Was treibt eigentlich David Lynch? Zum Beispiel einen Club eröffnen

05.09.2011 Allgemein, Menschen, Event

Anlässlich seines 65. Geburtstags hatten Accy und Philipp von „Abspann“ dem „Mann ohne Gesicht“ in unserem Bloggernetzwerk bereits einen hervorragenden Eintrag gewidmet. Was genau „lynchesk“ eigentlich definiert und weshalb die „schillernden, experimentellen und suggestiven Werke dieses Filmkünstler sich so sehr in unsere Netzhäute brennen, haben sie dort wortreich dargelegt. Uns stellt sich nach fünfjähriger Lynch-Film-Abstinenz diesmal vielmehr die Frage: Was treiben Sie eigentlich, Herr Eigenbrödler?

Als Anhänger der transzendentalen Mediation war „David“ mehrmals in ein ominöses Licht gerückt wurden, stelle man sich doch zurecht die Frage, ob der große Künstler nunmehr besessen sei, von dem Gedanken Weltfrieden mithillfe seiner „Stiftung für bewusstseins-basiertes Lernen und Weltfrieden“ herbeizuführen. Zuletzt munkelte man, der Teufelsberg in Berlin solle als künfiges Zentrum seiner fragwürdigen Lebenseinstellung dienen, bisher ist aber noch kein „Meditations-Palast“ zu erkennen. Dennoch: Journalisten, die ihn während diverser Pressekonverenzen zu diesem Thema erlebten, blieben leicht verwirrt und vielleicht auch in Sorge zurück – wie dem auch sei, an seinem Talent scheint seine Vorliebe für Spiritualität seit über 30 Jahren nichts zu ändern. Heute erreichte uns dank der Süddeutschen dann die Nachricht von Lynchs neuestem Plan: „Ich bin 65 Jahre alt. Ich habe Filme gemacht, Musik komponiert, alle möglichen Objekte gestaltet – alles Arbeiten mit einem Anfang und einem Ende. Jetzt wollte ich etwas Solides machen.“ Die Konsequenz: Er eröffnete einen Nachtclub in Paris – benannt nach dem furchteinflößenden Club „Silencio“ im Film „Mulholland Drive“.

 

Silencio also. Düster soll es dort sein und alles bestückt mit 50er-Jahre Möbeln, die Einrichtung habe Lynch höchstpersönlich ausgewählt und zwar unter anderem in Zusammenarbeit mit den Designern Raphael Navot oder Thierry Dreyfus. „Im Club gibt es eine Bühne und eine Tanzfläche, eine Kunstbibliothek, eine Lounge und ein kleines Kino mit 24 Plätzen„, schreibt die SZ weiter.

Natürlich hat das Ganze auch einen kleinen Haken, denn das Silencio ist ein Privatclub, der seine Mitglieder 780 bis 1500 Euronen im Jahr zahlen lässt. Erst ab Mitternacht ist dem „Pöbel“ der Zutritt gewährt. Einmal vorbeischauen, das will sicherlich jeder von uns. Aber eine Mitgliedskarte bei sich tragen – wer weiß, wohin das Geld fließt. Vielleicht in seine Stiftung? Hätte all das nicht so einen seltsamen Sekten-Beigeschmack, würde ich nun sagen: „Yeah, ein David Lynch-Club, nice“. Heute bleibe ich aber lieber bei „Nein, danke“.

 

Informationen und Zitate aus Carsten Jankes Text „Endlich was Solides„, Bilder via Lynchland. Dankesehr!

 

Was treibt eigentlich David Lynch? Zum Beispiel einen Club eröffnen

  1. Ines

    lynch ist ein genie. und als solches darf er einen schatten haben. in seinem fall einen ziemlich großen sogar.
    der nachtclub würde mich trotzdem wahnsinnig interessieren. die bilder sehen spannend aus und dass es eine bibliothek und ein kino gibt finde ich auch großartig. aber 1500 euronen würde ich niemals dafür zahlen. nicht für einen club, nicht für lynch und nicht für irgendwelche komischen weltanschauungen.
    deshalb würde mich aber das ausgewählte publikum auch mal sehr interessieren…

    Antworten

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Mehr von

Related