#ICHWILL: Louisa Dellert, Luisa Neubauer und Co. appellieren für mehr Frauen in Führungspositionen

Gerade mal 10% Frauen sind in deutschen Unternehmensvorständen vertreten. Damit sich das ändert, widmen sich jetzt prominente Frauen und Männer aus der deutschen Film- und Medienwelt in einem Instagram-Video an die Bundesregierung. 

#ICHWILL – weil die These, dass Frauen keine Führungsrollen übernehmen wollen, ein Märchen ist 

“Wusstest du, dass in Deutschland gerade mal 10% Frauen in Unternehmensvorständen sind? Wusstest du, dass die Vornamen Thomas und Michael bei den CEOs von deutschen Unternehmen jeweils fünfmal häufiger vorkommen, als es Frauen auf den Chefsesseln gibt?” Mit diesen Sätzen startet ein Video, das heute auf Instagram viral geht.

In dem knapp zweieinhalbminütigen Clip kommen zahlreiche starke Stimmen aus der deutschen Medienwelt und anderen Branchen zu Wort, die zusammen eines fordern: Chancengleichheit für Frauen in deutschen Unternehmen.

 

 
 
 
 
 
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#ICHWILL: Louisa Dellert, Natalia Wörner oder Luisa Neubauer sind dabei

Zu den Mitwirkenden zählen etwa Autorin und Umweltschutz-Aktivistin Louisa Dellert, die Schauspielerinnen Natalia Wörner, Thelma Buabeng, Clelia Sarto und Maria Furtwängler, Künstler- und PR-Agentin Heike-Melba Fendel, Autorin Laura Gehlhaar, Umwelt- und Klimaaktivistin Luisa Neubauer, Model und Unternehmerin Sara Nuru, “This is Jane Wayne”-Mitbegründerin Nike van Dinther, Bloggerin Lisa Banholzer, VOGUE-Kolumnist Fabian Hart oder Moderator Tarik Tesfu

 
 
 
 
 
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Dellert, die das Video anmoderiert, erklärt: “Wir sind ein loses Netzwerk an Frauen und Männern aus Medien, PR, Wirtschaft, Wissenschaft und Politik, das ständig wächst. Wir haben weder ein Unternehmen, noch eine Partei im Background, aber verfolgen alle das gleiche Ziel: Mehr Frauen in Führungspositionen!”

Ihre Forderung richten sie ganz konkret an PolitikerInnen der Bundesregierung, etwa Ralph Brinkhaus, Vorsitzender der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Bundesfinanzminister Olaf Scholz, Franziska Giffey, Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend oder SPD-Generalsekretär Lars Klingbeil.

#ICHWILL fordert: Mehr Frauen in Unternehmensvorstände

Der Grund: Im Koalitionsvertrag der Großen Koalition ist die Förderung von Frauen in Führungspositionen klipp und klar niedergeschrieben, hier tut sich allerdings zu wenig. Zwar gilt seit dem 1. Januar 2016 die Geschlechterquote von 30 Prozent für neu zu besetzende Aufsichtsratsposten in börsennotierten und voll mitbestimmten Unternehmen (der prozentuale Anteil von Frauen in den Aufsichtsräten dieser Unternehmen ist seitdem um + 13,3% gestiegen); für Vorstände, sowie die erste und zweite Managementebene müssen aber lediglich freiwillige Zielgrößen angegeben werden.

“Wusstest du, dass große Unternehmen bei der freiwilligen Selbstverpflichtung Frauen einzustellen, Zielgröße Null angeben? Die Bundesregierung will ein Vorhaben unter den Teppich kehren, das sie sich selbst als Ziel gesetzt hat: Mehr Frauen in Unternehmensvorständen. Aber selbst eine Frau pro Vorstand scheint für einige Unternehmen bereits eine Zumutung zu sein. Selbst große Unternehmen, bei denen der Staat Einfluss nehmen kann, haben nicht mehr als 15% Frauen in Vorständen. Das muss sich ändern”, wird im Video gefordert. “Die Bundesregierung muss Unternehmensvorstände gesetzlich dazu verpflichten, bei Neueinstellungen mindestens eine Frau zu berücksichtigen”.

 

 
 
 
 
 
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#IchWill 2013 wollte ich an der berühmten Münchner Schauspielschule Otto Falckenberg vorsprechen. Für gewöhnlich sprechen dort jedes Jahr an die 600 Menschen für 12 Plätze vor. Mit 24 war ich sicher nicht die Jüngste, aber ebenso nicht zu alt um Schauspiel zu studieren. Ich erhielt Post, die mir verkündete, dass ich nicht eingeladen war zum Vorsprechen. Das hatte ich noch nie irgendwo gehört, dass man nicht die Chance bekam, sein Glück zu versuchen. Ich fragte nach, woran es denn liege. Ich sei zu alt, hieß es. Das war erstaunlich, denn es gab im zweiten Jahrgang einen Studenten, der mit 26 an der Schule gestartet hatte. Ich fragte einen Bekannten, der dort studierte, wie das sein könne, dass er studieren darf und ich nicht einmal vorsprechen. „Es werden mehr Plätze an Männer vergeben. Es bewerben sich aber um einiges mehr Frauen. An Theatern werden ebenfalls mehr Männer gesucht. Da immer noch die Klassiker rauf und runter gespielt werden, in denen Frauen im wahrsten Sinne des Wortes kaum eine Rolle spielen.“ Ich hätte mir für viel Geld einen Anwalt nehmen können und mich zum Vorsprechen reinklagen können. Aber was hätte das gebracht? Rückblickend war das der erste und (soweit ich weiß) einzige Moment, in dem ich auf Grund meines Geschlechts benachteiligt wurde. Aber auch der Moment, in dem mir wieder klar wurde, wie viel es wert ist, dass ich meine eigene Chefin bin. Photo @lisa_knauer_photography

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“Entscheidungen müssen von vielfältigen Teams beschlossen werden”

Dabei geht es nicht nur um Chancengleichheit zwischen Mann und Frau, sondern auch in Bezug auf andere Marginalisierungen. “Wenn wir die Bundesregierung nicht davon überzeugen können, dass Thomas’ Schwester genau dieselben Chancen verdient hat, dann haben Esra, Tarik und Kübra oder Menschen, die sich nicht als Mann oder Frau definieren, erst recht keine Chance”, heißt es im Video. Eine Art Hierarchie in der Diskriminierung aufzustellen ist problematisch und die These, mehr Frauen am Tisch würden automatisch dazu führen, dass beispielsweise auch mehr Menschen aus Einwandererfamilien oder nicht-binäre Personen eine Stimme bekämen, scheint fragwürdig. Der Grundtenor, dass Entscheidungen, die alle betreffen, eben auch von VertreterInnen aller – also möglichst vielfältigen Teams – getroffen werden müssen, ist dagegen richtig und wichtig.

Auf die Frage, warum im Vorstand eines Unternehmens keine Frau sitzt, käme immer wieder die Antwort, die Frauen wollen ja nicht. Darum sagen die Macherinnen des Videos ganz plakativ “Ich will” und rufen dazu auf, den eigenen #ichwill-Moment zu teilen, in dem man selbst nicht die Chance bekommen hat, die allen zusteht. “Den Moment, in deiner beruflichen Laufbahn, in dem du Ungerechtheit aufgrund deiner Religion, deiner Herkunft, deiner Hautfarbe, deines Alters, deines Geschlechts oder einer Behinderung erfahren hast” so Dellert. 

Die sozialen Medien können Fluch und Segen sein. #ICHWILL ist ein Aufruf, der einmal mehr die besten Aspekte dieser Plattformen hervorbringt: Das Vernetzen unterschiedlicher Leute und eine Multiplikation der Aufmerksamkeit für wichtige gesellschaftliche Themen. Hoffen wir, dass davon möglichst viel bei den EntscheidungsträgerInnen ankommt – Franziska Giffey teilte das Video heute Vormittag immerhin bereits selbst auf ihrem Account. Jetzt müssen Taten folgen – und Regeln für wirklich diversere Führungsetagen. 

VOGUE COMMUNITY

– Dieser Text von Maria Hunstig wurde zuerst bei der deutschen Vogue veröffentlicht  –

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