Das beste Magazin seit langem: „Die Verwandlung“ von Kafka – „Das Buch als Magazin No I“

06.02.2013 um 15.13 – Allgemein Magazin



Ein Buch kann uns als Axt dienen für das zugefrorene Meer in unserem Inneren“.  Es ist nicht so als würde ich Kafka nicht so oder so schon verehren, aber mit dem Aufschlagen der ersten Seite samt des so wunderbar wahren Zitats fand ich eine neue Liebe: Das Buch „Die Verwandlung“ als Magazin ist vermutlich das Beste, was mir in den vergangenen Monaten untergekommen ist. 

Die beiden Macher Joahanna Swistowski und Peter Wagner erklären das Prinzip ihres Genie-Streichs wie folgt: „Im ersten Teil des Heftes drucken wir einen Klassiker der Literaturgeschichte (…), im zweiten Teil schreiben wir Geschichten aus dem Alltag unserer Gegenwart (…). So verknüpfen wir Literatur und Journalismus, Vergangenheit und Gegenwart“. Mein persönlicher Traum wird wahr und es passiert mir nicht oft, dass ich beinahe motzig werde, weil mir nicht selbst eine derart glorreiche Idee in den Kopf gesprungen ist. Mit der ersten Ausgabe von „Das Buch als Magazin“ halte ich einen der intelligentesten Gegenentwürfe zum digitalen Overdose in den Händen. Print ist sowas von lebendig – man muss es nur richtig anstellen.

 




Neben dem Literatur-Klassiker „Die Verwandlung“ finden wir außerdem geistreiche Gedanken zur Erzählung, eine Geschichte über die Tage nach dem Tod der eigenen Mutter, Steven Kutcher, der 40 000 Ameisen beim Namen kennt und Kakerlaken als lebende Pinsel missbraucht, Worte über die Bedeutung des Geldes, das Migranten in ihre Heimatländer überweisen und Fakten zur Verdorbenheit unserer Lebensmittel:


Kafka schrieb seine Erzählung „Die Verwadlung“ mit gerade einmal 29 Jahren und schuf damit eines der wichtigsten Werke der Weltliteratur. Als Gregor Samsa eines Morgens aufwacht, ist er kein Mensch mehr, sondern findet sich als „hässliches Ungeziefer“ wieder – fortan hält er der verkorksten Welt einen Spiegel vor. Es geht um Unmenschlichkeit, um Protest, um die Spießergesellschaft, die sich langsam selbst zerstört, um Selbstverleugnung, Deprivation und das eigene Scheitern.

Mehr Infos zum Magazin gibt’s hier.

6 Kommentare

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.