Brangelina-Trennung & das traurige Frauenbild der Boulevardpresse

26.09.2016 um 12.34 – box1 Feminismus Gesellschaft

brangelina trennungAngelina und Brad haben sich also getrennt und man ist erstaunt, dass die Welt sich trotzdem noch dreht. Die Zeiten sind deprimierend, da kann eine Celebrity-Trennung, so paradox das klingt, doch glatt wie eine gute Nachricht klingen. Endlich mal dramatische Entwicklungen, die wunderschöne, erfolgreiche Menschen betreffen und nicht orangegesichtige amerikanische Populisten, den Syrienkrieg oder die Tatsache, dass irgendwie niemand Joachim Gauck im Amt des Bundespräsidenten beerben möchte!

Natürlich wissen wir auch längst, warum Brangelina wieder in seine Einzelteile zerfallen ist: Brad trinkt und kifft zu viel und müsste dringend mal zum anger management. Oder lag es doch daran, dass Angie mit Brads Erziehungsstil nicht zufrieden war? Seien wir ehrlich: Am wahrscheinlichsten ist doch, dass eine andere Frau dahintersteckt. Jennifer Aniston soll sich ja immer noch nach ihrem Ex-Mann sehnen. Die Bunte veröffentlicht Bilder von Jennifer und ihrem Mann Justin Theroux, Titel „Hey Brad! Das hätten wir sein können!“. Oder auch nicht, denn Promiflash wittert schon die nächste Trennung: „Zerbricht Jen Anistons Ehe nun am Brangelina-Aus?“ Also wieder Brennifer statt Brangelina? Da hat Gwyneth Paltrow natürlich auch ein Wort mitzureden. Sie war ebenfalls mal mit Brad zusammen (sogar verlobt), was sie nun automatisch in die Rolle der Angelina-Kontrahentin befördert. Angeblich soll Brad nämlich noch nicht über Gwyneth hinweg sein – fast 20 Jahre nach dem Beziehungsaus. Bryneth klingt ja auch irgendwie nett. Die Dritte im Bunde ist Marion Cotillard: Am Set des Films Allied, den Marion und Brad zusammen drehten, soll es zwischen den beiden heiß hergegangen sein.

Völlig egal, dass die Beziehung von Jennifer Aniston und Brad Pitt über ein Jahrzehnt her ist und Aniston seitdem ungefähr dutzende Filme gedreht und neu geheiratet hat – sie wird auf immer die verlassene Ehefrau bleiben. Der eigene Ehemann, von Angelina Jolie ausgespannt. Arme Jen. Gwyneth Paltrow hat eine erfolgreiche Lifestyle-Marke gegründet und sich als smarte Geschäftsfrau erwiesen – aber natürlich hat sie die ganze Zeit nur darauf gewartet, bei Brad Pitt eine zweite Chance zu bekommen. Und Marion Cotillard? Dass sie seit Jahren glücklich mit ihrem Kollegen Guillaume Canet verheiratet ist und am Set von Allied Brad Pitt nur deshalb küsste, weil die beiden im Film ein Liebespaar spielen – egal, wir wissen doch, wie flirty und verrucht diese Französinnen drauf sind!

Eigentlich geht es bei der ganzen Brangelina-Geschichte um zwei Menschen, die sich nach fast zwölf Jahren Beziehung trennen. Das ist traurig genug. Noch trauriger ist aber, dass in diesem Kontext mal wieder Frauen die Schuld zugeschoben wird. Angelina Jolie, so konnte man lesen, hätte Brad Pitt „aussortiert“, weil er nicht mehr zu ihrem Leben passte. Nun ja, sollten sich die Gerüchte über Drogen- und Alkoholprobleme als wahr herausstellen, ist das Jolies gutes Recht. Die Trennung wird natürlich von all denen gefeiert, die sowieso schon immer fanden, dass Jolie ihren späteren Ehemann von Aniston „geklaut“ hat (Team Jen vs. Team Angie). Frauen erscheinen im Fall Brangelina so wahlweise als berechnend, verlassen oder intrigant. Vor allem aber erscheinen sie als Gegnerinnen, die nichts Besseres zu tun haben, als sich um einen Mann zu streiten. Fazit: Die Brangelina-Trennung ist traurig. Noch trauriger ist das Frauenbild, das viele Boulevardmedien offenbar auch 2016 noch haben.

8 Kommentare

  1. Jen

    Danke für diesen Artikel – ich habe dem noch was hinzuzufügen.

    1) Am Ehe-von-Jen-und-Brad-Kaputtmachen ist irgendwie immer nur Angie Schuld. Der „arme“ Brad hatte dazu anscheinend nichts beizutragen (und Jen schon gar nicht).
    2) Angelina Jolie ist seit bald 15 Jahren ausschließlich „positiv“ aufgefallen, sei es durch ihr ehrliches Engagement in vielen Krisengebieten und für Unicef/die UN oder durch eine ziemlich gute Filmbilanz und nicht zuletzt auch als Mutter von 6 Kindern, die den Umständen entsprechend normal aufzuwachsen scheinen (jedenfalls ist da keiner Sänger/Model oder sonstwie dauernd in den Medien).
    Und trotzdem lese ich ÜBERALL gerade nur: ihr Erziehungsstil ist so lax, den Kindern werden nie Grenzen gesetzt, da ist Brad halt mal die Hand ausgerutscht, ja mei, hat sie selbst schuld (!!!) und überhaupt, die spinnt total, hatte doch Blut von ihrem Ex in einer Kette um den Hals und ihrem eigenen Bruder einen Zungenkuss gegeben etc pp. Abgesehen davon, dass ich finde, dass das alles ihre Sache ist, ist es 10.000 Jahre her. Aber egal. Sie muss schuld sein, sie zieht die Kinder jetzt auch in die Presse und ist fies und überhaupt habe ich schon gesagt der arme Brad?!

    Am Ende des Tages geht es uns alle einen feuchten Dreck an, was in dieser Familie passiert. Die Berichterstattung ist jedenfalls unglaublich dämlich, denn wir wissen *nichts*. Was ich allerdings schon erschreckend finde, ist die allgemeine Begrüßung von Brad Pitts Ausraster, von wegen she had it long coming…
    Schlimm.

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  2. Paulina

    Hey :)
    Ich empfinde das sehr ähnlich und leider ganz schön typisch und beschämend für unsere „Gesellschaft“ aka Boulevardblätter sich daran so aufzugeilen.
    Danke für den guten Beitrag.

    Lieber Grüße

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  3. angelika

    ich habe auch noch einen gedankenanstoß hinzuzufügen:
    Ist es nicht traurig, dass trotz all dieser Klischees und des – wenn wir mal ganz ehrlich sind – Blödsinns, was da so den ganzen Tag geschrieben und erfunden wird von diversen Boulevard Magazinen, überwiegend Frauen diesen Schund konsumieren?
    Haben wir wirklich nichts besseres zu tun als uns an den blöden, traurigen, frustrierenden Situationen anderer zu ergötzen? welcome in 2016.

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    1. suzy

      Ich finde, das ist ein ganz wichtiger Punkt! Man soll nicht vergessen, dass „Journalismus“ wie dieser auf die Leserschaft zugeschnitten ist. Am Ende zählen Tatsachen nicht sehr viel, wichtig ist, was die Leserin sehen will — oder worüber sie sich aufregen möchte. Aber das ist es ja, was man als Leser liebt und „hasst“, die Auseinandersetzung mit sich selbst und dem eigenen (und anderen) Bild von sich.

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  4. Larissa//No Robots Magazine

    Natürlich, das hat selbstverständlich alles seine Richtigkeit! Etwas sehr Schlimmes ist passiert, wir brauchen einen Schuldigen! Und wo kämen wir denn da hin, wenn wir jetzt plötzlich den Mann in Betracht ziehen würden? Das kann nicht sein. Es muss die Frau dahinterstecken. Grundsätzlich. Immer.
    (Ich erlaube mir an dieser Stelle ein wenig Eigenwerbung und verweise auf einen Artikel, den ich neulich geschrieben habe: http://norobotsmagazine.de/bitch/ (Sorry ;)).)

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