Original vs. Fake // Von Designerstücken und günstigeren Kopien

26.03.2019 Mode, Shopping, box3

Oft genug habe ich mein Herz an Designerstücke verloren, die ich mir nie und nimmer hätte leisten können. Insgeheim wuchs in mir dann häufig der Wunsch nach günstigen Alternativen, die dem Original im besten Falle möglichst ähnlich sind, was – wenn wir ehrlich sind – meist doch eher einer Kopie gleichkommt. „Dupes“ nennen das die Youtuber, was natürlich ein bisschen schöner klingt als „Kopie“, letztlich aber eben doch nichts anders ist. Mittlerweile gibt es für jedes gehypte Designerstück die passende Kopie, ob es nun die Tasche von Jacquemus oder die Sonnenbrille von Celine ist, große Designer werden liebend gern kopiert und für einen Bruchteil des Originalpreises verkauft. Doch auch kleinere Labels rücken immer stärker in den Fokus, immerhin fällt hier doch gleich viel weniger schnell auf, dass das Design eigentlich nicht aus dem eigenen Hause stammt. So waren in der Vergangenheit nicht nur die „Nude“ Ohrringe von Knobbly Studio eine beliebte Vorlage für High Street Stores, auch die Kleider und ein Paar Schuhe von Loéil tauchten vorletzten Sommer ganz plötzlich bei Mango auf.

Klar, ein Blick auf die Preise der Originale lässt einen schon mal etwas schneller auf die Kopie schielen, ganz besonders dann, wenn es sich um einen schnelllebigen Trend handelt, für den man gar nicht erst sonderlich viel Geld ausgeben mag. Klingt irgendwie logisch, nachhaltig ist das aber keineswegs und überhaupt sollte man im besten Fall kein Geld für Dinge ausgeben, von denen man bereits im Vorhinein weiß, dass sie nicht lange geliebt werden. Und manchmal, da kann ein höherer Preis auch wunderbar vor Fehlkäufen schützen, weil man so entweder länger über einen Kauf nachdenkt oder das Geld gleich beisammenhält (was auch nie falsch ist). Zuletzt gilt es natürlich auch, die Designer*innen hinter den Kreationen zu würdigen, denn immerhin stecken in so einer Kollektion ordentlich harte Arbeit und mindestens ebenso viel kreative Leistung.

Für die bildliche Unterstützung habe ich euch je 13 Originale und Kopien aus den Online Shops zusammengesucht und hier auf einen Blick gesammelt – Spoiler: Accessoires, Schuhe und Taschen werden ganz besonders gerne nachgeahmt.

– Dieser Beitrag enthält Affiliate Links. Mehr Infos dazu findet ihr hier

Simon Miller „Bonsai“ Bag

Beuteltasche von Mango

Susan Alexandra „The Seltzer“ Bag

Perlentasche von Glamorous

Marysia „Broadway“ Bikini (Top hier, Unterteil hier)

Bikini mit Muschelsaum von Mango

Celine „Madame“ Boots

Free People „Victoria“ Boots

Perlenohrringe von Simone Rocha

Perlenohrringe von Mango

Westernboots von Ganni

Cowboy Boots von & Other Stories

Cult Gaia „Zaha Mini“ Tasche

Holztasche von New Look

Dior „Saddle“ Bag

Satteltasche von River Island

Rejina Pyo „Margot“ Schuhe

Lederschuhe von Mango

Paloma Wool „Leandra“ Hemd

Hemd von Topshop

George Keburia Sonnenbrille

Schmale Sonnenbrille von Asos

Nanushka „Zora“ Kleid

Midikleid von Mango

Staud „Moreau“ Bucket Bag

Glamorous Bucket Bag

21 Kommentare

  1. Rike

    Hm, der Artikel hinterlässt bei mir einen etwas faden Beigeschmack. Warum an der misslichen Lage – die nun mal unbestreitbar negative Auswirkungen für die „kleinen Kreativen“ und die Kreativlandschaft hat – mittels Affiliate-Shopping-Liste zur „bildlichen Unterstützung“ mit verdienen?
    Das Thema gäbe so viel her. Vielleicht könnte es zum Beispiel spannend(er) und interessant sein, Kreative aus Eurem Netzwerk zu Wort kommen zu lassen. So würde eine weitere Perspektive direkt Beteiligter Raum finden.

    Ich persönlich empfinde es als schade (an schlechten Tagen scheisse), dass uns an so vielen Stellen um uns herum suggeriert wird, wir Alle hätten Anspruch und Recht auf Alles.
    Auf das Designer-Shirt in Billig, auf den neuesten Trend und auf das xte Teil im Monat. Wir freuen uns über die Schnäppchen und blenden die damit verbundenen Auswirkungen auf Mensch, Umwelt und Kultur leider meist einfach völlig aus. Menschlich ist das. Wir sind ja schließlich groß in Sachen Selbstsabotage und Selbstbetrug.
    Aber das endbindet uns nicht von unserer Selbstverantwortung. Nicht uns Leserinnen&Leser, nicht Euch Journalisten&Journalistinnen.

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    1. Vanessa

      Ich habe mich „lustigerweise“ gestern zu diesem Thema in meiner Insta-Story zu Wort gemeldet, da eins unserer Labels kopiert wurde und das aus dem direkten Umfeld: @b_lage_hh

      Wir als lokaler inhabergeführter Laden haben uns mit unserem einzigartigen Sortiment einen Namen über die Stadtgrenzen hinaus gemacht und sind immer auf der Suche nach neuen, einzigartigen Produkten und Designs für unsere Kunden. Zeit, Arbeit, Energie, Herzblut und Kontakte, bringen mich dahin, wo ich heute als Einzelunternehmerin stehe, um mir gerade so meinen Lebensunterhalt zu verdienen. Ich verzichte auf Urlaub und Freizeit, um mein „Baby“ voranzubringen, mir ein Netzwerk aufzubauen und supporte wann und wo ich kann. An Tagen wie heute frage ich mich nur manchmal warum? Warum tue ich das? Ganz einfach: Weil ich glaube, dass wenn wir alle, die wir im selben Boot sitzen, evtl. zusammen etwas ändern können, auch wenn es nur kleine Schritte sind. Aber zusammen sind wir mehr, zusammen sind wir lauter und erreichen viel mehr Menschen als alleine.

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  2. Greta

    Für das Statement meiner Vorgängerin „Ich persönlich empfinde es als schade (an schlechten Tagen scheisse), dass uns an so vielen Stellen um uns herum suggeriert wird, wir Alle hätten Anspruch und Recht auf Alles.“ würde ich sie am liebsten drei mal hochleben lassen. Generell geht mir kaum etwas so sehr auf die Nerven, wie wenn jemand sich darüber beschwert, dass „Designermode ja sooo überteuert ist“ (mir ist klar, dass die Autorin genau diese Worte nicht in dem Mund genommen hat! Der Artikel ließ mich dennoch ungemein daran denken). Die guten Sachen sind nicht überteuert, man geht nur davon aus weil der Kopf an komplett Unterteurtes gewöhnt ist.
    Gutes Extrembeispiel: Ich habe im vergangenen Jahr ein Praktikum bei einem recht bekanntes Londoner Label gemacht und dort etliche Stunden damit verbracht, perfekte Quadrate aus feinstem Organza und Tüll auszuschneiden. Diese wurden wiederrrum per Hand an ein Kleid angenäht, komplett gefertigt im hauseigenen Atelier von Menschen, die zehntausende von Euros und unzählige Überstunden in ihre Ausbildung gesteckt haben.
    Irgendwo müssen diese das Geld zurück bekommen.
    In Entwicklungsländern sterben tagtäglich ArbeiterInnen, damit wir auf ein riesiges Sortiment an Labels zugreifen können, die mehr als bezahlbar sind. Reicht das nicht?!
    Qualität und Know How kosten Zeit und Geld und auch wenn es Luxuslabels gibt, die ihre Sachen sicherlich genauso beschissen produzieren lassen wie Fast Fashion Labels, überwiegt diese Gruppe jedoch trotzdem nicht. Wer sich keine Designermode leisten kann, hat immer noch genügend Möglichkeiten, trotzdem fabelhaft auszusehen- auch ohne Kopien am Handgelenk. Ich spreche da aus eigener Erfahrung und nicht vom hohen Ross herab, hier ein Verweis auf kleinere Labels oder Vintage Mode.
    Es beschwert sich doch auch niemand, dass die Einbauküche von Ikea weniger kostet als eine maßgefertigte Küche vom Schreiner?

    Liebe Janewaynes, auch bei mir hinterlässt die Kombination aus dem kritisch hinterfragenden Artikel und dann der Bildergalerie mit Duplikaten inclusive Link zum Shop große Fragezeichen Vielleicht wolltet ihr mit dieser Veröffentlichung eine Gruppe ansprechen, die einfach ein kleineres Budget hat oder vielleicht jünger ist? Lasst euch gesagt sein: Ich gehöre zu dieser Gruppe und denke, das könnt ihr besser!

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  3. Sarah Jane

    Ihr Lieben,
    ich verstehe den Ärger zu diesem Thema und ich bin eigentlich davon ausgegangen, dass ihr unseren Ärger auch in Julias Statement Lesen konntet:

    „besonders dann, wenn es sich um einen schnelllebigen Trend handelt, für den man gar nicht erst sonderlich viel Geld ausgeben mag. Klingt irgendwie logisch, nachhaltig ist das aber keineswegs und überhaupt sollte man im besten Fall kein Geld für Dinge ausgeben, von denen man bereits im Vorhinein weiß, dass sie nicht lange geliebt werden. Und manchmal, da kann ein höherer Preis auch wunderbar vor Fehlkäufen schützen, weil man so entweder länger über einen Kauf nachdenkt oder das Geld gleich beisammenhält (was auch nie falsch ist). Zuletzt gilt es natürlich auch, die Designer*innen hinter den Kreationen zu würdigen, denn immerhin stecken in so einer Kollektion ordentlich harte Arbeit und mindestens ebenso viel kreative Leistung.“

    Hier wird also keinesfalls gejubelt oder gesagt: „LOSLOS, kauftkauft, denn: Es sieht genauso aus und ist richtig billig.“ Oder steht das da irgendwo und ich habe es überlesen? Nein, im Gegenteil.

    Und ja, zur Veranschaulichung wurden Original und Fake miteinander verglichen. Und ja, wenn möglich, werden Affiliate Links verwendet (wie ausgezeichnet), denn nein, wir müssen uns natürlich auch irgendwie finanzieren. Ich weiß, das mögen manche von euch nicht glauben, aber Jane Wayne ist ein Unternehmen mit mittlerweile 5 festen Angestellten und 6 freien Redakteurinnen. Wenn wir die Produkte zur Veranschlaulichung nicht verlinkt hätten, hätte der Artikel ja nun auch wenig Sinn gemacht, um das absurde Kopierverhalten der Ketten aufzuzeigen, oder?

    Edit: Wir wollten mit diesem Artikel in erster Linie sichtbar machen, woher der Ursprung vieler Produkte aus dem Modeketten-Ketten-Sortiment stammt – denn ich bin mir sicher, dass viele von euch gar nicht wissen, wer für das Original eigentlich verantwortlich ist.

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    1. Alisha

      Hallo liebe Sarah. Einen konsumkritischen Artikel mit Links zu Billig-Fakes mit der Größe eures Teams und euren Ausgaben zu rechtfertigen, ist irgendwie absurd. Wenn ihr das nicht unterstützten wollte, dann tut es nicht?! Seid kreativ und euch fällt sicher eine Möglichkeit ein, siehe zB der Kommentar von Lisa W. Verstehe eure Logik nicht bezüglich dessen, wofür dieser Blog stehen möchte und was er tatsächlich ist, einerseits ständig für Billigdeko, – einrichtung, -kleidung zu werben um damit das Team zu finanzieren, welches dann wiederum schön konsumkritische Posts schreiben kann.

      Und „denn ich bin mir sicher, dass viele von euch gar nicht wissen, wer für das Original eigentlich verantwortlich ist“; das klingt ziemlich herablassend. Sarah, doch, wir wissen dass es sich bei der Mango-Tasche um eine Staud-Kopie handelt und auch sonst das meiste in der Highstreet Designerfälschungen sind, auch ohne für einen fashion blog zu schreiben, ob du es glaubst oder nicht. Ich glaube, dass ich deutlich bewusster konsumiere als du, wenn ich von deinem &other stories/H&m Studio/Edited – instagram Rückschlüsse ziehe.

      Und Cult Gaia ist ein schlechtes Beispiel für Originale und für eine Marke, bei der sich die Investition lohnt weil das Geld bei den richtigen landet: http://www.thefashionlaw.com/home/cult-gaia-did-not-invent-the-bamboo-bag-but-is-claiming-exclusive-rights-nonetheless

      Ich mag euren Blog, aber dieser Artikel und Kommentar sind ignorant.

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      1. Sarah Jane

        Liebe Alisha,
        ich hoffe, du weißt, dass der zitierte Kommentar von mir alles andere als herablassend war. Ich selbst kannte nämlich auch nicht alle Originale.
        Ich glaube, wir kommen hier auf keinen gemeinsamen Nenner. Denn scheinbar weißt du ja auch besser bescheid über mich und mein Konsumverhalten als ich selbst.

        Der Artikel wurde von mir gewünscht, weil ich das Thema nach langer Zeit mal wieder super spannend fand, was und wen die Ketten mittlerweile alles kopieren. Und ich war selbst unheimlich erstaunt über das Ergebnis. Es ist ein Vergleich mit Verlinkungen geworden, weil am Ende jede*r selbst entscheiden muss und darf, was er konsumiert.

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      2. Sina

        Ja, ich habe eine „Vintage“-Bamboo-Bag von meiner Mama, die ist 30 Jahre alt. Das Original sozusagen!

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  4. Yvonne

    Um Gretas Punkt aufzugreifen:
    Leider ist das oftmals ja nur die halbe Wahrheit. Viel zu oft werden Designerstücke künstlich verteuert, die zudem nicht unbedingt unter besseren Bedingungen hergestellt worden sind, als günstig verkaufte Fast Fashion.
    Teuer ist leider nicht automatisch gerechtfertigt.
    Eine Idee wird ggf unverhältnismäßig teurer entlohnt oder die billige Umsetzung teuer verkauft.
    Ein wichtiger Punkt, der hinzukommt, wie ich finde.

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  5. Lisa W.

    Ich frage mich schon länger, ob es keine Möglichkeit gibt, euch finanziell zu unterstützen, ohne dass man Dinge kaufen muss? Ich lese euren Blog sehr gern und wäre sicher nicht die einzige Person, die euch gern in eurer Arbeit unterstützen würde. Vielleicht könnt ihr eine solche Option mal in Erwägung ziehen. Andere Blogs haben so etwas ja auch..

    Antworten
    1. Sarah Jane

      Liebe Lisa, ach wirklich? Wer denn? Das würde mich wirklich wahnsinnig interessieren.

      Es ist ein schwieriges Modell, denn am Ende zählt leider kaum jemand, wie man immer wieder von den Verlagen erfährt.

      Aber ganz abgesehen: Kaufen muss hier absolut niemand. Es gibt nur die Option, verwechselt das bitte nicht.

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      1. Alisha

        https://www.patreon.com

        Läuft glaube ich ganz gut, wenn man was zu sagen und schon eine Plattform hat. Wieso bist du so überrascht, dass jemand für euren Inhalt zahlen würde? Ich zB würde für einen wöchentlichen Podcast von euch zahlen.

        Vielleicht nicht für ein Posting mit einer Liste an Links zu neuen Wohnzimmerlampen, aber da gibt es sicher auch die Leute, die genau das interessiert. Wenn du denkst dass das so abwegig ist, warum solche Artikel überhaupt veröffentlichen…

        Auch für Nikes Kolumnen würde ich sofort zahlen, und auch andere Artikel von euch finde ich super, weshalb ich euren Blog ja regelmäßig lese.

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        1. Sarah Jane

          Liebe Alisha,

          weil das Bezahlmodell nicht mal bei den Großen funktioniert. Es macht mich ja irre glücklich, dass du für manche Artikel zahlen würdest, aber das ist höchstwahrscheinlich die große Ausnahme (jedenfalls, wenn man es mit den großen Medienhäusern vergleicht) Nike ist bald wieder zurück. Dann gibt es auch ganz sicher wieder wundervolle Kolumnen und unseren Podcast.

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          1. Alisha

            Ich freue mich ehrlich schon richtig! Hab noch einen schönen Abend.

  6. Tanja

    Es tut immer wieder im Herzen weh zu sehen das Designer die sich sehr viel Mühe, Liebe und Gedanken mit ihren Produkten machen so einfach und schnell ihrerer Idee beraubt werden können. Mich frustriert auch auf Kundenebene, dass das Produkt dadurch in einem sehr kurzen Zeitrahmen so krass entwertet wird. Der ursprüngliche Designer hat oft eine lange Zeit gebraucht das Produkt zu entwickeln und auf den Markt zubringen und ich als Kunde wertchätze das sehr und zahle gerne einen höheren Preis. Diese Wertschätzung funktioniert aber nicht mehr richtig, wenn es das Teil überall zum haben Preis zu kaufen gibt. Fast Fashion ist auf vielen Ebenen so zerstörerisch.

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  7. Lisa

    Ich finde es erstaunlich, dass als Argument gegen die günstigen Kopien im Beitrag wie auch in einigen Kommentaren in erster Linie vorgebracht wird, sie würden Fast fashion mit all den damit verbundenen negativen Konsequenzen für Mensch und Natur in größerem Maße Vorschub leisten als die kostspieligere Mode bekannter und jüngerer Marken. Darauf, dass die Produktionsbedingungen auch bei teurer Mode nicht unbedingt fair und umweltschonend sind, wurde schon hingewiesen. Darüber hinaus ist es meiner Ansicht nach doch so: Hohe Preise hin oder her, auch Luxusmodehäuser sind in der Regel daran interessiert, uns Verbraucherinnen und Verbraucher zum Kauf ständig neuer Ware zu bewegen. Diesen hochpreisigen Konsum können sich natürlich weniger Menschen leisten bzw. manche können das allenfalls ab und zu; diese Leute konsumieren also weniger von der hochpreisigen Mode. Das Gefühl, sich in kurzen Abständen immer wieder mit neuen Kleidungsstücken eindecken zu müssen, um modisch zu sein, bedient die Luxusmode mit ihrem Marketing und ihrem Absatzkonzept dennoch genauso wie die High Street-Marken, die die Luxusmode kopieren. Nicht zuletzt profitieren Luxusmarken auch ganz konkret von den unerfüllten Sehnsüchten weniger kaufkräftiger Menschen nach ihrer Mode und dem damit verknüpften Image – nämlich durch den Absatz von Parfum, Kosmetik und Handtaschen. Bei kleinen und jungen Labels, gerade wenn sie ein nachhaltiges Konzept verfolgen, ist das natürlich anders.
    Interessanter finde ich daher das Argument, die Kopien brächten Designerinnen und Designer um die Würdigung ihrer harten Arbeit und ihrer kreativen Leistung – eine klassische moralische Argumentationslinie für den Schutz des geistigen Eigentums. Es ist bestimmt frustrierend, wenn man viel Zeit, Mühe und Herzblut in die Entwicklung seiner Produkte steckt und dann andere Geld damit verdienen, Kopien ebendieser Produkte zu vermarkten. Man sollte dennoch ein paar zusätzliche Punkte bedenken: nicht immer müssen Kopien den Absatz des Originals vermindern und damit einem Label gefährlich werden; für viele Leute stellt sich nicht die Frage, ob man nun das teure Original oder die billige Fälschung kauft, weil das Original völlig außerhalb der finanziellen Reichweite liegt. Dass Kopien produziert und gekauft werden und für mehr Menschen verfügbar werden, kann überdies durchaus auch als breite Anerkennung der kreativen Idee des Originals gewertet werden. Erlangen Designerinnen und Designer bzw. Labels auf diesem Wege Bekanntheit, kann sich das insgesamt womöglich sogar förderlich auf ihr Geschäft auswirken. Wenn aber schlicht behauptet wird, dass man nur durch eine hohe Zahlungsbereitschaft in angemessener Form ausdrücken kann, dass man ein Design wertschätzt, und dass billige Kopien diese Art der Wertschätzung beeinträchtigen, dann soll wohl das Designobjekt im Interesse der kaufkräftigen Kunden als soziales Distinktionsmerkmal geschützt werden.

    Antworten
    1. Rebecca

      Ich gehe mal fest davon aus, dass du noch nie versucht hast, als Kreative/Künstlerin/Designerin mit eigenen Ideen Geld zu verdienen. Denn dann würdest du wissen, dass es ein Unding ist, dafür nicht sinnvoll entlohnt zu werden („Ich kann dir für den Text nichts zahlen, aber hey, du kriegst ja ne Plattform, gut fürs Seklbstmarketing“ – würde man das zu einem Handwerker, Banker, Arzt sagen?) oder mitansehen zu müssen, wie jemand anders die Idee klaut und damit reich wird. Und nein, für mich und keinen anderen Kreativen ist es ein Kompliment, wenn eine andere Person oder Firma Ruhm und viel Geld mit meinen Ideen einheimst.

      Gute Ideen fallen nicht einfach vom Himmel. Gute Ideen brauchen Zeit sie zu entwickeln, Zeit das Handwerk zu erlernen (ja, das ist es auch), Zeit sie umzusetzen, bis sie wirklich auf dem Punkt sind.

      Es ist schon komisch, alle Welt schreit nach neuen Ideen, neuem Content, neuem Design – aber keiner ist mehr dafür bereit zu zahlen. Oder die Geduld aufzubringen, dass Qualität Zeit braucht. Zeit, die man nur hat, wenn man angemessen bezahlt wird.

      „…eine klassische moralische Argumentationslinie für den Schutz des geistigen Eigentums“ Warum ist Urheberschutz für dich so negativ?
      Geistiges Eigentum ist schützenswert, sehr sogar. Ein Patent für eine neue technische Errungenschaft ja schließlich auch, oder?

      Antworten
      1. Lisa

        Dass du Kopieren unter keinen Umständen als Anerkennung empfinden würdest, selbst im besonderen Fall, dass dadurch keine Einbußen in Form verlorener potentieller Kunden entstehen, weil die mangels Kopie das Original ohnehin nicht gekauft hätten (was natürlich nicht bei jeder Kopie der Fall ist!) – fair enough! Ich teile auch deine Einschätzung, dass geistige Arbeit wichtig ist, Anerkennung verdient und geistiges Eigentum – Patente, Urheberrechte und auch Design – schützenswert sind (der Verweis auf die moralische Begründung stellt das mit keinem Wort in Abrede), und dass Kreative angemessen entlohnt werden müssen. Aber ich denke auch, diese grundsätzlich Haltung ist nicht unvereinbar damit, kritisch über gängige Haltungen in diesem Zusammenhang zu diskutieren, die jeweils gegebenen Umstände zu berücksichtigen (etablierte Luxuslabels vs. unbekanntere, mittelpreisige Labels etc). Auch dann, wenn man am Ende der Diskussion doch den Schutz der originellen Idee befürwortet.

        Antworten
  8. Leni

    Ich bin ganz bei all meinen Vorgängerinnen, wenn es darun geht, dass man auch für Ideen und vor allem faire und nachhaltige Produktion mal tiefer in die Tasche greifen sollte. Ich bin aber auch eine derjenigen, die das nicht stetig durchhalten. Nein es muss nicht jedes Designerprodukt für alle sein und es muss auch nicht jeder haben. Der Vergleich von Nachhaltigkeit und den Kosten der Idee geht aber auch bei einer Tasche von Dior für sagenhafte 2600 Euro nicht auf. Das ist dann in der Tat einfach überteuert. Und ich denke da ist niemandem ein Vorwurf zu machen, wenn er sich manchmal und bedacht, verliebt in die Idee, einer günstigeren Version bedient.

    Antworten
  9. A.

    Ich habe auch ein kleines Label für dass ich seit 7 Jahren nonstop arbeite.
    Ab und zu gab es „das eine“ Design, dass mir Reichweite und viel Umsatz geschenkt hat.
    1 Jahr später wurde es von jedem kopiert und meine Umsätze sind eingebrochen, da es einfach nicht
    genug Menschen interessiert hat, wer das „Original“ ist oder kein Bewusstsein haben, was es für eine kleine Firma bedeutet nicht unterstützt zu werden. In den letzten Jahren haben mich Bekannte und sogar Geschäftspartner kopiert,
    da es einfacher ist, das gutlaufende Design selbst herstellen zu lassen und so noch mehr Umsatz zu generieren…

    Ab und zu lese ich diese süßen Zitate auf Instagram, dass es keine Konkurrenz gibt.
    Ich muss sagen, dass es einen faden Beigeschmack für mich hat.

    Mittlerweile habe ich weitere „Bestseller“ entwickelt, aber auch diese werden von großen Firmen kopiert und so ist die Zeitspanne damit Umsatz zumachen und seine Miete/Studio/Krankenkasse zahlen zu können, viel kleiner geworden.
    Ich weiss jetzt, dass ein gutes Design nach ca. einem Jahr von mindestens 5 Firmen kopiert wird
    und dass es viele nicht interessiert woher das Original stammt…
    Kleine Labels, die auf gute Qualität achten können sich einfach langfristig kaum halten.
    Ich kenne viele andere kleine Labels, die nach 3/4 Jahren wieder aufgehört haben, da sie mit dem Wahnsinn der großen Firmen und dem ständigen Designklau keine Lust mehr hatten.
    Man arbeitet Jahre lang und investiert jeden Euro und viel Zeit nur um dann kopiert zu werden… Ich persönlich bin durch diese Erkenntnis stärker geworden, allerdings habe ich keine Freude mehr am „teilen“ und bin sehr verschlossen geworden, da ich nie weiss welche Bekannte oder Freund der in einem ähnlichen Business arbeitet, mal wieder inspieriert aus meinem Studio herausgeht.

    Ich weiss nicht so wirklich warum ich das hier so ausführlich teile. Wahrscheinlich weil es einfach ist, unter dem anonymen Kommentaren kurz mal die bedrückende Wahrheit auszusprechen, die ich sonst kaum einen erzählen kann. Denn als Label möchte man nicht pro Quartal eine Instagram-Story-Krieg mit anderen Labels anzetteln und sich gegenseitig beschuldigen etc.

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