Workload, Pandemie & Pause: It’s OK to be just „OKAY“

02.05.2022 Wir, Leben, Kolumne

Quote by Christie. Dreieinhalb Monate „Pause“ auf Jane Wayne klingen in meinen Ohren immer noch wie eine Ewigkeit. Dreieinhalb Monate Zeit, um nachzudenken, das eigene Leben zu reflektieren, Luft zu holen und zu lernen, was man eigentlich will: Vom Leben, von der Zukunft, von der Gegenwart. Dreieinhalb Monate sind so lang und vergingen dennoch im Flug. Ich ärgerte mich zwischendurch so sehr über mich, weil ich das zeitweise Nichtstun nicht genießen konnte, Instagram durchsuchtete statt mehr Zeit offline zu verbringen, und ich ärgerte mich, am Ende nicht dem eigentlichen Ziel, nämlich einer frischen Idee für mein Leben, näher gekommen zu sein. Und dennoch habe ich rückblickend betrachtet so unheimlich viel über mich gelernt, worüber ich unendlich dankbar bin.

Liegen liegt mir nicht. Warum ich Struktur brauche.

 
 
 
 
 
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Ich hatte mich so auf diese kleine Auszeit gefreut. 2021 war aus verschiedenen Gründen sehr kräftezehrend und vor allem in den letzten Monaten des Jahres wurde es, wie ihr euch vorstellen könnt, beruflich ganz schön stressig. Das Team und wir gaben vollgas und durchhalten war für mich nur wirklich möglich, weil diese greifbare Pause so nah schien. Ich weiß nicht, ob viele von euch das nachvollziehen können, aber Kinder haben, ein Team leiten, überall die gute-Laune-Maus mimen und so viel Verantwortung zu tragen, kann mitunter eben sehr ganz schön viel sein. Und das nach knapp zwei Jahren Pandemie. Ich will hier gar nicht rumheulen, nur unterstreichen: I needed this break so much! 

Und da war sie, die Pause, und ich mit ihr auf einmal total überfordert. Während ich noch im Dezember dachte, ab Januar nur noch gemütlich im Bett zu fletzen, abwechselnd zu netflixen und zu schlafen, piesepampelte ich ab Neujahr an eben jenem Ort nur noch rum, schmiss mich von rechts nach links und rutschte mental eine ganze Etage tiefer. Elf Jahre lang haute ich ununterbrochen auf die Tastatur, um diese Seite mitzugestalten und puff, auf einmal tat ich es nicht mehr. Leere. Hätte ich mir ja denken können. Dann zog auch noch Corona für 14 Tage in unsere Wohnung und schwupps war auch schon Februar. Es folgten ein paar Produktionen fernab von JW und Kleckerkram, aber dieser tägliche Marathon, den ich am Ende so sehr verteufelte, der fehlte auf einmal. Stattdessen versank ich viel zu oft im Handy, wurde ganz schön müde und träge – vor allem so richtig elanlos – und mochte es kein bisschen. Ich brauchte schleunigst einen Tagesablauf, statt rumzueiern und am Ende doch wieder gestresst von jeder Kleinigkeit zu sein. Sport hätte mir sicher geholfen, aber bei dem Blick nach draußen verlor ich zusätzlich die Motivation. 

Es ist OKAY sagten mir alle und sogar ich selbst sagte es zu mir – und trotzdem fehlte mir etwas. Etwas, dass ich nicht benennen konnte. Vielleicht kann ich nur pausieren, wenn die Welt um mich herum auch still steht oder wenn ich sie einen Moment lang mutet, dachte ich. Aber ersteres ist unrealistisch und letzteres liegt mir leider nicht. Aber auch das ist okay. Akzeptieren hilft da manchmal. Etwas oder vielleicht sogar vieles doof finden auch. Vielleicht war es aber auch einfach der falsche Zeitpunkt für eine paradiesische Pause: die anhaltende Pandemie, der Krieg in der Ukraine und so viele andere negative Dinge um mich herum machen es schier unmöglich so richtig auszubrechen. Auch wenn wir das alle vielleicht öfter mal bräuchten.

Irgendwann merkte ich, was mir fehlte: Struktur. So banal das klingt und so sehr wir das wissen, so schwer fiel es mir am anfangen: Aufstehen, fertig machen und los. Etwas „erledigen“ oder „schaffen“ – etwas machen, das einem das Gefühl gibt, etwas getan zu haben. Ich weiß, dass wir stets predigen, schon allein aus so vielen verschiedenen Gründen genug zu sein, aber allein das Wissen darum machte mich nicht glücklich. Aufräumen, einkaufen, Nägel lackieren oder bewusst das Mittagsmagazin wegsnacken können hier schon Punkte auf der Agenda sein, die gut tun. Ich will hier nämlich auf keinen Fall den Eindruck erwecken, nur „richtige“ Leistung könne uns glücklich machen. Es sind die Kleinigkeiten, die mir wieder Aufwind gaben – und ja, bei mir war es eben auch die Arbeit. Was mir selbst geholfen hat um mich auch gleich für den nächsten Tag zu motivieren: Aufschreiben, was man gemacht hat und notieren, was man machen möchte: Von Kino bis Mittagsschlaf kann da alles bei sein. 

Produktivität ist nicht alles, aber sie macht was mit uns.

Jajaja, is‘ klar. Höre ich eine andere Stimme auf meiner anderen Schulter sagen. Schreib‘ das ruhig auf und feiere dich. Aber was hast du denn wirklich gemacht, hmm? Überschaubar viel, denke ich und schon ist sie wieder da, dieses unbefriedigende Gefühl in mir drin. Während der Corona High Season von März 2020 bis zu meinem Pausen-Ende Anfang Februar (ja, wer nachzählt stellt fest, dass aus drei Monaten Nichtstun ganze vier Wochen wurde #fail) war ja schlicht und ergreifend gar keine Zeit, um nach beruflichen Hochphasen und neuen Dingen zu streben. Die bloße Existenz, die Gleichzeitigkeit der Dinge, das Meistern des Alltags und der Versuch der mentalen Pflege waren schließlich schon Arbeit genug. 

Aber in so einer Pause, da hat man plötzlich Zeit, sich noch ein kleines Stück mehr zu geißeln und kann manchmal jede freie Minute nutzen, um sich so richtig schön runterzuziehen. Und so kam auf einmal der Wunsch nach Produktivität auf, ohne das Bedürfnis, viel dafür leisten zu wollen. Ich wollte in meinem Kopf ja, aber ich konnte dennoch einfach nicht. Tagespunkte geben uns Struktur, Struktur brauchen viele und das wiederum führt oft zu Produktivität – zumindest für die eigene mentale Stärke. Ich aber war nicht produktiv und sogar weit davon entfernt, es zu werden. Und das fuchste mich. Und zwar so sehr, dass mich sogar der Elan anderer ganz verrückt machte und noch mehr zu Rastlosigkeit führte. Und da ist es noch immer, dieses kleine Vakuum in meinem Kopf, das zwar sehr viel Raum für Auseinandersetzungen mit mir selbst bereithält und auch für das Weltgeschehen, aber vieles eben nicht schafft. Sehr vieles sogar. Und dass, obwohl ich es mir irgendwie wünschen würde – und gleichzeitig aber auch irgendwie den Frieden damit gefunden habe, dass es gerade einfach nicht so ist. 

 
 
 
 
 
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„It’s OK to be just OK“

„Wie geht’s dir?“, wurde ich vergangene Woche während meiner kleinen Version der Press Days besonders häufig gefragt und noch vor ein paar Monaten hätte ich blitzschnell geantwortet, dass es mir SUUUUUPER geht. Auch, wenn das gar nicht der Wahrheit entsprach. Ich sagte einfach immer „SUUUUUPER“. Wenn ich glücklich war oder aber traurig. Einfach so, ohne aktiv darüber nachzudenken. Seit ein paar Wochen aber sage ich nur noch OK, weil natürlich eigentlich wirklich alles SUUUUPER ist, aber vieles eben auch nicht. Weil ich immer noch nicht weiß, was ich für mich will und wirklich und wahrhaftig keine Idee von meinen kommenden Jahren habe. Weil ich heute nicht unfassbar innovativ durch das Leben gehe, obwohl ich es für meinen Job vielleicht müsste. Weil ich mir selbst so viel mehr wünschte, auch hier auf Jane Wayne, es aber gerade einfach nicht kann. Weil ich am liebsten wie ein Honigkuchenpferd durch die Welt traben möchte, weil ich doch wegen so vielem, unserer Kids zum Beispiel und unserer schönen Wohnung der glucksend glücklichste Mensch sein müsste. Aber es eben nicht immer bin und noch immer ein ganzer Brocken Schwere auf meiner Brust sitzt. 

„Zufrieden“ zu sein, war für mich immer eins der schlimmsten Zustandsbeschreibungen, die ich mir vorstellen konnte. „Zufrieden“, uff. Das klang wie Reihenhaushälfte und Passat vor der Tür. Wie ein „befriedigend“ unter der letzten Klausur, für die man eh nicht gelernt hat. Oder zumindest nicht viel. Wie Nine-to-Five-Job und Fernseher abends, Autoputzen und Rasen mähen am Samstag. „Zufrieden“, urgh. Dabei ist das doch ein total schönes Gefühl und ein kompletter grandioser Zustand für eine bestimmte Zeit. „Zufrieden sein“ bedeutet ja nicht, dass man fortan nie wieder ausbricht, sich nie richtig geil findet oder extrem Banane. Es beschreibt ja keinen Zustand, der uns Jahre ummantelt und uns bewegungslos macht. Wir können also wahrscheinlich eh nur für einen kurzen Moment in unserem Leben zufrieden sein, weil wir Jahre brauchen, um gewisse Dinge zu erreichen und wieder Jahre damit beschäftigt sind, um zu verstehen, dass die Dinge nie bleiben. Zufrieden zu sein, bedeutet in meiner Vorstellung heute also längst die fünf Minuten, die ich Zeit für mich habe und einen Kaffee schlürfe oder die fünf Minuten auf dem Spielplatz, in denen keiner heult. Zufrieden zu sein erinnert mich heute an einen imaginären Platz auf der Veranda, den ich auf einer Hollywood-Schaukel einnehme, mit einem Lächeln auf dem Gesicht und einer wahnsinnigen, innere Ruhe in der Brust. Eine, von der ich noch Lichtjahre entfernt bin. Aber eine Vorstellung, die ich sehr schön finde. 

Diese Ehrlichkeit aber, ihr Lieben, kann so unendlich befreiend sein, dass ich ab sofort Werbung dafür machen mag und im Prinzip nur damit sagen will, dass eine Gefühlsebene fernab von juchzenden Hochs und schluchzenden Tiefs voll OK ist und nicht bedeutet, dass wir uns generell abgefunden haben und stumpf sind. Vielleicht sind wir ein bisschen leerer als sonst, ein bisschen weniger dramatisch und vielleicht auch manchmal müde und wirken, als hätten wir uns mit irgendwas abgefunden. Aber das ist Quatsch. Bloß jetzt im Moment sind wir eben nur OK. Nicht 20 Grad und Sonne und auch kein Regenschauer und fünf Grad. Wir sind solide 15° und manchmal etwas bewölkt. Kein Grund also, ständig daheim zu bleiben, sondern die frisch erstandene oder wiedergefundene Übergangsjacke rauszuholen und an die frische Luft zu gehen. 

 
 
 
 
 
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Wir glauben oft, dass Gefühlszustände wie „zufrieden“ oder „OK“ irgendwie bemitleidenswert wären. Das habe ich zuletzt vergangene Woche gemerkt, nachdem nach meiner knappen Antwort sofort hektische Blicke auftauchten, das Gesicht des Gegenübers sich verzog und Ratschläge durch die Luft flogen oder wild gestikulierend versucht wurde, mir Hoffnung zu schenken. Ich musste mich dann flott erklären und rechtfertigen. Dabei ist OK, wirklich einfach OK. ES. IST. OK. Nicht besorgniserregend, nicht schlimm und höchstwahrscheinlich nicht permanent. Vielleicht nicht immer das, was wir geliebten Menschen wünschen, aber in der aktuellen Zeit und bei so viel Wandel und Frühling in der Luft, absolut in Ordnung. Vor allem nach einer so verrückt aufreibenden Zeit, nach so wenig Zeit zum Luftholen in den vergangenen elf Jahren und diesem neuen Nebeligen da in der Zukunft. 

Heute freue ich mich auf all das, was kommt und geh‘ mit mir sehr wohlwollend um. So, wie es mir schon vor Wochen alle geraten haben. Bloß muss man manchmal erst selbst all die Wege gehen, um zu begreifen und zu verstehen und zur Ruhe zu kommen. 

– to be continued. that’s for sure –

10 Kommentare

    1. Sarah Jane Artikelautorin

      Der Text liegt schon so lange im Backend und ich konnte ihn zwischendurch nicht fertig machen. Aus oben genannten Gründen. Ich bin froh, dass er nicht zu diffus geworden ist <3 Danke dir!

      Antworten
  1. Leya

    Liebe Sarah,
    ohja diese Gefühle kenne ich total. Danke für diesen Text!
    Was mir spontan noch zum Thema Produktivität trotz verdienter Pause eingefallen ist:
    Ich habe letztens gehört, dass Leute, die einen Burnout haben, am besten noch mit kleinem Pensum weiterarbeiten sollten, damit sie nicht in ein großes Loch fallen. Sich also Schritt für Schritt an das Langsam machen gewöhnen müssen. Das fand ich sehr einleuchtend.
    (Bitte nicht falsch verstehen: Eine Pause ist nicht gleich ein Burnout und ich möchte Burnout hiermit auch nicht verharmlosen. )

    Antworten
    1. Sarah Jane Artikelautorin

      Liebe Leya, das verstehe ich nicht falsch! Und ja, das habe ich auch gehört. Ganz behutsam und in einem Tempo, sodass die Betroffenen nicht direkt wieder auf getrampelten Pfade unterwegs sind.

      Antworten
  2. yvonne

    Jede einzene Zeile. Genau so und nicht anders. Voll OK, dass ich das nur ins Tagebuch und du hier geschrieben hast.

    Antworten

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