktionen, als Zugehörigkeitszeichen zu bestimmten Ständen, dem Militär oder der Kirche. Der Kragen war daher schon immer ein Unterscheidungsmerkmal gegenüber der einfachen Bevölkerung, deren „Kragen auch Sonntags nicht rein war“, wie es so schön bei Brecht heißt. Der Kragen übernahm also eine außerordentliche Funktion und – so viel kleinliche Korinthen will ich abschließend noch loswerden – ist alles Andere als bloßes Accessoire, also einfaches, frei kombinierbares Beiwerk, schnöde Dekoration. Damit ist der Kragen ein Detail eines Kleidungsstückes und nimmt im Übrigen auch heute noch diese Funktion wahr.
    Ob zudem ein Accessoire ein Outfit aufwerten soll oder gar kann – da halte ich mich lieber ganz zurück.

    – ein zugegebenermaßen kleinlicher Enthusiast der Modegeschichte und -theorie

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