Wardrobe Insights Teil 1 //
Diese Taschenkäufe haben sich wirklich gelohnt

08.04.2019 Mode, Accessoire, box1

2017 war mein radikales Ausmistjahr, mein Kleiderschrank-technischer Neuanfang, der kurz vor meinem 30. Geburtstag irgendwie dringend nötig erschien und nach sieben Jahren in diesem Modegeschäft auch irgendwie nur Sinn machte. Wir schauen viel zu zurück, viel zu viel nach vorn, aber halten uns selten im Hier und Jetzt auf, um Bilanz zu ziehen und um wirklich zu verstehen, wo wir uns gerade befinden – und damit meine ich ganz sicher nicht nur unseren Kleiderschrank (schließlich gibt es weitaus wichtigere Dinge, Ausrufezeichen). Aber: Die eigene Kleidung ist für manche von uns, mich eingeschlossen, eben auch Ausdruck der inneren Stimmung und der eigenen Persönlichkeit – und genau die fand sich 2017 überhaupt gar nicht mehr ausreichend durch den Kleiderschrank repräsentiert. Ganz im Gegenteil. Der Blick in den Spiegel offenbarte mir Langeweile, Unentschlossenheit und stand weniger für Modelust und Leidenschaft als ich in meinem Herzen trug. Dabei liebte ich die vergnügte Herangehensweise und das Spiel mit den Regelbrüchen doch so, bloß fand ich mein eigenes Ventil beim besten Willen nicht und stellte mir jeden Morgen aufs Neue mein eigenes Bein.

Und so wurde ausgemistet, radikal. Keineswegs nach Marie-Kondo-Manier, sondern nach meinen eigenen Regeln: Was keine Emotionen weckt, keine Glücksgefühle verursacht und keine wieder aufzufrischenden Erinnerungen wachruft, muss gehen. Vor allem Basics zogen damals aus, aber auch längst überfällige Hüter, die ich sowieso niemals trug und Stücke, die einfach nicht zu mir passten. Das Ziel: Ich wollte einen Kleiderschrank, der ausschließlich aus Lieblingsstücken bestand – ich habe es geschafft. Seither will ich nur noch besonderes tragen, nur noch Kreationen, die mich wirklich glücklich machen. Und tatsächlich: Mein Kleiderschrank macht mich heute viel glücklicher als 2017, auch wenn ich berufsbedingt natürlich dennoch regelmäßig ausmisten muss, weil einfach zu viel nachkommt und ich regelmäßig für Klarheit sorgen will.

– Dieser Beitrag enthält Affiliate Links. Mehr Infos dazu findet ihr hier –

Der Beutel

Jahrelang schmachtete ich den Beutel von Louis Vuitton an, nachdem es mich im Münchener Showroom der Maison erwischte. Eine bunte Noé Bebe in Grün, Blau und Rot sorgte damals für sofortige Oilily-Erinnerungen und machte eines klar: Irgendwann mag ich dieses unkomplizierte, ungebrandete Modell mein Eigen nennen. Ein paar Jahre später wurde ich schließlich bei Vestiaire Collective fündig, machte einen fast schon unverschämt niedrigen Preisvorschlag und ergatterte ein Modell, das es in dieser Farbe neuwertig gar nicht mehr gab: In Sonnengelb mit lilafarbenem Innenfutter. Seither wird meine Noé fast ohne Unterbrechnung ausgeführt. Nur einmal trennten wir uns für wenige Wochen, weil ich den Boden bei Louis Vuitton direkt auswechseln ließ und in diesem Zug erfuhr, dass meine feine Kostbarkeit schon rund 35 Jahre auf dem Buckel hat. Seither lieb ich sie noch ein kleines bisschen mehr.

Aber kurzum: Eine bunte Bucket Bag ist immer eine wahnsinnig gute Idee, furchtbar praktisch im Alltag und geeignet fürs Büro und ein Begleiter, der dich in Sachen Platz nicht limitiert. Umgeworfen und Welt erobert. Es lohnt sich!

Einen dezenten Begleiter – oder auch: Die Business Bag

Lange Zeit hielt ich es für großen Schmarrn, sich eine vermeintlich seriöse Business-Tasche zu kaufen, viel zu beschäftigt war ich damit, vemeintlich jung und vogelfrei zu bleiben und mit meinem Jutebeutel Geschäfte abzuschließen. Hat in meinen 20ern auch gut funktioniert (und würde es vielleicht auch heute noch), irgendwann aber war da der Drang, so richtig ernst genommen zu werden und zu beweisen, dass mehr in mir steckt. Mag furchtbar oberflächlich klingen, aber so eine minimalistische Business Bag, die Platz für meinen Laptop und noch zig andere Dinge bereithält, nicht dreckig aussieht, noch angeranzt daher kommt, macht durchaus Sinn für mich. Und seitdem ich mein mit Initialien versehendes Modell von Mansur Gavriel ausführen darf, bin ich ohnehin im siebten Himmel. Lohnt sich! 

 

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Das verspielte Objekt aka The Fancy Bag

Und wieder war es Liebe auf den ersten Blick: Die Perlentasche von Shrimps, die durch ihre Perlenannordnung ein kleines Landhaus skizziert. Ich jauchzte beim ersten Entdecken, verwarf die Kaufidee aber sogleich, der Vernunft wegen, ihr wisst schon, um im Online Shop von Matches Fashion schließlich zuzuschlagen, nachdem ich euch noch fragte, ob ich es nun tun sollen oder eher nicht. Die meisten von euch waren zwar für einen Kauf, die Gegenstimmen dafür aber umso deutlicher. Ich tat es also trotzdem, weil ich Angst hatte, dass ich es irgendwann bereuen könnte, nicht zugeschlagen zu haben. Und jetzt ist sie da, sorgt bei jedem Ausführen für Gesprächsstoff, gefällt sogar meiner Tochter und schafft eines wie keine andere jemals zuvor: Sie zaubert mir jedes Mal ein wahres Lächeln ins Gesicht.

Um ehrlich zu sein, ist sie damit nicht allein: Auch meine blumenverzierte Prada-Tasche war von ein paar Jahren Liebe auf den ersten Blick und lässt auch heute noch mein Herz höher schlagen. Meine Staud-Tasche ist die perfekte Dinner-Tasche und die Perlentasche von & Other Stories passt einfach zu allem, allem, allem. 

Die perfekte Tasche für den Sommer: Straw Bags

Wer hätte gedacht, dass sich Stroh- und Rattantaschen, die erst vor rund zwei Jahren ihr großes Comeback einläuteten, zu einer nachhaltigen Investition mausern würden? Was nach einer anfänglichen Eintagsfliege klang, ist auch im dritten Sommer in Folge nicht mehr wegzudenken und so werde auch ich mit meinem runden Riesenmodell aus dem Hause & Other Stories 2019 durch einen weiteren Sommer flanieren und würde das Sortiment am allerliebsten noch durch einen kleinen Loewe-Hasen aus Stroh erweitern. Aber keine Sorge: Noch bin ich nicht übergeschnappt, um für ein Raffia-Modell solch ein hohes Sümmchen hinzublättern. 

Um eines vorweg zu nehmen: Dieser Artikel soll auf keinen Fall in die Richtung „Mein Haus, mein Auto, mein Garten“ abzielen, sondern vielmehr eine kleine Taschen-Anleitung sein, die mich am Ende des Tages glücklich gemacht hat. Er versteht sich als eine Antwort auf zahlreiche Nachrichten von euch, die mich seit meiner Ausmist-Aktion erreicht haben.

Im zweiten Teil folgen übrigens Kleidungsstücke, die ich nie und nimmer mehr hergeben will. Mehr dazu ganz bald.

4 Kommentare

  1. Aglaja

    Interessanter Artikel! Spannend wäre auch die Gegenseite – welche Taschen haben sich nicht gelohnt? Hattest du nicht auch eine Chanel-WOC? Warum hat es die nicht auf die Liste geschafft?

    Antworten
    1. Sarah Jane Artikelautor

      Total, ich verstehe, was du meinst. Aber zum einen wollte ich hier nicht noch mehr in Richtung „Guckt mal was ich mir schon alles gekauft habe“ abdriften, zum anderen möchte ich so manch einer/einem von euch den lang ersparten Taschentraum nicht kaputt machen – nur weil der Kauf bei mir offensichtlich nicht so nachhaltig war.
      Ich besitze die Chanel WOC natürlich immer noch, und liebe sie auch. Nichtsdestotrotz macht sie mich nicht glücklicher, als zum Beispiel die obige Perlentasche von & Other Stories. Das liegt wohlmöglich an der Größe: Ich kriege hier einfach rein gar nichts rein. Meine Céline Trio (bis auf die Trotteur) war absoluter Humbug: Das Leder ist viel zu weich für meinen rauen Umgang mit ihr. Für mich sind Céline-Taschen also eher etwas für die Vitrine, aber keine, die ich benutzen kann und die dadurch auch schöner werden. Aber das beurteilt jede*r Träger*in natürlich anders. Ich wollte in diesem Artikel vor allem die großartigen Funde seit meiner Ausmistaktion in den Vordergrund stellen und euch zeigen, welche Modelle mich wirklich von Herzen glücklich stimmen.

      Meine rote Chloé ist wohl die einzige Tasche, die ich gegenwärtig nicht mehr trage: Sie wurde eins auf Instagram hoch und runter gefeiert und ich hatte nur noch Cupcake und Macaron-Assoziationen. Aber ich bin mir sicher, dass ihre Zeit wieder kommt.

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      1. Aglaja

        Hallo Sarah, vielen Dank für deine Antwort! Ich fand deine Ausführungen, auch zu den anderen Taschen, die nicht so gut zu dir gepasst haben, äußerst spannend! Ich stimme vollkommen mit dir überein, dass die Freude, die einem eine Tasche machen kann, oftmals wenig mit ihrem Preis zu tun hat. Auch wie verschiedene Erfahrungen unterschiedliche Menschen mit einer Tasche machen können; ich z.B. liebe meine Cline-Trios (ich habe sie in rot und schwarz, die letztere in einer leicht irren Aktion ergattert, aber die beiden sind ohne Frage die Taschen, die ich am häufigsten nütze). Die Chanel WOC in rot habe ich mir Anfang 2016 auch „gegönnt“ (eine andere Erklärung findet man wohl nicht, so eine Tasche mit absolut giga-preisschild zu kaufen, hehe) und wie meinen Augapfel gehütet. Und tatsächlich hat mir diese Tasche die wichtigste Lektion erteilt: Nachdem sie drei Jahre wie der heilige Gral gehütet worden war, beschloss meine Katze in einem Anfall von gelangweilten Überdruss, dass sie eine wunderbare Spielkameradin/Beute sein würde und hat sie 1) runtergeschmissen, 2) ihre Krallen in das weiche Lammleder gesetzt und 3) gescheid zerkratzt. Ich war so geschockt als ich das Ergebnis gesehen habe, dass ich nicht mal weinen konnte. Bei Chanel konnten (ich hatte das Gefühl: wollten) sie mir nicht helfen und schließlich hat ein netter Mann in einer Lederwerkstatt sie mir einigermaßen repariert, aber man sieht ihr nach wie vor an, dass sie was hinter sich hat. Schließlich habe ich das ganze akzeptiert und mir geschworen, dass (bis auf Schmuck) mir Modesachen nicht mehr so wichtig sein dürfen.

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        1. Katja

          Oh je, duArme. Was für ein Alptraum. Katzen und Taschen sind keine gute Kombination. Habe ich leider auch schon erlebt…

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