SNAPCHAT
– Kann mir das mal wer erklären, bitte?

07.04.2015 Gesellschaft, box2

SnapshatSarah und ich, wir bezeichnen uns ja selbst ständig als Internetmenschen, Medien schreiben gern von sogenannten „Digital Natives“, andere von digitalen Prokrastinierern. Soll so viel bedeuten wie: Wir wissen normalerweise, wo der Social Media-Hammer hängt und zwar ganz einfach deshalb, weil wir zum rechten Zeitpunkt geboren wurden oder auch zum falschen, je nachdem ob man dem ganzen virtuellen Treiben nun wohlgesonnen ist oder grundsätzlich lieber Morsezeichen, statt Mails schicken würde. Ständig kommt was Neues vom App-Himmel geregnet; Freundin A heiratet bald Typ B, reinverguckt in den jeweils anderen hat man sich vor drei Wochen selbstverständlich bei Tinder, Troll-Kommentare über den tranfunzeligen Arbeitskollegen, der sowieso ständig nur Two Dots zockt, werden via Twitter solange in die Welt verschickt bis der Chef irgendwann zurück zwitschert, Imagepflege betreibt der gebildete Bürger von heute sowieso nicht nur bei Facebook und Linked In, sondern auch bei Google plus, das schöne Leben lebt man mehr auf Instagram als sonstwo und What’s App kann dank Aufnahmefunktion selbst Mutti bedienen. Unser Smartphone-Kosmos schien demnach nahezu perfekt – bis Snapchat kam und an unserem Weltbild rüttelte. 

Selbstredend ist es so, dass wir Snapchat schon lange vor diesem Beitrag nutzten, aber leider nur zwei Wochen lang, erstens der Nerven zuliebe und zweitens, weil all die kleinen Filmchen und Standbilder mit ihren lustigen Unterschriften schnell Überhand nahmen und darüber hinaus an Sinnlosigkeit nur noch von Chat Roulette zu übertreffen waren. Die Vergänglichkeit der gesendet Nachrichten schlug zwar geradezu in die Datensicherungs-Kerbe, auch die Userzahlen, die alle anderen Anwedungen lockerflockig überragen, spachen und sprechen weiterhin für sich, aber irgendwie nicht für uns. Wäre da nicht der Zugzwang. Plötzlich scheint nämlich Gott und deine Mutter ein Snapchat-Profil zu betreiben, allen voran Blog-Masterminds, Magazine und sämtliche „Opinion Leader“ der Medienwelt. Müssen wir jetzt etwa auch mitmachen?
Seit Tagen tauchen vornehmlich auf Instagram kleine Hinweise auf die Existenz einer Snapchat-Parallelwelt auf: Highsnobiety zum Beispiel taggt keine Orte mehr, sondern Snapchat, Cloudy_Z vom Interview Magazin markiert ihre Frühstücksbilder nicht mehr mit „Melbourne Canteen“ sondern „Snapchat“, auch DAZED befindet sich neuerdings an einem Ort namens „Snapchat“, und so weiter und so fort. Wir waren natürlich neugierig, denn jeder weiß „Reichweite ist Macht“ und wir Deutschen hinken da tendenziell weit hinterher, weshalb wir Janes uns zu Recherche-Zwecken wagemutig ein neues „Thisisjanewayne„-Profil anlegten, Großes erhofften, aber nur Gewöhnliches sahen. Turnschuhe etwa, eine grüne Wiese mit Windmühlen verziert und sogar eine Kaffeetasse. Von vorne, von links und rechts. Kann uns das also bitte mal jemand erklären? 

Was wir bis hierher verstehen: Snapchat ergibt Sinn, wenn man auch sonst viel redet und auf Bewegbild schwört. Bestens aufgehoben sind hier also beispielsweise Youtuber oder Bonnie Strange, die sowieso längst auf die Video-Funktion von Instagram schwört. Aber brauchen Sarah und ich als This is Jane Wayne auch Snapchat? Interessiert es euch, wie ich mein Schokoladencroissants kaue? Wie Sarah sich die Schuhe bindet? Wie wir Dummquatsch reden und dabei glutenfreies Spurdelwasser gurgeln? Oder kann man es vielleicht tatsächlich schaffen, wirklich originellen Kontent zu produzieren, dem kein anderer Kanal gerecht werden könnte? Und wenn ja, woher um alles in der Welt kommt dann die zusätzliche Zeit für das Pflegen einer weiteren kleinen Follower-Welt geflogen? 

Ihr seht, diesmal stehen wir auf dem Schlauch. Deshalb reichen wir die Frage an auch weiter: Snapchat – machen oder sein lassen?

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29 Kommentare

  1. Cloudy

    Hahaha ihr Schnuckis. Ich hab mir das Profil aus Langeweile über Ostern angelegt, steige da aber auch noch nicht so wirklich durch. Bisher habe ich zum Beispiel noch gar kein Video von euch gefunden…hmmpppfff … Aber sicherlich können eure Leser mir Internet-Omi (mit 28 ist man das ja mittlerweile schon) das alles erklären!

    KÜSSE !

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  2. Martina

    Ich hab ehrlich gesagt auch noch nicht den Sinn dahinter erkannt! Durch sowas hängt man ja noch mehr an seinem Kasterl als eh schon und das muss ja eigentlich auch nicht sein. Da guckt man sich lieber live beim Schokicrossiant mampfen zu, da kriegt man vielleicht auch noch ein Stückchen ab 😉

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  3. Franzi

    Ihr sprecht mir aus der Seele. Grad über Ostern hab ich mir darüber Gedanken gemacht und mein persönliches Fazit – NEIN braucht man nicht.

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  4. Nori

    Ihr Lieben, ihr sprecht mir sowas von aus der Seele!
    Seit Tagen habe ich das Gefühl, nichts anderes mehr zu lesen. Snapchat hier, Snapchat da, Snapchat übernimmt die Weltherrschaft. Oder zumindest die Blogosphäre.

    Ich habe mir ein Profil angelegt und danach tagelang verzweifelt versucht, die App überhaupt erstmal zu verstehen. Bisher habe ich einige „Geschichten“ konsumiert, aber selbst nichts produziert. Und ich weiß auch gar nicht, ob ich das überhaupt will.

    Schön zu lesen, dass ihr da ähnlich verwirrt seid. Und ich frage mich ebenfalls ernsthaft, woher die Leute die Zeit nehmen, noch einen zusätzlichen Kanal mit Inhalten zu bespielen.
    Ich persönlich lese viel lieber eure geistreichen Texte, als 10-Sekunden-Videos mit gekritzelten Nonsens-Botschaften auf meinem Display vorbeischwirren zu lassen.

    Alles Liebe aus Hamburg
    Nori

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    1. Philipp_88

      Habe es heute mal angeschaut.

      Wer braucht das? Vorallem wofür? – Verstehe es immer noch nicht. – Na gut, hat auch viele Jahre gebraucht, bis ich verstanden habe, wofür Twitter da ist.

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  5. Wibke

    Hahaha, toller Post. Ich habe auch vor ein paar Tagen damit begonnen mit Snapchat zu experimentieren und mich relativ schnell gefragt, ob ich vielleicht zu alt, zu doof, zu ALLES dafür bin?! Freue mich sehr, dass es nicht nur mir so geht und auch noch andere den genauen Sinn dahinter suchen 🙂

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  6. miriam

    ich bin kein snapchat-fan. finde die „gestaltung“ der app zu verwirrend und schade, dass die videos nicht unbegrenzt verfügbar sind.

    da ich nichtsdestotrotz ein wahnsinnig neugieriger mensch bin würde ich euch aber natürlich dennoch gerne beim schokocroissant-kauen oder schuhebinden zusehen 🙂 macht doch einfach videos auf instagram?

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  7. Annika

    Genialer Beitrag! Ich kann dem nur zustimmen. Ich habe auch kein Snapchat (oder keinEN?). Und denke auch nicht, dass ich einen brauche. Wenn ich unbedingt mal ein Filmchen zeigen möchte, kann ich das auch noch schnell auf Instagram. Aber ist eh immer nur die Katze drauf. Insofern für mich „nicht Sprecher“ auch völlig unnötig.

    Liebe Grüße,
    Annika von themuffintop-less.blogspot.de

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  8. Linka

    meine rede. danke, liebe janes.

    zweimal hatte ich diese app bereits auf meinem smarten phone. und zwar aus den bereits genannten gründen; snapchat ist ja schon seit einer ganzen weile in aller munde und die neugierde war groß. genau wie meine verwirrung nach der installation.

    um eure frage also kurz zu beantworten: sein lassen. ist total okay. glaubt mir.

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  9. Karina

    Es ist jedes Mal so schön, wenn ich mir über etwas den Kopf zerbreche und ein paar Tage später hier sehe, dass ihr die Frage reflektiert versucht zu beantworten! Ich danke und liebe euch sehr! Die App an sich lässt weiterhin leider einige Fragen offen und ich habe es auch mittlerweile aufgegeben sie für mich zu beantworten, auch wenn ich immer noch Videos zugesendet bekomme (die ich abonniert habe? oder bekomme weil ich einen Freund in diesem Netzwerk habe?) und (so weit ich weiß) nie etwas selbst produziert oder gar weitergesendet habe.

    Ich nehme das dann mal zum Anlass um das Ganze endgültig vom iPhone zu löschen und vielleicht die eine oder andere mir nicht erklärbare App auch gleich mitzueliminieren…

    Viele liebe Grüße!

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  10. Leoni

    Also ich finde Snapchat wirklich eine tolle App, aber eben nicht so wie sie seit neuestem immer mehr genutzt wird, sondern im privaten Bereich. Meinen Freundinnen schaue ich gerne beim Croissant kauen (oder Pipi machen) zu, da finde ich das amüsant, von einem Blogger brauche ich das aber nicht. Ich will ja auch keine WhatsApp Sprachnachrichten oder ähnliches von euch. Trotzdem muss ich zugeben dass ich bei Snapchat einigen Bloggern folge und mir auch regelmäßig ihre „Geschichten“ angucke. Immer häufiger finde ich die aber wirklich grenzwertig persönlich, die Einblicke ins Privatleben werden immer tiefer. Und das müsst ihr dann wirklich selbst wissen ob ihr das wollt oder nicht 🙂

    Ganz liebe Grüße!

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  11. Nicole

    also ich nutze die app mehrmals am tag seit weit über einem jahr und zwar vor allem mit meinem freund. es ist halt schön, zwischendurch ein foto geschickt zu bekommen, so dass man mitbekommen kann, womit sich der andere gerade so beschäftigt. klingt vielleicht banal, aber wenn man in einer fernbeziehung lebt und sich nicht jederzeit sehen kann dann tut es schon irgendwie gut, wenn man sich so „kleine aufmerksamkeiten“ schickt (und dabei nicht den speicher direkt vollmüllt). für mich hats daher eine ganz andere bedeutung. ich nutze zb mein instagram profil nur, um mir die fotos meiner freundin, die sich gerade auf weltreise befindet, anzuschauen. ansonsten interessiert mich das alles wenig, oder vielmehr: mich interessiert auf solchen kanälen sowieso nur die interaktion mit meinen wirklichen „freunden“. klar lese ich blogs, nutze fb, aber das reicht mir dann auch schon. ich muss nicht jeden menschen auf schritt und tritt verfolgen können und würde sowieso niemals privates an außenstehende senden!

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  12. Julia-Maria

    Was das Private angeht: Was meine Vorkommentatorin sagt.

    Und bezüglich (Lifestyle)bloggenden Snapchattern: Instagram, schick und schön. Aber bei den meisten Bloggern aber auch Nicht-Bloggern inzwischen eben genau das und nicht mehr. Die Kaffeetasse mit dem täglichen Stück Kuchen aus Vogelperspektive – schick. Das Selfie – 22 Mal zuvor geschossen und gefiltert, schick. Auf Snapchat kann man hinter die Fassade schauen. Ist auch voll ok, weil nach einem Tag sind die Posts ohnehin weg (es sei denn jemand macht sich Screenshots… oder man selbst lädt seinen produzierten Content herunter). Ich finde es nett Blogger mal ohne Schminke und matchymatchy Outfit zu sehen. Oder alltägliche Momente, die eben nicht so Instagram tauglich, aber dafür so viel authentischer sind.

    Ich habe mich einige Monate gegen Snapchat „gewehrt“, jetzt find ich’s unterhaltsam. Mal schauen wie lange. Btw: Julia.n2h 😀

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  13. Sibylle

    Nein zu Snapchat. Aber euer glutenfreies Sprudelwasser würde bestimmt eine große Marktlücke füllen. Vielleicht sogar zuckerfrei?

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  14. Lena

    Also ihr müsstet ja nicht unbedingt Snapchat für die ganz privaten Dinge nutzen, sondern vielleicht nur für euren Blog. Zum Beispiel wenn ihr auf Veranstaltungen seid und uns für paar Sekunden hinter die Kulissen blicken lasst oder euch zu einem Interview trefft und ihr ein Bild mit der Person in eure Geschichten steckt, könntet ihr dann genau wie bei Instagram einen kleinen Vorgeschmack auf eure Artikel geben.

    Liebe Grüße Lena

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  15. Uwa Scholz

    sein lassen! ich wundere mich seit längerem, dass gerade die instagramer, die keine zeit zum interagieren finden (dh liken, kommentieren und kommentare beantworten) genügend zeit für snapchat haben …

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  16. Janie

    Also bei mir hat das irgendwie der ganze Freundeskreis – nur ich halt nicht und ich komme bestens ohne aus. Denn auf Dauer kann es ziemlich nerven, dass erstens die schönen Erinnerungsbilder, wenn man mal was unternimmt immer futsch sind, weil nur für snapchat gemacht und zweitens ja sowieso schon alles Fotographiert und man mit Bildern zugeschüttet wird. Und das sag ich als 16-jährige, müsste also eigentlich ein totaler Fan davon sein..

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  17. Ameli

    gut, das man das ganze auf einem 3GS erst garnicht mal mehr installieren kann… da bleibt mir zum glück einiges erspart! 🙂

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  18. Esea

    Oh Gott, wie befreiend, dass ich nicht die Einzige bin, die so denkt!
    Vor allem DIE ZEIT!! Wo nehmen die alle die Zeit her??
    Als ich von Snapchat erfuhr, hab ich nur „oh naaaaaajn“ gestöhnt! Bitte nicht NOCH ein Social-Media-Kanal, das packe ich nicht :DDD
    Bis ich auf allen Kanälen meinen neuesten Blog-Post geteilt habe, vergehen Stunden und dann hab ich echt kein Bock mehr, mich mit dem höchst um-intuitiv zu bedienenden Snapchat zu beschäftigen…

    Also lasse ich es. Noch. Und empfehle das jedem, dem seine eh schon knappe Freizeit noch was bedeutet 😀
    lg
    Esra

    http://nachgesternistvormorgen.de

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  19. Ana

    Äh hä? Höre gerade zum ersten Mal davon und die Sache (so wie ich sie verstehe) erscheint mir absolut unnötig. Zumal ja auf Instagram auch Videos funktionieren und außerdem ein weiteres Hä: die Sachen verschwinden nach einem Tag?!? Klingt eher nach etwas, was man mal unter Freunden rumschickt, aber auch da gibt es doch schon lange zig andere Möglichkeiten, sich visuell via Smartphone auszutauschen… zB. iMessage & Co. Verstehe gerade den ganzen Sinn von diesem Snapchat nicht (vor allem warum wird dit als Ort bei Instagram angeben?). Das Thema verwirrt mich zu später Stunde doch sehr… 😀

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    1. Ana

      Nee, ich habe Google gefüttert und heraus kam, dass die App für Sicherheitslücken bemängelt wurde und wird! Noch ein guter Grund für’s sein lassen…

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  22. Simone

    Also ich gehöre dann wohl auch zu denen, die das einfach nicht raffen, wie das funktioniert 😀
    Ich hab’s mir jetzt bestimmt schon 4-5Mal runtergeladen und jedesmal wieder deinstalliert, weil ich so dachte: kapier ich nicht. geb ich lieber den Speicherplatz für ne andre coole App frei 😀

    Happy Wednesday, ihr Lieben! 🙂

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  23. Pingback: Random Monday #3 - recklessly-restless.com

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