#NotMyArielle – Wie die kleine Meerjungfrau rassistische Machtstrukturen offenlegt

11.07.2019 Film, Gesellschaft

Live-Action-Remakes alter Kino-Klassiker sind Disneys neues Ding und vor allem für Sprösslinge der 80er und 90er Jahre eine Reise zurück in die goldenen Zeiten von VHS Kassetten und ersten Kindheitsheld*innen. Momentan läuft etwa Aladdin in den Kinos, The Jungle Book erschien 2016 und Der König der Löwen kommt auch zurück. Nichtig, würde man meinen – nicht jeder Erwachsene ist schließlich bis heute dem Zeichentrick-Hype von damals verfallen. Darum geht es aber auch gar nicht immer. Um Euphorie und Vorfreude, meine ich. Meckern hingegen, scheint niemals aus der Mode zu kommen – was in diesem ganz besonderen Fall nicht nur schade, sondern auch extrem bedenklich is. Nostalgie hin oder her.

Vergangene Woche wurde nämlich endlich die Hauprollenbesetzung für „My Little Mermaid“ bekannt gegeben, die Neuverfilmung von „Arielle, die kleine Meerjungfrau“ (1989), die voraussichtlich 2020 in Produktion gehen wird: Halle Bailey ist 19, RnB Sängerin aus den Vereinigten Staaten und für viele im Hollywood Kosmos noch kein Begriff. In den vergangenen Tagen stand Twitter dennoch in Flammen: Eine Schwarze Arielle? Das geht ja wohl zu weit. 

 
 
 
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Die Debatte über Rollenbesetzungen und Jobs in der Filmindustrie ist immer auch eine Debatte über Inklusion, Repräsentation und Identifikation. Nach einer zu Beginn des Jahres veröffentlichten Untersuchung von Kira Schacht, sind Kinoleinwände noch immer weit entfernt davon, eine repräsentative gesellschaftliche Wirklichkeit abzubilden. Weiße Menschen gelten sowohl vor als auch hinter der Kamera unangefochten als Strippenzieher*Innen. Und auch laut der Zahlen des Diversity Reports bewegt sich die Filmbranche nur ganz langsam in Richtung einer ausgeglicheneren, gerechteren Repräsentation. Eine Schwarze Frau, die Arielle spielt, ist also ohnehin schon etwas „besonderes“, etwas, worüber die Menschen auch deshalb reden, weil die Disney-Adaption des Märchenklassikers von Hans-Christian Andersen uns vor allem die Geschichte einer weiße Nixe mit rotem Haar ins Gedächtnis gebrannt hat. Während die geplante Besetzung durch Halle Bailey für viele Menschen ein Gewinn auf ganzer Linie ist, gerade weil das öde Klischee von ewig weißen Meerjungfrauen endlich durch Vielfalt ersetzt wird,

gibt es erschreckend viele Stimmen da draußen, die sich über die Entscheidung für eine Woman of Colour in der Arielle-Hauptrolle geradezu echauffieren, ja sogar zum Boykott des Films aufrufen.  Nur am Rande: Wie war das denn eigentlich damals, als die wundervolle Brandy 1997 in der Rolle der „Cinderella“ glänzte? 

Diese #NotMyAriel-Leute sind jedenfalls richtig sauer. Etwa darüber, wie weit „diese nervige Political Corretness“ inzwischen geht. Unrealistisch sei das doch. Eine schwarze Meerjungfrau! Geht doch gar nicht, wie soll man schließlich „braun werden“, da unten im Meer? Wir sehen hier also ganz deutlich, was es tatsächlich bedeutet, wenn eine junge Schwarze Schauspielerin eine Figur spielt, die im kulturellen Gedächtnis als weiß abgespeichert ist: Da verfallen sie reihenweise in rassistische Denkstrukturen – und merken es teilweise noch nicht einmal. 

„Unrealistisch ist das natürlich, aber weniger der Hautfarbe wegen. Hätten diese Leute nicht spätestens beim Disneyfilm von 1989 skeptisch werden müssen, was die realistische Komponente betrifft? Als die Krabbe Sebastian, Hofmusikant von König Triton, sang: „Die Kröt spielt die Flöt, die Larv zupft die Harf, die Brass schlägt den Bass, klingt der Sound nicht scharf?“ War das nicht auch schon nicht ganz richtig, irgendwie?“

Magarete Stokowski – Spiegel

Man könnte ja eigentlich meinen, wir hätten so eine Debatte über die Hautfarbe einer Jungschauspielerin nicht mehr nötig. Aber Repräsentation wird unweigerlich noch lange Thema bleiben und zwar eines, das sogar die Besetzung von Disney-Klassikern zu einem wichtigen macht. Wegen der Reaktionen, die als Spiegel funktionieren, ja. Aber auch oder besser: vor allem, wegen derer, die unter der fehlenden Repräsentation leiden. 

Denn: Welche Disney-Prinzessin, welche Kindheitsheldin, welcher Kinostar war es, der oder die es uns in jungen Jahren besonders angetan hat? Mit wem haben wir uns identifiziert Wer wollten wir sein? Rollenspieler im Kindesalter sind wichtig. Und auch als erwachsener Mensch können Vorbilder eine große, gute Wirkung haben. Das führt uns erneut zur spärlich vorhandenen gesellschaftlichen Sichtbarkeit von BIPOC (Black, Indigenous & People of Color). Es ist ein Gefühl des „nicht-Dazugehörens“, das Gefühl, gar nicht gemeint oder adressiert zu sein, welches von ganz allein eintritt, wann immer die Held*innen der beliebtesten Kinder- und Jugendgeschichten visuell überhaupt nichts mit dem eigenen Aussehen zu tun haben – ich erinnere mich noch gut daran.

Der Mangel an Repräsentation ist für Schwarze Menschen und POC ebenso schädlich wie die falsche Form von Repräsentation. Stereotypen in Filmen und TV-Shows haben die allgemeine Haltung gegenüber bestimmten Minderheiten nachhaltig verzerrt und geschädigt. Die Angry Black Woman etwa haben wir an dieser Stelle bereits besprochen und auch „die Schwarze beste Freundin der Hauptrolle“ oder die Bezeichnung “Quotenschwarzer“, ist vielen ein Begriff. Trotz eines wenig zufriedenstellenden Status Quos, ist die Kinolandschaft dabei, sich langsam aber sicher zu verändern: In den letzten zwei Jahren waren mehr als die Hälfte der großen Kassenschlager Filme mit ethisch diverseren Darsteller*innen oder BIPOC in Hauptrollenbesetzungen: „Get Out“, „Black Panther“, „Crazy Rich Asians“ oder „Hidden Figures“ sind nur einige Beispiele. Der Erfolg dieser Filme hat eindeutig gezeigt, dass es möglich ist, überaus erfolgreiche Filme zu produzieren, die nicht nur weiße, sondern unterschiedlichste Lebensrealitäten und eine bunte Gesellschaft abbilden.

Umso erstaunlicher ist es doch, dass es jetzt plötzlich (oder erstmals?) die weißen Rezipient*innen sind, die sich aufgrund der „falschen“ Darstellung eines Wassermenschen nicht-repräsentiert fühlen. Und: Sind das etwa die gleichen, die so gern von sich behaupten, einen Unterschied in der Wahrnehmung von Schwarzen und weißen Menschen gäbe es für sie nicht?

Die Debatte über eine „unrealistische“, Schwarze Meerjungfrau ist eine einzige Farce. Weil Menschen darauf beharren, dass eine Märchengestalt weiß zu sein hat. Weil es realistischer wäre, versteht sich. Komisch nur, dass es niemanden stört, dass die Rolle an jemanden mit zwei Beinen statt einer Flosse vergeben wurde. Nein, nicht die Jungschauspielerin ist das Problem. Sondern die Empörung. Die zumindest auch immer einen Zweck erfüllt: Sie sollte uns beispielsweise erneut daran erinnern, dass es dringend nötig ist, die Rolle von Race im Kontext einer komplexen Medienlandschaft zu hinterfragen. Auch auch im echten Leben: Wir sind noch meilenweit von einer Rassismus-befreiten Gesellschaft entfernt, die „keine Hautfarben mehr sieht“. 

Ein offizielles Statement von Disney zur traurigen Kontroverse gibt es nicht. Der US Sender „Freeform“, der allerdings zur Disney-Familie gehört, ließ sich das folgende Statement jedoch nicht nehmen:

13 Kommentare

  1. Franziska

    Arielle war schon immer mein liebster Disney-Film. Ich würde nicht so weit gehen mich total darüber aufzuregen, dass die Hauptdarstellerin von einer schwarzen Frau gespielt wird – ich bin ehrlich für eine größere Vielfalt auf der Kinoleinwand – aber ein wenig verwundern tut es mich schon.

    Genauso wie in der Realverfilmung „die Schöne und das Biest“ Emma Watson fast genauso gestylt wurde um wie Belle auszusehen, bzw. eben ausgesucht wurde, weil sie ihr sehr ähnlich sieht.
    Oder „The Jungle Book“ bei dem der Hauptdarsteller von einem dunkelhäutigen Jungen gespielt wurde – genauso wie es in dem Disney Zeichentrick war.
    Oder „Alladin“ dessen Hauptdarsteller dem Zeichentrickfilm auch sehr ähnlich sieht.
    Es geht meiner Meinung darum, dass sich die Leute erhofft haben, dass bei Arielle ähnlich umgegangen wird um es so nah am Zeichentrickfilm wie möglich zu machen.

    Und das Argument mit Sebastian und der Schwanzflosse – das ist natürlich ein Fantasy-Film. Natürlich wird das nicht von einer echten Krabbe gespielt.
    „König der Löwen“ wurde auch nicht von echten Löwen gespielt. Das ist doch kein Argument.

    Ich kann deine Sichtweise verstehen, aber ich halte es nicht sofort für Rassismus wenn sich die Leute erhoffen, dass dem Zeichentrickfilm so nahe wie möglich gekommen wird. So wie es bei allen anderen Realverfilmungen auch gemacht wurde.

    Und nun könnt ihr mich für meine Sichtweise gerne kritisieren. Los gehts!

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    1. Fabienne

      Hallo Franziska,
      Ich nehme an, dass du selbst weiß bist, ariel für dich als Kind vllt eine identifikatorische Rolle eingenommen hat. Let’s break it down: sich aktiv gegen die Angemessenheit der Hautfarbe einer Schauspielerin auszusprechen ist NATÜRLICH rassistisch weil es im umkehrschluss bedeuten würde, dass sie aufgrund ihrer Hautfarbe nicht gut geeignet ist für die Besetzung. Offensichtlich würde ihr dann ihre Berechtigung für diesen Job abgesprochen werden, schlichtweg weil sie nicht weiß ist. Noch einmal: Rassismus hat nichts mit dem „empfinden-als“ von weißen Menschen zu tun. Es liegt nicht in deinem Ermessen das zu bewerten. Natürlich ist das mit Sebastian ein Scherz Element. Am Ende geht es aber darum, dass wir genau in diesem Moment die Kurve kriegen müssen, damit Schwarze Menschen und BIPOC die gleichen Möglichkeiten, Bedingungen, Chancen haben wie weiße Menschen. Aktuelle ist das in keinem Lebensbereich der Fall. Jede von Rassismus betroffene Person weiß das, viele andere können sich das oft nicht so recht vorstellen – hier eben am Besipuel der Filmindustrie. Ich bin heilfroh dass Mulan von einer asiatisch markierten Frau gespielt wird. Ist ja nicht so als wäre es in der Vergangenheit nicht regelmäßig vorgekommen, dass genau solche Rollen weißgewaschen werden. Dein Kommentar macht mich wütend und den Eindruck, du hättest den Text nicht verstanden. Ich würde mich ganz doll freuen, wenn du dich der Thematik vielleicht noch einmal anzunähern versuchst.

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      1. Franziska

        Ich habe lange überlegt ob ich auf deinen Kommentar antworten soll, aber mir gehen meine Gedanken dazu nicht aus dem Kopf.
        Ich gebe dir total Recht, dass in der Filmindustrie die Rollen oft weißgewaschen werden und das ist super scheiße. Und mir ist auch völlig bewusst, dass People of Color weiterhin nicht die gleichen Chancen bekommen und ich als weiße Frau absolut privilegiert bin. Und das alles macht mich sehr wütend.

        Bei der Realverfilmung von Arielle wird jedoch eine aus den Zeichentrickfilmen vorgegebene Figur dargestellt. Und das hat überhaupt nichts damit zu tun, dass ich der Schauspielerin diese Rolle nicht zutrauen würde oder sie keine gute Schauspielerin wäre. Das ist sie ganz sicher.

        Aber um auf das Beispiel von Mulan zurück zu kommen, wurde die Schauspielerin unter anderem wegen ihres Äußeren ausgewählt (und natürlich weil sie ganz sicher eine tolle Schauspielerin ist). Genauso wie es bei The Jungle Book der Fall war, bei Aladdin oder bei die Schöne und das Biest. Diese Schauspieler sollten ganz bestimmte Figuren darstellen um den Zeichentrickfilmen so nah wie möglich zu kommen.
        Wir hätten uns doch alle genauso darüber aufgeregt wenn meinetwegen Reese Witherspoon auf die Rolle von Mulan angesetzt worden wäre (und wie ich mich darüber aufgeregt hätte!). Obwohl sie sicher diese Rolle auch sehr gut gespielt hätte.
        Wieso ist es also bei Arielle so etwas anderes?
        Es wäre scheiße eine asiatische Figur durch eine weiße Frau spielen zu lassen, aber anders herum ist es etwas anderes?

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  2. Franziska

    Mulan ist übrigens noch so ein Beispiel. Das wird jetzt auch verfilmt und auch da sieht die Hauptdarstellerin der Mulan aus dem Zeichentrickfilm sehr ähnlich.

    Wenn für Mulan eine blonde Frau mit blauen Augen (um es mal auf die Spitze zu treiben) gewählt worden wäre, wäre es super unpassend gewesen und da hätte ich mich auch sehr darüber aufgeregt.

    Aber sowie man sich das auch bei Arielle wünscht, ist man Rassist?!

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    1. Fabienne

      Nein natürlich ist man kein rassist. Das bedeutet allerdings nicht, dass man nicht Teil einer rassistischen Debatte ist und dabei eine rassistische Position einnimmt. Da wir in einer rassistisch sozialisierten Gesellschaft leben, kommt genau sowas oft vor – alle sind ganz aufgeregt, man hätte sie als Rassist bezeichnet, total extrem und übertrieben sei das. Rassismus ist in unserer Gesellschaft allgegenwärtig, ist die Basis auf der ganze Staaten begründet wurden, ist der Grund für etliche Gewalttaten aber eben auch total subtil und Teil von Machtstrukturen die gewisse Märkte oder Industrien bestimmen. Die Debatte ist klar rassistisch. Die sich positionierenden Personen aber nicht automatisch Rassisten.

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  3. Fabienne Sand Artikelautor

    Liebe Franziska,
    selbstverständlich ist es andersrum etwas anderes. Zu 100%. Es gibt keine umgekehrte marginalisierung von weißen Menschen / keinen umgekehrten Rassismus. In dem Moment in dem eine Schwarze Frau Arielle spielt, ist es ein Zeichen dafür, im Kontext visueller Darstellungsweisen über Hautfarben hinwegzusehen. Ihre Hautfarbe ist in sofern nicht relevant, als dass sie genau so gut Ariel spielen kann wie Emma Stone oder Lindsay Lohan es könnten. Es ist in sofern ein Schritt in die richtige Richtung, als dass das ewige „ich sehe keine Farben“ wahrhaftig wird und sie trotz der mangelnden Ähnlichkeit zum Zeichentrick Charakter die Rolle spielen kann. Wenn eine weiße Frau jedoch Mulan spielt, auch andere Rollen in dem in China spielenden Film fälschlicher Weise von weißen Menschen besetzt werden würden, ist das white washing und problematisch, weil ein weißes Hollywood erneut dafür sorgt, dass Geschichten mit entsprechendem Sujet, Location, Thema von weißen Menschen verkörpert werden. Bei der Comicverfilmung von Dr. Strange war das zB der Fall und geht in Richtung Yellow Facing. Es geht darum, marginalisierten ethnischen Gruppen Raum zu geben, indem man darüber hinwegsieht, dass da eine Zeichentrickprinzessin eigentlich weiß war. Es geht darum, sich einfach mal zurückzuhalten wenn einem als weiße Person etwas nicht passt. Stell dir mal vor du bist 19 und alle sagen dir, dass es irgendwie nicht so cool ist mit deinem neuen Job weil deine Hautfarbe nicht passt. Achja – so geht es Halle ja wahrscheinlich gerade.

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  4. Sara

    Liebe Fabienne, deine Argumentation ist schlüssig. Bis auf einen Punkt: du sagst, es gibt keinen umgekehrten Rassismus. Da muss ich widersprechen. In Asien können die Menschen sehr (!) rassistisch sein, wenn es um weiße Menschen geht. Man wird dort immer als „der Ausländer“ bezeichnet, so erlebt in China und Japan. Man wird nie dazu gehören, immer nur der Gast am Schaufenster sein. Dort würde niemand auch nur ansatzweise auf die Idee kommen, dass man als blonde große Frau Chinesin oder Japanerin sein könnte.
    Ich will damit nicht kleinreden, was du als POC für Rassismuserfahrungen machst. Aber zu sagen, dass es nur Rassismus in Bezug auf POC gibt, finde ich nicht richtig.

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  5. Tülay

    Irgendwie kommt mir diese ganze Diskussion verdächtig nach weit angelegter Marketingstrategie vor. Ich habe das unangenehme Gefühl, Disney besetzt derzeit so divers, weil es gerade total trendy ist. Es lässt derzeit ja wirklich gut Geld machen mit Politik, Mode, Musik und Film, die laut „DIVERS“, „FEMINIST“, „GAY“ oder eben „Black instead of white!“ schreien. Es wirkt zumindest auf mich alles so unglaubwürdig…

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  6. Svenja

    Hallo liebe Leute,

    ich mag diesen Blog unglaublich gerne & bin sehr froh, dass ihr euch sowohl mit den schönen oberflächlichen als auch mit den unschönen tiefgründigen Themen beschäftigt. Es gibt da allerdings eine Sache, die mir oft in Debatten zum Thema Rassismus auffällt – Fabienne, du nennst ein einem deiner Kommentare das Ziel, ,,dass das ewige ,,ich sehe keine Farben“ wahrhaftig wird.“ Diese Ansicht vertrete ich auch, doch wenn ich dann andere Sätze von dir lese – ,,Ich nehme an, dass du selbst weiß bist,“ oder ,,Es liegt nicht in deinem Ermessen das zu bewerten“ oder ,,Es geht darum, sich einfach mal zurückzuhalten wenn einem als weiße Person etwas nicht passt“ – vermittelst du mir das Gefühl, du siehst sehr wohl Farben & schreibst Menschen bestimmter Hautfarbe vor, wie sie sich zu verhalten haben. Ich würde mich freuen, wenn du mir erklären kannst, wie du diese Aussagen unter einen Hut bringst, ich verstehe es nämlich wirklich nicht!
    🙂

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    1. Jana Ahmed Mufasi

      Svenja und Franziska, mir geht es da total ähnlich wie euch. Finde leider die Debatte irre wenig konstruktiv, wer jetzt was bewerten darf und wer zu was eine Meinung haben darf.

      Ganz ehrlich, Fabienne – Menschen ALLER Hautfarben dürfen und sollten eine Meinung zu ALLEN Themen bilden dürfen und diese auch teilen können. Deine Argumentation haut in die genau die gleiche Kerbe, wie die der Leute die du kritisierst. Alle Nicht-BIPOC Menschen dieser Welt sind scheiße, und man kann die Besetzung der Arielle scheiße finden. Das Argument dafür darf natürlich niemals und unter keinen Umständen die Hautfarbe der Schauspielerin sein, aber ebenso sollte niemand und keiner die Besetzung NUR wegen der Hautfarbe gut finden. Thema positiver Rassismus, you know.

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  7. Diane

    Wow…ich weiß nicht wo ich anfangen soll…erstmal will ich (weiße Person) meine 100%ige Solidarität mit Fabienne ausdrücken, die in allen Punkten recht hat und noch dazu recht hat, sich jetzt der Diskussion zu entziehen, weil es nicht ihre Aufgabe ist, euch eure defensiven und wenig reflektierten Argumentationsmuster vorzuhalten, erst recht wenn ihr es einfach nicht verstehen wollt. Das ist verdammt anstrengend und wahrscheinlich verdammt schmerzhaft. Übrigens würde ich mir von den etwas wokeren weißen Personen inklusive andere tijw Autorinnen wünschen, dass sie hier mal das Wort ergreifen, damit Fabienne sich nicht alleine damit rumschlagen muss – warum passiert das nicht???
    Wie frau in der heutigen Zeit leben, wo dir die antirassistische Bildung AUF DEM SILBERTABLETT präsentiert, a.k.a. bei Instagram UMSONST und frei zugänglich geschenkt wird und trotzdem so ignorant sein kann, ist mir schleierhaft. Seit Jahrzehnten gibt es diesen Diskurs. Jeder Rassismus muss in einem historischen Kontext betrachtet werden und es gab an keiner Stelle der Geschichte eine systematische Unterdrückung von Weißen durch poc oder einen Kolonialisierung der Weißen durch poc. Selbst wenn du dich als Weiße mal irgendwo ausgegrenzt fühlst, ist das absolut nicht vergleichbar mit einem Vorfall, der im Kontext einer jahrhundertelangen rassistischen Tradition steht.
    Eure Kommentare ignorieren das Wissen und die Kritik, die im anti-rassistischen Diskurs bereits zillionenfach von poc geäußert wurde und wie gesagt, alles ist mittlerweile leicht zugänglich. Spontan fallen mir die insta accounts von Rachel cargle und Yasmine m‘barek ein. Aber es gibt noch etliche andere.
    Leute, falls ihr weiß seid, NATÜRLICH liegt es nicht in eurem Ermessen zu entscheiden ob etwas rassistisch ist oder nicht. Es trotzdem zu tun, nur weil ihr es könnt und weil ihr nicht einfach mal Kritik von poc schlucken könnt, Stichwort white fragility, ist eine ziemlich fiese Form von Gewalt und wird zu gar nichts führen außer Frustration. Eure Aufgabe ist es zuzuhören, zuzulassen, dass es auch mal wehtut das Selbstbild des weißen Gutmenschen, der „keine Farben sieht“ (wtf) aufzugeben, auch mal verstehen, dass Rassismus nicht immer nur die anderen sind, sondern auch in unseren Köpfen, in unserer Sprache, in unseren heißgeliebten Kinderbüchern, in unserer Familie, the list goes on and on….
    Fabienne, du tolle und beste Autorin von tijw, du bereicherst diesen blog so unendlich. Danke und es tut mir so leid was hier passiert, immer und immer wieder.

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  8. Frederike

    die kommentare unter dem artikel, außer der von diane, geben fabienne recht 😉 und sorry, aber als privilegierte weiße sich zu beschweren das man in china als der ausländer gilt, lässt einen schmunzeln. der unterschied zwischen arielle und mulan ist doch der, das man mulan nicht mit einer blonden blauäugigen weißen frau ersetzen kann und arielle schon. finde ich ehrlich gesagt prima! wo steht denn geschrieben das meerjungfrauen wieder einem bestimmten ideal entsprechen müssen? diese ganze diskussion zeigt das viele von uns einfach nur oberflächlich offen gegenüber dieser thematik stehen. sobald es wieder auf einer gewissen art und weise einen selbst betrifft, ist man nicht mehr soo tolerant 🙂 ich hab arielke früher als kind sehr gerne geschaut und wollte selbst eine meerjungfrau sein. dennoch hat es mich jetzt nicht erschüttert das sie schauspielerin nach dem.original gecastet wurde. wo genau soll ich da jetzt enttäuscht sein???

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    1. Sara

      Liebe Frederike,
      ich beschwere mich nicht, dass ich in China als blonde Frau „die Außenseiterin“ bin, ich stelle lediglich fest. Ich stelle fest, dass es dort Rassismus gegen Weiße gibt. Damit rede ich nicht klein, dass ich dennoch priviligiert bin.

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