Bedroom Stories #3 //
Baby, take a walk on the wild side

27.01.2017 Leben, Sex

wild side bedroom stories

Ein Gastbeitrag von Ann, protokolliert von Nike Jane. Teil 1 inklusive wiesoweshalbwarum lest ihr hier.

Man ließt und hört ja immer wieder davon, dass „diese Feministinnen“ in Wahrheit nur mal richtig durchgenommen werden müssten, die Leute munkeln dann, dass „diese Feministinnen“ unterm Bettlaken plötzlich sowieso ganz kleinlaut und devot würden und dass die ganze Sache mit der Emanzipation und eben „diesen Feministinnen“ dann wohl nichts weiter als bescheuerte Heuchelei sei. Denn eine echte Feministin täte „so etwas“ selbstredend nicht. Im Angesicht derartiger Spekulationen wird mir immer ganz feurig zumute, während ich voller Wonne an den nächsten kleinen Klaps auf den Po denke, der mir bald nackend blühend wird. Sogar ganz freiwillig. Obwohl ich Feministin bin. Oder gerade deshalb, jawohl.

Ich habe nämlich gelernt, über meine Bedürfnisse und Wünsche zu reden, sie sogar ganz deutlich einzufordern. Das klingt jetzt Larifari, aber ich glaube, das Quatschen übers Bumsen ist zwischen vielen Paaren tatsächlich noch immer ein zaghaftes Pflänzchen, man will ja nicht unzufrieden, wahnsinnig oder gar verkorkst rüberkommen.

Stattdessen wippt man vor allem in jungen Jahren durch ein, zwei, drölf Betten, ohne auch nur im Ansatz so richtig Butter bei die Fische zu geben. So war das auch bei mir. Versteht mich nicht falsch, schlecht war das nicht. Aber eben auch nicht superraketenstark. Lasst es mich so formulieren: Wenn Sex Pasta ist, dann ist Sex nach Wunsch Pasta mit Parmesan. Zügeln sollte man sich also nur aus aufrichtiger Lust am zaghaften Liebemachen, nicht aber aus Scham. Als ich das begriff, traute ich mich vor lauter Selbstbewusstsein strotzend also endlich auch mal absichtlich schwach zu sein.

Wenn ich meinem Sexpartner jedenfalls zu verstehen gebe, dass er diesmal gern ein bisschen ruppiger, fester zupacken oder verbal eindeutig sein darf, dann ist das ein Akt der Selbstbestimmung. Kein Ausdruck von Unterdrückung. Ich muss am Tor der sexuellen Unterwerfung ja nicht gleich meinen freien Willen abgeben, nein, ich beanspruche sogar einen großen Teil der zusammengerechneten Dominanz für mich – indem ich die Spielregeln selbst aufstelle. Leichtes Haareziehen, ein Klaps auf den Po, Handgelenke, die ins Kissen gedrückt werden – mehr muss es gar nicht sein. Aber genau das hin und wieder ganz unbedingt. Und ich glaube, damit bin ich nicht allein.

Wenn ich jetzt mal ungefiltert ehrlich sein darf, würde ich sogar ganz grundsätzlich für mehr Feuer im Bett, auf dem Sofa oder dem Küchentisch plädieren. Baby, take doch endlich mal a walk on the wild side, will ich meinen Freundinnen manchmal raten. Das könnte echt gut tun. Weil so ein neckisches Herumschubsen, das irgendwann in hemmungslosem Rumwälzen durch die Laken endet, besser ist als der meiste Streit. Weil zumindest sinnloses Zanken dadurch entschärft werden und dann sogar scharf sein und aus Ernst ein freudiges Spiel werden kann, nachdem man sich schließlich tief in die Augen schaut und einfach weiß. Dass das jetzt irgendwie heilsam war zum Beispiel. Weil über den Tag angesammelte Aggressionen und Hasskappen auf wen auch immer, binnen weniger kleiner Bisse ins Lieblingsohrläppchen plötzlich am egalsten sind. Weil Wut sich wirklich wegvögeln lässt. Getreu dem Motto: Make love, not war. Aber bitte nur so doll, wie es beide mögen.

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