Vorsatz für 2018:
Ein Plädoyer für das Fuck-off Konto

28.01.2018 Slow Sunday, Kolumne

Was bedeutet es, wenn jemand gut mit Geld umgehen kann? Heißt das, dass er kreativ so viel wie möglich aus seinem Einkommen herausholt? Bedeutet das, dass er ständig nur Vernunft beim Geldausgeben walten lässt? Oder kann man auch ein Finanzfuchs sein und trotzdem ein Dauerdasein im Dispo fristen? Nun, es ist kompliziert. Oder vielleicht doch nicht? Wer sein Geld im Griff hat, ist in erster Linie vielleicht vor allem eins: Ehrlich zu sich selbst?

Es gibt zwei Dinge, die ich an Finanzen liebe: Sie sind planbar und sie lügen nicht. Ob man nun seinen Kontostand anstarrt, anschreit oder völlig ignoriert, er wird sich kein einziges Stückchen in die eine oder in die andere Richtung bewegen. Es ist dasselbe Phänomen, das mich auch an Mathe fasziniert: Entweder du hast 50 Euro oder du hast sie eben nicht. Gleichzeitig bedeutet das dann aber eben auch, dass die einzige erfolgsversprechende Herangehensweise an Budgetplanung Ehrlichkeit ist – und zwar in ihrer reinsten Form.

Und die, da musste ich irgendwann von meinem leicht erhöhten Ross heruntersteigen, ist auch sehr wohl bei mir angesagt: Dachte ich doch immer, dass ich gut mit Geld umgehen könnte, weil ich Zahlen, Rechnen, Planung und Excel-Tabellen liebe, musste ich irgendwann einmal realisieren, dass ich vor allem einfach nur ständig in der Zukunft gelebt und mir aus Sicherheitsgründen selten etwas gegönnt habe. Und sich selbst immer hinten dran zu stellen ist eben auch keine Definition von „gut“, egal in welcher Hinsicht.

Ich musste anerkennen, dass Menschen, die gerne monatelang ihren Kontostand ignorieren und feucht fröhliche Konsumpartys im Dispo feiern, sehr wohl einen Punkt vertreten, den ich mir durchaus auch mal aufsagen könnte: Und sei es nur der, dass gespartes Geld einem auch nichts bringt, wenn man es nie ausgibt. Ich musste anerkennen, dass Geld zum Fenster rausschmeißen im gleichen Maße vielleicht falsch ist, wie meine selbstauferlegte Geißelung des perfektionistischen Sparens. Und ich musste anerkennen: Wenn andere lernen damit anzufangen ihr Geld zusammenzuhalten, muss ich vielleicht damit starten, es ein bisschen mehr auszugeben oder zumindest entspannter damit umzugehen, statt verbissen und ziemlich unentspannt. Denn statt sich über das kleine Sümmchen der Ersparnisse zu freuen, wurde unlocker weiter gehortet – nie war es mal genug.

Wo wir jetzt genau die goldene Mitte finden? Ich weiß es nicht. Aber ich werde damit beginnen, dass ich jeden Monat eine bestimmte Summe in mein Wohlbefinden investieren muss – sei es nun in Form der x-ten heißen Schokolade, neuer Sportschuhe, einem Saunabesuch oder einem neuen Pullover. Ein Fuck-off Konto muss her! Zum Leben, zum Gönnen, zum Verbrauchen oder auch nicht. Zum Spenden, Verschenken, zum Drauf-liegen-bleiben. Ein Konto eben, das mir erlaubt, bei all dem Spardrang und der Zukunftsangst auch einfach mal ganz kopflos zu sein. 

16 Kommentare

  1. Lele

    Oh man. Bist du eigentlich in irgendeinem Lebensbereich nicht verbissen und unentspannt? Da kriegt man ja nur beim lesen selber Beklemmungen.

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  2. Swaantje

    Liebe Julia,
    ich weiß ganz genau, wie es dir geht! Seit ich meinen ersten festen Job und somit ja deutlich mehr Geld als vorher habe, ist meine Beziehung zu diesem Geld extrem unentspannt geworden. Seit mir das bewusst geworden ist, gebe ich mir auch große Mühe, das Ganze zu entspannen und zumindest ab und zu einfach mal Geld auf den Kopf zu hauen (und dabei kein schlechtes Gewissen zu haben), aber das funktioniert leider auch nicht immer… 🙂

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  3. Carmen

    Liebe Lele
    Finde deinen Kommentar frech und undifferenziert. Obwohl ich den Inhalt auch raushören kann. Also die Verbissenheit. Aber ich höre auch den Mut dies zu ändern und es auch noch hier öffentlich zu teilen.
    Bisschen mehr Verstädnis für Diversität.
    Danke, Gruss und Kuss Carmen

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  4. Anja

    Liebe Julia,
    ich glaube, ich weiß in etwa wovon du spricht. Ich war sehr früh finanziell unabhängig – weil es so sein musste. Mit 16 der erste Mini Job neben der Schule, dann Bafög und Nebenjobs neben dem Studium und dann eben die Berufstätigkeit. Eigentlich hätte mir das alles schon sehr früh zeigen können: Es geht. Du kannst dich finanzieren. Aber diese Unabhängigkeit hat bei mir auch viele Ängste im Umgang mit Geld ausgelöst. Ich habe über jedes Getränk auswärts nachgedacht, über jedes Buch, jedes Kleidungsstück. Jede Ausgabe, die nicht sein musste, wurde mehrmals geprüft und oft verworfen. Glücklich hat mich das nicht gemacht. Erst in der Beziehung mit einem Mann, der so ganz anders mit Geld umging, habe ich gelernt, dass es nicht schlimm ist, sich mal etwas zu gönnen. Es auch mal schön ist, über die Stränge zu schlagen, ein Spontankauf durchaus auch mal drin ist. Das alles kann ich heute auch – weil ich weiß, dass ich trotz dieser „Ausrutscher“ immer noch bewusst mit Geld umgehe. Aber mir auch mal etwas gönne, weil ich es mir wert bin.

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  5. Nina

    Lele sei Dank! Endlich spricht es jemand einfach aus – vielleicht hart, aber zwischen den ansonsten launigen Beiträgen hier, die es durchaus auch selbstkritisch sind, tut sich bei dieser Autorin regelmäßig und leider zunehmend nur noch Trostlosigkeit auf. Macht keinen Spaß und ich schließe die Seite und denke: Bitte anderswo, dieser Selbstfindungstrip!

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    1. Veronika

      Es gibt eine einfach Lösung für dein/euer Problem: Lies bzw. lest die Artikel doch einfach nicht. Dann können wir anderen weiterhin Julias tolle, ehrliche und selbstreflektierte Beiträge lesen, ohne eure bissigen Kommentare. Mir persönlich gefallen ihre Texte nämlich ausnehmend gut und ich kann einiges davon nachvollziehen und auch etwas davon mitnehmen. Noch ein Hinweis: Nicht alle Texte müssen Spaß machen, das wäre sogar ziemlich schrecklich und einseitig. Mir machen übrigens Kommentare wie deine und Leles keinen Spaß, die sind nämlich nicht nur unnötig, sondern auch ganz schön gehässig, das hinterlässt bei mir einen bitteren Nachgeschmack – also bitte woanders euer destruktives Gift verspritzen oder am besten einfach gar nicht.

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      1. Lele

        Das Aussage, die Artikel einfach nicht zu lesen, ist einfach so whack und hat noch nie gezogen. Wenn dir und anderen die Beiträge gefallen ist doch alles cool. Ich lese das Zeug echt von Anfang an, aus manchem konnte ich den ein oder anderen Gedanken mitnehmen, meistens denke ich mir nur „Okay, toll, dass du eingesehen hast, dass dein Streben nach Perfektionismus krank macht, aber wen juckts?“ Für mich handeln ihre Beiträge einfach nur darüber und das hat für mich einfach keinen Mehrwert. Außerdem müssen Kommentare genauso wenig Spaß machen wie „Texte“. Finde meine Kommentare bei aller Liebe auch nicht beleidigend, deshalb sehe ich es auch nicht ein, warum ich die am besten gar nicht schreiben sollte. Am besten kommentiere ich unter jeden Beitrag nur noch „word“ because of the positive vibes und so. „Gift“?! Kommt mal runter und peace out (ihr unentspannten Geizhälse :D)

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          1. Lilli

            Es wird auf Thisisjanewayne doch immer um konstruktive Kritik gebeten, ich verstehe also nicht, wieso Lele sich diese nun verkneifen soll? Für mich haben Julias Texte leider auch selten Mehrwert bzw. sind ihre Berichte bzgl. Nachhaltigkeit sogar sehr oft falsch und/oder ungenügend recherchiert. Dies prangern auch regelmäßig andere Leser an, ich scheine also nicht die Einzige zu sein, der das aufstößt. Ich möchte Julia auch überhaupt nicht persönlich beleidigen, aber da sie nun mal sehr persönliche Dinge schildert, sind die Kommentare natürlich auch auf einer gewissen Ebene persönlich. Ich wünsche Julia alles erdenklich Gute für die Zukunft, finde aber nach wie vor, dass ihre Rubrik (noch?) nicht auf diesen Blog passt. Mir erschließt sich weder die Sinnhaftigkeit der Slow Sunday Kolumne, noch kann ich etwas aus den Nachhaltigkeitsberichten mitnehmen, da diese -wie bereits erwähnt- nicht gut recherchiert sind und oft einfach falsche Behauptungen aufgestellt werden.

  6. fira

    Wer nicht das Glück hat, über (Groß-) Eltern ohne Geldsorgen zu verfügen, dürfte das Gefühl kennen, das Julia hier beschreibt. Was genug aussagt über die diejenigen, die ihr hier Verbissenheit unterstellen…

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    1. Lele

      „Wenn andere lernen damit anzufangen ihr Geld zusammenzuhalten, muss ich anfangen, muss ich vielleicht damit starten, es ein bisschen mehr auszugeben oder zumindest entspannter damit umzugehen, statt verbissen und ziemlich unentspannt.“
      Zitat Ende. Bitte erzähl mir mehr über Unterstellungen.

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  7. Ava

    Mönsch, Lele, du bestehst aber auch verbissen auf dem letzten Wort oder?

    Warum muss man beim Kommentieren unbedingt so persönlich werden bzw. schon direkt beleidigend daherkommen?

    Nur, weil die Autorin etwas persönliches schreibt, heißt das bestimmt nicht, dass sie sich ihren Lesern damit zum Abschuss freigibt.

    Du selbst kannst Kritik an deinem Kommentar doch auch nicht so gut ab.
    Von daher solltest du das größte Verständnis für Julias Verteidigung hier aufbringen.

    LG Ava

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