Eingemacht leichtgemacht:
Anleitung für ein Sauerkraut Kimchi

Im Keller meiner polnischen Großeltern stapeln sich viele, bunte Gläser; darin befinden sich allerlei sauer eingelegtes Gemüse wie Pilze, Rote Beete, Gurken oder Kraut. Als Kind war das für mich das Selbstverständlichste der Welt – zum Butterbrot gab es selbst eingelegte Gurken und Schwarztee. Irgendwann dann aber vergaß ich, dass Gemüse ja auch selbst haltbar gemacht werden kann. Vor gut zwei Jahren stieß ich wieder auf die uralte Form der Lebensmittelkonservierung; die Fermentation (stellt euch vor, dass ich das Wort hauchen würde, falls dies nun ein Podcast wäre).

Eine unglaubliche Erfindung von Mutter Natur! Mittels dieser Lebensmittelverarbeitung kann Gemüse ganz natürlich, sehr lange haltbar gemacht werden! Fermentation ist übrigens schon seit langer Zeit eines der wichtigsten Konservierungsverfahren der Menschheit. Es diente dazu, Gemüse und andere Lebensmittel über den Winter haltbar zu machen. Jedes Volk hat sein eigenes spezielles Nahrungsmittel; so kennt man im angelsächsischen Raum das Sauerkraut, in Japan ist es das Beilagegericht Tsukemono, im Norden liebt man fermentierten Fisch.

Aber was heißt das nun eigentlich genau? Gerne setze ich meine Klugscheißerbrille auf und weihe ich euch in die Geheimnisse der (Gemüse-)Gährung ein: Fermentation ist ein (bio)chemischer Prozess, der ein Lebensmittel (bzw. organische Stoffe) in Säure, Gase oder Alkohol umwandelt. Das kann entweder durch Zugabe von Bakterien-, Pilzen oder anderen biologischen Zellkulturen oder aber auch durch den Zusatz von Enzymen geschehen. Teilweise sind diese Mikroorganismen schon vorhanden, z.B. eben in Gemüse. Auf der Oberfläche von Gemüse oder Obst tummeln sich viele kleine Bakterien. Sobald das Lebensmittel geerntet wird, beginnt der Prozess des Verderbens. Durch die Fermentation kann er hinausgeschoben werden. Für die Fermentation von Gemüse braucht es grundsätzlich nur Salz, es dient dazu, dem Gemüse Wasser zu entziehen – für Sauerkraut zum Beispiel. Wer aber seinem Kraut noch so richtig Pfiff verpassen möchte, der upgradet es auf das unwiderstehliche Kimchi-Level!

Was Kimchi ist, wissen ja vermutlich die meisten von Euch. Das süss-scharf-saure Gemüse gibt es mittlerweile in jedem Sandwich, auf Fries oder in Burgern. Nicht nur der wahnsinnige Geschmack, sondern die Tradition und die Geschichte, welche mit dem Gericht einhergeht, finde ich ganz wunderbar daran. In Korea, dem Herkunftsland von Kimchi, ist es nicht nur ein Gericht, sondern eine Lebensphilosophie; jede Familie hat ihr eigenes Rezept dafür und man sagt, dass man an dem Kimchi einer Person ihre Herkunft erkennt. Ein grosser kultureller Wert wird der Speise beigemessen, denn die Frauen einer Familie versammeln sich an einem Tag zum gemeinsamen Herstellen von klassischem Kimchi (Kimchi damggi), an dem großen Mengen Chinakohl verarbeitet werden. Dabei erlernen die Mädchen die Herstellung von Kimchi und werden zugleich in die sozialen Bünde integriert. Darüber hinaus wird der frisch eingelegte Chinakohl als Zeichen des Respekts und Hochachtung auch gerne an andere Familien verschenkt.

Dass Sauerkraut, Kimchi und Co auch noch überaus gesund sind, ist nur das Töpfchen auf dem i: Durch den Fermentationsprozess werden viele Vitamine generiert, so zum Beispiel auch reichlich Vitamin C.

Na, es ist ziemlich offensichtlich, dass ich ein großer Anhänger der Fermentierungsbewegung bin und stundenlang von Kimchi schwärmen könnte.

Das lassen wir jetzt aber, stattdessen verrate ich euch mein überaus leckeres Sauerkraut-Kimchi-Rezept inklusive Anleitung und hoffe, dass ihr nun auch feuchtfröhlich mit Gemüseschnippeln loslegt!

Kimchi-Paste:

  • 2 Chilischoten
  • 2 Knoblauchzehen, geschält
  • 5 cm Stück Ingwer, geschält
  • 3 EL Rohrzucker oder Agavensüße
  • 2 Äpfel, geschält
  1. Knoblauchzehen, Chilischoten und Ingwer fein hacken.
  2. Äpfel reiben oder in feine Würfel schneiden.
  3. Alle Zutaten in einem Mixer fein pürieren oder in einem Mörser zu einem Püree mörsern
  4. Rohrzucker dazu geben und gut mischen.
  5. Kimchi-Paste zugedeckt beiseitestellen und die Hände waschen. Ich habe schon mit den Fingern voller Paste die Augen gerieben, ich sage euch; das tat weh. Wasserfälle voller Tränen habe ich geheult!

Sauerkraut:

  • 2 Weißkohl
  • ½ kg Karotten
  • 3 Zwiebeln
  • Salz (unjodiert)
  • 2 große Schraubgläser
  • 2 Gewichte (Pet- oder Glasflaschen mit Wasser gefüllt)

1. Es beginnt ganz einfach: Weißkohl putzen, die äußeren Blätter entfernen und auf die Seite legen (nicht wegwerfen!). Strunk entfernen und den Weißkohl in feine Streifen schneiden (ca. 0.5 cm breit).

2. Weißkohlstreifen in eine Schüssel geben und mit Salz bestreuen, bis gewünschte Salzigkeit erreicht ist (war bei uns ca. eine halbe Hand voll).

 

3. So, nun übt eure Magic Fingers: Weißkohl mit den Händen kneten, bis Saft rauskommt. Dies so lange tun, bis fast keine Lake mehr entrinnt. (Tja, das gibt Fingermuskeln, Freunde!)

4. Karotten putzen und fein reiben.

5. Zwiebeln schälen und in feine Streifen schneiden. (Setzt die Sonnenbrille auf, sonst läuft die Mascara runter.)

6. Mit Weißkohl vermischen.

7. Kimchi-Paste zum Gemüse dazugeben und gut vermischen.

8. So, nun geht es an’s Eingemachte: Hygiene hat hier Prio Nummer eins! Schraubgläser mit kochendem Wasser auswaschen. Es ist wichtig, dass nun alle „bösen“ Bakterien aus den Gläsern verschwinden. Ist ein bisschen wie bei Star Wars, Gut gegen Böse, sonst gibt’s Schimmel (oder Darth Vader).

9. Gemüse inkl. Lake mit Paste in die Gläser drücken, damit noch mehr Lake entweicht.

10. Gemüse mit Weisskohlblätter bedecken und mit Gewichter beschweren. Die Gläser sollten maximal zu ¾ gefüllt sein, nicht mehr, sonst überläuft euch die Geschichte. Auch wichtig: Die Lake sollte das Gemüse gänzlich bedecken – dies, damit kein Sauerstoff an unser Kraut kommt!

11. Die Gläser mit einem Tuch zudecken und an einen dunklen Ort mit Zimmertemperatur für 5 – 10 Tage stehen lassen.

Ihr werdet bald erkennen, dass sich kleine Bläschen an der Oberfläche bilden. Die Fermentation ist dann in vollem Gange! Die Farben werden dunkler und intensiver, die Lake vermehrt sich und der Duft von gährendem Gemüse wird euch in die Nase steigen. Ihr könnt jederzeit probieren und den Prozess stoppen, sobald euch der Geschmack passt. Den Gährungsprozess könnt ihr beenden, indem ihr das Glas zuschraubt und in den Kühler stellt. Nun könnt ihr mit eurem Sauerkraut-Kimchi anstellen, was ihr wollt! Lecker schmeckt es übrigens auch zu Käsespätzle, mit Reis oder in einem Halloumi-Sandwich.

Lasst mich wissen, wie’s geklappt hat! <3

Noch mal einen Schnelldurchlauf gefällig? Et voilà:

5 Kommentare

  1. maja

    „zum Butterbrot gab es selbst eingelegte Gurken und Schwarztee“, vielen Dank für diese kleine Erinnerung am Morgen an die beste Kindheit mit polnischen Großeltern. Und ja, eingelegtes Gemüse, egal mit welchem kulturellen Hintergrund, ist sehr lecker.

    Antworten
    1. Alexandra Koch Artikelautor

      Der Herr hat ihn mal auf einem Markt gekauft – vielleicht wirst du da fündig? <3

      Antworten

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