Scalamaris Welt //
Ein guter Sonntag

15.10.2017 box1, Kolumne

Sonntagmittag und ich hocke in der Dusche. Seit ungefähr zwei Netflix Folgen irgendwas, die im Nebenzimmer vor sich hin leiern, regnet es jetzt schon auf meinen müden Rücken nieder. Der einzige Ort, an dem mich Handy und Hund und alle mal in Frieden lassen können. Depressiv verstimmte Freuden des Alltags. Sich was gönnen. Kneipp „Gute Laune Kräuterbad“. Badewanne, ich würde mir ein Bein für eine verdammte Badewanne abreißen. Ich kenne außer mir auch wirklich keinen Menschen auf der Welt ohne. Stattdessen hat sich mein durchtriebenes 28-jähriges-Ich damals für „beste Kiezlage“ und „Wohnküche“ begeistern lassen. Dieses altkluge Gör hat mir noch jedes Vollbad versaut. Egal.

 

Die ersten zwei Gassi-Runden am Morgen prophezeiten Regen und Regen den ganzen Tag. Da geht heute nicht mehr viel. Zurück im Bett dient als Stimmungsaufheller eine Lichtschutzfaktor 30 Sonnenmilch, die ich mir unverhältnismäßig dick in Zeitlupentempo in die trockene Haut mit leerem Blick Richtung Wand einmassiere. Der Duft verspricht ja zumindest immer irgendwas mit Urlaub. Warum das nicht alle so machen, frag ich mich. Bestimmt ungesund.

Seit ich einen Hund habe, bin ich gezwungen morgens die Wohnung zu verlassen. Das sind ganz neue Zustände und schön ist das auch nicht – ich danke ihm trotzdem dafür. Von Null auf Hundemensch – da machste wat mit – aber man wächst ja mit seinen Aufgaben:

Regenfester Mantel, Leine, Leckerli, Kotbeutel und Gummistiefel warten inzwischen wie bei feinen Leuten ordentlich aufgereiht im Flur bereit. Eine Regenjacke habe ich mir zugelegt, das muss man sich erstmal vorstellen. Ich fühle mich mindestens wie dieser Hundetyp aus dem Fernsehen – der Profi, der Sympathische, wie heißt der denn jetzt nochmal? Im Welpenalter machen nämlich Sekunden den Unterschied zwischen Pfütze draußen oder eben neben der Couch aus. Das Anzeichen auf Leidensdruck zum Urinlassen interessiert hier wahrscheinlich die meisten, ich verrate es euch gern: Stark suchendes Rumgeschnüffel am Boden nämlich – und dann heißt es schnell wie der Blitz sein, den Welpen unter den Arm klemmen und raus rennen. Aufs Gras stellen, lösen lassen (so sagen wir Profis) und loben, loben, loben – dramatisch und überschwänglich – nur so lernt das Tier wie der Hase läuft. Ein schönes Bild jeden Morgen halb Sieben auf dem Grünstreifen. Gelber Regenmantel in ekstatischem Freudentaumel. Ich war dabei.

Nach dem Eincremeritual folgende Google Recherche: „Polyamorie – Vorteile“, „Wohnungstausch Zwei Zimmer Schlachtensee“ „Freistehende Badewanne Schlafzimmer – Werkzeug“ „Smart Passion Einsitzer gebraucht“ und „Was ich noch sagen wollte – Helmut Schmidt“. Überlege mir nachfolgend den Podcast von Joko und diesem cholerischen WM Fotografen reinzuziehen. Entscheide mich dagegen. Warte lieber noch bis es nicht mehr anders geht und der gesellschaftliche Druck mich zwingt.

Auch tragisch: Seit zwei Jahren versuche ich nun bereits meine Geschirrspülmaschine anzuschließen. Es soll aber leider nicht sein. Verschiedene „Profis“ und „Freunde“ sind bisher an der anscheinend unlösbaren Aufgabe gescheitert. Aus Trotz und Zeichen des Widerstandes leiste ich stillen Protest und wasche seit Wochen kein Geschirr mehr ab. In zwei von 70 Fällen löst sich ein Problem ja erfahrungsgemäß auch gern mal in Luft auf, wenn man es wegignoriert. Ziehe stattdessen einen der aus Palmen hergestellten Einwegteller aus der Plastikverpackung und klatsche mir den Rest erste Sahne Vortags-Tortellini kalt auf das Wegwerfgeschirr. Nicht mit mir, mit mir nicht, elendiges System! Der Rest des Wochenendes vergeht im Regen stehend auf der Hundewiese. Mehr war nicht. Mehr wollte ich auch gar nicht. Ein guter Sonntag.

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