JW Team: 5 Songs, die für uns mehr als nur Musik sind

18.06.2020 Musik

In dieser Woche teilen wir all jene Lieder, die bei uns auf Repeat liefen, besondere Gefühle erwecken, schöne Momente beschreiben oder gar einen ganzen Lebensabschnitt widerspiegeln, mit euch. Wie immer seid ihr in den Kommentaren herzlichst dazu eingeladen, von euren ganz eigenen Favoriten zu erzählen.

Fabienne 

1. Dire Straits — Sultans of Swing

Kennt ihr die Idee von Autofahrmusik? So verbreitet diese Assoziation ist, so unterschiedlich sind die verschiedenen Playlists. Auf Familienurlauben in meiner Kindheit war dies der Song der uns auf dem Weg nach Dänemark jedes Jahr begleitet hat. Das Lieblingslied meines Opas ist mein Highlight Song für immer, erinnert mich an die leichtesten und schönsten Stunden meines Aufwachsens und vermischt sich mit Erinnerungen von Rapsfeldern und Dünen.

2. Childish Gambino — This is America

Der Song ist nicht nur ein Meisterwerk sondern meine Inkarnation von Kampf, Empowerment und meiner Arbeit. Er bündelt für mich so viele Emotionen, dass ich immer Gänsehaut bekomme wenn er anklingt, einfach weil er mich daran erinnert wofür ich Kämpfe und was meine Überzeugungen sind.

3. Velly Joonas — Stopp Seisku Aeg

Alter Schwede. Dieser Estnische Song hat uns auf einem ganz besonderen Griechenland Urlaub begleitet. Dieser magische Sommer war so besonders, besonders heiß und wild und schön, dass die Playlist von damals ganz tief in meinem Herzen bleibt für immer. Vor allem diese Hymne von Valley Jonas aus den 80ern.

4. Le Feste Antonacci — Diverso

Diverso ist ein Song der so klingt wie der Sommer in Berlin den man sich ausmahlt, dann aber doch anders kommt als man denkt. So fühle ich mich zumindest beim Hören. Er ist das Key Piece meiner Corona (Getränk) Playlist und ein Symbol für alle Entbehrungen der vergangenen Monate was gleichzeitig euphorisch nach vorne blickt. Ich liebe ihn.

5. Nas — If I ruled the world

Bei der Auswahl dieses Songs fällt mir auf, dass fünf Songs leider meiner Obsession mit dramatischen Lebensumständen und passender Musik einfach nicht gerecht werden kann. Mit jeder Ära der letzten zwanzig Jahre verbinde ic einen Song, eine Emotion, ein Drama oder ein Glücksgefühl.

Nike

Hole – Celebrity Skin

Um ehrlich zu sein, bin ich mir nicht sicher, ob mir schon vor meiner ersten Begegnung mit Bikini Kill, Bratmobile, Hole oder Sleater Kinney klar gewesen ist, dass Frauen Punkrock machen. Feministischen Punk. Als ich zum ersten Mal den Claim „Girls to the front“ las, kapierte ich erst, was das alles sollte und warum die Jungs in der Frontrow tatsächlich mal Platz machen mussten. Fortan verschlang ich alles, was meine Augen und Ohren über die Riot Grrrl-Bewegung der 90er finden konnte. Zwar zählen sich Hole offiziell bis heute nicht dazu, der Song „Celebrity Skin“ mitsamt dem dazugehörigen Album wird für mich aber immer den Anfang meiner persönlichen Musikreise markieren. Hole war der Grund, weshalb wir in der Oberstufe eine all female Punkband gründeten, Konzerte gaben, Nachmittage im Proberaum verbrachten und irgendwie keine Angst mehr vor gar nichts hatten. Später sollte besagtes Lied sogar volle Möhre aus den Boxen dröhnen, als ich oben auf der Aula-Bühne mein Abi-Zeugnis abholte. Stolz wie Bolle war ich da. Und neugierig auf die Welt.

 

Sublime – What I got

Ich bezweifle, dass sich zwei Erwachsene beim gegenseitigen Kennenlernen jemals so seltsam aufgeführt haben, wie mein Freund und ich. Abgesehen davon, dass wir während der erstens Dates vor lauter Aufregung wirklich sehr viel Haselnuss-Schnaps runterspülten, haben wir außerdem wahnsinnig unbeholfen in unseren jeweiligen Dialekten (rheinländisch und bayrisch) miteinander geplaudert (aber eben anders herum), geschwitzt, gestottert und saublöde Witze erzählt. Als ich eines schönen Morgens jedoch davon geweckt wurde, dass der Mann bei offener Badezimmertür lauthals „What I got“ mit brüllte und kurz darauf „Guten Morgen, Sonnenschein“ rüber rief, wusste ich, dass die Haselnuss erstmal Pause machen konnte. Und dass ich genau richtig war, dort, zwischen Sublime und dem warmen Frühstückscroissants, das schon auf mich wartete.

 

Pink Floyd – Time (The Dark Side of the Moon)

Pink Floyd ist, neben Radiohead, wohl zweifelsohne und bekanntermaßen eine der besten Bands der Welt, das war mit eigentlich auch längst klar – nicht zuletzt, weil mein Papa bis heute nicht müde wird, das Album „Wish You Were Here“ in den Himmel zu loben. So richtig kapiert habe ich das ganze Trara um Pink Floyd aber erst vor gar nicht allzu langer Zeit. Seither mag ich „The Dark Side of The Moon“ aber noch viel lieber. Und das Lied Time am allerliebsten. Was bleibt mir nun jedoch anderes übrig, als festzustellen: Wer weiß, der weiß eben. Und: wowowow. Ich finde übrigens, Time kommt am Besten, wenn es dunkel ist und nichts als ein Sternenhimmelprojektor den Raum erhellt.

 

Odetta – Hit or Miss

Hit or Miss kann ich immerimmerimmer hören. Gute Laune wird durch dieses Lied noch besser und schlechte einfach weggefegt. Genau wie alle Zweifel. Weil Odetta für mich nach Selbstbewusstsein und Sommer klingt, nach großer Freundschaft, nach Berlin und Bier im Gummiboot, nach Open Air, Pizza am Kanal und Freiheit. Nach Unvernunft und „Kopfüber rein“. Nach „einfach mal nicht nachdenken“ und unendlicher Zufriedenheit. Nach „Fuck you“ und „forever young“. Nach allem, was ich mag.

 

Rage against the machine – Killing in the Name of 

Ich glaube, das muss in etwa Rock am Ring 2008 gewesen, als ich mir beim Rage Against The Machine Konzert vor dem ersten Wellenbrecher die Nase brach. Eigentlich sah ich nur Manns-hohe Ellenbogen und wirbelnde Haare um mich herum, aber als es immer enger wurde, kapierte ich: Das kann nur ein gigantischer Circle Pit sein. Meine Freunde waren längst von der wilden Meute verschluckt worden. Bis zum Refrain konnte ich mich noch recht wacker auf beiden Beinen halten, aber das war’s dann. Knickknack. Weil ja aber alle so freundlich sind auf solchen Festivals, wurde ich binnen Sekunden rüber zur Security gereicht, die mich schließlich aus der Masse zog. Was war ich da erst stinkig. Aber dann ziemlich schnell dankbar. Tat nämlich doch ein bisschen weh.

 

Erobique feat. Jacques Palminger – Wann strahlst du?

Wann strahlst du habe ich zum ersten Mal in meiner WG auf der Sonnenallee gehört. Wie bescheuert sind wir da in der Abendsonne durch unsere Küche getanzt, zwischen frisch aufgesetztem Tee und klein geschnibbeltem Gemüse. An den Händen haben wir uns gehalten und Pirouetten gedreht, gedacht, es würde für immer so bleiben. Ist es natürlich nicht, weil wir größer geworden und nacheinander davongeflogen sind. Ich glaube aber, unsere Augen leuchten noch immer.

Julia 

Es gibt unwahrscheinlich viele Lieder, die in mir etwas auslösen, auf Repeat laufen oder sogar einen ganzen Lebensabschnitt beschreiben — mich auf fünf Stücke zu reduzieren, war also per se gar nicht möglich, weshalb ich ganz frech ein wenig schummle und ein paar weitere Lieder in die Liste schmuggle, als „Honorable Mentions“ sozusagen: Bat for Lashes — Daniel, Pearl Jam — Garden, The Knife — Heartbeats (allerdings nur die Live Version), White Lies — E.S.T., The Killers — Mr. Brightside (eine schöne Erinnerung an meine Emo-Ära), Editors — An End Has a Start (der erste Song, den ich je von ihnen hörte, mittlerweile war ich auf drei Konzerten), CocoRosie — Werewolf (ich hörte ihn sehr oft, als ich meine erste Therapie begann). Und schließlich:

Bob Dylan — Hurricane

Durch meinen Vater wuchs ich mit der Musik von Bob Dylan auf, die mich noch heute an unsere früheren, ewig langen Autofahrten nach Kroatien erinnert. „Hurricane“ war einer der ersten Songs, die ich je von ihm hörte — er blieb mir nicht nur aufgrund der großartigen Melodie, sondern auch wegen der Hintergrundgeschichte selbst im Gedächtnis: „Hurricane“ handelt vom ehemaligen amerikanischen Boxer Rubin Carter, der im Jahr 1966 zu Unrecht wegen Mordes inhaftiert und 1985 nach Wiederaufnahme des Verfahrens durch ein Bundesgericht freigesprochen wurde.

Evil in a Closet — In Flames

Als ich meinen Freund vor einer halben Ewigkeit kennenlernte, verbrachten wir einen Großteil unserer Zeit mit Gesprächen über Musik, die wir abends via ICQ fortsetzten (die 00er Jahre waren wilde Zeiten). Zu unserem ersten richtigen Date brachte er mir schließlich eine gebrannte CD voller Lieder, die ich mir ganz unbedingt anhören solle, mit. Mit verknalltem Kopf ließ ich die CD bis tief in die Nacht laufen, bis ich unsanft von In Flames geweckt wurde — kurz darauf lief die Metal-Band bei mir rauf und runter (mein Vater verteufelte sie), „Evil in a Closet“ zählt jedoch bis heute zu meinen liebsten Liedern.

Kryptonite — 3 Doors Down

Ich war 15, als „Kryptonite“ in Dauerschleife durch meine Kopfhörer schallte und mir ein Gefühl von Freiheit gab. Zu dieser Zeit verbrachten meine damalige beste Freundin und ich jede freie Sekunde miteinander, träumten von einer unbeschwerten Zukunft, feuerten unsere Lieblingsmannschaft im Fußballstadion an und sprachen über die Liebe. Noch immer erinnert mich der Song an jene Zeit, die gleichermaßen verwirrend, traurig und wahnsinnig schön war.

What Else is There — Röyksopp

Es gibt Lieder, die ganz besonders intensive Gefühle, die irgendwo zwischen Melancholie, Hoffnung, Freude, Weltschmerz, Liebe und Ratlosigkeit liegen, auslösen. Für mich ist „What Else is There“ ein solches Lied — und weil ich das Gefühl am liebsten immer abrufen möchte, ließ ich mir den Titel mit 18 auf den Arm tätowieren (ich bereue nichts!).

The Darkness − Love is Only a Feeling

Kurz gesagt: „Love is only a feeling“ lief bei mir in Dauerschleife, nachdem ich meinen Freund kennenlernte und erinnert mich bei jedem Hören an die Anfangszeit.

Sarah

Vor ein paar Jahren suchten wir euch schon mal die Mixtapes unseres Lebens zusammen und ich kann nur jedem von euch empfehlen, sich auch mal auf diese musikalische Zeitreise zu begeben. Zu schön war es, in der Vergangenheit zu schwelgen, Erinnerungen vom Früher wieder zu fühlen und sich die Zeit zu nehmen, in die verschiedensten und schönen, oh so wichtigen Momente, in denen wir all die prägenden Erfahrungen gemacht haben, zurückzuspulen. 

Radiohead – Creep

1992 war ich natürlich viel zu jung für dieses Lied, ein paar Jahre später aber lernte ich es richtig lieben und fand mich vollends in den Zeilen wieder. Zumindest immer dann, wenn ich mich so richtig in den Liebeskummer hereinlegen wollte, über die Tatsache meines Dauersingle-sein heulte und all die jugendliche Wut am liebsten an jedem Gegenstand meines Zimmers ausgelassen hätte. Heute kann ich darüber natürlich ziemlich schmunzeln und freu mich tatsächlich riesig, dass ich nicht nur am Freitag endlich meine Gesangsstunden wieder aufnehme, sondern mich auch an Creep versuche – allerdings in der Version von Rozzy Crane. Und so kommt es doch noch zu dem Creep-Happy-End. Ha!

 

Feist – Mushaboom

Knapp 10 Jahre ist es her, da kamen wir nach Berlin und stürzten uns in dieses Abenteuer, das hoffentlich noch lange nicht zu Ende ist. Manchmal, ganz heimlich, da wünsche ich uns zurück an diese rückblickend betrachtet so leichtfüßigen Anfänge, in der das Herz stets siegte und niemals die Vernunft, in der zwei Wochen am Stück durchgearbeitet wurde, weil uns alles so berauschte, wir die Dinge mit deutlich mehr Naivität meisterten und wir nur Augen für unser gemeinsames Baby hatten. Natürlich ist es gut, dass wir in all den Jahren gelernt haben, abzugeben. Sonst wäre uns vor lauter Erschöpfung wahrscheinlich schon die Energie flöten gegangen. Ein bisschen wehmütig schaue ich dennoch auf diese Tage zurück. So schön war das in diesem chaotischen Büro in einem ganz anderen Berlin-Mitte von heute. Feist gehört für mich so sehr in diese Zeit und rahmt diese wunderbare Leichtigkeit wie kaum eine andere Sängerin mit Band.

 

Lauryn Hill – Doo-Wop

Es ist 2011 und mein Freund und ich sind noch wahnsinnig frisch zusammen, als wir auf eine ziemlich große Geburtstagsparty gehen und in den frühen Morgenstunden auch irgendwie die letzten auf der Tanzfläche sind. Es läuft Doo-Wop und mein Herzmensch outet sich als ebenso großer Lauryn-Hill-Fan wie ich. Ziemlich betrunken wurde im Duett gesungen und der Versuch unternommen, mitzurappen. Ich sehe ein ziemlich ulkiges Bild von uns beiden vor mir und muss noch heute darüber lachen. Eines aber stand ab diesem Abend fest: Das ist unser Lied. Natürlich haben wir unsere Performance auf ihren letzten beiden Konzerten gleich noch mal zum Besten gegeben. Ist doch klar.

 

Neil Young – Heart of Gold

Kaum ein anderes Lied erfüllt mich so mit Glück und mit Schmerz zugleich, verbinde ich keines schließlich so sehr mit meinem verstorbenen Papa wie Neil Youngs Heart of Gold. Im Juli 2016 sah ich mich schon mit ihm in der Waldbühne im Duett pfeifen, während wir mit unseren flachen Handflächen im Takt auf unsere Oberschenkel klopfen. Daraus wurde leider nichts mehr. Wie so vieles andere auch, was ich noch zu gern mit meinem Papa erlebt hätte. Heart of Gold läuft heute trotzdem wieder mit einem breiten Lächeln im Gesicht – hin und wieder nur, nicht ständig. Aber wenn es läuft, ist es vollgeladen mit Liebe, Sehnsucht und ganz vielen anderen, guten Gedanken.

Meg Mac – Roll up your sleeves

Vielleicht ist mir „Roll up your Sleeves“ von Meg Mac so nah, weil ich auch dieses Lied irgendwann voller Inbrunst beim Gesangsunterricht zum Besten geben durfte, vielleicht aber auch, weil es stellvertretend für die Ära GIRLS steht, für die Zeit mit Hanna, Marni, Jessa und Shoshanna, die wir ein paar Staffeln begleiten durften und die uns mit in ihren wahrlich unperfekten Leben voller Liebe, Freundschaft und innerlicher Zerrissenheit mitgenommen haben. Vielleicht aber auch, weil ich den Text so mag und immer wieder an die Freiheit appellieren möchte. Die Freiheit, sein Leben selbst zu bestimmen, die Sachen zu packen und zu gehen, um sich am Ende eben vor allem selbst zu finden. Für euch haben wir damals übrigens gleich eine ganze Best-Of-Girls-Playlist zusammengestellt, die ich auch heute noch rauf und runter höre.

7 Kommentare

  1. M I M I

    Im „Thumbnail“ habt ihr „Childish Gambino“ falsch geschrieben. Das C muss weg, vielleicht könnt ihr das ja noch ändern ◠‿◠

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  2. maja

    „Dire Straits — Sultans of Swing“, ebenso wie das ganze Album: der Soundtrack vieler, vieler langer Autofahrten, gehört zu meinen intensivsten Kindheitserinnerungen.

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  3. Kathrin

    Hatte gerade beim Lesen so viel Herzgehüpfe-
    Kryptonite❤️, wohl einer der besten Songs ever, Hole ❤️erinnert mich an meine Jugend, ebenso wie Killing in the Name of und Radiohead – hach.
    Und Neil Young erinnert mich auch immer an meinen Vater

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  4. Nanaka

    Ziemlich cooler Soundtrack. An vieles erinnere ich mich noch, mit 16 in Dauerschleife gehört, jedes Wochenende „im Club“ verbracht (vll. haben wir damals sogar noch „Disco“ gesagt – bin mir einfach nicht mehr sicher…). Kryptonite! Mushaboom! Ach was waren das für Zeiten, als man auf einer Isomatte zwischen ranzigen Sneakern und leeren Bierdosen noch schlammig und glücklich eingeschlafen ist… Diese unbeschwerte Zeit, ich vermisse sie so sehr.

    Würde heute ja auch nicht mehr freiwillig Campen gehen. 😉

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