5 Piece Wardrobe//
Manchmal muss man abhauen

04.07.2017 Allgemein

Freunde, manchmal steht mir der Sinn nach Abhauen. Es ist gar nicht so leicht, das Internet abzustellen und auch das Handy, all das eben, was „Pieps“ machen kann. Dabei tut ein bisschen Ruhe hin und wieder so schrecklich gut. Ich bin also schwer dafür, viel häufiger raus zu gehen, in den Wald oder an den See. Ausreden gelten nicht, ein wenig Grün findet man doch überall. Und natürlich braucht man dafür keinen neuen Fummel, so ein Baum bewertet schließlich nicht und dem Wetter ist auch egal, ob wir nun eine Jacke dabei haben oder nicht. Aber Lieblings-Kleidung hilft manchmal, egal in welcher Lebenslage. So eine warme Weste von Patagonia zum Beispiel und auch ein Paar Sandalen von Teva, mit denen man über Stock und Stein und sogar durchs Wasser springen kann. Eine kleine Sünde dürfte dennoch Einzug in meinen Kleiderschrank halten und zwar das Batik-Shirt von Sandro. Schaut es nicht so hässlich aus, dass es beinahe wieder raketenstark ist? Ihr wisst, was ich meine. Humor muss sein. Genau wie Literatur, die dazu in der Lage ist, uns zum Umdenken zu motivieren. Zugebener Weise verknoten sich bei Henry David Thoreau streckenweise sämtliche Gehirnteile, aber derzeit scheint sein uraltes Werk wieder aktueller denn je, wird zitiert bis bis die Schwarte kracht und weiterhin hochgelobt. Zu Recht, wie ich finde. Und ausreichend Zeit hat man da draußen sowieso:

“I went to the woods because I wished to live deliberately, to front only the essential facts of life, and see if I could not learn what it had to teach, and not, when I came to die, discover that I had not lived.“

Sandalen // Teva
Weste // Patagonia
T-Shirt // Sandro Paris
Shorts // & other stories
Cap // Wood Wood
Rucksack // Marin et Marine

Henry David Thoreau war etwas jünger als ich jetzt, nämlich 27, als er sich 1845 schließlich dazu entschied im Wald zu leben – frei von Konsum und bürgerlicher Etikette. Das aus dieser Erfahrung entstandene Buch „Walden“ gilt bis heute als Inspirationsquelle der 68-Generation, als Musen-Literatur von Tolstoi bis Gandhi und Muss für jeden Freigeist, der ab und zu an Weltflucht denkt.

„Die meisten Menschen sind (…) so sehr durch die unnatürliche, überflüssige, grobe Arbeit für das Leben in Anspruch genommen, dass seine edleren Früchte von ihnen nicht gepflückt werden können. (…) Tatsächlich hat der arbeitende Mensch Tag für Tag keine Muße zu wahrer Ganzheit. (…) Er hat keine Zeit etwas anderes zu sein als eine Maschine.“

Henry Thoreau studierte alte Sprachen in Havard und war ziemlich erfolgreich, bevor er sich auf den Weg Richtung innerer Befreiung durch das Ablegen äußerer Zwänge machte. Mir schwant also, als seien seine Gedanken von damals heute wieder relevanter denn je, wo doch alles immer schneller, höher, weiter sein muss und wir manchmal drohen, wie Ameisen im Regenschauer in Hektik zu ersaufen. Sich treiben lassen, 300 Seiten lang, kann da durchaus gut tun. Auch, wenn sich das Hirn beim Lesen nicht nur ein Mal verknotet. Thoreau war zweifelsohne ein Sonderling und die allermeisten von uns würden an der Einsamkeit, die er irgendwann zu lieben anfing, ersticken. Wenn man aber aufmerksam ist und mit einem dicken gelben Maker durch die Seiten malt, ist Walden nicht nur gut für den Kopf, sondern auch für die Seele:

„Die unaufhörliche Aufregung und Sorge vieler Menschen ist eine fast unheilbare Krankheitsform. Wir übertreiben die Wichtigkeit von allem, was wir tun, und wie vieles geschieht doch ohne uns!“

„Wir beeilen uns stark, einen magnetischen Telegraphen zwischen Maine und Texas zu konstruieren, aber Maine und Texas haben möglicherweise gar nichts Wichtiges miteinander zu besprechen. (…) Die Hauptsache besteht nicht darin schnell, sondern vernünftig zu sprechen.“

„Die Sitte, den besten Teil des Lebens dazu zu verwenden, um Geld zu verdienen, damit man sich während der geringst wertigen Lebenszeit einer fragwürdigen Freiheit erfreuen kann, erinnert mich an jenen Engländer, der nach Indien ging, um sich ein Vermögen zu machen, damit er nach England zurückkehren und dort ein Dichterleben führen könne. Er hätte nur von vornherein zur Dachkammer hinaufzusteigen brauchen.“

„Ich möchte um keinen Preis, dass irgend jemand meine Lebensweise befolge; denn abgesehen davon, dass ich, ehe er sie ordentlich erlernt hat, schon wieder eine andere für mich gefunden haben kann, wünsche ich auch, dass es soviel verschiedene Menschen als möglich in der Welt geben möge; ich möchte nur, dass jeder recht sorgfältig trachtete, seinen eigenen Weg zu finden und nicht statt dessen den seines Vaters, seiner Mutter oder seines Nachbarn.“

„Ich wollte tief leben, alles Mark des Lebens aussaugen, so hart und spartanisch leben, dass alles, was nicht Leben war, in die Flucht geschlagen wurde.“

Hier lang geht es zum Buch.

 

3 Kommentare

  1. Marianne

    Hallo Nike,
    macht Lust aufs „abhauen“ und passend zum Thema: 2 Stunden Kino „WEIT – ein Weg um die Welt“. Freiburger Paar, das in 3 1/2 Jahren ohne zu fliegen die Welt umrundet und zwischendurch in Mexico ihr Baby bekommen hat.
    Läuft in Berlin in 5 und deutschlandweit in 80 Kinos.
    http://www.weitumdiewelt.de/trailer
    Grüße

    Antworten
  2. Sina

    Liebe Nike — uns zieht es regelmäßig in die Natur, am liebsten ins Berliner Umland. Nichts hilft so sehr wie Durchatmen zwischen Bäumen oder Gräsern. Seit einiger Zeit dokumentieren wir unsere Abenteuer, vielleicht können wir ja ein paar Inspirationen in Sachen „Ausflüge nach Brandenburg“ liefern: http://www.milchundmoos.de
    Liebe Grüße

    Antworten

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