Maison Cléo, Labucq & Co: Warum es so wichtig ist, dass kleine Labels jetzt über ihre Preise sprechen

12.06.2019 Mode, box3

„Macht es Sinn, ein Kleid zum gleichen Preis eines Mittagessens zu kaufen?“, fragte Marie Dewet, Gründerin und Inhaberin von Maison Cléo einst und richtete sich mit dieser rhetorischen Frage nicht nur an ihre Follower, sondern auch an diverse Fast Fashion Shops. Am vergangenen Montag galt ihre kritische Instagram-Story jedoch primär Nasty Gal, dem einstigen Label von Sophia Amoruso. Aufhänger war eine Kopie der Maison Cléo Julie Bluse, die im Nasty Gal Online Shop angeboten wurde. In den Vordergrund der Debatte stellte Marie hier jedoch weniger die Problematik des Kopierens, sondern vielmehr den niedrigen Preis des Produkts selbst. So kritisierte sie Nasty Gal dafür, die besagte Bluse für lediglich 14 Pfund (umgerechnet etwa 15,70 Euro) anzubieten und sich somit nicht etwa für die Mode, sondern schlicht und ergreifend für den Umsatz zu interessieren. Getragen werde diese Problematik vor allem durch die Kultur des „sofortigen haben müssens“, die in der Modebranche seit jeher weit verbreitet ist und von Marken wie Nasty Gal, aber auch durch Influencer*Innen, die günstige Mode bewerben, statt ihre Reichweite für faire Brands zu nutzen, gestützt werde, wie die junge Designerin in ihren Stories weiter kritisierte.

 
 
 
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Um offenzulegen, dass die niedrigen Preise der Modeketten nicht ohne Konsequenzen für Angestellte, Umwelt und Qualität bleiben, legt Marie Dewet die Produktionskosten ihrer Kleidungsstücke bereits seit mehreren Monaten offen und erklärt anhand einzelner Schritte, wie die Preise für die Designs zustande kommen. Hierzu zählen beispielsweise die Materialkosten, die Abgaben an Paypal und der Zeitaufwand, sodass – laut Kalkulation – bei einer Bluse, die für 230 Euro verkauft wird, letztlich 60 Euro für Marie und ihre Mutter übrig bleiben. Doch nicht nur Maison Cléo spricht so offen über die Preisbildung, auch haben sich mittlerweile diverse kleinere Labels angeschlossen. So veröffentlichte das Schuh- und Accessoirelabel Labucq anfang Mai ein Bild, das die einzelnen Faktoren der Produktionskosten darstellt – Gründe für die Offenlegung waren, laut Gründerin Lauren Bucquet, die vermehrten Kommentare einzelner Personen, die sich über die Preise, die zwischen 275 Dollar und 495 Dollar liegen, wunderten und sie noch dazu für ungerechtfertigt hielten.

Die Nachfragen jener Personen dürften wohl auch daran liegen, dass man sich in Zeiten von Fast Fashion nur allzu schnell an die niedrige Preiskultur gewöhnt hat und häufig keinen Einblick in die Produktionsabläufe und damit zusammenhängenden Kosten erhält.

via Maison Cléo Instagram Stories

Dass sich insbesondere kleinere Labels, anders als große Designerbrands, für die höheren Preise rechtfertigen müssen, kritisierte Alia Meagan, Gründerin von Courtyard LA, und bemerkte, dass es zwar viele Menschen gebe, die sagen, sie würden kleinere Unternehmen unterstützen, sobald sie jedoch merkten, dass sie nicht wie Amazon funktionieren, einen ganz anderen Ton anschlagen würden. Ganz sicher gibt es ein gutes Gefühl, sich auf die Fahne zu schreiben, junge, faire Labels zu unterstützen, schlägt sich dies jedoch nicht auch auf das Konsumverhalten aus, kauft man also dennoch ausschließlich bei Fast Fashion Stores ein, ist die vermeintliche Unterstützung für kleinere Marken oftmals nutzlos.

 

 
 
 
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Umso wichtiger ist das Miteinander zwischen Konsument*Innen und Brands, das durch ein Verständnis aufseiten der Käufer*Innen und die Offenlegung der Kostenbildung seitens der Labels – wie es etwa Maison Cléo und Labuqet vorgemacht haben – unterstützt werden kann. Auch wenn die genannten Marken nicht die Ersten sind, die ihre Ausgaben und Einnahmen aufgedeckt haben (auf dem deutschen Markt setzt sich etwa das nachhaltige Label Hund Hund für eine Kostentransparenz ein), ist es dennoch eine Art kleine Bewegung, eine Zusammenschließung, um gemeinsam vielleicht doch etwas anstoßen zu können. Vor allem in Zeiten von Instagram, in denen es kleine Marken schaffen, sich eine Stimme zu verschaffen, sich eine Fangemeinde aufzubauen und tatsächlich Menschen zu erreichen, gibt es doch noch die Chance, sich gegen die Riesen der schnelllebigen Mode zu stämmen und die Botschaft an diejenigen zu verbreiten, die letztlich auch dabei helfen können, etwas zu ändern: uns Konsument*Innen.

 

Bild in der Collage via Labucq

3 Kommentare

  1. Ana

    Ich beschäftige mich ja schon lange damit, wie man gegen Fast Fashion und die damit einhergehende Entwertung von Arbeit, Ressourcen und Mode vorgehen kann… dieser Cost Breakdown ist dennoch so hilfreich und augenöffnend. Die Gewöhnung an die niedrigen Preise ist sicher einer der Gründe, weshalb der Versuch des Durchschnittskonsumenten, bei Fairen Labels zu bestellen, schon beim kurzen Blick auf den Preis in Empörung endet. Auf der anderen Seite ist es schwierig, dazu zu überreden viel mehr Budget für Mode zu schaffen, bzw. das komplette Konsumverhalten zu ändern – deshalb finde ich Second Hand Shopping für den Anfang so schön. Nach dem Lesen Deines Artikels nerven mich vor allem aber die Fast Fashion Labels, die ihre billig, unethisch und unnachhaltig produzierte Kleidung für noch viel höhere Summen anbieten als die fairen kleines Labels… die kriegen nämlich von diesem Shit Storm nichts ab. Dabei könnten deren Kunden vom Budget her auch in fair produzierte Kleidung investieren. Es ist ein komisches Chaos – aber wir machen Fortschritte! 🙂

    LG Ana // http://www.disasterdiary.de

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