Schlagwort-Archiv: Julia Korbik

„Meiner ist so groß“ – Schon wieder bin ich belästigt worden und habe nichts gesagt

21.03.2017 um 10.07 – Allgemein

Mal wieder ist es passiert. Und mal wieder stelle ich mir Fragen.

Letzte Woche stand ich abends mit zwei männlichen Freunden an einer Berliner U-Bahn-Station. Die Jungs verabschiedeten sich und stiegen in ihre Bahn, ich wartete auf meine. Stöpsel im Ohr, Musik auf den Ohren, nur noch zwei Minuten Warten. Dann schob sich ein Mann in mein Blickfeld. Er stand direkt vor mir und redete auf mich ein. Musik sei Dank verstand ich kein Wort, wollte aber nicht unhöflich sein – vielleicht hatte der Mann ja eine Frage – und nahm die Stöpsel aus den Ohren. Der Mann sprach und ich verstand ihn nicht. „Bitte?“, sagte ich und diesmal war seine Antwort klar verständlich: „Ich will dich ficken.“ Und: „Meiner ist so groß“, untermalt von entsprechenden Handbewegungen.

In diesem Augenblick hatte ich keine Angst, ich fühlte mich nicht eingeschüchtert – in Rufnähe warteten mehrere Leute ebenfalls auf die U-Bahn. Aber ich war unglaublich wütend. Erst auf den Mann, der seltsam weggetreten und teilnahmslos wirkte (Drogen? Alkohol?). Dann auf mich, weil ich einfach nichts sagte, meine Stöpsel zurück ins Ohr stopfte und stur vor mich hinstarrte, bis die Bahn kam. In der Bahn schickte ich eine Nachricht an meine Schwester, schilderte ihr, was geschehen war. Ihre Empörung konnte ich förmlich durchs Handy spüren. Und ich? Ich war nicht empört. Nur irgendwie… leer. weiterlesen

Am 8. März ist Weltfrauentag – Es geht nicht um Sonderrechte, sondern um Menschenrechte

07.03.2017 um 8.00 – Event Events Feminismus

Foto: @theskatekitchen

Alle Jahre wieder… kommt der Weltfrauentag. Und mit ihm die stets gleichen Missverständnisse.

Letztes Jahr habe ich zum Weltfrauentag Pralinen bekommen. Von Lindt, gute Qualität. Dazu noch eine Rose, weil, Rose geht ja immer. Facebook gratulierte mir: „Alles Gute zum Weltfrauentag, Julia!“. Eine Bekannte berichtete mir, in der politischen Einrichtung, für die sie arbeitet, hätte man den weiblichen Angestellten zum Weltfrauentag Make-up geschenkt. All das wirft die Frage auf: Wann genau ist der Weltfrauentag eigentlich zu einer Mischung aus Valentinstag („Schenk ihr Pralinen!“) und Muttertag („Sag Mama mal wieder, wie toll sie ist!“) mutiert? weiterlesen

Oscars 2017 // Die 10 politischsten Momente

27.02.2017 um 10.46 – Events Gesellschaft

Glanz, Glamour und goldene Statuen: Das sind die Oscars! Zum 89. Mal wurden die Auszeichnungen in Los Angeles verliehen – und boten neben schicken Outfits auch politische Augenblicke. Ach, die Oscars! Ein Event, bei dem es um Filme geht, um den Zauber des Kinos. Und auch wenn die Oscars so tun, als seien sie keine politische Veranstaltung, sind sie es natürlich doch. 2017 gilt das gefühlt noch mehr als sonst, schließlich sitzt im Weißen Haus Donald Trump – er selbst ein Produkt der Entertainment-Branche. So hochpolitisch wie erwartet waren die 89. Oscars zwar nicht, ein paar Highlights gab es aber doch: weiterlesen

Buch-Tipp //
„Das Problem mit den Frauen“

16.02.2017 um 8.00 – Buch Feminismus

Warum tauchen eigentlich so wenige Frauen in den Geschichtsbüchern auf? Diese Frage diskutiert die Zeichnerin Jacky Fleming ironisch-unterhaltsam in ihrem neuen Buch Das Problem mit den Frauen. Ihre Antwort: Frauen sind Männern biologisch einfach unterlegen.

Ach je, die Frauen. Sie können wirklich nicht besonders viel: zu schwach, um Pinsel zu halten, zu kleine Köpfe, um ordentlich zu denken. Kein Wunder, dass es in den Geschichtsbüchern kaum beeindruckende Frauen gibt. Zumindest lautet so die Erklärung, die die britische Zeichnerin Jacky Fleming in ihrem Buch Das Problem mit den Frauen (Kiepenheuer & Witsch) liefert. Ihre mit Liebe zum Detail gezeichneten Frauen kommen gegen das schiere Genie ihrer männlichen Zeitgenossen einfach nicht an – und landen deshalb im (ebenfalls zeichnerisch dargestellten) „Abfalleimer der Geschichte“. weiterlesen

„Feminismus – mir doch egal!“
– Aber warum? Ein Erklärungsversuch.

07.02.2017 um 10.00 – Feminismus

anti feminismusEs gibt Menschen, denen scheint Gleichberechtigung einfach egal zu sein. Warum? Und wie geht man mit ihnen um? Ein Erklärungsversuch.

Es passiert immer wieder. Auf Veranstaltungen, im Bekanntenkreis, bei Familientreffen. Manchmal unerwartet – so richtig von hinten durch die Brust ins Auge –, öfter jedoch wenig überraschend und mit einem innerlichen Seufzen bereits antizipiert. Da ist zum Beispiel die junge Frau auf der Party, die mich während eines eigentlich sehr netten Gesprächs zum Thema Gleichberechtigung plötzlich herausfordernd fragt: „Du bist Feministin? Heißt das, du willst nicht, dass ein Mann dir die Tür aufhält?“ Oder die Besucherin einer Lesung, die mir erst erklärt „Feminismus? Schon der Begriff ist ja ganz falsch. Es geht doch um Gleichberechtigung, nicht um Frauen“, und dann nachschiebt, sie sei auch ohne Feminismus emanzipiert. Oder die Bekannte, die in geselliger Runde erzählt, sie wolle zwar auf jeden Fall Kinder, das sei gerade für Frauen aber schwierig mit dem Job unter einen Hut zu bringen. Nur, um dann schnell zu verkünden: „Also, ich bin jetzt aber keine Feministin oder so!“.

In solchen Situationen muss ich immer sehr aufpassen, dass aus meinem inneren kein tatsächliches Seufzen wird. Vorurteile oder Missverständnisse lassen sich schließlich nicht einfach wegseufzen. Also lächle ich freundlich und fange an, meinem Gegenüber zu erklären, wie das wirklich ist. Mit dem Feminismus, der Gleichberechtigung und so. Dass jede Menge Leute aus verschiedenen Gründen ein Problem mit Feminismus haben, ist nichts Neues. Und daran werden auch Magazin-Cover wie das der aktuellen Glamour („Girls Club – Warum Feminismus cool ist, wer mitmacht (auch Männer!), wie man ihn trägt, wieso er nicht nervt!“) so schnell nichts ändern. Vorurteile sind aber nur das eine. Schwieriger ist Gleichgültigkeit. weiterlesen

Deutsche Politik //
Ein Hoch auf die Langeweile

23.01.2017 um 9.00 – box2 Gesellschaft

politische langeweile deutschlandVerglichen mit anderen Ländern ist die deutsche Politik gähnend langweilig – im Vordergrund stehen Inhalte nicht Inszenierung. Doch angesichts eines Präsidenten Trump oder auch eines Björn Höcke (AfD), sollten wir froh sein, dass es so lange so langweilig war im deutschen Politikbetrieb.

Als ich im Spätsommer 2007 mein Studium in Frankreich begann, dauerte es nicht lange, bis sie auf der Bildfläche auftauchten: das neue It-Paar Nicolas Sarkozy und Carla Bruni. Verliebt schlenderten der damalige französische Präsident und das zur Sängerin mutierte Model durch Disneyland Paris, Weihnachten ging es in den Urlaub nach Luxor. Die Medien vermuteten eine PR-Aktion. Doch bald war klar: Die meinen das ernst. Selbst der deutsche Spiegel druckte Frankreichs neues premier couple auf die Titelseite. „Wie nimmst du als Deutsche das denn wahr?“, fragten französische Freund*innen und ich konnte ihnen nur sagen: Deutsche Politik ist viel zu langweilig für derartig aufregende Liebesverwicklungen. Deutschland ist ein Land, in dem es schon als nahezu verrückt gilt, wenn der Bundespräsident mit seiner Herzensdame nicht verheiratet ist, oder der Justizminister eine Schauspielerin datet. weiterlesen

Buch-Tipp //
Maxie Wander: Guten Morgen, du Schöne

16.01.2017 um 10.13 – Buch Feminismus

maxi wander guten morgen du schoeneFast 40 Jahre alt ist Maxie Wanders Guten Morgen, du Schöne – ein Klassiker der DDR-Literatur. Authentisch erzählen Frauen darin von sich selbst, von ihren Träumen und Problemen. Das ist auch heute noch unbedingt lesenswert und überraschend aktuell

Ich bin in Westdeutschland aufgewachsen, wo man in der Schule sehr viel über den Holocaust lernte (zu Recht) und sehr wenig über die DDR (zu Unrecht). Die Scorpions hatten den „Wind of change“ herbeigesungen, die deutsch-deutsche Teilung war überwunden und wir alle Teil eines großen, glücklichen Volkes. Bei meinem ersten Trip in die ehemalige DDR hing ich in Dresden dermaßen fasziniert vor diversen „Ostalgie“-Produkten, dass meine in Ostdeutschland aufgewachsene Freundin Marie nur ungläubig den Kopf schüttelte.

Mittlerweile bilde ich mir ein, doch ein bisschen mehr über die DDR und Ostdeutschland zu wissen – alles andere wäre nach fünf Jahren Erstwohnsitz Berlin auch mehr als traurig. Und trotzdem habe ich Maxie Wanders wunderbares Buch Guten Morgen, du Schöne erst jetzt gelesen. Eine Freundin hat mir diesen 40 Jahre alten Klassiker der DDR-Literatur zum Geburtstag geschenkt und ehrlich gesagt war ich skeptisch, wie aktuell und interessant das heute noch sein kann: 19 Frauen im Alter von 16 bis 92 Jahren aus der DDR, die von ihren Sorgen und Hoffnungen, von Träumen und Liebe erzählen. weiterlesen

6 Ideen für
mehr feministischen Alltagsaktionismus

09.01.2017 um 11.03 – Feminismus Gesellschaft

feminismus im alltagEine gleichberechtigte Gesellschaft ist möglich! Aber wie? Vor allem durch viele kleine feministische Alltagsaktionen.

Tataaa, das neue Jahr ist da und mit ihm – natürlich – die altbekannten guten Vorsätze. 2017 liegt wie ein unbeschriebenes, nagelneues Notizbuch vor uns und die Möglichkeiten scheinen endlos. Höher, schneller, besser, weiter, ein anderes, runderneuertes Ich ist möglich! Zumindest, bist das gerade noch so verheißungsvolle neue Jahr schon wieder zur Hälfte rum ist (Stop, war nicht gestern erst Januar?) und man verlegen feststellen muss, dass von den zahlreichen Vorsätzen lediglich dreizweiviertel umgesetzt wurden. Ungefähr. Eigentlich wissen wir es ja schon längst: Große Veränderungen lassen sich oft nur durch viele kleine Veränderungen verwirklichen. Kleine Dinge, die erstmal keinen großen Effekt zu haben scheinen, am Ende aber eben in ihrer Gesamtheit dafür sorgen, dass sich was ändert. Nicht umsonst heißt es in jedem Ratgeber, man solle große Ziele in kleinere Etappen einteilen. Und das gilt auch für das Ziel einer besseren, gleichberechtigten Gesellschaft.

Die britisch-libanesische Menschenrechtsanwältin Amal Clooney forderte Frauen Ende 2016 beispielsweise zu „täglichen feministischen Handlungen“ auf. Wenig überraschend war der Anlass für diese Aufforderung die anstehende Präsidentschaft von Mr. „Grab them by the pussy“ Trump – aber die Idee von feministischen Handlungen im Alltag funktioniert auch hier, in Deutschland. Natürlich lässt sich ein persönliches Ziel wie „Fit werden“ nicht mit einem gesellschaftlichen Ziel wie „mehr Gerechtigkeit“ vergleichen. Und die Etappenziele für zweiteres passen vermutlich auch nicht schön säuberlich auf einen einzigen Zettel. Aber irgendwo muss man ja mal anfangen: Wer, wenn nicht wir? Wann, wenn nicht jetzt? Von alleine ändert sich nämlich nichts, das müssen wir schon selbst in die Hand nehmen. Und wie genau? Hier sind ein paar Ideen: weiterlesen

Feminismus 2016 – Ein Jahresrückblick

21.12.2016 um 11.32 – Feminismus

feminismus 2016 rueckblickVon der Silvesternacht 2015/2016 bis zu Trumps Triumph: Das Jahr 2016 – feministisch betrachtet.

Was für ein Jahr – kaum ein Tag, an dem sich beim Blick auf die Nachrichten nicht kurz der Bauch verknotete, an dem nichts Dramatisches passierte. 2016 ist viel passiert, national und international, im Kleinen und im Großen. Es gab definitiv mehr Downs als Ups, mehr Fassungslosigkeit als Freude: Der Anschlag in Berlin dürfte für viele in Deutschland nur der traurige „Höhepunkt“ eines ohnehin schon miesen Jahres gewesen sein. Aber ein paar Dinge gab es eben trotzdem – Dinge, die einen doch nicht den Glauben an die Menschheit verlieren ließen. Gilt das auch beim Thema Gleichberechtigung? Hier sind sieben markante Ereignisse aus zwölf Monaten. weiterlesen

Meet the Jane Wayne Team //
17 Fragen an Julia Korbik

19.12.2016 um 7.30 – box3 Feminismus Menschen Wir

julia korbikSeit über einem Jahr ist Julia Korbik jetzt schon fester Bestandteil des Jane Wayne Teams und weil wir so langsam aber sicher Gefahr laufen, vor Dankbarkeit und Begeisterung ob all der starken Texte, die Woche um Woche aus der flinken Feder der freien Journalistin und Autorin in unser Feminismus-Ressort fließen, zu platzen, ist es wohl dringend an der Zeit, auch euch noch viel mehr über @fraukorbik zu verraten.

Born and raised im schönen Ruhrgebiet machte sie sich gleich nach dem Abitur nach Frankreich davon, um am Institut d’Études Politiques in Lille mit einem deutsch-französischen Doppeldiplom in Politikwissenschaften (Schwerpunkt European Studies) anzufangen. Dafür pendelte sie jedes Jahr zwischen Lille und dem westfälischen Münster hin und her, wählte als Nebenfach Kommunikationswissenschaften und machte einen französischen Master in Journalismus (wie aus all dem letztendlich ein Doppeldiplom wurde – man weiß es nicht). Aus Lille ging es dann 2012 direkt für ein Praktikum nach Berlin. Bleiben wollte Julia hier nie, fünf Jahre später ist sie immer noch da. 2014 ist schließlich ihr Buch Stand up. Feminismus für Anfänger und Fortgeschrittene erschienen. Am liebsten schreibt sie über Pop und Politik aus feministischer Sicht, u.a. in ihrer Kolumne für Tagesspiegel Causa. Zu ihren Herzensprojekten gehört das sechssprachige Europa-Online-Magazin cafébabel – dort ist sie für die Rubrik Mind the Gap zuständig, in der sich alles um Feminismus und Gleichberechtigung dreht. Und Julia noch dazu gerne viele Sachen auf einmal macht, bloggt sie auf Oh, Simone außerdem zu Simone de Beauvoir. Wovon Julia träumt, was sie wütend macht und welches das Lied ihrer Jugend ist, verrät sie uns im Interview: weiterlesen

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Choice Feminism – ist jede persönliche Entscheidung automatisch feministisch?

12.12.2016 um 12.32 – box2 Feminismus

was ist choice feminismWahlfreiheit war mal ein politischer Kampfbegriff. Heute ist er nur noch eine Worthülse, denn jede persönliche Wahl, jede Entscheidung gilt nun als feministisch.

In Folge 7 der vierten Staffel von Sex and the City beschließt Galeristin Charlotte, ihren Job aufzugeben. Statt in der Galerie will sie ihre Zeit nun lieber zu Hause verbringen, als perfekte Ehe- und Hausfrau für ihren Gatten Trey. Ihre Freundinnen Carrie, Samantha und Miranda sind nicht begeistert und Charlotte fühlt sich verurteilt und missverstanden. „In der Frauenbewegung dreht es sich vor allem um die freie Wahl“, erklärt sie Miranda am Telefon, „und wenn ich mich entscheide, meinen Job aufzugeben, dann ist das eben meine Wahl.“ Miranda ist nicht beeindruckt und das Gespräch endet damit, dass Charlotte hysterisch „Ich wähle meine Wahl! Ich wähle meine Wahl!“ ins Telefon ruft.

Das war 2001. Die damals von Charlotte vorgebrachte Idee hat seitdem nicht an Aktualität verloren – die Idee, dass Frauen individuell wählen können was immer sie wollen, und das dann automatisch eine feministische Handlung ist. Ich kann wählen, nicht mehr arbeiten zu gehen und mich stattdessen nur noch um die Familie zu kümmern. Ich kann wählen, meine Brüste operativ vergrößern zu lassen. Ich kann wählen, mich für ein Männermagazin auszuziehen. Meine Wahl ist feministisch, weil ich es bin, die die Wahl getroffen hat. Die „Wahlfreiheit“ ist zum geflügelten Begriff geworden, genauso wie das damit einhergehende „Empowerment“. Ich wähle, also bin ich empowert. weiterlesen

Kommentar // Von der Schwierigkeit,
Raum einzunehmen.

17.10.2016 um 11.22 – Feminismus

julia korbik feminismus heute

Letztens saß ich im Zug neben einem Mann der, ohne zu zögern, die mittlere Armlehne für sich beanspruchte. Innerlich ärgerte ich mich maßlos darüber (ich wollte die blöde Armlehne gar nicht, aber es hätte ja sein können), äußerlich lächelte ich nett und las weiter in einem Buch. Nachher war ich dann sauer auf mich selbst, weil ich nichts gesagt hatte.

Solche Situationen passieren mir immer wieder. Es ist nicht nur der Mann, der die Armlehne in Besitz nimmt. Es ist auch der Mann, der sich in der U-Bahn über drei Sitzplätze ausbreitet, weil Sitzen ohne weit geöffnete Beine eben nicht lässig-männlich ist. Es ist die Frau, die mir auf dem schmalen Gehweg entgegenkommt und von mir zu erwarten scheint, dass ich diejenige bin, die ausweicht. Was ich dann auch mache. Manchmal bin ich kurz davor, etwas zu sagen – lasse es dann aber doch. Das ist es nicht wert, denke ich. weiterlesen

Meinung //
Ja, Feminist*in sein, ist verdammt hart!

07.09.2016 um 10.15 – box3 Feminismus Gesellschaft

feminismus 2016Feminismus ist keine Beschäftigung für gelangweilte, privilegierte Frauen und auch kein Hobby.

Ehrlich gesagt, manchmal wäre ich lieber keine Feministin. Manchmal glaube ich, mein Leben wäre dadurch einfacher. Ich könnte die Augen vor gewissen Dingen verschließen und eine trotzige Mir-doch-egal-Haltung einnehmen. Dann bliebe mir vieles erspart. Bilde ich mir zumindest in gewissen Momenten ein.

Denn manchmal finde ich Feministin sein anstrengend und frustrierend. Dann will ich mich nur in mein Bett verziehen und Mamma Mia gucken (mein ultimativer Feel-Good-Film). Ich will mich nicht immer rechtfertigen müssen für das, was ich bin. Ich will keine Kommentare von Männern lesen müssen – ob auf Twitter oder unter Online-Artikeln – die mir erklären, warum Feminismus so böse, schlecht und vor allem überflüssig ist. Ja, wer schlau ist, meidet die Kommentarspalten. Manchmal verirrt man sich dann aber aus Versehen doch dorthin. Und entdeckt mit hundertprozentiger Wahrscheinlichkeit unter Artikeln, in denen das Wort „Feminismus“ auftaucht, Kommentare wie diese: Feminist*innen schaffen Probleme, wo keine sind, Feminist*innen sollen sich mal nicht so anstellen, Feminist*innen nölen immer nur rum, dabei geht es ihnen in Deutschland doch super. Feminismus scheint vielen Kommentatoren eine Art nettes Hobby zu sein, eine Beschäftigung für gelangweilte, privilegierte Frauen. weiterlesen

Feminismus //
Sechs Zitate, sechs Geschichten

22.08.2016 um 14.10 – Feminismus Gesellschaft

Feminismus in ZitatenEs gibt ein paar feministische Zitate, die in die Weltgeschichte eingegangen sind. Aber was steckt eigentlich dahinter? Sechs Zitate – sechs Geschichten.

„Ain’t I a woman?“ (Sojourner Truth, 1851)

„Bin ich etwa keine Frau?” fragte die US-amerikanische Abolitionistin (d.h. Sklaverei-Gegnerin) und Frauenrechtlerin Sojourner Truth in ihrer berühmten Rede von 1951. Aber: Fragte sie das wirklich? Von dieser Rede kursieren nämlich zwei Versionen. Die eine wurde im Juni 1851 im Anti-Slavery Bugle veröffentlicht. Der Satz „Ain’t I a woman?“ taucht darin nicht auf. In der Version von Frances Dana Barker Gage, die zwölf Jahre später veröffentlicht wurde, allerdings schon. Gage, selber in feministischer Mission unterwegs, ergänzte die Originalrede großzügig und verpasste ihr einen stereotypen Südstaatendialekt. Sojourner Truth stammte aber aus dem Staat New York und wuchs mit Holländisch als erster Sprache auf. In Gages Version benutzt Sojourner Truth die Formulierung „Ain’t I a woman?“, um Gleichberechtigung zu fordern: Frauen gälten als körperlich schwach. Sie, die Sklavin Truth (ihr Sklavenname war „Isabella“) sei durch die harte Arbeit auf der Farm aber stark wie ein Mann – und trotzdem eine Frau. Den genauen Wortlaut von Sojourner Truths Rede kennt heute niemand. Sie war damals aber trotzdem eine Sensation, weil Truth als eine der Ersten die Verbindung zwischen Sexismus und Rassismus herstellte. weiterlesen

Frauen in der Politik //
Historische Momente mit Hillary und Angela

09.08.2016 um 7.00 – box2 Feminismus

hillary clinton vs angea merkel thisisjanwayneHillary Clinton schreibt gerade als erste US-amerikanische Präsidentschaftskandidatin Geschichte. Angela Merkel tat als erste deutsche Kanzlerin das Gleiche tat – löste aber keinen Luftballonregen und „Let’s make history“-Momente aus. Warum? Eine Spurensuche.

Seit letzter Woche steht fest: Hillary Clinton ist die demokratische Präsidentschaftskandidatin 2016. Auf dem Parteikonvent in Philadelphia regnete es massenhaft Luftballons, Gesichter strahlten – abgesehen von ein paar miesepetrigen Bernie Bros – und die schiere Bedeutsamkeit dieses historischen Augenblicks senkte sich wie eine warme Decke über alle Anwesenden. Clinton ist die erste US-Amerikanerin überhaupt, die zur Präsidentschaftskandidatin einer großen Partei gekürt wurde und ich muss sagen, auch mich reißt das Ganze mit. Hier wird Geschichte geschrieben!

Ich persönlich finde es aus verschiedenen Gründen gut, dass dieses Ereignis mit solchem Pomp zelebriert wurde. Vor allem aber deshalb, weil ich selbst so schlecht darin bin, historische Ereignisse auch als solche zu erkennen. Wirklich wahr! In Filmen ist das ja so: Die Heldin weiß einfach ganz genau, wenn gerade etwas wichtiges passiert. Wenn sie einen einzigartigen Moment erlebt, ein Moment, der historisch sein wird. Das Publikum weiß es übrigens auch, dank anschwellender Musik. Und im wahren Leben? Tja, da sieht es ganz anders aus. Da fehlt die Musik im Hintergrund, die uns sagt: Das ist jetzt wichtig! Daran musst/willst du dich noch Jahre später erinnern! weiterlesen