Single Stories // Fernab der Realität: Von Urlaub allein & kleinen Abenteuern

Je schöner die verbrachte Zeit ist, desto weniger Fotos existieren von ihr. Ich glaube, das ist auch der Grund, weshalb meine letzten zwei Tage Griechenland nicht bildlich festgehalten wurden. Wie es dazu kam? Dazu müssen wir erst einmal zurück zum Anfang meiner freien Woche: 

Ich wollte noch etwas Sonne tanken, bevor der jährlich unausweichliche Berliner Winter das Singleleben in der Großstadt wieder einmal noch unerträglicher, als es ohnehin schon ist, macht. Nachdem ich mich erst einmal mit dem Fakt abgefunden hatte, dass ein Urlaub alleine genauso viel kosten wird wie für ein Paar (ich berichtete wütend), buchte ich schließlich in einem Anflug eines abenteuerlichen Mutes: eine Woche Glamping. Und zwar auf einer von BER leicht zu erreichenden griechischen Insel. 

Mit drei Büchern für sieben Tage Pool- und Strandfaulheit im Gepäck fühlte ich mich bestens vorbereitet, um endlich mal wieder auszuspannen und dabei weder mich selbst noch mein Singledasein von frisch verliebten Pärchen oder glücklichen Familien verunsichern zu lassen. Der Plan: Me-Time. Und zwar so richtig. Ob ich mich vorher über die Windverhältnisse, die in einer Zeltunterkunft durchaus von Wichtigkeit sind, informiert habe? Nein. Und darüber, dass nicht nur Menschen, sondern auch Insekten und anderes Kleinvieh nicht nur den Zugang zu einem „Luxury Tent“, sondern auch noch Gefallen darin finden? Natürlich nicht. 

[typedjs]Denn während sich Mykonos, jedenfalls der Profilanzahl auf Bumble und Tinder zufolge, als wahrer Single-Hotspot herausstellte, war die Auswahl in meinem Ort der Wahl eher mau — jedenfalls bis zu meinem vorletzten Tag, an dem ein Flug aus Athen nicht nur neue Urlauber, sondern auch ein neues Match mit sich brachte.[/typedjs]

Und so trieben mich meine Gedanken zwischen Spinnenjagd, schlaflosen Nächten in ohrenbetäubender Peitschenhieb-Geräuschkulisse und Urlaubspaaren im gleichen Outfit (ja, wirklich!) letztlich doch wieder ins Beziehungsstatus-Overthinking — was wiederum darin endete, dass ich meine Dating-Apps trotz sonniger Kulisse öffnete. „We-Time“ lautete nun also der neue Plan. Und auf einer von Familien- und Rentnertourismus geprägten Insel war das kein leichtes Unterfangen, so viel kann ich euch sagen.

Denn während sich Mykonos, jedenfalls der Profilanzahl auf Bumble und Tinder zufolge, als wahrer Single-Hotspot herausstellte, war die Auswahl in meinem Ort der Wahl eher mau — jedenfalls bis zu meinem vorletzten Tag, an dem ein Flug aus Athen nicht nur neue Urlauber, sondern auch ein neues Match mit sich brachte. Es folgte ein 2-Tage-Abenteuer mit einem Mann, den ich nach nur ein paar wenigen Nachrichten mittags am Strand traf (natürlich nicht, ohne vorher das offizielle Security-Warning an meine Freundinnen zu schicken, damit sie wussten, wo ich mich befand). Und weil ich, obwohl ich mich aufgrund unzähliger Dating-Stunden als „erfahren“ einstufen würde, in puncto Urlaubsflirts so gar keinen Track Record vorzuweisen habe, empfand ich die zwei Tage als ziemlich aufregend.

Es ist doch immer wieder erstaunlich, wie man völlig random jemanden finden und dann auch noch fünf Stunden am Stück miteinander reden kann, weil man so sehr auf der gleichen Wellenlänge ist. Und dann auch noch, das sei stolz gesagt: nüchtern wie nix! Naja, jedenfalls bis zum Wein am Abend, der vielleicht doch ein bisschen beim Näherkommen geholfen hat. Bevor es für ihn zurück ins Hotel am anderen Ende der Insel und für mich ins Zelt ging, endete der Tag mit einem ersten Kuss und mit der Sicherheit: Morgen wiederholen wir das.

Und so kam es schließlich, dass ich meinen letzten Tag vor der Abreise tatsächlich damit verbrachte, mich noch einmal wie 15 zu fühlen. Inklusive sich gegenseitig ins Meer schubsen, Sonnencreme-Massagen und Rumgefummel unter dem Strandtuch. Ich weiß nicht, ob es an der Sonne lag, an der freien Zeit oder doch an meinem Gegenüber, aber dieses in den Tag hinein und ohne Verpflichtung zu leben, hatte so etwas Befreiendes, dass ich die einsamen Abende alleine im Restaurant unter Paaren und Gruppen zuvor einfach vergaß. Ja, selbst der Wind wurde nachts zu zweit im Zelt ganz plötzlich zur Nebensache. Aber weil ich hier ja keine erotischen Kurzgeschichten schreibe, muss diese Information wohl reichen.

Okay, ich gebe zu, dass ich für einen kurzen Moment sogar daran denken musste, dass ich das „Problem“ mit dem Preis für Übernachtungsgäste, über den ich mich vor der Buchung so ausgelassen habe, letztlich doch für mich genutzt habe. Eine Vollromantikerin ist an mir (oder an uns beiden) also doch nicht verloren gegangen. Doch so schnell die zwei Tage begonnen hatten, so schnell waren sie auch wieder vorbei — und fühlten sich ganz plötzlich unwirklich an, denn: Erst hinterher, ich am Flughafen auf das Boarding wartend, er im Hotelbett an die Decke starrend, stellten wir fest, dass wir nicht einmal ein Bild gemacht hatten. Und so wurden 48 Stunden der Unwirklichkeit noch ein wenig unwirklicher, was damit endete, dass sich „Back to life, back to reality“ nicht nur als Ohrwurm, sondern auch als (übrigens von all meinen Freundinnen stark befürwortete) Einstellung in meinem Kopf manifestierte — zumindest fast. Denn nun sitze ich hier im grauen Berliner Winter, recherchiere Flüge für ein Wiedersehen irgendwo in Europa und beende diesen Text mit der Frage: Müssen Urlaubsliebschaften denn wirklich im Urlaub bleiben? Ein bisschen Nicht-Realität, gerade jetzt, das wär‘s doch…

Einmal im Monat schreibt unsere Gastautorin Anna über ihr Single-Leben, Dating über 30 und die große Herausforderung, in Zeiten von Corona jemanden kennenzulernen.

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