Die Sache mit den Pornos. | Hotel Desire

08.06.2011 Allgemein, Film

Seit ich denken kann, sind Pornos für mich etwas abstoßendes und verbotenes. Ein gestörtes Verhältnis zu Sexualität liegt mir allerdings fern und prüde bin ich auch nicht. Trotzdem. Für mich gehörten fremde Knabbereien und Blow Jobs bisweilen nicht auf den Bildschirm, sondern ins Bett.

Als ich klein war, keine Ahnung wie klein, aber sicher noch im Grundschulalter, war das Fernsehen zu später Stunde natürlich verboten. Mein guter Kumpel vom Haus nebenan kannte allerdings schon recht früh Tricks, sich seinen Weg zur elterlichen Flimmerkiste zu bahnen. Whoa, habt ihr „Wahre Liebe“ schon mal gesehen? Ich erinnere mich noch genau. Mit zittrigen Knien schlich ich ins Wohnzimmer, eines Nachts, und schaltete Vox an. Was ich sah, waren gigantische Brüste, Frau Ferrari und etliche blankliegende Schniedel, wie man sie damals nannte. Eigentlich war mir schon damals klar, dass das ein Männerding sein muss. Unbefriedigt, wohl eher geschockt, legte ich mich schlafen und versuchte, das Gesehene samt schlechtem Gewissen schnellstmöglich zu verdrängen.

Die Pubertät klopfte alsbald an die Tür und alles nackte, samt der „bösen Bravo“- Seiten zog jeden von uns quasi magisch an. Bloß ging es bei den meisten von uns Mädchen nicht über verstohlene Blicke in die Schmuddelheftchen der Jungs hinaus, irgendwie verlangte man von uns Oilily-Trägerinnen sogar, dass wir brüskiert waren ob all der zu Papier gebrachten Frivolität. Auf den ersten Kellerparties schmiss hie und da wer den Computer an, um seinen Kumpels recht stolz den „Youporn“-Kanal zu präsentieren, auch hier erinnere mich gut an die entgegengesetzten Reaktionen der Betrachter. Gut, weggucken wollten wir nicht, aber dennoch waren wir weit davon entfernt, ein warmes Kribbeln zu verspüren.

Ich schätze, jedes Mädchen hatte mal einen Freund, der mehr als offenherzig mit seinem Pornofilmchen-Konsum hantierte, dann und wann kam’s auch eher unfreiwillig ans Licht. Wieder ein Grund, den fremden Nackedeis mit einer geballten Portion Hass entgegen zu treten. Wieso man fremde beim Anal-Oral-undwasichichnichtwas-Verkehr zuschauen soll, wenn man’s auch selbst machen kann, blieb vielen Freundinnen und mir lange ein Rätsel, bereitete manchen gar Tränen und Bauchweh.

Und nun? Nun befinden wir uns in einem Alter, in einer Generation und Welt, in der man ganz offen mit erotischen Streifen umgeht. Jeder guckt sie schließlich, sagt man. Stimmt nicht, sage ich. Ich kenne zwar die ein oder andere, die selbst zugibt, drauf abzufahren, dennoch bin ich der Meinung dass das heimliche Anschauen im Schreibtischsessel der Männerwelt eher zusagt, als uns Mädchen. Und ehrlich? Wir sind raus aus der Pubertät, einen Partner, der sich ständig einen von der Palme wedeln muss, will keiner mehr.

Warum ist das so? Sind wir hoffnungslose Romantikerinnen? Wurde uns die Rolle der stillen Beobachterin, oder eher der lauten Demonstrantin, in die Wiege gelegt? Der Gedanke an einen Freund, der daheim sitzt und aufgrund fremder Schenkel jede Menge Blut in den Unzterleib gepumpt bekommt, ist irgendwie befremdlich.

Wieso sagt denn dann jeder „das ist so, die machen das, damit muss man sich abfinden?“. Nee, muss man nämlich nicht. Und nein, nicht alle Jungs machen das. Außerdem gibt es da noch eine Welt fernab von Cumshots und Schaumkronen auf dem allerheiligsten Stängel. Erotikfilme, die nichts mir pervertierten Vorstellungen von körperlicher Nähe zutun haben, nichts mir Ausdauersport und Missionen, die tatsächlich nur dem männlichen Part Freude bereiten können – wenn überhaupt. Aber die werden belächelt. Mädchenpornos, halt. Mit Handlung und so. Nicht, dass ich sie für nötiger halte, aber ja, die gibt’s.

Hotel Desire nennt sich so ein Projekt, zum Beispiel. Anna Maria Mühe ist sogar dabei und der erste Ausschnitt zeigt, dass das Ganze auch hoch ästhetisch möglich ist. Aber gut, das wollen die meisten Männer gar nicht mehr. Viel zu abgehärtet sind sie, die Pornoindustrie hat sie abgestumpft. Traurig, aber wahr.

Man mag mich nun Feministin schmimpfen. Oder kleinkariert. Stimmt aber nicht. Jeder soll doch tun, worauf er Lust hat. Ich frage mich bloß, woher diese Lust bei Nicht-Singles, denn bei Soloisten versteh ich’s ja, kommt. Ist ihnen die Realität zu langweilig geworden? Was ist da passiert, verdammt noch mal. Frauen haben keine standatisierten blankgeleckten „Mösen“ und nein, Brüste stehen auch nicht nach oben, wenn man auf dem Rücken liegt. Komisch. Ich fürchte, bei mir läuft was schief. Denn geil find ich Analaddin und die wunder Schlampe echt nicht.

9 Kommentare

  1. Benne

    Soweit ich weiß, liefert die Wissenschaft schon einige Erkenntnisse zu diesem Thema: Zum einen hat man Experimente gemacht, bei denen man die Gehirnaktivität gemessen hat, wenn Frauen und Männer mit visuellen Reizen (Nacktbilder, Pornographie, etc.) konfrontiert werden. Das männliche Gehirn zeigte dabei in der Regel eine deutlich höhere Aktivität.
    Außerdem habe ich mal ein Interview einer Porno-RegisseurIN gelesen, die extra Pornos für Frauen & Männer gedreht hat. Sie meinte ein Porno für Frauen müsste auch andere Reize ansprechen: Sinnliche und realistische Geräusche, kein penetrantes Geschrei/Gestöhne. Außerdem fiele es Frauen deutlich schwerer Emotion und Sexualität zu trennen, ein weiterer Grund warum Frauen nicht auf Pornos abfahren. Ein Film für das weibliche Geschlecht müsste dementsprechend auch Zärtlichkeit, Begierde, Liebe, eben echte Gefühle zwischen den Schauspielern vermitteln.
    Wie du siehst ist es keine Geschmack(losigkeit)sfrage ob ein Mann auf Pornos abfährt, sondern eine Eigenschaft des männlichen Körpers stark auf visuelle Reize zu reagieren.

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  2. Nike Artikelautor

    Lieber Bene,
    ja, du hast ja recht. Zugegeben. Aber irgendwie… nee. Auf bestimmte Reize anspringen, klaro, das macht Sinn. Und wie gesagt, soll jeder so viele Pornos schauen, wie er will. Ich frage mich anlässlich eines Mädelsabends vergangene Woche, bei dem das Thema zur Sprache kam, aber, wieso das denn niemals aufhört bei so vielen – ob sie nun eine Freundin haben oder nicht. Das ist ja das „Problem“,welches auch kein wirkliches Problem ist, sofern man ein bisschen Selbstbewusstsein hat. Nicht das Pronos-Schauen an sich.

    Aber nun ehrlich. Es gibt eben auffällig viele Männer, die auffällig krassen Scheiß in Pornos abfahren (laut einer Studie is Bukakke besonders bliebt) – hat das nun auch was mit Reizen zu tun? Ik weiß es nischt, du.
    Aber tausend Dank für deine lange Antwort – ich bin zumindest ein bisschen schlauer jetzt. (:

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  3. Pingback: Hotel Desire oder die Sache mit der PorNEOgraphie | SKIR - Stylish Kids In Riot

  4. Talisa

    Danke,danke für diesen Post. Du sprichst mir zu 100000 % aus der Seele. Ich dachte schon ich bin unnormal. Ich hatte schon zig unbefriedigende heul,Wut Diskussionen mit allen Möglichen Leuten darüber. Diese Leute können ja gar nicht glauben ,das es auch Männer gibt die keine Pornos gucken. Die gibt es nämlich,sehr wohl!! Nicht jeder Mensch ist so extrem auf Pornos und Sex fixiert wie viele meinen. Wirklich traurig ,wie das die Köpfe vieler Menschen verdreht und beeinflusst.

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  5. Konrad

    Einen sehr feinfühligen Roman über Pornographie hat ja unlängst auch Peter Redvoort geschrieben: „Pornos machen traurig“ – der gefiel auch meiner Frau …

    Konrad

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  6. Bullet Proof

    ich habe den Eindruck genausowenig wie es Männer angeblich nicht schaffen NICHT auf visuelle Reize zu reagieren, schaffen es Frauen nicht NICHT auf emotionale Reize zu reagieren, aber andererseits, was ist der Unterschied, das Visuellle erzeugt Emotionen und ´das Körperliche auch, es ist doch gar nicht so zu trennen, und was genau heißt schon Porno? Es geht ja immer darum, das Gesehene zu interpretieren, oder? Nieman wird gezwungen Pornos zu mögen, aber Liebe findet auch jeder gut, aber so endet Liebe, und ist Porno nicht auch Liebe? Wer kann trennen was Gott zusammen erschaffen hat? Und Oskar Wilde sagte schon: Wenn Gott gewollt hätte, daß Menschen Kleider tragen, hätte er Menschen nicht nackt auf die Welt kommen lassen!

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  7. o.

    zu: Man mag mich nun Feministin schimpfen, (..)

    Menschen und Geschmäcker sind verschieden, und Frauen verdanken es Mädchen wie dir, die Porno und Selbstbefriedigung verurteilen, dass sie immer noch nicht offen und ehrlich damit umgehen können und es immer noch für eine eklige und verabscheuenswerte Sache halten. Und das finde ich ganz und gar nicht feministisch. Im Gegenteil, es ist eine äußerst spießige und misogyne Einstellung, und daher kommt sicher auch deine Definition des Wortes „Feministin“ als Schimpfwort.
    Mag ja sein, dass du Pornos eklig findest und dich persönlich angegriffen fühlst, wenn jemand Pornos schaut, statt selbst (mit dir?) Sex zu haben. ABER Selbstbefriedigung ist doch kein Sex-Ersatz! Im Gegenteil, man lernt erst durch Masturbation/Onanie, was man beim Sex mag und was nicht, und grade Pornos helfen enorm als Inspirationsquelle. Natürlich sind die gezeigten Sachen abnorm, beschönigt, überzogen – das ist jeder Hollywood-Streifen auch, deswegen kann man trotzdem bestimmte Dinge als Denkanstoß verwenden und inspiration daraus ziehen.
    Krankhafte Onanie bei Männern, die sich Mädchen anschauen, die andere Mädchen pürieren während ihnen literweise Sperma über den Kopf gegossen wird, sind nicht der Durchschnitt. Und wer weiß, vielleicht hält die Möglichkeit, sich das alles im Internet anzusehen, diesen Krankhaften Onaneur davon ab, um die nächste Straßenecke ein Mädchen zu verschleppen und mit ihr diese Phantasien auszuleben.
    Und ich verspreche dir, auch in deinem Freundeskreis kommt auf jedes Mädchen, das zugibt, auf Pornos zu stehen, fünf weitere, die diese Mädchen für ihren Mut beneiden.
    Man sollte darüber nachdenken, welche Rolle man erfüllt – als Freundin, als Kolumnistin, Bloggerin – grade wenn man das Bedürfnis verspürt, sich über die weibliche und männliche Sexualtität zu äußern.
    Wir brauchen keine Stereotypen mehr, die noch mehr Mädchen ein schlechtes Gewissen und Selbsthass auflasten, weil sie etwas vollkommen natürliches tun. Und wir brauchen auch keine Männer, die damit aufhören, offen und ehrlich über ihre Sexualität reden zu können und dazu stehen, dass es nur sie etwas angeht, was sie mit sich tun, und stattdessen anfangen, sich genauso zu schämen wie Mädchen.

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    1. J.

      Was du sagst stimmt wirklich nicht. Nikes Artikel tut gut, weil er eben diesen Mädchen (wie auch mir), die schon oft wegen Pornos und ähnlichem an der Welt verzweifelt sind zeigt, dass sie damit nicht allein sind und dass Pornos eben doch nicht für alle „normal“ sind – zum Glück!
      Trotzdem sagt ja keiner, dass man sie verbieten soll. Und gegen ansprechende, ästhetische Erotikfilme hat auch das Anti-Porno-Mädchen nichts.

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