Heroines // Serena Williams – zu männlich,
zu muskulös, zu groß, zu aggressiv?

15.12.2016 Feminismus

serena williams heroineIhr kürzlich veröffentlichter offener Brief zeigt: Tennisprofi Serena Williams macht einfach ihr Ding – und lässt sich dabei von niemandem sagen, wie sie zu sein hat.

Serena Williams hat sich in ihrem Leben schon einiges anhören müssen: Sie sei männlich, zu muskulös, zu groß, zu aggressiv. Ein russischer Tennis-Funktionär sprach von den „Williams-Brüdern“, als es um Serena und ihre Schwester Venus ging. Das Ganze ist nicht nur sexistisch, sondern auch rassistisch – eine weiße Tennisspielerin hätte wohl kaum jemand als „Gorilla“ bezeichnet. Die Tennisspielerin Caroline Wozniacki stopfte 2012 sogar ihren BH und ihre Shorts aus, um bei einem Show-Match gegen Maria Sharapova Williams zu imitieren. Zuschauer*innen und Kommentator*innen fanden das superwitzig. In der Sportwelt sind muskulöse, sportliche Frauenkörper gefragt – aber nur, wenn sie zu weißen Frauen gehören.

Jahrelang ist Williams den Sprüchen und Kommentaren, der Ablehnung stur mit Leistung begegnet. Sie hat gewonnen, immer und immer wieder. Neben Steffi Graf ist sie heute die erfolgreichste Tennisspielerin aller Zeiten: 22 Grand-Slam-Titel, mehrere olympische Goldmedaillen im Einzel und im Doppel, ausgezeichnet mit zahlreichen wichtigen Preisen der WTA (World Tennis Association), bestverdienendste Spielerin überhaupt. Und das alles ohne Skandale, ohne peinliche private Geschichten. Wie heißt es so schön: Was zählt, ist auf‘m Platz.

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Twerken mit Beyoncé

Doch in den letzten Jahren ist deutlich geworden, dass für Serena Williams eben nicht nur der Platz zählt. Immer offener spricht sie über Themen wie Sexismus und Rassismus und über ihre eigenen Erfahrungen damit. Gerade erst hat Williams einen offenen Brief für die „20 unglaubliche Frauen 2016“-Ausgabe des Porter Magazine verfasst. Darin geht es um Equal Pay und Geschlechterstereotype. Williams schreibt:

„For me, it was a question of resilience. What others marked as flaws or disadvantages about myself – my race, my gender – I embraced as fuel for my success. I never let anything or anyone define me or my potential. I controlled my future.“

Serena Williams mag schon seit ihren ersten großen Turniererfolgen Ende der 1990er/Anfang der 2000er Jahre ein Vorbild für Mädchen und junge Frauen weltweit gewesen sein – heute scheint sie die Rolle als Vorbild aber vollkommen zu akzeptieren und anzunehmen. Das geschieht nicht immer unbedingt in Form von offenen Briefen oder ermutigenden Worten. Nein, manchmal reicht auch Tanzen: In Beyoncés Video zu Sorry twerkt Williams im hautengen Leotard neben der Queen of Pop und hat dabei offensichtlich jede Menge Spaß. „I am not sorry for who I am“, erklärte Williams.

Williamsches Achselzucken

Deswegen ist es ihr auch ziemlich egal, was andere von ihr denken. Sie weiß, recht machen kann sie es sowieso nie allen. Und das will sie auch gar nicht. „Too muscly and too masculine, and then a week later too racy and too sexy“, antwortete Williams im Interview mit dem Guardian auf die Anmerkung, dass ihr Aussehen häufig kritisiert werde. „So for me it was just really a big joke”. Das williamsche Achselzucken ist im Interview nicht wiedergegeben, man kann es sich aber gut vorstellen. Haters gonna hate – Serena Williams gewinnt derweil einfach weiter.

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zu muskulös, zu groß, zu aggressiv?

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