Romantische Kleider, oder: Nee, ich bin nicht deine süße Kleine.

07.06.2019 Mode, Shopping

Ich bin ganz verrück nach Kosenamen, das muss wohl in oder besser an der Familie liegen, jedenfalls ruft meine Mutter bis heute „Schneckenpost, die haben hier keine vegetarische Wurst!“ quer durch den Supermarkt, wofür ich mich früher sehr geschämt hätte und habe, ganz im Gegensatz zu heute. Da fallen sie hier zum Beispiel reihenweise im Büro um, wann immer mein Freund anruft, um Schnurzel“ durch den Hörer zu brüllen und ich mich ganz lauthals über so viel Schamlosigkeit freue. Kosenamen sind ja so eine Sache, eine sehr persönliche auch, die nicht wenigen trotzdem die Kotze in den Rachen treibt, sehr regelmäßig. Manch einem bereitet „Schatzi“ die reinste Gänsehaus, andere hingegen rennen bei „Mäuschen“ bis hinter den Horizont, Hauptsache weg. Verstehe ich schon. Dennoch bin ich schwer der Meinung, dass Spitznamen ausschließlich das Bier derer sind, die sie füreinander erfinden. Außer, es geht um mich selbst – da hört der Spaß tatsächlich bei „Kleine“ auf. Ja, ehrlich.

Das weiß ich, seit mich ein zutiefst in alte Rollenbilder verliebter Mann in einem gewohnten Anflug geistiger Abwesenheit mal exakt so nannte und außerdem hinterher schob: „Ach, Mensch, so süße Blumenkleider, die machen dich so schrecklich niedlich, ganz zerbrechlich siehst du aus, ach Kleine, du.“ Bäh, alles. Nett war das nicht gemeint, wirklich nicht. Woher das Hirngespinst kommt, sogenannte „romantische“ oder „superfeminine“ Kleider gäben Ausschluss über die Persönlichkeit, die drin steckt, habe ich sowieso noch nie verstanden, man schaue sich zur Veranschaulichung dieser Verwechslung etwa diverse Bildbände der Riot Girl Bewegung an, das hilft nämlich beim Lösen verrosteter Assoziationen. Aber zurück zur „Kleinen“ – ein Witz, wenn man bedenkt, dass ich 1.73 groß bin und noch dazu alles andere als jemand, der einen „Großen“ zum Beschützen braucht. Danke, nein. „Kleine“, das klingt nicht nach Liebe auf Augenhöhe, sondern nach „Baby, ich erklär die die Welt, weil du sie nicht kapierst.“ Nach „Komm, lass mich dein Retter sein“.

Stell dich nicht so an, denkt ihr jetzt vielleicht. Dann nennt mich eben „Nervi“. Das macht zumindest Sinn. 

 
 
 
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