Resort 2022 & Fall Winter 2021: Trends & Tendenzen, die wir uns schon jetzt abschauen können

09.07.2021 Mode

Die vergangenen Wochen zeigten sich, zumindest vorwiegend digital, zunehmend modisch, präsentierten Designer*innen und Modelabels nicht nur die Menswear-Kollektionen für das kommende Frühjahr, sondern auch eine Reihe an Resort- sowie Couture-Schauen. Hinzu gesellten sich schließlich einige wenige Kollektionen für den kommenden Herbst — so manch ein Name zeigt nunmehr eben auch außerhalb festgefahrener Modekalender. Während der Rest also bereits von Februar bis April vorführte, was im kommenden Herbst und Winter getragen wird (die Highlights findet ihr hier), schickten Jacquemus, Off-White und Marc Jacobs ihre Mannequins erst Ende Juni bzw. Anfang Juli über die Laufstege. 

Zu sehen gab es viel Schönes, Simples und Aufwendiges, an der ein oder anderen Stelle jedoch auch Polarisierendes: Ein Schwanenkleid, das stark an das Exemplar des mazedonischen Designers Marjan Pejoski erinnerte und im Jahr 2001 durch die Sängerin Björk weltberühmt wurde, präsentierte Dior etwa als finalen Look — keine Ode an das ikonische Kleid der 00er-Jahre, sondern eine Anlehnung an die griechische Mythologie, wie Maria Grazia Chiuri erklärte.

Weil es ja aber auch viel mehr als bloß ein Schwanenkleid zu sehen gab und sich sogar einige Highlights aufgetan haben, habe ich euch alle Trends und Tendenzen, die wir uns bereits jetzt abschauen können, auf einen Blick zusammengestellt: 

Ton-in-Ton 

(gesehen bei: Proenza Schouler, Jacquemus und Off-White, Max Mara)

Die wohl leichteste Form, sich zu kleiden und dennoch eine hohe Wirkung zu erzielen? Ton-in-Ton-Looks! Die nämlich funktionieren immer und in so ziemlich jeder erdenklichen Farbe. Schöne Beispiele gab es zuletzt bei Proenza Schouler, Jacquemus, Off-White und sogar Max Mara zu sehen:

Jacquemus

Ganz gleich, ob Knallpink, Babyblau, Hellbraun, Schwarz oder Tiefrot, Jacquemus hatte sie alle und ließ einen Großteil seines Casts in Unifarben über den Laufsteg schreiten. Wer Pink trägt, tut es am ganzen Körper, entweder im coolen Zweiteiler oder aber im körpernahen Midikleid — dann aber natürlich mit farbig abgestimmten Strümpfen und Schuhen. Wer’s klassischer mag, setzt auf Schwarz oder Hellbraun, solange es nur ein Farbton ist, ist alles erlaubt.

(Jacquemus, Fall Winter 2021)

Proenza Schouler

Vom Strick-Zweiteiler im melierten Grau bis hin zum orange-gelben Set: In der Proenza Schouler Resort 2022 Kollektion glichen sich nicht nur die Farben, sondern auch die Texturen, was die Looks sogar interessanter machte. Mein Favorit: Das Ensemble bestehend aus Strickpullover und kurzem Rock, das ebenfalls in einer hübschen Salt-and-Pepper-Ausführung zu sehen war.

(Proenza Schouler, Resort 2022)

Off-White

In das vielleicht schönste leuchtende Electric Blue kleidete Virgil Abloh sein letztes Model, Bella Hadid, ein. An den Füßen trug sie farblich identische Schuhe, die das Licht reflektierten und den Ton-in-Ton Look perfekt abrundeten. Ebenfalls sehr schön anzusehen: Look Nummer 33, der einen Business-Look in changierenden Silber- und Grautönen präsentierte und eventuell mein persönliches Matrix-Outfit werden könnte, sollte ich denn jemals dort ankommen. Weitere Unicolor-Looks hüllten sich bei Off-White in helle Graunuancen, warmes Sonnengelb oder strahlendes Weiß.

(Off-White, Fall Winter 2021)

Max Mara

Zugegeben, Max Mara ist nicht gerade eines der Labels, das ich mir während der Modewochen zuerst anschaue, doch die Resort 2022 Kollektion beinhaltete drei wunderbare Ton-Ton-Looks, die man bereits jetzt ganz einfach nachstylen kann. Allen voran ein schwarzes Ensemble aus einer weit geschnittenen Ledershorts, einem Hemd samt abgesackten Schultern und Ballonärmeln sowie einem Haartuch, das im Stile der 90er- und 00er-Jahre um den Kopf gebunden war. Nicht minder erwähnenswert ist Look 38, der mit einem simplen weißen Shift-Dress im Stile der früheren Calvin Klein Collection Kollektionen sowie passenden Accessoires (ebenfalls in Weiß) auskommt. Mein dritter Favorit mag auf den ersten Blick sehr unscheinbar wirken, ist jedoch mindestens genauso unaufgeregt wie chic: ein kurzer A-Linien-Rock gepaart mit einer schwarzen Collage-Jacke — einzig die Schuhe und Tasche würde ich persönlich wohl austauschen.

(Max Mara, Resort 2022)

Cut-Outs

(gesehen bei: Nina Ricci und Christopher Esber)

Spätestens seit vergangenem Jahr zählen Cut-Outs wieder zum guten Ton. Labels wie Ottolinger, Charlotte Knowles oder Rave Review verzierten ihre Kreationen mit kleinen und großen ovalen Ausschnitten, die raffinierte Akzente setzten. Ganz ähnlich trägt man sie, geht es nach Nina Ricci und Christopher Esber, auch im kommenden Jahr:

Christopher Esber 

Im Rahmen der Australia Resort Schauen zeigte Christopher Esber seine Kollektion, die insbesondere ein Element in den Fokus rückte: Cut-Outs. Die nämlich waren an mindestens jedem zweiten Look zu sehen und machten die sonst sehr simplen Silhouetten wesentlich interessanter. Wer so viel Ausschnitt zeigt, weiß auch die Varianz zu schätzen: Mal waren die Akzente in feinem Zick-Zack-Mustern, mal als Gitter, mal in Form von feinen Blütenblättern zu sehen. Mein persönlicher Favorit ist so simpel wie raffiniert und erinnert ein wenig an die Kreationen des Labels Ottolinger: Ein braunes T-Shirt sowie ein schwarzes Kleid mit Cut-Outs, die in einer Art Muster angeordnet sind.

(Christopher Esber, Resort 2022)

Nina Ricci

Bereits die Fall Winter 2021 Schauen, die im Frühjahr gezeigt wurden, beinhalteten die ein oder anderen Cut-outs, Nina Ricci führt die ovalen Akzente nun auch in ihrer Resort 2022 Kollektion fort: Zuweilen kaum sichtbar, sind die kleinen Ausschnitte vorwiegend an den Seiten der Einteiler zu sehen, Blazer und Mäntel präsentieren das Feature hingegen auf der Vorderseite und erinnern dabei an Sandy Liangs Designs. Schön anzusehen sind sie allemal, ganz besonders dann, wenn sich durch Layering ein farblicher Kontrast bildet.

(Nina Ricci, Resort 2022)

„Old Money“ & ein Hauch von Spießigkeit

(gesehen bei: Giambattista Valli, Versace und Louis Vuitton)

Alle Jahre wieder kommt meine unerklärbare Vorliebe für Tweed hervor und ich klicke mich schier endlose Stunden durch Chanel-Archive. Auch in diesem Sommer sah man den Stoff auf so manch einem Laufsteg: Perfektioniert von Giambattista Valli strahlten die Looks einen Hauch von Spießigkeit in seiner schönsten Form aus. Eine „Old Money“-Ästhetik gab es (in Teilen) außerdem bei Louis Vuitton und Versace zu sehen — so manch ein Look rief obendrein (ausschließlich positive) Erinnerungen an Cher Horowitz hervor.

Giambattista Valli

Spätestens seit seiner SS21-Kollektion zählt Giambattista Valli zu meinen heimlichen Favoriten, da kam es mir also gerade recht, dass auch die Resort 2022-Looks eine ganz ähnliche Ästhetik widerspiegelten: Zwischen passenden Zweiteilern aus Rock und kurzem Blazer fanden sich (sehr) kurze Minikleider mit Perlenkragen und gerade geschnittene Anzüge. Hierzu trugen die Mannequins weiße sowie schwarze Bucket Hats — ein Stilbruch, der merkwürdigerweise ziemlich fantastisch aussah. Zugegeben, die Midi- und Maxikleider aus wallenden Stoffen brauchte es für mich nicht, umso schöner waren die restlichen Kreationen jedoch anzusehen. In meinem Kopf spuckt seither jedenfalls der Gedanke, mich doch noch einmal auf die Suche nach einem hübschen Tweed-Zweiteiler zu machen.

(Giambattista Valli, Resort 2022)

Louis Vuitton 

Nun gut, meinen Nerv hätte die Resort 2022 Kollektion von Nicholas Ghesquière wohl so gar nicht getroffen, wäre da nicht Look 33: Ein hübscher Zweiteiler, der zarte Blüten imitierte, ein wenig an Chanel erinnerte und mich von utopischen Sommernachmittagen auf einer Yacht (das Champagnerglas in der einen, den Fächer in der anderen Hand) irgendwo in Frankreich träumen ließ — einzig und allein die Schuh- und Taschenwahl musste ich mir noch wegdenken, da nämlich wollte der Funke nicht so recht überspringen.

(Louis Vuitton, Resort 2022)

Versace

Hear me out: Mir ist durchaus bewusst, dass das Resort ’22 Lookbook von Versace auf den ersten Blick überladen und kitschig wirkt, doch hat man sich erstmal ein wenig orientiert, sind auch die großartigen Cher Horowitz Vibes nicht mehr zu leugnen — natürlich ist hier alles noch ein wenig bunter und verspielter, doch wer nachahmen möchte, muss dies ja nicht bis ins letzte Detail tun. Meine Highlights: Tweed gepaart mit kurzen Cardigans und hohen Plateau-Pumps, wie sie sonst etwa bei Nodeleto zu sehen sind — warum nicht auch mal ein wenig übertreiben und La Dolce Vita à la Versace ausleben?

(Versace, Resort 2022)

Color-Blockig

(gesehen bei: Nina Ricci, Jacquemus und Off-White)

Falls Color-Blocking je weg war, ist es spätestens jetzt wieder zurück − zumindest, wenn es nach Designer*innen sowie Modelabels wie Nina Ricci, Jacquemus und Off-White geht. Dort setzte man das Stilelement mal offensiv, mal ganz subtil ein: 

Nina Ricci

In Nina Riccis Resort-Kollektion treffen leuchtendes Türkis auf nicht minder strahlendes Orange, Limettengrün auf beeriges Violett und Sonnengelb auf sattes Lila. Irgendwie scheinen alle Nuancen wie füreinander gemacht, nichts wirkt überladen, nichts ist zu grell. Es ist die vielleicht perfekteste Einladung, die Angst vor Farben zu verlieren — selbst wenn man sich bloß an den Bildern des Lookbooks erfreut.

(Nina Ricci, Resort 2022)

Jacquemus

Etwas subtiler präsentierte sich das Color-Blocking hingegen vergangene Woche bei Jacquemus, auch wenn die Farben nicht weniger leuchtend waren. Für die FW21 Kollektion setzte der Designer vermehrt auf Accessoires und kleinere Elemente, die einen herrlichen farblichen Kontrast zum restlichen Ton-in-Ton-Look bildeten. So kombinierte er etwa eine babyblaue Hose, Socken sowie eine Jacke mit einem zitronengelben Bandeau-Top, das nur in Teilen aus der Jacke hervorblitzte und seine Wirkung dennoch vollends entfaltete. Einige Looks zuvor schritten außerdem zwei Models in einem pinkfarbenen Anzug sowie einem pinkfarbenen Kleid über den Laufsteg, in den Händen orangefarbene Taschen, die das Gesamtbild geradezu harmonisch abrundeten. Eine mittlerweile klassische Farbkombination, die ebenfalls nicht fehlen durfte und gleich mehrfach zu sehen war: Rot und Pink.

(Jacquemus, AW21)

(Off-White AW21)

Off-White

Eine sanfte Variante für alle, die sich erst einmal vorsichtig heranwagen wollen, gab es jüngst bei Off-White zu sehen: Hier trägt man einen weißen Pullover samt blauem Farbverlauf, dazu eine orangefarbene Tasche inklusive blauem Reißverschluss und Schuhe mit ebenfalls orangefarbenen Sohlen. Heißt: Color-Blocking funktioniert eben auch auf die leise Weise und lässt sich bereits mit wenigen Handgriffen (und der Hilfe von Accessoires) umsetzen — da soll nochmal jemand sagen, Minimalismus und Knallfarben würden nicht zusammenpassen.

It’s a Match: Zweiteiler & Sets

(gesehen bei: Marc Jacobs und Jordan Dalah)

Dass Zweiteiler und passende Sets gern gesehene Gäste auf den Laufstegen sind, zeigte bereits die Vergangenheit. Und auch in den letzten Wochen präsentierten Designer*innen neue Entwürfe, in die ich mich nur allzu gerne hüllen würde:

Marc Jacobs

Nachdem Marc Jacobs während der SS21-Saison aussetzte, freute ich mich doppelt so sehr, seine Kollektion für den kommenden Herbst zu sehen. Neben überaus weit geschnittenen Silhouetten und großen, schillernden Pailletten stachen dort insbesondere die Zweiteiler und Sets samt fulminanten Musterungen ins Auge. Letztere lieferten mal wieder den Beweis, dass man selbst mit wenig Aufwand nicht nur angezogen ist, sondern auch einen großen Effekt erzielen kann (wenn man denn möchte). Mein ungeschlagener Favorit: Das rot-weiße Ensemble inklusive hoher Plateau-Mary-Janes und weißer Strumpfhose — liebend gerne würde ich mir diesen Look ausdrucken und in Form eines übergroßen Posters an die Wand hängen.

(Marc Jacobs, Fall Winter 2021)

Jordan Dalah

Schon seit einer ganzen Weile bestaune ich die kunstvollen Kreationen des jungen Designers Jordan Dalah, der seinen Abschluss an der bekannten Londoner Modeschule Central Saint Martins machte. Bekannt wurde er durch seine opulenten Silhouetten, die zuweilen schon fast grotesk daherkommen und dennoch wunderschön anzusehen sind: Riesige Ballonärmel treffen auf reifrockähnliche Formen und ausladende Schultern — Elemente, die auch in seiner Resort 2022 Kollektion, die er jüngst in Australien präsentierte, zu sehen sind. Neben zurückhaltenderen Nuancen sah man ebenfalls eine Reihe von Zweiteilern und Sets, die in verschiedenste Prints gehüllt waren und ihre Wirkung so noch schöner entfalten konnten. Es sind nicht die ersten Zweiteiler, die der Designer präsentiert, dieses karierte Exemplar aus dem vergangenen Jahr zählt bis heute zu meinen liebsten.

(Jordan Dalah, Resort 2022)

Beauty

Auf bunte, auffällige oder extravagante Beauty-Looks verzichtete man in den vergangenen Schauen größtenteils und setzte in den Resort 2022 und Fall Winter 2021 Kollektionen stattdessen auf natürliches Make-up, strenge Zöpfe und offenes, glattes Haar. Zwei sehenswerte Ausnahmen gab es aber dennoch:

Während der Großteil der Designer*innen auf opulentes Augen-Make-up verzichtete, setzte Marc Jacobs auf Drama: Riesige Wimpern, die wie Federn an den Lidern klimperten, stachen durch die großen Rolllkragen, die Mund und Nase bedeckten, gleich doppelt hervor — vielleicht in dieser Form nicht gerade ein Alltagslook, aber dennoch unheimlich schön anzusehen.

 

 
 
 
 
 
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Weniger extravagant, dafür aber wesentlich umsetzbarer ging es bei Giambattista Valli zu: Ein jeder Look beinhaltete mindestens eine schwarze Schleife, die ganz nonchalant in den Haaren befestigt wurde. Es ist nicht die erste Show, in der der Designer zu diesen verspielten Accessoires greift, denn auch in seiner SS21-Kollektion nahmen sie eine sehr präsente Rolle ein. Wer mag, sucht sich eine ähnliche Schleife auf Plattformen wie Etsy oder geht zum nächsten Bastelladen und widmet sich einem kleinen DIY-Projekt (passende Tutorials gibt es auf YouTube).

2 Kommentare

  1. Frauke

    Danke für die tolle Zusammenstellung, liebe Julia! Traurig aber, dass es bei allen Designer*innen mal wieder nur Magermodels zu sehen gibt, statt auch mal eine „normale“ Frau zu zeigen. Allein bei Marc Jacobs ist es egal, welche Figur sich unter der kunstvollen Hülle verbirgt. Ansonsten: nur Strichmännchen, ähh Strichweibchen. Schade Schokolade!

    Antworten
    1. Frankie

      Bei Jacquemus waren ganz unterschiedliche Models zu sehen, viel mehr als nur die üblichen Körperformen!

      Antworten

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