Kategorie-Archiv: Leben

LADIES TALK // #Pantychallenge
– das sauberste Höschen gewinnt

22.06.2017 um 12.10 – Feminismus Gesellschaft Leben

Gestern Abend bei einem Event, der Tag stecke mir eigentlich noch in den Knochen, traute ich meinen Ohren nicht. Binnen weniger Gesprächsfetzen war ich nicht nur hellwach, sondern auch doppelt fertig und in Sorge. Um die psychische Konstitution einer halben Generation. Was das für ein abscheulicher Trend sei, der da gerade das Internet flute, schimpfte mein Gegenüber. Und auch ich traue es mich ja kaum niederzuschreiben. Klingt beschmindert, ist aber wahr: Die #Panty- oder auch #PussyChallenge ist, bzw. war für einen kurzen Moment in vollem Gange. Bitte was? Ja, genau. Die Scheiden-Herausforderung (mit besten Grüßen an Giulia Becker). Die Autorin hatte gerade erst versucht, Sexismus mit musikalischer Satire zu bekämpfen und könnte dieser Tage glatt einen weiteren Songtext schreiben, der da heißen könnte: Ich habe einen Scheidenschleim.

Bah, igitt, denken jetzt viele. Aber so ein Ausfluss ist nicht nur völlig normal, sondern auch hilfreich. weiterlesen

Können Männer und Frauen wirklich keine Freunde sein?

20.06.2017 um 14.32 – Gesellschaft Kolumne Leben Wir

Der effekthascherische Titel dieses Textes, nämlich „Können Männer und Frauen wirklich keine Freunde sein?“ kann an sich ja schon nicht ernst gemeint sein. Eine Quatschfrage ist das, und Heidenei, was soll überhaupt diese plötzliche Herumreiterei auf normierender Geschlechterordnung? Nicht sehr 2017, ganz genau. Und dennoch, so schwant mir, haben wir es bis heute nicht gänzlich geschafft, uns von zu großen Teilen relativ offensichtlich reinsozialisierten Befangenheiten zu emanzipieren. Mädchen gegen Jungs, Rosa gegen Blau, Hollywood, Pipapo. Das weiß ich allerspätestens seit ich mit dem besten Freund einer Freundin zum Tennisspielen verabredet bin.

Aber ich fange zunächst ganz vorn an: Grob geschätzt saßen in meiner Grundschulklasse etwa 15 Jungen und vier Mädchen. Nur Annemarie wurde meine Vertraute, mit der ich in den Pausen Zahnspangen aus Alufolie bastelte. Zu meinem Geburtstag lud ich demensprechend fast ausschließlich männliche Klassenkameraden ein. „Ach Gottchen“, kommentierte diesen Umstand damals die brüskierte Bekannte meiner Mutter, während sie ebenso mitleidig wie energisch ein paar Schlücke Mineralwasser hinterher kippte, um das Glas alsbald wie eine Kampfansage auf den Tisch zu knallen. Als müsse da dringend interveniert werden. Dabei macht man, wenn man klein ist und es nicht anders kennt, für Gewöhnlich gar keinen Unterschied zwischen Pipimann und Mumufrau. Nichtsdestotrotz gehörte ein homosoziales Umfeld bis zur Ehe und sogar darüber hinaus Jahrhunderte lang zum guten Ton. Erst mit Anfang des 20. Jahrhunderts verschwammen innerhalb von Freundschaften die Geschlechtergrenzen. Ist es also möglich, dass wir noch immer dabei sind herauszufinden, wie das überhaupt funktioniert? weiterlesen

Frauen in Führungspositionen – wer will denn schon eine Quotenfrau sein?

14.06.2017 um 16.37 – Gesellschaft Kolumne Leben


Geht es um Frauen in Führungspositionen und die Frauenquote, kommt ganz schnell das Argument: Aber es gibt doch auch furchtbare Führungsfrauen! Das stimmt – greift aber zu kurz. Ein paar Überlegungen.

Immer mal wieder ploppt sie auf: die Diskussion um Frauen in Führungspositionen und damit verbunden die Diskussion um die Frauenquote. „Bist du etwa für die Quote?“, werde ich oft gefragt und stets klingt es so, als sei das etwas grundsätzlich Verwerfliches. Etwas, das man per se nicht gut finden darf, weil es nach Bevorzugung klingt, nach Privileg. „Ja“, antworte ich auf die Frage, „ich bin für die Frauenquote. Weil sich ohne sie einfach nie etwas ändern wird.“ Nicht selten zieht mein Gegenüber daraufhin die Augenbrauen zusammen: „Aber… Wer will denn schon Quotenfrau sein?“

Die Antwort darauf lautet natürlich: Niemand. Das liegt auch daran, dass einige der Quotenfrauen nicht unbedingt als Vorbild für andere Frauen mit Führungsambitionen taugen. Das weiß ich aus anekdotischen Berichten von Freund*innen und Bekannten, aber ebenso aus eigener Erfahrung. Schon oft habe ich erlebt, dass Frauen in Führungspositionen es nicht unbedingt besser machen als ihre männlichen Kollegen. Sie haben nicht automatisch mehr Verständnis für die Anliegen der weiblichen Angestellten und sie fördern auch nicht automatisch den Aufstieg anderer Frauen. weiterlesen

Tiny Jane // Wird wirklich alles anders, wenn man ein Kind hat?

13.06.2017 um 11.10 – Kolumne Leben Tiny Jane Wir

Gar nichts wird sich ändern, wenn ich groß bin, habe ich vor zweidreiviertel Jahren mit aller Kraft behauptet, nachdem mir kurz zuvor ein Minibaby auf die berggroße Milchbrust gelegt wurde, ganz so wie ein kleiner Fels der Weisheit, den man zwischen zwei weiche Kamelhöcker klemmt, um ihn in die Welt hinaus zu schicken. Auf dass er für mehr Gleichgewicht sorge. Mein eigener Sohn war das, bis dato sogar ein namenloser, denn die zuständige Ärztin attestierte mir noch am Morgen zuvor mindestens sieben weitere Wochen Vogelfreiheit, in der felsenfesten Annahme das Bauchweh käme vom Brechdruchfall. „Nunja junge Dame“, sagte sie damals, „das ist der Lauf der Dinge – wenn man Mutter wird, fühlt sich plötzlich alles ganz anders an.“ Blah, dachte ich noch bis ins Mark erbost, während mir auf dem Krankenhausflur ein bisschen Pipi vor Verzweiflung kam. Sie hatte sich vertan. Behielt am Ende aber doch ein bisschen Recht. Seit Lio, der außerdem Jonathan heißt (wie die Möwe, die alles erreichen kann, was sie wirklich will) ein Teil von mir ist, fühlt sich überhaupt gar nichts mehr wie vorher an. Es ist sogar alles anders. Aber nicht etwa, weil ich jetzt Mama bin. Sondern weil ich es so will und noch dazu weiß, was ich überhaupt nicht mehr will. Genau das ist dann wohl der Unterschied zwischen Vorurteil und Wirklichkeit. Nicht die Dinge ändern sich, sondern wir verändern uns. Aber keine Panik. Nichts ist vorüber, alles ist bloß echter. weiterlesen

Weekend Reads // Der Drogenbericht 2017, die Vermarktung queerer Symbole & warum Social Media traurig macht

09.06.2017 um 13.18 – Feminismus Gesellschaft Leben

Eine feine Leseleiste zum Wochenende, die gerne im Kommentarfeld ergänzt werden darf. Damit uns weder Lehrreiches und Amüsantes, noch Wichtiges entgeht:

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Commencement Speeches // 5 Reden von 5 Frauen, die echte Lebensweisheiten bieten

06.06.2017 um 8.30 – Allgemein Feminismus Leben

Mai ist nicht nur der Wonnemonat, sondern auch der Monat, in dem viele der sogenannten Commencement Speeches gehalten werden: Reden, gerne von Promis, vor frischgebackenen College-Absolvent*innen. Eine gute Gelegenheit, sich inspirieren zu lassen – zum Beispiel von Shonda Rhimes und J. K. Rowling.

Als ich im Dezember 2012 mein deutsch-französisches Doppeldiplom in Empfang nahm, wurden zwar ein paar Reden geschwungen – so richtig einfallsreich waren die aber nicht. Immerhin wurde uns Neu-Diplomierten nicht ernsthaft prophezeit, mit einem Diplom à la IEP Lille (meine Universität) würde sich quasi automatisch ein Topjob finden. So geschehen bei einer Freundin, die ihr Diplom zwei Jahre früher machte als ich und sich noch heute mit Schaudern an diesen Moment universitärer Überheblichkeit erinnert. Statt Jobgarantien gab es bei uns nur Regenschirme, auf denen der Name unseres Jahrgangs, George Orwell, abgedruckt war. Im Nachhinein eine erstaunlich treffende Wahl, denn wer würde besser zum modernen Dasein zwischen Alternative Facts, Fake News und Comeback der Diktatur passen als der Autor des dystopischen Romans 1984? weiterlesen

BLACK GIRL CONFESSIONS //
„WOW, HAST DU FARBE BEKOMMEN“

05.06.2017 um 19.23 – Kolumne Leben Wir

Alle Jahre wieder bricht sie pünktlich zum Frühling über uns herein, diese Zeit, in der schon im Kopf die imaginären Liegen durchgegangen werden, um sie mit einem Handtuch zu besetzen und bloß nicht zu kurz zu kommen beim kollektiven Sonnenbad, beim Wettlauf um den eindeutigsten Bikiniabdruck und den dunkelsten Sommersonnen-Ton auf einer Skala von Kreide bis Kokosnuss. Wir wollen braune Haut und das am besten potzblitzschnell. Lange halten soll der Anstrich auch. Koste es, was es wolle. Die Mehrheit der westlichen Welt verlangt nach einem dunkelgoldenen Antlitz, dafür ist kein Tan Maximizer, kein Öl, kein Selbstbräuner und auch kein Solariumbesuch zu schade – aber warum? Welcher mitunter sogar unvernünftige und ungesunde Teufel reitet uns denn da? Wieso ist uns allen einmal im Jahr schlagartig nach einem knusprigen Sommerteint zumute? Und warum spiele ich da eigentlich mit?

Ich fange einfach mal bei mir selbst an. Ich selbst betrachte mich nämlich als Afrodeutsche. Also als schwarze Frau. Weil das für mich weniger mit meiner tatsächlichen Hautfarbe (die farblich gar nicht schwarz ist), sondern mit einer Zugehörigkeit, mit einem sich mit einer Gruppe identifizieren zu tun hat. Ich bin, wenn man so will, quasi eine weiße Schwarze. Und jeden Sommer plagt es auch mich aufs Neue: Och nö, ich bin ja so blass, du bist ja schon so braun, oh – in der Drogerie gibt es ein neues Sonnenöl mit LSF 15, nehm ich mal mit. Ab Anfang April haue ich mich ernsthaft bei jeder noch so kleinen Gelegenheit in die pralle Sonne und hoffe mit jedem Tag auf eine noch intensivere Bräune. Was ist da los? weiterlesen

Ruhe, bitte! 10 Tage Vipassana
Schweigemeditation – Teil II

30.05.2017 um 9.46 – Kolumne Leben

Teil I findet ihr hier.

4.30 Uhr, so früh bin ich ja überhaupt noch nie im Leben aufgestanden. Auch in der Italienischen Stiefelspitze ist es um die Uhrzeit also noch dunkel. Auf geht’s, es gilt den Tag mit Schweigen zu füllen. Ich krieche also in meine Meditationsklamotte aka die tannengrüne Jogger und den Riesenpulli vom Ex. Weder das Radio beim Zähneputzen, noch der morgendliche Newscheck durch die Kanäle begleitet den Morgen. Zum gemeinsamen Frühstück sind die ungezuckerten Cornflakes das Einzige, was Geräusche von sich gibt. Jeder glotzt auf sein eigenes Müslischälchen.

Ich will Eleonora, meiner stummen Mitbewohnerin, zu gern am Arm reißen und brüllen „Wie geil ist dieser Ausblick, bitteee?“ als wir auf dem Weg zum Haupthaus vom Sonnenaufgang über dem Atlantik zwischen den Bergen begrüßt werden. Stattdessen nur ein mentales High Five in mich hinein und ein paar Gedanken in die Heimat. Fühlt sich gut an? Fühlt sich gut an! Der strenge Rahmen, der nicht wenig an Gefängnis-Isolation erinnern lässt, engt mich aber überraschenderweise gar nicht ein, sondern befreit seltsam schön. Entscheidungen, die zu Hause schon mit dem Brötchenbelag beginnend quälen, werden hier abgenommen, wie einem Baby. Die Struktur ist ein festes Korsett. Frage mich, wann ich dieses Gefühl das letzte Mal in Berlin so hatte, als Selbstständige, die ihre Texte gern im Bett schreibt und auch mal erst um 16 Uhr aus ihrem Pyjama krabbelt. weiterlesen

Kopf aus, Trash TV an. Kann man mal machen, oder?

29.05.2017 um 9.56 – Leben

Ihr werdet mit dem Kopf schütteln, aber: Ich gehe nicht gerne ins Kino. So ein dunkler Kinosaal, klebrige Popcorn Rückstände auf den Fingern und dieses eklige Müdigkeitsgefühl danach, ist so gar nichts für mich. Auch jeden neuen Film zu gucken; ein schwieriges Thema. Sonntagabend gibt es Tatort, ganz einfach. Ist aber eben mal nicht Sonntag, es regnet und ein Film soll die Zeit vertreiben, diskutiere ich mindestens eine halbe Stunde mit einem Freund über das, was im Fernsehen laufen soll, während es Netflix und Co keinesfalls leichter machen. Ich kann mich nie entscheiden und will dann am liebsten immer etwas, was ich schon kenne, was ich so auf mich einrieseln lassen kann, dass ich eh schon heiß und innig liebe. Wenn ich dann gar nicht mehr weiter weiß, bin ich meistens mutig und setze alles auf eine Karte: Wie wäre es mit Jersey Shore?

Ok. Das muss ich jetzt irgendwie erklären, ganz von vorne, sonst denkt jeder, ich habe einen absoluten Spleen, bin der Geschmacklosigkeit verfallen und habe einen Faible für schlechte, amerikanische Reality TV. Ups, da habt ihr mich. Ich bin auf einem guten Weg aus der Sucht, die mich schon seit meiner frühen Jugend begleitet, aber fühle mich immer noch wie magisch hingezogen zu Formaten frei von Inhalt, voll von Youngstern am Ende oder am Anfang ihrer Karrieren, produziert von Menschen, die sich SallyAnn Sansano oder Adam DiVello nennen. weiterlesen

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Slow Sunday // Eine Woche ungeschminkt und das ist passiert

27.05.2017 um 14.23 – Beauty Leben

This is Jane Wayne - Slow Sunday - UngeschminktUngeschminkt aus dem Haus zu gehen war für mich nie ein Thema. Man könnte auch sagen, es war ein absolutes No-Go. Nicht mal zum Sport wäre ich ohne Make-Up gegangen und auch mein Freund hat mich am Anfang unserer Beziehung nie ungeschminkt gesehen. Die Angst vor Ablehnung oder davor, eine Angriffsfläche zu bieten, hatte mich so sehr im Griff, dass ich mich nie wirklich für das Auftragen von Schminke entschieden habe. Ich habe einfach gar nicht anders gekonnt. Tatsächlich habe ich das aber erst vor kurzem so richtig verstanden, obwohl sich das Thema schon immer in Bewegung und unter Beobachtung befunden hatte. Dieser Moment, als ich gemerkt habe, dass ich fremden Menschen (und auch einigen Freunden) nie mein natürliches Gesicht gezeigt habe, war für mich erschütternd und schmerzhaft. Nachdem ich mich nun einige Zeit mit diesem Gefühl rumgeschlagen habe und trotzdem keinen richtigen Zugang zu mir und meinem „nackten“ Gesicht fand, war ich so richtig schön unterwegs in Richtung Verzweiflung. All diese Artikel darüber, wie viel Freiheit einem ein ungeschminktes Gesicht geben kann und wie selbstverständlich alle anscheinend das Selbstbewusstsein zu diesem Schritt aufbringen konnten… mir wollte das alles einfach nicht in den Kopf und ich habe mich lang ganz anders gefühlt. Bis ich eines morgens vergangene Woche aufstand und mich ohne Make-Up so schön fand, dass ich beschlossen habe, erst mal eine Weile so zu bleiben.

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Ruhe, bitte! 10 Tage Vipassana
Schweigemeditation – Teil I

24.05.2017 um 15.08 – Leben

Italien, Kalabrische Berge, November 2016. Der Gong in der Halle ist das Startsignal für ein Schweigeversprechen. Dem geschäftigen Geraune der aus aller Herrenländer angereisten Gruppe, weicht entschlossene Stille. Wir schlurfen den kleinen Hügel hinauf zu unseren Bungalows. Ich begrüsse die Mitbewohnerin nicht, räume meine sieben Sachen in den Schrank in der Ecke und setze mich auf die Pritsche vor dem Fenster. Handy, Laptop, Ladegeräte, ein paar Süßigkeiten, Bücher und weitere Habseligkeiten lagern in einer grünen Plastiktüte verstaut unten im Haupthaus. Unser kleiner Bungalow mit seinen zwei Zwergen-Betten wird immer offen bleiben.

Die nächsten zehn Tage werde ich hier kein Wort sprechen, tippen, schreiben oder lesen. Werde weite Kleidung und kein Make-Up tragen, wenig essen, langsam laufen, nicht rauchen, keinen Sport treiben, keine Musik hören oder gar das Gelände verlassen. Werde isoliert und auf das Notwendigste reduziert bescheiden wohnen und von morgens bis abends unter Anleitung meditieren – zur Ruhe kommen, Achtsamkeit praktizieren, Selbstkontrolle und inneren Frieden lernen. So der Plan. 10 Tage Schweigen. Ich bin bereit: weiterlesen

Ein paar Gedanken
zum Thema „Emanzipation“

24.05.2017 um 11.45 – Feminismus Leben

Vor einiger Zeit wurde ich von einem Frauenmagazin interviewt. Es ging darum, was Frausein im Jahr 2017 bedeutet, um Gleichberechtigung. Und natürlich ging es auch um Feminismus, um meinen Weg dahin.

Ich berichtete, dass meine Eltern im heimischen Herne schon das traditionelle Ernährer-Modell gelebt hätten: Mein Papa war Ingenieur und verdiente das Haupteinkommen. Meine Mama setzte nach der Geburt meiner Schwester und mir beruflich erstmal ein paar Jahre aus, nur ihre Wirbelsäulengymnastik-Kurse leitete sie weiter. Später stieg sie dann wieder in ihren Job in der Verwaltung eines großen Revierparks (so heißt das im Ruhrgebiet) ein, arbeitet seitdem Teilzeit. „Aha“, sagte sie Journalistin am anderen Ende der Leitung, „Sie sind also deshalb Feministin geworden! Weil sie sich von dem traditionellen Beziehungsmodell, das ihre Eltern repräsentieren, emanzipieren wollten.“  weiterlesen

Brain Blah // Ich habe meinem Freund (k)einen Heiratsantrag gemacht.

23.05.2017 um 8.30 – Kolumne Leben Wir

Als ich ungefähr acht Jahre alt war, machte mir ein Junge aus der Parallelklasse einen Heiratsantrag. Das war ganz leicht. Wir hatten uns in einem Heuhaufen auf der Wiese vor dem Haus versteckt, weil er, nennen wir ihn doch einfach Hansjürgen, bald von seinen Eltern abgeholt werden sollte. Die Ehe schien da nur der nächste logische Schritt zu sein, denn wenn man verheiratet ist, so dachten wir, würde man uns endlich als Erwachsene anerkennen und bis in alle Ewigkeit Gameboy spielen und Cola trinken lassen. Ich kramte also ein Haargummi aus der Hosentasche, das Hansjürgen alsbald um meinen Finger wickelte, der schnell rotblau anlief, aber das machte nichts, schließlich duftete die Ackerluft mit einem Mal verlockend frisch nach Freiheit. Händchenhaltend richteten wir uns auf, um der Mutter von Hansjürgen und meiner eigenen die frohe Botschaft zu überbringen. Am Ende half alles nichts. Eine halbe Stunde später marschiere ich noch immer ledig gen Zähneputzen.

Die Jahre vergingen und mit ihnen mindestens drei missglücke Versuche meinerseits, um jemands Hand zu bitten. Weder Otto, noch Erik oder Rasputin wollten mich zur Frau nehmen. Nur einer begründete seine Entscheidung mit meiner einnehmenden Zahnspange, die anderen beiden fühlten sich laut eigener Aussage in ihrer durch Disneyfilme geprägten Ehre gekränkt. weiterlesen

Brain Blah //
Es ist Sommer, lasst die Rollen frei.

17.05.2017 um 13.40 – Leben Wir

Ich bewundere Menschen, die viel Sport treiben wirklich sehr, so ist das gar nicht. Diese enorme Form von Selbstdisziplin muss man ja erst einmal aufbringen, und Crunchies – pardon Chrunches – Kniebeugen und Klimmzüge, ich meine, Spaß macht das alles zu Beginn doch nun wirklich nicht, man muss vielmehr erst Blut riechen, dann den inneren Schweinehund erlegen und vor allem dran bleiben, bis eines Tages der Rausch einsetzt und jede Anstrengung zur Wonne wachsen lässt. Aber Freunde, ich fragte mich dieser Tage, ob das denn wirklich alles sein muss. Es geht, so die These, ja kaum mehr um Gesundheit als viel eher um den perfekten (Achtung-Scheiß-Wort-Alert) Beach Body.

Ich lese ja nunmal auch diverse Blogs und Magazine und mein Gott, statt den Frühling mit Wohlwollen und offenen dürren oder dicken, aber zumindest eigenen Armen zu begrüßen, bricht seit Wochen allerorts Hysterie aus. Die einen fressen nur noch die Hälfte, andere verballern jeden lauen Maiabend im Gym und beinahe alle drehen am Rädchen, mobben sich selbst vor dem Spiegel und verzweifeln an Idealvorstellungen, denen so gut wie niemand, der nicht allein zwischen Fotos und Filtern existiert, standhalten kann. Sogar Knie werden gehasst, weil über Knien nunmal Haut und vielleicht auch ein gesunder Fettmantel hängt, ohne gehts ja nicht, außer wir säßen bloß zur Zierde da, mit ausgestrecktem, strammen Bein natürlich. weiterlesen

Short Chat // Wer femdgeht muss ehrlich sein – oder besser doch nicht?

15.05.2017 um 11.42 – Janes Leben

Unsere Autorinnen Sarah Radowitz aka Scalamari und Fabienne Sand diskutieren in unserer neuen Serie „Short Chat“ ab sofort die wichtigen Fragen unseres (Beziehungs-)Lebens. Von Freundin zu Freundin:

„Puh, das Thema hat es in sich. Da scheiden sich die Geister, wenn nicht sogar Welten oder ganze Universen. Also, Folgendes: Da führt man eine Beziehung und hat eine große Liebe an der Angel und ein gemeinsames Leben und dann bricht auf einmal die Hölle los. Da ist man fremdgegangen und hat urplötzlich alles auf den Kopf gestellt, mindestens ein Herz zerpflückt und diese bis eben noch recht solide und liebevolle Kiste mit einem einzigen Fingerschnips und Zungenschlag zu Grunde gerichtet. Wenn man denn gesteht. Man könnte natürlich auch einfach die Schotten dicht machen – Klappe zu, Ausrutscher-Affe tot und weitermachen wie zuvor? Lieber totschweigen als totreden? Na, was denn nun?“ weiterlesen