Buch-Tipp: „Let’s Start A Pussy Riot“ mit
Yoko Ono, Robyn, The Knife u.v.n

06.08.2013 Allgemein, Magazin, box2

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„Liebe Janes, ich habe den Artikel über Girl Power gelesen und muss sagen, ich stimme da ganz mit euch überein (…). Als Pussy Riot im letzten Jahr festgenommen wurden, habe ich mich mit ein paar Freundinnen/ Feministischen Kollektiven zusammengetan (in London) und ein Minifestival auf die Beine gestellt. Das war letztes Jahr im April. Danach haben wir angefangen an einem Buch zu arbeiten, das nun bei Rough Trade Records erscheinen wird. Zusammen mit Pussy Riot haben wir ca 70 Künstler/innen zusammen getrommelt um entlang des Manifestes von Pussy Riot kreative Botschaften zu verbreiten, die Themen wie LGBTQ Rechte,Feminismus und Meinungsfreiheit zelebrieren/ hinterfragen. Yoko Ono, Robyn, Judy Chicago, Kara Walker, The Knife, Kim Gorden und weitere Künstler/innen sind mit von der Partie. Wir hatten keine grossen Kontakte zu irgendwelchen dieser Künstlern und haben es einfach probiert und probiert…und nun sind es 256 wundervolle Seiten! 

Pussy Riot sind wichtig für unsere Generation. Wir die Ende 80er/Anfang 90er geborenen die Riot Grrrl gerade so verpasst haben und fuer die die Spice Girls die einzige Imitation von einem Hauch Girl Power waren.“

Diese E-Mail schrieb uns vor Kurzem eine Dame namens Emily Neu, Performance-Künstlerin und moderne Feministin. Im Anhang: Das gesamte Manuskript zum Buch. Über 250 Seiten, die den Beweis dafür liefern, dass wir noch längst nicht am Ziel angelangt sind.

Der Dialog, den Nadya, Masha und Katya mit ihren Pussy Riot-Aktionen gestartet haben, wird im Buch weiter geführt und -gedacht, es geht um Future Feminismus, Gedanken und Kunst zum Thema und darum, was wir tun können, um gegen den Stillstand anzukommen. Denn man mag von den drei russischen Aktivistinnen, von denen zwei noch immer inhaftiert sind, halten, was man will: Sie nutzen ihre mediale Power. Und den Einfluss, ein zu unrecht viel zu stiefmütterlich behandeltes Problem wieder in den Fokus der Diskussion zu rücken. Wir haben es uns nämlich ganz schön gemütlich gemacht in unserer Schein-Gleichberechtigung. Was Mutti und Oma durchgeboxt haben, das reicht uns erst einmal. 

Kaufen, lesen, nachdenken. <3

Und Zuhören:

 

10 Kommentare

  1. Anna

    Könntet Ihr bitte nur Feministin schreiben und nicht „moderne Feministin“. Das klingt so, als ob wir uns für all das, was die coolen Frauen vor uns geschafft habe, schämen würden. Vielleicht gibt es nun unter den Feminist_innen andere Perspektiven und Vorstellungen, was Feminismus ausmacht. Aber das braucht nicht durch eine pseudo-historische Trennung – „modern“ – zum Ausdruck gebracht werden….

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  2. Nike Jane Artikelautor

    Liebe Anna, ich verstehe, was du meinst.
    Ich persönlich bevorzuge jedoch das Wort „moderner Feminismus“, weil ich für meinen Teil beispielsweise niemals diesen Unterstrich verwenden würde, oder gar ausflippen, weil jemand mit „die Studenten“ nunmal auch Studentinnen meint. Aber das ist meine Sicht auf die Dinge.

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    1. Anna

      lustig! pussy riot unterstützen, aber bei dem Versuch, die heteronormativ-sexistische Sprache zu überwinden, ausflippen! Das nenne ich riot 😉
      PS: was trennt den „alten“ vom „neuen“ Feminismus? Nicht mehr Butler lesen, aber dafür ACNE-Lookbooks?
      apropos riot grrrl http://vimeo.com/67757523

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      1. Nike Jane Artikelautor

        oh je, wir fangen jetzt also an unsachlich zu werden? lieber acne-lookbooks als butler? ja, das meine ich ganz bestimmt. ich glaube, diese allüren sind mitunter das größte problem von frauen und eventuell ein grund dafür, weshalb sich manch einer von „Feminist_Innen“ ohne den Zusatz „modern““ abgrenzen möchte.

        und zum thema „heteronormativ-sexistische Sprache“: du darfst gerne diese meinung vertreten und dich darüber echauffieren, ich hingegen vertrete meine meinung und empfinde die sprache tatsächlich als geringstes problem.

        ach, und apropos kathleen hanna:
        http://www.thisisjanewayne.com/news/2012/09/30/wochenruckblick-67/#more-42974

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      2. Olga

        Wenn dich Heteronormativität stört, dann solltest du auch nicht versuchen, die Meinungen und Sprache anderer zu normieren. Es ist das gute Recht eines jeden Menschen, sich von den (teils abstrusen) Ausuferungen des Feminismus der letzten Jahre/Jahrzehnte abzugrenzen, indem ein spezifizierendes Adjektiv verwendet wird. Ob „modern“ jetzt der treffsicherste Begriff ist, kann ich nicht einschätzen. Es ist mir in der letzten Zeit jedoch häufiger begegnet und dementsprechend wissen Themenkundige, wovon gesprochen wird.

        Zum Gender Gap: Da gibt es ebenso viele Pro- wie Contra-Argumente. Mir ist es, mit Verlaub gesagt, scheiß egal ob ein Feminist (Journalist, Student, Mitarbeiter,…) männlich, weiblich oder sonstwo auf dem Geschlechterspektrum einzuordnen ist (oder Geschlechter ganz ablehnt). Es macht bei diesen Rollenbezeichnungen schlicht und ergreifend keinen Unterschied (mehr). Ich persönlich bin dann faul und nehme auch die kürzeste, also meist männliche, Variante.

        Jeder hat das Recht auf eine eigene Meinung und Nikes Meinung und Schreibweise weicht von deiner ab, ist das jetzt so ein Drama?

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  3. Anne-Kathrin

    Ach Gott, jetzt sind wir wieder bei DIESER Diskussion. Ich bezeichne mich auch als „moderne Feministin“, aber einfach, damit ich mich nicht ständig erklären muss. So weiß doch jeder, was gemeint ist. Siehe „Feminismus mit Titten“.

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    1. Julia

      Liebe Anne-Kathrin,
      ich verstehe durchaus das Bedürfnis, sich vom „alten“ Feminismus abzugrenzen, auch wenn ich persönlich mich als Feministin bezeichne. Ich glaube aber eben nicht, dass alle sofort wissen, was mit „moderne Feministin“ gemeint ist. Meine Erfahrung ist eher, dass Kritiker des Feminismus keinen Unterschied zwischen „modern“ und „alt“ machen. Klar ist es eine Frage des Selbstverständnisses, wie man selbst sich bezeichnen will und ich bin die Letzte, die laut „Spaltung“ schreit (sondern ich freue mich eher über jeden, der zu feministischen Werten steht). Trotzdem finde ich es schade, dass es diese Abgrenzungsreflexe immer noch bzw. immer mal wieder gibt. Im Prinzip haben vertreten viele der sogenannten „modernen“ Feministinnen Positionen, die auch schon den „alten“ Feministinnen am Herzen lagen, wie die Ablehnung von idiotischen Rollenbildern oder der Kampf um gleiche Bezahlung bei gleicher Position und Erfahrung, unabhängig vom Geschlecht. Kurz: Der Kampf gegen den alltäglichen Sexismus. Mir ist schon klar, dass es sowas wie „Sisterhood“ im Feminismus (zumindest im deutschen) schon längst nicht mehr gibt, dafür ist die Bewegung zu vielfältig. Wo ich Anna aber Recht geben muss: Manchmal fehlt es heute ein bisschen die Radikalität. Das Einfordern von Rechten, die einem zustehen. Für die einen geht es dabei um Sprache, für die anderen darum, nicht blöd angemacht zu werden, wenn sie einen kurzen Rock tragen. Pussy Riot halte ich in diesem Zusammenhang für sehr radikal und finde es deswegen umso großartiger, wenn durch sie Leute mit Feminismus in Berührung kommen, die sich vorher eher nicht damit beschäftigt haben. Weshalb ich es toll von Nike finde, dass sie das Buch hier vorstellt. Und gerade das „Punk-Gebet“ von Pussy Riot zeigt doch, dass Sprache nicht soooo unwichtig ist?

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